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Menschen verfolgen die News an einem TV-Bildschirm an einem Bahnhof in Südkorea. Bild: AP/AP

Warum Xi Trump hilft, Kim in den Griff zu bekommen

China ist nicht mehr bereit, das nordkoreanische Regime zu stützen. Trumps riskantes Spiel könnte daher Erfolg haben.

12.03.18, 19:12 13.03.18, 15:44


Als Donald Trump am vergangenen Donnerstag erfuhr, dass sich der südkoreanische Sicherheitsberater Chung Eui-yong im Weissen Haus aufhielt, bat er ihn zu sich ins Oval Office und erfuhr dabei, dass Kim Jong Un sich gerne mit ihm treffen würde. Der US-Präsident fackelte nicht lange und sagte auf der Stelle zu.

Der südkoreanische Sicherheitsberater bei der Pressekonferenz in Washington. Bild: AP/AP

Einmal mehr hatte Trump alle überrumpelt: seine Mitarbeiter, seinen Aussenminister und die Welt. Aus dem Bauch heraus hatte er entschieden, sich mit dem nordkoreanischen Diktator an einen Tisch zu setzen, getreu seinem Motto: «Ich allein kann es richten.»

Der geplante Gipfel stösst auf Kritik

Das sei ein viel zu riskantes Unterfangen, wurde Trump sofort kritisiert. Verständlich. Bisher hat der Präsident weder eine erkennbare geopolitische Strategie erkennen lassen, noch kann er sich auf einen fähigen Stab stützen.

Aussenminister Rex Tillerson gilt als Nullnummer, und ein Drittel der Stabsstellen in seinem Amt sind nicht besetzt. Die Tatsache, dass sich Trump und Kim regelmässig beschimpfen, spricht ebenfalls nicht für ein solches Treffen.

Andererseits kann Trump zu Recht darauf hinweisen, dass die Bemühungen seiner Vorgänger nicht eben erfolgreich waren. Seit 1992 verhandeln die USA mit Nordkorea. Sie konnten dabei nicht verhindern, dass Nordkorea zu einer Atommacht wurde, und es gelang auch nicht, das skrupellose Regime zu destabilisieren. Viel desolater kann die Situation so gesehen nicht mehr werden.

Wie der Koreakrieg begann

Am 25. Juni 1950 fielen nordkoreanische Truppen in Südkorea ein, eroberten innert vier Tagen die Hauptstadt Seoul und brachten die südkoreanischen Truppen an den Rand einer Niederlage. Die UNO erteilte daraufhin einer internationalen Streitmacht unter amerikanischer Führung ein Mandat, einzugreifen.

September 1950: US-Truppen erobern Seoul zurück. Bild: AP NY

Dank grosser Luftüberlegenheit konnte General Douglas MacArthur die Nordkoreaner bald wieder hinter die Grenze, den ominösen 38. Breitengrad, zurückdrängen. Daraufhin wurde er übermütig und stiess bis zur chinesischen Grenze vor in der Annahme, die ausgepowerte Steinzeit-Armee von Mao Zedong würde es auf keinen Fall wagen, die modern ausgerüsteten US-Truppen anzugreifen.

Das war ein verhängnisvoller Irrtum. Die Chinesen warfen rund 300’000 Soldaten in den Krieg und brachten den Amerikanern schwere Verluste bei. MacArthur wurde seines Amtes enthoben. Der Krieg dauerte noch drei Jahre weiter, forderte grosse Opfer und endete in einem Waffenstillstand, der heute noch gültig ist.

Warum die alte China-Nordkorea-Doktrin überholt ist

Seit diesem Krieg gilt es als gesetzt, dass Peking es niemals akzeptieren werde, dass das kommunistische Regime gestürzt und Korea unter US-Oberaufsicht vereinigt wird. Amerikanische Truppen an der eigenen Grenze seien ein absolutes No-Go, so die gängige Doktrin. Daher würden die Chinesen die US-Bemühungen, das Kim-Regime zu stürzen auch nur halbherzig unterstützen.

Diese Doktrin ist möglicherweise von der Realität überholt worden. In einem Essay in «Foreign Affairs» stellte die Politologin Oriana Skylar Mastro kürzlich fest, dass China Nordkorea nicht mehr aus der Patsche helfen würde, und nannte dafür drei Gründe.

Präsident Xi (rechts) begrüsst den südkoreanischen Sicherheitsbeauftragten Chung Eui-yong. Bild: EPA/GETTY IMAGES / POOL

Gemäss Mastro sind Kim und Xi alles andere als beste Freunde. «Der chinesische Präsident hat Kim noch nie getroffen. Gemäss chinesischen Wissenschaftlern, die Zugang zu den höchsten Kreisen der Partei haben, verachtet er das nordkoreanische Regime.»

Die chinesische Bevölkerung verspürt ebenfalls keine Liebe zum Nachbarn. «Der chinesische Wissenschaftler Zhu Feng hat in ‹Foreign Affairs› erklärt, dass es sehr populär wäre, das nordkoreanische Regime fallenzulassen», schreibt Mastro.

Die chinesische Armee sei nicht mehr auf den nordkoreanischen Puffer gegen die US-Truppen angewiesen, lautet der zweite Punkt von Mastro. «In den letzten beiden Jahrzehnten hat die Modernisierung der Truppen, zusammen mit den geografischen Vorteilen, sicher gestellt, dass die chinesische Armee jederzeit sehr schnell grosse Teile von Nordkorea besetzen könnte, bevor US-Truppen dazu in der Lage wären.»

Ein Atomkrieg würde China in Mitleidenschaft ziehen

Schliesslich hat China überhaupt kein Interesse an einem Atomkrieg auf der koreanischen Halbinsel. Es müsste damit rechnen, selbst in grossem Umfang davon betroffen zu werden. Deshalb ist eine Wiedervereinigung der beiden Korea aus chinesischer Sicht denkbar geworden. «Selbst Xi hat sich dafür ausgesprochen, allerdings längerfristig», so Mastro.

Ob es Trump mit Hilfe von Xi gelingen wird, Kim in den Griff zu bekommen, ist fraglich. Ja, derzeit ist es noch unsicher, ob das Treffen überhaupt zustande kommen wird. Einen Versuch ist es wert. Die Lage ist so verfahren, dass selbst Trump und Kim nicht mehr viel Schaden anrichten können.

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    Alle Leser-Kommentare
  • derEchteElch 13.03.2018 01:16
    Highlight Das wird vielen nicht gefallen..
    Zitat; „Der geplante Gipfel stösst auf Kritik. Das sei ein viel zu riskantes Unterfangen, wurde Trump sofort kritisiert“

    Der Trump ist eben ein Macher.
    Ein klassischer Geschäftsmann.

    Politiker schnuppern wie zwei Hunde zuerst jahrzehntelang am Hintern bevor etwas passiert. Treu nach dem Motto;
    „sollen wir? dürfen wir? Jaa, sind uns doch nicht ganz sicher.. vielleicht.. vielleicht..“

    Und deswegen passt auch sein Motto;
    „Ich allein kann es richten.“
    Denn er packt was an. Zwar auf eine etwas brutale und v.a. unkonventionelle Art aber es läuft etwas.
    10 6 Melden
  • Goldjunge Krater, Team Selbstbestimmungsinitiative 12.03.2018 20:29
    Highlight Es ist der Bevölkerung von Nordkorea zu wünschen, dass eine Wiedervereinigung klappen würde.

    Dass Trump massgeblich an diesem Erfolg beteiligt wäre scheinen nun auch die Medien langsam zu verstehen. Einige sogar anzuerkennen!
    21 25 Melden
    • Fulehung1950 12.03.2018 22:15
      Highlight Was bitte schön hat Trump dazu beigetragen? Der kleine Dicke im Norden und sein Protagonist im Süden haben das bisher ganz allein geschafft.

      Schon vergessen: während Trump noch von „Nord-Korea auslöschen“ faselte, schmiedeten Nord- und Süde-K. klammheimlich Pläne für einen gemeinsamen Einmarsch anlässlich der olympischen Spiele. Und Donald guckte dumm aus der Wäsche.
      11 5 Melden
    • leu84 12.03.2018 22:26
      Highlight Ohne die Daumenschraube an Un's Daumen, würde man immer noch über Knopfgrösse streiten. Nur lässt China Donald Trumps Gesicht wahren.
      6 2 Melden
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 12.03.2018 20:25
    Highlight Btw, ich möchte Herr Löpfe noch für den gelungenen Artikel danken, endlich einmal ein Artikel über Trump, der das übliche Schema durchbricht.
    35 3 Melden
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 12.03.2018 20:23
    Highlight Ich denke der letzte Punkt ist der wichtigste. Im Moment das Kim-Regieme kollabiert werden Chinesische Truppen nach Nordkorea eindringen um einen möglichst grossen neuen Pufferstaat unter Chinesischer Kontrolle erichtem zu können. Ich denke nicht das die Chinesen Südkoreanische und damit auch US Truppen an der Grenze habe wollen, sie sind aber sicherlich bereit Kim fallen zu lassen.
    14 3 Melden
  • Richu 12.03.2018 19:38
    Highlight Leider wurde am Schluss dieses Berichtes folgende, fast grobfahrlässige, Falschaussage gemacht: "Die Lage ist so verfahren, dass selbst Trump und Kim nicht mehr viel Schaden anrichten können". Wer also der Meinung, Kim oder Trump könnte beispielsweise mit der Auslösung eines Atomkrieges nicht mehr viel Schaden anrichten, der versteht in diesem Falle wirklich nicht viel von Politik!
    26 11 Melden
  • bokl 12.03.2018 19:31
    Highlight Punkt 4: China hat erkannt, dass es eine Wiedervereinigung extrem teuer und langwierig wäre. Die Kräfte der USA / Südkorea wären über Jahre absorbiert und China könnte seine geopolitischen "Ideen" in Asien ungestört umsetzen und somit wirklich auf den Puffer verzichten, respektive langfristig sogar ein vereinigtes Korea unter seinen Einflussbereich bringen.
    39 4 Melden

Ihre Königliche Hoheit, Präsident Donald J. Trump

Der US-Präsident glaubt, er stehe über dem Gesetz. Er hat die Mitglieder der republikanischen Partei zu harmlosen Schmeichlern degradiert. Er stösst Verbündete vor den Kopf und zettelt nach Belieben Handelskriege an.

Wegen einer Laune der Natur hatte George Washington keine leiblichen Kinder. Das hat der jungen amerikanischen Republik sehr viel Ärger erspart, denn die Angst vor einer königlichen Familie war nach dem erfolgreichen Aufstand gegen die Briten weit verbreitet, ja geradezu hysterisch.

Der kinderlose 1. Präsident war jedoch ein Garant, dass in den USA keine königliche Familie und damit auch keine absolutistische Monarchie entstehen konnte.

Der 45. Präsident der USA hat zwar noch nicht den Status …

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