Unvergessen
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Der Liechtensteiner Markus Foser, Mitte, gewinnt mit der hohen Startnummer 66 das Abfahrtsrennen von Val Gardena, vor dem zweitplatzierten Oesterreicher Werner Franz, links, und dem fuer Luxemburg startenden Vorarlberger Marc Girardelli, rechts, aufgenommen am 17. Dezember 1993. (KEYSTONE/AP-Photo/Claudio Papi) ===  ===

Podest in Gröden 1993: Markus Foser (Startnummer 66) siegt vor Werner Franz (52) und Marc Girardelli. Bild: AP

Verrückteste Abfahrt aller Zeiten: Markus Foser macht sich mit der Nummer 66 unsterblich

17. Dezember 1993: Weil die Saslong in Val Gardena immer schneller wird, holt der Liechtensteiner Markus Foser mit Startnummer 66 seinen ersten und einzigen Weltcupsieg. Es ist bis heute der Sieg mit der höchsten Startnummer im Ski-Weltcup.

17.12.17, 00:05 17.12.17, 15:24


Die Abfahrt von Val Gardena gehört neben Wengen und Kitzbühel zu den grossen Höhepunkten der Ski-Saison. Auf der legendären, 3446 Meter langen Saslong-Piste sind bei der Mauer, den Kamelbuckeln, in der Ciaslat-Wiese und im steilen Zielhang technische Fähigkeiten gefragt.

Wer gewinnen will, muss aber auch ein guter Gleiter sein. 80 Prozent der Strecke sind nicht wahnsinnig anspruchsvoll. Marc Girardelli beschrieb die Saslong einst so: «Wenn sie vereist ist, kannst du dir die Knochen brechen. Doch wenn Schnee drauf liegt, schläft man unterwegs ein.»

Die Saslong mit dem allgegenwärtigen Langkofel (Sasso Lungo). bild: wikipedia

Immer wieder sorgen auch legendäre Umstürze für Spektakel. Schuld daran ist der 3181 Meter hohe Dolomiten-Gipfel Langkofel. Das Felsmassiv überragt die Rennstrecke und steht den Athleten die meiste Zeit vor der Sonne. Zur Startzeit ist jeweils der oberste Teil im Licht, dann wandert die Sonne hinter dem Langkofel durch und scheint auf die Ciaslat-Wiese mit ihren schwierigen Kurven und den vielen Bodenwellen.

Eine gute Sicht in dieser Schlüsselpassage ist ein nicht unerheblicher Vorteil. Weil aber mit der Erwärmung des Schnees auch eine Thermik einsetzt, sind es oft aufkommende Winde, die das Rennen zur Lotterie machen. Wie 1993 bei der ersten von zwei Abfahrten auf der Saslong.

Favorit Ortlieb gibt schon Siegerinterviews

Patrick Ortlieb, der 1992 die Olympia-Abfahrt von Albertville, aber noch kein Weltcup-Rennen gewonnen hat, ist der haushohe Favorit. Der 26-jährige Österreicher hat die Trainings nach Belieben dominiert und ist auch im Rennen schnell. Mit Startnummer 13 stellt er eine klare neue Bestzeit auf.

Die Fahrten von Girardelli, Franz und Foser. Video: YouTube/Alexx87

Siegessicher – damals werden den besten Abfahrern noch die ersten 15 Startnummern zugeteilt – gibt Ortlieb im Zielraum bereits die ersten Interviews, als der fünffache Gesamtweltcupsieger Marc Girardelli noch einmal dem Herbst seiner Karriere trotzt und mit Startnummer 30 eine neue Bestzeit aufstellt. 

Das Erstaunen im Ziel ist gross, doch das ist es noch lange nicht gewesen. Die Schweizer Ski-Legende Marie-Theres «Maite» Nadig, damals Trainerin der Liechtensteiner, ahnt es da bereits. «Ich gratuliere dir mal. Aber Marc wird nicht gewinnen», sagt die Doppel-Olympiasiegerin von 1972 zu Girardellis Vater und Trainer am Streckenrand.

«Als die Stars mit den frühen Startnummern unterwegs waren, sass ich noch im Hotel und schaute mir das Rennen im Fernseher an. Keinen Moment dachte ich ans Siegen.»

Markus Foser

Nadig behält recht. Die Strecke wird wegen der wechselnden Sonneneinstrahlung und den kürzeren Startintervallen vor allem im oberen Teil immer schneller. Zunächst toppt der Österreicher Werner Franz mit der Nummer 52 Girardellis Bestzeit, wenig später fährt Nadigs Schützling Markus Foser das Rennen seines Lebens. Mit Startnummer 66 setzt er sich an die Spitze und feiert schliesslich völlig überraschend seinen ersten Weltcupsieg.

Foser fährt mit der schnellsten Zeit über die Ziellinie. bild: Youtube

Fosers bestes Weltcup-Ergebnis ist bis dahin der 24. Rang. «Als die Stars mit den frühen Startnummern unterwegs waren, sass ich noch im Hotel und schaute mir das Rennen im Fernseher an. Keinen Moment dachte ich ans Gewinnen», berichtet er siegestrunken im Ziel. «Erst als ich dann mit meiner Nummer 66 im Startgelände auftauchte und hörte, dass die Piste schneller geworden war, begann ich mir so meine Gedanken zu machen.»

Der Gröden-Triumph als einsamer Karriere-Höhepunkt

Mit einer fehlerfreien Fahrt verdient sich Foser den Sieg, er ist der Schnellste der Begünstigten. Auch die Fahrer mit den Startnummern 49, 56, 58, 64 und 65 fahren in die Top 15. Der Liechtensteiner weiss, bei wem er sich neben dem Wetterumschwung bedanken muss. «Maite Nadig hat mich nicht nur technisch, sondern auch menschlich weitergebracht. Ihr verdanke ich diesen Sieg», sagt der strahlende Sieger, während sich die restlichen Skicracks im Hotel ihre Wunden lecken.

Markus Foser fährt nach seinem grossen Coup nie mehr auf ein Weltcup-Podest. bild: Keystone

Dass er keine Eintagsfliege ist, bestätigt Foser am Tag nach seinem grössten Triumph. Bei regulären Verhältnissen fährt der 26-Jährige in der zweiten Abfahrt auf der Saslong auf Rang 12. Dennoch: Ein weiterer Weltcupsieg ist Foser nicht vergönnt. Auch aufs Podest fährt er in seiner Karriere nie mehr. 1995 schrammt er als Vierter nochmals knapp daran vorbei.

Nach nur 40 Weltcuprennen beendet der Liechtensteiner nach der Saison 1996/97 seine Karriere. Sein Sieg in Gröden ist noch immer derjenige mit der höchsten Startnummer im Ski-Weltcup und sein Name das Schreckgespenst für all diejenigen, die im Zielraum der Saslong allzu früh ihr Siegerlächeln aufsetzen.

Unvergessen

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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