Unvergessen
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Der erste Torschütze der WM-Geschichte: Lucien Laurent. Screenshot: Youtube/InitiativClaudeGohin

Später Ruhm

13.07.1930: Ein französisches «Phantom» erzielt das erste WM-Tor überhaupt

13. Juli 1930: Es herrscht leichtes Schneetreiben, als Lucien Laurent mit dem ersten WM-Tor Fussballgeschichte schreibt. Den Ruhm dafür erntet er aber erst 60 Jahre später.

13.07.14, 00:01 13.07.14, 09:41

Lucien Laurent (geb. 10. Dezember 1907) ist ein Phantom. In den Nachschlagewerken über berühmte Spieler sucht man seinen Namen vergebens. Und bei den Aufzählungen unvergesslicher oder historischer Tore wurde der Franzose mehr als ein halbes Jahrhundert lang vergessen. Dabei hat er als Schütze des allerersten WM-Tores Fussball-Weltgeschichte geschrieben.

Erst in den letzten Jahren seines Lebens erinnern sich findige Chronisten an die Glanztat des scheuen, bescheidenen Helden. Im Vorfeld der WM 1990 in Italien besuchen Journalisten der berühmten italienischen Sportzeitung «Gazzetta dello Sport» Lucien Laurent in seiner Dreizimmer- Wohnung in Besançon und entreissen ihn noch zu Lebzeiten den Vergessen. Andere Publikationen ziehen nach und verhelfen dem gelernten Automechaniker zu spätem Ruhm. Er stirbt 2005 im hohen Alter von 98 Jahren.

«Et but? Et but!»: Lucien Laurent erzählt, wie ihm das erste WM-Tor der Geschichte gelungen ist. Video: Youtube/InitiativClaudeGohin

Lucien Laurent erzielte dieses erste WM-Tor am 13. Juli 1930 in Montevideo im Eröffnungsspiel Frankreich gegen Mexiko. Diese erste WM ist bis heute die einzige, bei der alle Spiele in der gleichen Stadt (in drei Stadien) ausgetragen wurden – erst 2022 wird es in Katar wieder so sein. Wie er dieses Tor erzielt hat, weiss niemand mehr. Historiker können uns zwar erklären, wie vor mehr als 2000 Jahren die Pyramiden gebaut worden sind. Aber wie ein Tor vor noch nicht einmal hundert Jahren entstanden ist – darüber tappen wir im Dunkeln.

Für alle, die dem Spanischen mächtig sind: Eine weitere Würdigung des ersten WM-Torschützen.  Video: Youtube/Canal Sur Web

Fest steht nur: Es herrschten geradezu nordeuropäische Bedingungen. Nieselregen und kühle Winde und Schneefall hatten in der Nacht zuvor das Terrain aufgeweicht und während des Spiels herrschte leichtes Schneetreiben. Diese Bedingungen im südamerikanischen Winter behagten den robusten Franzosen besser als den Mexikanern.

«Damals hat niemand dem ersten Tor bei einer Weltmeisterschaft eine Bedeutung für die Ewigkeit beigemessen»

Lucien Laurent



Es war am 13. Juli, die Uhren zeigten 15.19 Uhr und es lief die 19. Minute. Im Stadion befanden sich lediglich 500 bis 1000 Zuschauer. Und zweifelsfrei hat Lucien Laurent diesen Treffer zum 1:0 gegen Mexiko im ersten WM-Spiel der Geschichte erzielt (Schlussresultat 4:1). Wahrscheinlich durch Direktabnahme.

Schauplatz des ersten WM-Tores: Das Estadio Centenario in Montevideo mit knapp 100'000 Plätzen – beim ersten WM-Spiel blieben praktisch alle leer. Screenshot: Youtube/InitiativClaudeGohin

Aber eben: Wie fiel dieser Treffer? Tatsächlich nach einer Direktabnahme? Kein Objektiv einer TV-Kamera und keine Linse eines Fotoapparates hat den historischen Moment eingefangen. Und als sich die Chronisten in den 1990er Jahren für dieses erste WM-Tor zu interessieren begannen, da fanden sie keinen Zeitzeugen mehr – ausser Lucien Laurent.

Ein Tor – verschiedene Erzählversionen

Im Garten seiner Erinnerungen war aber wohl schon die Dämmerung hereingebrochen. Er hat verschiedene Versionen erzählt und bei der letzten sprach er bereits in der dritten Person. Eine Erklärung für die unsichere Quellenlage und die verblassende Erinnerung hat er im Alter von 97 Jahren in seinem letzten Interview geliefert. «Damals hat niemand dem ersten Tor bei einer Weltmeisterschaft eine Bedeutung für die Ewigkeit beigemessen.» Er starb am 11. April 2005 und liegt in Vesoul nahe der Schweizer Grenze begraben.

Frankreich hat diese erste WM 1930 auf dem 9. Schlussrang beendet. Den ersten WM-Titel holte Uruguay durch einen Finalsieg gegen Argentinien (4:2).

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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