WM 2014
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WM-Feeling in Manaus. Bild: Reuters

Schweizer Nati im brasilianischen Regenwald

Dschungel-«Hölle» mit Opernhaus – was Sie über den Spielort Manaus wissen müssen

Viel wurde im Vorfeld des letzten Gruppenspiels der Schweizer Nationalmannschaft über Manaus geredet, die Stadt mit dem mörderischen Klima. Wir zeigen die Fakten zum umstrittensten Spielort der Fussball-WM.

25.06.14, 15:30 25.06.14, 16:24

In der Arena da Amazônia in Manaus findet heute das kapitale letzte WM-Gruppenspiel der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft gegen Honduras statt. Der Austragungsort hatte bereits nach der Auslosung für viel Gesprächsstoff gesorgt. Nationalcoach Ottmar Hitzfeld übte harsche Kritik an der FIFA: «Ich finde das unverantwortlich, dass man an einem solchen Ort mitten im Dschungel im Amazonasgebiet Fussball spielen muss.»

Wie schlimm ist Manaus wirklich? Die Lage im Amazonasregenwald ist nur einer von zahlreichen Faktoren, die die Stadt zur speziellsten Spielstätte der Fussball-WM 2014 in Brasilien machen. Wir stellen die wichtigsten vor:

Reichtum dank Gummi

Manaus zur Zeit des Kautschuk-Booms. Erstes Tram in Brasilien.

Manaus wurde 1669 von den Portugiesen gegründet. Lange war es ein unbedeutendes Dorf, bis der Amerikaner Charles Goodyear 1839 die Vulkanisation von Kautschuk entdeckte und den Gummi erfand. Die Nachfrage nach Kautschuk explodierte. Weil der Baum, aus dem der zähflüssige Stoff gewonnen wird, nur im Amazonasgebiet existierte, wurde Manaus zum Zentrum des Exports. Die Stadt erlebte einen sagenhaften Boom, sie baute unter anderem das erste Tram Brasiliens (Bild). Die Kehrseite war die Versklavung Tausender Ureinwohner. Als der Kautschukbaum nach 1910 in Asien angepflanzt wurde, zerfielen die Preise. Manaus versank im Dornröschenschlaf.

Millionenstadt durch Freihandel

epa04141862 Picture taken on 10 December 2013 shows an aerial view of Manaus, Brazil. Manaus is one of the host cities of the FIFA World Cup 2014 and will stage four matches in the tournament's group phase. The 20th FIFA World Cup will take place in Brazil from 12 June to 13 July 2014.  EPA/GERNOT HENSEL *** Local Caption *** 51139535

Bild: EPA

Um der Wirtschaft von Manaus auf die Beine zu helfen, wurde 1967 eine Freihandelszone (Zona Franca) geschaffen. Zahlreiche Unternehmen liessen sich in der Stadt nieder, darunter internationale Multis wie Honda und Samsung. Mit dem neuen Boom wuchs die Einwohnerzahl stark an, heute leben rund zwei Millionen Menschen in der Dschungel-Metropole. Manaus ist eine der reichsten Städte Brasiliens.

Oper im Urwald

A general view of the city of Manaus, capital of Amazon state, with the Amazon Theater in the center, in Brazil, is seen Friday, April 1, 2005. When Brazil picked this city in the Amazon as the site for a sprawling tax-free industrial zone, the decision made political sense: Companies like Nokia, Siemens, Honda and Philips set up cavernous factories, creating tens of thousands of jobs deep in the jungle.   (KEYSTONE/AP Photo/Alexandre Meneghini)

Bild: AP

Das bekannteste Relikt des Kautschukbooms und Wahrzeichen der Stadt ist das Teatro Amazonas, die Oper von Manaus. Der wirtschaftliche Niedergang bedeutete für sie das Aus, doch in den 1980er Jahren wurde die Oper aufwändig renoviert und 1990 neu eröffnet. Heute finden regelmässig Vorstellungen statt. Es gibt sogar ein jährliches Opernfestival in Manaus. Das Teatro Amazonas inspirierte den deutschen Regisseur Werner Herzog zu seinem umstrittenen Film «Fitzcarraldo» mit Klaus Kinski.

Nur eine Strasse

Manaus ist eine der abgelegensten Grossstädte der Welt. Bis zur Mündung des Amazonas in den Atlantik sind es rund 1500 Kilometer. Auf dem Landweg sind die Ballungszentren Brasiliens nicht zu erreichen. Es gibt nur eine Strasse, und die führt Richtung Norden nach Venezuela. Ansonsten ist die Stadt nur mit dem Schiff oder per Flugzeug erreichbar.

Ein Höllen-Klima

epa04276489 A man carries an umbrella at Ponta Negra beach in Manaus, Brazil, 23 June 2014. The FIFA World Cup 2014 is running in Brazil from 12 June to 13 July 2014.  EPA/MAST IRHAM

Bild: EPA

«Es gibt in Manaus nur zwei Jahreszeiten: Sommer und Hölle.» So lautet eine lokale Redensart. Klimatisch ist die Tropenmetropole eine Herausforderung, nicht nur für Fussballer. Die Temperatur liegt das ganze Jahr bei 30 bis 40 Grad. Hinzu kommt eine Luftfeuchtigkeit von rund 80 Prozent, was die gefühlte Temperatur noch wärmer macht. Die jährliche Regenmenge beträgt mehr als 2000 Millimeter, zwei- bis dreimal so viel wie in Mitteleuropa. Etwas weniger Niederschlag fällt nur in der «Trockenzeit» von Juni bis September.

Zwei Flüsse, zwei Farben

epa04141409 Picture taken on 10 December 2013 shows an aerial view of the site where the Rio Negro links with the Solimoes River near Manaus, Brazil. Manaus is one of the host cities of the FIFA World Cup 2014 and will stage four matches in the tournament's group phase. The 20th FIFA World Cup will take place in Brazil from 12 June to 13 July 2014.  EPA/MARCELO SAYAO *** Local Caption *** 51139535

Bild: EPA

Die Natur zählt zu den grossen Sehenswürdigkeiten von Manaus. Ein besonderes Spektakel ist das Encontro das Aguas (Treffen der Wasser), der Zusammenfluss von Rio Negro und Rio Solimoes, zwei der grössten Arme des Amazonas. Zwischen den beiden Flüssen gibt es eine deutliche Trennung. Grund ist die unterschiedliche Eigenschaft des Wassers. Jenes des dunklen Rio Negro ist sauer, das des Solimoes basisch. Der Negro ist zudem deutlich wärmer.

Grosse Artenvielfalt

A vendor holds up a fish caught in the Rio Amazonas, for sale at the old fish market in Manaus, Brazil, Tuesday, June 24, 2014. Manaus is one of 12 cities hosting matches during the 2014 World Cup soccer tournament. (AP Photo/Martin Mejia)

Bild: AP

Ob exotische Fische, Riesenschlangen oder giftige Spinnen – nirgends leben so viele Tierarten wie im Regenwald des Amazonas. Es gibt Schätzungen von Wissenschaftlern, wonach erst etwa zehn Prozent aller in Amazonien vorkommenden Spezies klassifiziert worden sind. Der Artenreichtum zieht zahlreiche Touristen an. Gleichzeitig wird er bedroht durch die zunehmende Nutzung und Abholzung des Urwalds.

Stadion ohne Nutzung

This photo released by Portal da Copa shows an aerial view of the Arena da Amazonia stadium in Manaus, Brazil, March 13, 2014.  The arena will host matches during the 2014 World Cup soccer tournament. (AP Photo/Jose Zamith, Portal da Copa)

Bild: AP Portal da Copa

Die Arena da Amazônia fasst 45'000 Zuschauer. Sie ist einem indigenen Korb nachempfunden und wurde eigens für die Fussball-WM erbaut. Was nach den vier WM-Partien mit dem Stadion geschieht, ist unklar. Es gibt in Manaus keinen konkurrenzfähigen Fussballklub, der ein grosses Publikum anzieht. Angeblich gibt es Bestrebungen, mit Hilfe der ansässigen Unternehmen ein solches Team zu gründen. Ob es gelingt, scheint zweifelhaft.

Rosa Delfine

epa04081479 A handout picture dated 10 November 2005 and provided by Anselmo d'Afonsec on 16 February 2014 shows a pink dolphin in Amazonas river, in Manaus, Brazil. This specie, one of the few of world river´s dolphins is under risk of extinction due to the using of it as a bait for fishing. The alert was made by biologist Sannie Brum, investigator of Piagacu Institute (Ipi), who studied the habits of 35 fisher communities of Purus river, in the Brazilian state of Amazonas.  EPA/ANSELMO D'AFONSEC / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Bild: EPA

Bauten wie die Arena da Amazônia werden gerne als «weisse Elefanten» bezeichnet. Was es in Manaus tatsächlich gibt, sind rosafarbene Amazonasdelfine. Bootsausflüge, bei denen man mit den zutraulichen Tieren schwimmen kann, sind eine der grössten Touristenattraktionen der Dschungelstadt.



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