Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
French players, left, stand close to their New Zealand counterparts who perform their pre-match Haka before the Rugby World Cup quarterfinal match between France and New Zealand at the Millennium Stadium in Cardiff, Wales, Saturday Oct. 6, 2007. (AP Photo/Ross Land, Pool)

Betont unbewegt schauen die Franzosen dem neuseeländischen Haka zu. Bild: AP POOL GETTY

Dem Gegner Paroli geboten

Unvergessen

06.10.2007: Der «Haka» der «All Blacks» verfehlt seine Wirkung komplett, weil die Franzosen die richtige Antwort bereit haben

6. Oktober 2007: Als die «All Blacks» im Viertelfinal der Rugby-WM ihren Kriegstanz aufführen wollen, passiert Unfassbares. Die Franzosen bieten dem Gegner die Stirn und bringen den Favoriten so total aus dem Konzept.

Rugby ist in Neuseeland der inoffizielle Nationalsport. Nichts bewegt die Einwohner am anderen Ende der Welt so sehr wie die Auftritte ihrer «All Blacks». Für viele ist das Spiel mit dem ovalen Ei eine Art Ersatz-Religion. Ausdruck von Stärke und Männlichkeit. Sie finden, es repräsentiert ihr wildes Archipel am treffendsten.

Untrennbar mit neuseeländischem Rugby verbunden ist der «Haka», ein ritueller Tanz der Ureinwohner (Maori), der jeweils vor den Partien zur Einschüchterung des Gegners aufgeführt wird. 2007 im Viertelfinal der WM gegen Frankreich geht das allerdings gründlich in die Hose. 

epa02932076 New Zealand perform the haka prior to the  Pool A match against France  played at Eden Park Stadium, Auckland, New Zealand, 24 September 2011.  EPA/KIM LUDBROOK

«Haka», der Einschüchterungstanz der Neuseeländer. Bild: EPA

Das singen die «All Blacks» beim «Ka Mate»

Schlagt die Hände auf die Schenkel!
Drückt die Brust nach vorne!
Beugt die Knie!
Und die Hüften!
Stampft mit den Füßen, so fest ihr könnt!

Das ist Tod, das ist Tod!
Das ist Leben, das ist Leben!
Das ist Tod, das ist Tod!
Das ist Leben, das ist Leben!

Dies ist der haarige Mann …
…der die Sonne brachte und sie scheinen liess!
Ein Schritt nach vorne, und noch einer!
Ein Schritt nach vorne, und noch einer!
Die Sonne scheint!

Wie so oft gelten die «All Blacks», die damals noch immer auf ihren zweiten WM-Titel seit 1987 warten, als grosser Turnierfavorit. Spielend überstehen die Kiwis dann auch die Vorrunde: 76:14 gegen Italien, 108:13 gegen Portugal, 40:0 gegen Schottland und 85:8 gegen Rumänien.

French players face down their New Zealand counterparts who perform their pre-match Haka before the Rugby World Cup quarterfinal match between France and New Zealand at the Millennium Stadium in Cardiff, Wales, Saturday Oct. 6, 2007. (AP Photo/Tom Hevezi)

Wer verbreitet hier mehr Angst? Bild: AP

Im Viertelfinal wartet dann ausgerechnet Frankreich. Gegen «Les Bleus» haben die «All Blacks» schon so manch denkwürdige Partie bestritten. Meistens endeten sie blutig. Wie 1986, als der Hodensack von Wayne Shelford nach einem hart geführten Zweikampf mit 18 Stichen genäht werden musste.

Kein Wunder also brodelt es im mit 71'669 Zuschauern restlos ausverkauften Millenium Stadium von Cardiff bereits vor dem Anpfiff gewaltig. Unglaublich, die Stimmung bei der «Marseillaise», dann formieren sich die für einmal in grau gekleideten Neuseeländer zum «Haka». Und was machen die Franzosen?

abspielen

Die Franzosen bieten den «All Blacks» vor dem Spiel die Stirn. video: youtube/zerozoneice

Sie denken nicht daran, sich den «Kriegstanz» aus sicherer Distanz anzuschauen. Selbstbewusst treten der bärtige Superstar Sébastien Chabal und seine Teamkollegen an die Mittellinie. Wie versteinert und mit starrem Blick bieten sie den tanzenden «All Blacks» Paroli. 

«All Blacks» geben Spiel aus der Hand

Zunächst scheint der mutige Vorstoss nichts genützt zu haben, Neuseeland liegt zur Pause 13:3 in Führung. Nach der Pause: Die Verwandlung. Die Franzosen ändern die Taktik, wagen Attacken, statt Bälle nur wegzutreten, überraschen die Neuseeländer, gleichen aus.

Als Neuseelands Superstar Dan Carter, der weltbeste Spieler überhaupt, vom Platz humpelt, nimmt sein Gesicht in Grossaufnahme in böser Vorahnung all die Enttäuschung des gescheiterten Favoriten vorweg – immer Favorit, immer gescheitert.

New Zealand's Rodney So'oialo, center, walks away as French players celebrate after winning the Rugby World Cup quarterfinal match between France and New Zealand at the Millennium Stadium in Cardiff, Wales, Saturday Oct. 6, 2007. (AP Photo/Tom Hevezi)

Die Franzosen jubeln, Neuseelands Rodney So'oiaolo kann es nicht fassen. Bild: AP

Die «All Blacks» verlieren trotz 75 Prozent Ballbesitz komplett den Faden. Den neuerlichen 18:13-Vorsprung vergeben sie, als sie den eingewechselten Frédéric Michalak – nach ihm ist in Frankreich der Hamburger einer Fastfood-Kette benannt – durchbrechen lassen. Doch den Franzosen unterläuft dabei ein Regelverstoss. Ein Pass nach vorn, der Schiedsrichter übersieht es: 20:18. Die Franzosen retten den Vorsprung mit letztem Einsatz ins Ziel.

Die Trotzreaktion auf den «Haka» hat den Franzosen also doch etwas gebracht. «Dieses Team hat sich geweigert zu sterben», sagt Trainer Bernard Laporte euphorisch, während die Neuseeländer mit gesenkten Köpfen vom Feld marschieren. Sie wissen, was auf sie wartet. Nach dem frühesten WM-Aus aller Zeiten wird der Empfang in der Heimat nicht so ausfallen, wie sie sich das vorgestellt hatten. 

Vier Jahre später der zweite Titel

Die «All Blacks» schwören Rache und sie kriegen sie. Bei der nächsten WM vier Jahre später im eigenen Land holen die Kiwis endlich ihren zweiten WM-Titel. In der Gruppenphase bodigen sie die Franzosen 37:17, doch es sollte nicht das einzige Duell an dieser WM gewesen sein. Im Final heisst es wieder: Neuseeland gegen Frankreich.

abspielen

Der «Haka» der «All Blacks» vor dem WM-Final 2011. video: Youtube/supatankfan

Und diesmal lassen sich die «All Blacks» nicht übertölpeln. Zwar marschieren die Franzosen beim «Haka» wieder zur Mittellinie, doch dank dem knappsten WM-Final-Sieg aller Zeiten (8:7) darf am Ende Neuseelands Captain Richie McCaw den Webb Ellis Cup in die Höhe stemmen.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.



Das könnte dich auch interessieren:

5 Antworten zu den geheimen Tapes zu Salvinis Parteispenden-Deal mit dem Kreml

Link zum Artikel

Warum wir aufhören müssen, uns selbst auszubeuten

Link zum Artikel

Wenn Kantonswappen ehrlich wären – die komplette Edition

Link zum Artikel

5 Dinge, die verzweifelte Singles tun – und unbedingt lassen sollten

Link zum Artikel

Hast du in Zürich einen Verrückten ins Wasser springen sehen? Wir wissen nun, wer es war

Link zum Artikel

9 absolut clevere Wege, wie Rechtsradikalen und Neonazis schon die Stirn geboten wurde

Link zum Artikel

Dieser Fotograf zeigt Hochzeiten – so wie sie wirklich sind

Link zum Artikel

Trump, Clinton, der Sex-Milliardär – und die Verschwörungstheoretiker

Link zum Artikel

Warum dieser NZZ-Artikel für einen Shitstorm sorgte – und er von Maassen retweetet wurde

Link zum Artikel

BBC-Moderator berichtet über Patrouille-Suisse-Fail – und lacht sich schlapp 😂

Link zum Artikel

Stell dir vor, die App einer Sportliga fordert per Push plötzlich 6000 Dollar von dir ...

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

Themen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

George Hincapie bricht auf dem Kopfsteinpflaster urplötzlich der Lenker weg

9. April 2006: Auf den Frühlings-Klassiker Paris-Roubaix freut sich George Hincapie das ganze Jahr. 2006 will er ihn gewinnen, der Amerikaner gilt als einer der Favoriten. Doch dann bricht sein Lenker.

Die Radsportexperten des niederländischen Senders NOS sind schockiert: Ein erschrecktes «Hoooo!» entfährt beiden, als der US-amerikanische Radprofi George Hincapie über den Lenker fliegt und zu Boden geht.

Es ist der 9. April 2006, als Hincapie durch den Sturz seine Hoffnungen auf einen Sieg bei der «Königin der Klassiker», dem Tagesrennen Paris-Roubaix, begraben muss und seiner an Unfällen reichen Karriere einen weiteren Crash hinzufügt. Sein Gabelschaft ist der Tortur auf dem …

Artikel lesen
Link zum Artikel