Wirtschaft
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epa04944848 A logo of Volkswagen (VW) pictured on an old bus covered in rust on a VW T1 bus at a car repair station in Kaufbeuren, Germany, 23 September 2015. Volkswagen's board began a crisis meeting on 23 September that could decide the future of board chairman Martin Winterkorn, as Europe's biggest carmaker struggles to respond to a deepening emissions testing scandal. The carmaker's weekend admission that it had installed sophisticated software in its diesel models aimed at beating US exhaust tests has sent shockwaves through the German auto industry.  EPA/KARL-JOSEF HILDENBRAND

VW tritt den Gang nach Canossa an – und will damit das Vertrauen ihrer Kunden zurückgewinnen.
Bild: EPA/DPA

VW sagt mit ganzseitigen Zeitungsinseraten sorry

In der Abgasaffäre bemüht sich Volkswagen verzweifelt um Schadensbegrenzung. Ein Ermittlerteam durchforstet Unterlagen, ein gross angelegter Rückruf steht kurz bevor – und in ganzseitigen Anzeigen wirbt der Konzern um Vertrauen.

Michael Kröger



Ein Artikel von

Spiegel Online

In der Abgasaffäre tritt der Volkswagen-Konzern die Flucht nach vorn an.

Mit ganzseitigen Anzeigen in den Sonntagszeitungen – wenig Text auf riesig weissen Seiten, das VW-Logo ganz winzig klein am unteren Rand – übt der Autohersteller den Kniefall vor seinen Kunden. Statt wie geplant eine Anzeige zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung zu platzieren, wolle man stattdessen «nur einen einzigen Satz sagen», und der steht fettgedruckt da: «Wir werden alles tun, um Ihr Vertrauen zurückzugewinnen.»

Alles kurz und knackig zusammengefasst:

VW wirbt mit grossen Anzeigen in Sonntagszeitungen um das Vertrauen der Kunden. Intern läuft die Aufarbeitung des Skandals. Der designierte Aufsichtsratschef Pötsch sieht den Konzern in seiner Existenz bedroht. Ingenieure haben laut einem Medienbericht Manipulationen zugegeben und belasten Ex-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg.

Diese geschickt zur Schau getragene Demut hat der Konzern bitter nötig, nicht nur aussenstehende Beobachter und Experten beurteilen die Lage bei VW als ernst.

epa04910563 (FILE) A file picture dated 17 March 2015 of Porsche CFO Hans Dieter Poetsch during the balance press conference in Stuttgart, Germany. Poetsch is to succeed Piech as Chairman of Volkswagen Supervisory Board, VW subsidiary Porsche announced on 03 September 2015.  EPA/BERND WEISSBROD *** Local Caption *** 51846987

Hans Dieter Pötsch, designierter Aufsichtsratschef, sieht den Konzern in seiner Existenz bedroht.
Bild: BERND WEISSBROD/EPA/KEYSTONE

Auch der designierte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sieht den Autobauer in einer äusserst prekären Lage. Die Krise bedrohe den Konzern in seiner Existenz, sagte Pötsch laut «Welt am Sonntag» bei einer internen Veranstaltung in Wolfsburg.

Der neue Konzernvorstand Matthias Müller selbst soll nach dem Wunsch des Aufsichtsrats möglichst rasch nach Amerika fliegen, um Reue zu demonstrieren – noch bevor er offiziell in dem Verfahren gegen Volkswagen vorgeladen wird.

Damit die Ankündigung kein hohles Versprechen wird, bemüht sich eine Taskforce mit Hochdruck um Aufklärung der Hintergründe der Abgasaffäre. Neben der amerikanischen Kanzlei, die ihre Arbeit in Wolfsburg bereits aufgenommen hat, sollen in den nächsten Tagen noch weitere Ermittler nach belastendem Material in Archiven und auf E-Mail-Servern suchen.

epa04948099 A corporate logo of Volkswagen illuminated by the morning light at the plant of the German car manufacturer in Wolfsburg, Germany, 25 September 2015. The board of embattled German carmaker Volkswagen (VW) is to announce the company's new chief executive. The appointment of the new VW chief is to become part of a likely major shake-up of the company's top management following the scandal, which was triggered by the carmaker's admission that it cheated on exhaust tests for its diesel models in the United States.  EPA/JULIAN STRATENSCHULTE

Die Wolken hängen hängen dunkel und schwer über dem Autohersteller.
Bild: EPA/DPA

Dabei dürften Wahrheiten zutage treten, die auch der Konzernführung unangenehm sein müssen, die jetzt die Schalthebel übernommen hat. Denn jetzt schon gilt als sicher, dass die Führungskultur des Hauses ganz entscheidend dazu beigetragen hat, dass es überhaupt zu dem Betrug kommen konnte. Als gehorsam – und damit förderungswürdig – galt in diesem System nicht derjenige, der Befehle ausführte, sondern derjenige, dem man gar nicht erst zu erklären brauchte, was die da oben wünschten. Müller und Pötsch gelten nach derzeitigem Kenntnisstand als unbelastet – beide waren jedoch Teil dieses Systems.

Solange die Ermittler stöbern, gilt für die gesamte Führungsriege Alarmstufe Rot.

Jeder ist zumindest unter Rechtfertigungsdruck. Wie weit hoch bezahlte Führungskräfte in die Affäre verstrickt sind, ist in den ersten vorläufigen Untersuchungsbericht nachzulesen, über den die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» an diesem Wochenende berichtet. Demnach waren die Aufsichtsräte wohl ernsthaft über das Ausmass der Konspiration erschüttert:

«Die These, alles sei nur das Werk von ein paar kriminellen Entwicklern, ist nicht haltbar. Der Konzern hat systematisch Kunden und Behörden getäuscht.»

Das Kontrollgremium gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»

Ingenieure geben Manipulationen zu – man habe das Dieselmotoren-Projekt EA 189 retten wollen

Die «Bild am Sonntag» berichtet von mehreren Ingenieuren, die bei Befragungen zugegeben hätten, die Manipulationssoftware im Jahr 2008 installiert zu haben. Zu diesem Zeitpunkt habe der Dieselmotor EA 189, der bei VW seit 2005 entwickelt worden war, kurz vor der Serienproduktion gestanden. Damals habe man keine Lösung gefunden, mit der sowohl die Abgasnormen als auch die Kostenvorgaben hätten eingehalten werden können.

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Der Dieselmotor EA 189 sollte mit der Manipulationssoftware gerettet werden.  
bild: wikipedia

Schliesslich sei entschieden worden, die Motorsteuerung um den Messstand-Modus zu erweitern, um das für den Konzern extrem wichtige Motorenprojekt zu retten. Die manipulierten Motoren sind weltweit in Dieselfahrzeugen von VW eingebaut, allein in Deutschland in 2.8 Millionen Autos.

Noch ist jedoch niemand gefunden, der unzweifelhaft darlegen kann, wer den Befehl für die Manipulation gegeben hat. In den Befragungen durch die VW-Konzernrevision hätten mehrere Ingenieure Vorwürfe gegen den damaligen Entwicklungschef Ulrich Hackenberg erhoben, berichtet die «BamS». Dieser habe von dem Betrug zumindest gewusst und ihn angeblich sogar in Auftrag gegeben.

epa04109106 Audi Chief Technical Officer Ulrich Hackenberg speaks during the press day at the 84rd Geneva International Motor Show in Geneva, Switzerland, Tuesday, March 4, 2014. The Motor Show will open its gates to the public from 06 to 16 March presenting more than 250 exhibitors and more than 146 world and European premieres.  EPA/MARTIAL TREZZINI

Der Ex-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg könnte den Befehl für die Manipulation gegeben haben. 
Bild: EPA/KEYSTONE

Noch seien die Aussagen allerdings zu widersprüchlich, um Hackenberg als Drahtzieher dingfest zu machen zu können. Hackenberg war vor einer Woche beurlaubt worden und ist seitdem abgetaucht.

Parallel zur Aufklärung bemühen sich die Wolfsburger auch in den Werkstätten um Schadensbegrenzung. Gemeinsam mit den Zulieferern bereitet Volkswagen derzeit eine Rückrufaktion vor, um die verbotene Technik aus den Dieselfahrzeugen zu entfernen. Für die Autos mit Bosch-Software genügt offenbar ein Computer-Update, beim Continental-System dürfte es teurer und aufwendiger werden. Denn hier sind auch Änderungen an Bauteilen der Motoren notwendig.

VW: Bilder aus der guten, alten Zeit (als Abgase noch Abgase waren)

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    Alle Leser-Kommentare
  • ferox77 06.10.2015 12:28
    Highlight Highlight Dass jetzt unzählige Arbeitsplätze aufgrund des Fehlverhaltens einzelner gefährdet sind, ist ein Unding. Die Verantwortlichen gehören ermittelt und gnadenlos zur Rechenschaft gezogen. Alle Schadensersatzansprüche beschränken sich auf deren vollständiges Vermögen.
    Der Schaden der entstanden ist, kann nicht mehr aus der Welt geräumt werden, das Stickoxid ist in der Luft. Da kann man auch mit Milliarden nichts mehr machen. Die dienen jetzt nur noch der Befriedigung der Geier. Und eventuell der Eliminierung eines Mitbewerbers.
  • Sir Lanzelot 04.10.2015 18:31
    Highlight Highlight Ich bin zwar normalerweise nicht so der Verschwörungstheorethiker...
    Trotzdem macht mich das ganze etwas stutzig: Auf der einen Seite wird Deutschland mit Flüchtlingen überschwemmt so dass es sich dank Kanzlerin kaum dagegen wehren kann...
    Fast zur gleichen Zeit fliegt so ein "Skandal" auf, der die deutsche Wirtschaft empfindlich schädigen könnte...
    Der Putin greift gleichzeitig in Syrien ein... Etwa um von der Ukraine abzulenken?
    Nur einige Ereignisse die natürlich nicht im entferntesten etwas zusammen zu tun haben.

    Hoffe ich zumindest...
  • kiawase 04.10.2015 18:01
    Highlight Highlight das interessante daran ist auch dass wenn jemand vor der meldung aus den usa sowas behauptet hätte - also im sinne eines wistleblowers - derjenige unter garantie als verschwörungstheoretiker bezeichnet worden wäre. ebenso ist es doch erstaunlich dass mit sicherheit eine 3 stellige anzahl von leuten von dieser schummelei wusste und nie etwas publik wurde. . . . was lehrt uns das ?
    • EvilBetty 04.10.2015 19:06
      Highlight Highlight Kiawase, neinwäre er nicht. Denn seine Behauptung wäre sehr einfach zu überprüfen gewesen. Im Gegensatz zu den gängigen Verschwörungstheorien, die sind nähmlich nicht überprüfbar.Und selbst wenn, selbst wenn sie dann noch als falsch entlarvt werden, ist die Entlarvung nur ein weiterer Teil der Verschwörung. Und wenn man weit genug geht ist's am Ende IMMER «die jüdische Hochfinanz»... merkste was?

      Mit Verschwörungstheoretikern kann man nicht diskutieren.
    • emc2 04.10.2015 19:19
      Highlight Highlight ...dass alle diese gut recherchierten und durchdachten Videos auf YouTube die Wahrheit sagen? ;)
    • Openyourmind 04.10.2015 22:17
      Highlight Highlight Das uns, Verschwörungstheoretikern, bald der Stoff ausgeht? 😿

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