Unvergessen

24.06.1998: Ein MMA-Fight mit 196 Kilo Gewichtsunterschied – und einem unerwarteten Ende

24. Juni 1998: Die MMA war früher bekannt für «Freakshow Fights». Dabei standen sich meist zwei körperlich sehr unterschiedlich gebaute Kämpfer gegenüber. So wie der Japaner Daiju Takase (76kg) und der Amerikaner Emmanuel Yarborough (272kg).

24.06.15, 00:01 24.06.15, 12:42

Wir stellen vor in der linken Ecke: Emmanuel Yarborough. Amerikaner, 34-jährig, 2,03 Meter gross und 272 Kilogramm schwer.

Sein Gegner in der rechten Ecke: Daiju Takase. Japaner, 20-jährig, 1,83 Meter klein und 76 Kilogramm leicht.

Kurz: Der Gewichtsunterschied der beiden beträgt 196 Kilogramm. Das Nippon Budokan in Tokio kocht, als dieser Fight angekündigt wird. Man mag zu dieser Zeit bei der MMA die «Freakshow Fights». Der 1997 erstmals durchgeführte Event «Pride» liefert den Fans in der Nippon Budokan Arena Tokios bei der dritten Austragung ein Highlight. Als vierter Kampf des Abends kommt es zum ungleichen Duell zwischen Yarborough und Takase.

Eine Szene aus dem ungleichen Kampf. bild: mma museum

Die Favoritenrolle ist klar verteilt. Wie soll der kleine Takase nur Yarborough besiegen? Der Riese aus den USA trägt zwar den Spitznamen «Tiny» (winzig), aber das ist logischerweise nur ironisch gemeint. Eigentlich war Yarborough ein ziemlich erfolgreicher Amateur-Sumo-Kämpfer. Er gilt als bekanntester Athlet seiner Sportart ausserhalb Japans und ist im Guinessbuch der Rekorde mit seiner Masse als grösster lebender Athlet vermerkt. Schon mit 14 Jahren wog er 160 Kilogramm und versuchte sich im Football und Judo. Bei Letzterem wurde das Ungetüm 1989 US-Meister, im Sumo sicherte er sich 1995 den Amateur-WM-Titel.

Die Kommentaren rätseln vor dem Kampf, wie Takase den Sieg erreichen könnte. Sie sind sich einig: Der Flying Triangle könnte es sein. Ein Move, bei welchem Takase Yarborough an den Hals springt und versucht, ihm mit den Beinen den Kopf einzuklemmen, während er drauf losprügelt. Was sicher nicht geht: In die Beine des Riesen springen und ihn versuchen zu Fall zu bringen. 

Der Kampf verläuft wie erwartet: Takase tänzelt herum, rennt teilweise von Yarborough davon und versucht sich nicht erwischen zu lassen. Teilweise teilt er einige Schläge aus, doch die prallen am Riesen ab, als ob nichts wäre.

gif: Youtube/mahzinho costa

Yarborough dagegen bleibt praktisch nur in der Ringmitte stehen, dreht sich im Kreis und wartet auf seine Chance. Selten trifft er den wieselflinken Japaner.

gif: Youtube/mazinho costa

Der Kampf droht langweilig zu werden, als sich Takase in der zweiten Runde ein Herz fasst: Er springt Yarborough ans rechte Bein und versucht den Giganten zu Fall zu bringen – ein hoffnungsloses Unterfangen, wie schon von den Kommentatoren angekündigt. Sie schreien jetzt hysterisch: «Oh nein, was macht er!» und fühlen sich an einen Horrorfilm erinnert:

gif: Youtube/mazinho costa

Jetzt kann Yarborough seine 272 Kilogramm endlich einsetzen. Wie ein Walross setzt er sich auf den bemitleidenswerten Japaner. Dieser bringt immerhin noch seinen Oberkörper frei, bleibt aber mit den Beinen unter dem Gewicht des Gegners begraben:

gif: Youtube/mazinho costa

Da nützen auch die Punches gegen den Kopf, den Oberkörper oder das Bein wenig:

gif: Youtube/mazinho costa

Befreien kann sich Takase vorerst nicht, doch immerhin schlägt er seinen Gegner blutig. Dann – Yarborough passt kurz nicht auf – entwischt Takase seinem übermächtigen Gegner. Während dieser noch auf dem Bauch liegt – und hilflos wirkt wie eine Schildkröte auf dem Panzer – drischt Takase auf den Amerikaner ein. Nach kurzer Zeit hat Yarborough genug und gibt auf:

gif: Youtube/mazinho costa

Die Freude beim Japaner ist natürlich riesig. Für Yarborough dagegen bedeutet die Niederlage auch das Ende seiner MMA-Ambitionen. Mit zwei Niederlagen in drei Kämpfen beendet er seine Karriere wieder. Takase wird den Durchbruch auch nie ganz schaffen. In 24 Kämpfen verliert er neunmal. Aber 2003 fügt er Anderson Silva am «Pride 26» eine der ganz seltenen Niederlagen zu.

Die Highlights des Fights im Video:

YouTube/mazinho costa

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 

Die schrägsten Sportarten der Welt

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • elmono 24.06.2015 21:36
    Highlight Richtiger fieser Fettsack :D
    8 2 Melden

06.01.1996: Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

6. Januar: 1996: Marc Rosset und Martina Hingis sorgen in der Schweiz schon zum Jahresanfang für Begeisterung. Die beiden stürmen ins Endspiel des Hopman-Cups und haben mit vier Matchbällen eine Hand schon an der Trophäe – dann tickt Rosset aus.

«Auf diese Art kann man nur gewinnen, wenn man gegen Marc spielt», witzelte Goran Ivanisevic. Er hatte gut lachen. Kurz zuvor holte er sich mit Partnerin Iva Majoli den Hopman Cup. Oder besser: Marc Rosset schenkte dem kroatischen Duo den Titel und beendete eine Schweizer Traumwoche brutal.

Zuvor hatten Rosset und Hingis in der Schweiz für Begeisterung gesorgt. Beim Hopman Cup – einem Mixedturnier mit je einem Damen- und Herreneinzel sowie einem abschliessenden Doppel – spazierten die beiden …

Artikel lesen