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Was haben wir denn da für einen schönen Teekessel?
Bild: youtube

Adeles Mantel kaufen? Kein Problem: Blingby will das neue YouTube werden – und macht Videos zum Sofort-Supermarkt

Blingby will das neue YouTube werden. Als App und als Webseite. Bereits in 135 Ländern, auch in der Schweiz.



Habt ihr euch auch schon gedacht: Wo zum Teufel krieg ich bloss Adeles ultraretro Teekessel her? Oder: Pharells Hut tut mir sicher gut! Dann könnt ihr jetzt auf Blingby (wie «Buy den Bling!») «Hello» oder «Happy» laufen lassen, und parallel dazu wird alles Wichtige gezeigt, was im Video so vorkommt: Mode, Schmuck, Telefoniebedarf, ein bisschen Einrichtungskram. Noch während des Zuschauens könnt ihr bestellen.

Im Fall von Adeles «Hello» ist das eine übersichtliche Anzahl von Dingen. Schliesslich geht es neben Sonnenbrille, Mantel, Telefonkabine, alten Telefonen und Teekessel vorwiegend um einen Wald, und einen Wald zu kaufen, dürfte doch etwas schwierig sein. Aber in Pharells «Happy» werden innerhalb von vier Minuten 69 Produkte beworben. Das dürfte, an konventionellen Werbeclips gemessen, ein noch nie erreichter Rekord sein. Und beim letzten Bond-Trailer wird es – ebenso wie bei Rihannas «Diamonds» – exklusiv und hochpreisig.

Blingby

Es ist Adeles Teekessel! Und da können wir ihn auch schon kaufen! Zusammen mit einer Reise nach Quebec oder London.
Bild: Screenshot Blingby

Es gehe nicht ums Shoppen, sondern um die «Experience», sagt Blingby-Gründerin Marcia Favale, eine ehemalige Investment-Bankerin. Heute handelt sie nicht mit abstraktem Geld, sondern mit dem Verlangen nach einer identifikatorischen Erfahrung. Die nicht nur im reinen Erwerb von Gadgets bestehen soll, sondern eben auch im prozesshaften Erfahren der Welten, die man da gesehen hat.

Blingby soll eine Style-Demokratie und eine Shopping-Revolution einläuten. Und offensives Product Placement abschaffen. Aha.

Denn Blingby sagt auch gleich, wo die Videos und wenigen Filmtrailer gedreht wurden, verlinkt zu Ferienangeboten, zur Buchung von Flügen, Hotels, Spass mit Pferden oder Surfbrettern. Und – interessiert das die Generation iPhone wirklich? – immer auch noch irgendwie in Richtung Stripclubs und Escort Services. Okay, wer das Bond-Gefühl erleben will, braucht sowas sicher.

«Spectre»: James Bond (Daniel Craig).

James Bond ist ein alter Anzug- und Auto-Fetischist.
Bild: Disney

Das wirklich Gute an Blingby ist, dass die präsentierten Videos nicht von Blingby, sondern von dessen Usern vorgeschlagen wurden. Dass diese sich also nicht nach den grossen Charts richten müssen, sondern ab und an mit einem gemeinsamen Entscheidungs-Effort auch unbekannte Bands mit aussergewöhnlichen Videos auf Blingby hieven können. Blingby muss sich dann um das Vertaggen der Produkte kümmern. In den meisten Fällen ist dies allerdings kein Problem, jeder Stylist und Video-Regisseur hat seinen Instagram-Account, auf dem sich genug kommerzielle Hinweise finden.

Blingby ist die Gleichzeitigkeit von Sehen, Begehren und Erwerben.

Und was bringt das Ganze nun? Favale sieht Blingby als philantropisches Unternehmen: Sie will das «aufdringliche» Product-Placement in Videos, Filmen und längerfristig sogar in Serien reduzieren. Das undelikate «in your face» von Marken wie Cola, Heineken, Nestlé, Auto- und Uhrenmarken. Denn was über Blingby ganz direkt an die interessierten Kunden gelangen könne, brauche nicht mehr die grosse Masse zu belästigen. Favale spricht von einer Style-Demokratie und einer Shopping-Revolution.

Blingby

Beides gibts hier zu erwerben – das Auto leider nur als kleines Modell. Dafür sind Mexico City und London umso grössere Städte für die Experience.
Bild: Screenshot Blingby

Das ist schön gesagt. Und natürlich gelogen. Blingby geht es um das schnelle Geld durch Impulssteuerung. Um die Gleichzeitigkeit von Sehen, Begehren, Erwerben. Erfahrung hingegen hat mit Zeit zu tun, Style auch. Denn Style muss sich entwickeln, muss individuell justiert werden, auf der Strasse, in den Clubs, in den Communities.

Aber vielleicht ist auch dies ein alter Gedanke. Wahrscheinlich richten sich Modetrends heute nicht mehr nach dem Halbjahreszyklus von Paris, Mailand und New York. Wahrscheinlich entstehen sie heute innerhalb von Stunden mit der Geschwindigkeit von Twitter-Trends.

Dann ist Blingby, das im Sommer 2015 in Amerika startete und seit Mitte Januar 2016 in 135 Ländern als Webseite und App präsent ist, exakt das, was wir brauchen. Denn Blingby will das neue YouTube werden. Das all unsere Sehnsüchte gleichzeitig befriedigt.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Der Blitzer 17.02.2016 10:29
    Highlight Highlight Denkt Ihr die erreichen etwas mit Blingby?
    • JKF 17.02.2016 11:01
      Highlight Highlight Wenns läuft, dann werden sie wie ratson richtig sagt wohl bald gefressen.
      Aber finde dies eigentlich noch eine witzige Idee und vorallem erübrigt sich das Suchen, trotzdem würde ich es wohl kaum nutzen. Bin aber auch nicht die Zielgruppe.
    • Human 17.02.2016 11:47
      Highlight Highlight Find die Idee auch irgendwie cool obwohl ich mir noch nie Gedanken darüber gemacht habe wo ich den Teekessel von Adele oder den Hut von Pharell kaufen kann... aber trotzdem irgendwie cool

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In Zusammenarbeit mit: Jelena Gučanin, Nana Karlstetter, Mahret Kupka, Julia Pühringer, Theresia Reinhold, Hedwig Richter, Nicole Schöndorfer, Margarete Stokowski und Brigitte Theissl.

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