Wirtschaft

Mit Volldampf in den Untergang? Noch ist es nicht soweit – auch dank den gewaltigen Reserven des VW-Konzerns.
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86 Milliarden Euro könnte VW für Strafen und Klagen bezahlen – dann wäre der Konzern pleite

Strafzahlungen, Schadensersatz, Umsatzeinbruch – noch ist nicht absehbar, wie viel der Abgasbetrug kosten wird. Die Schätzungen gehen in die Milliarden. Wie viel aber könnte Volkswagen stemmen, ohne unterzugehen?

29.09.15, 10:35 29.09.15, 11:18

Michael Kröger / spiegel online

Ein Artikel von

Bei Volkswagen häuft eine Abteilung derzeit besonders viele Überstunden an. Das Team um Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch muss wegen des Abgasskandals mal eben die Haushaltsplanung des Konzerns umkrempeln. Die Aufgabe: Genügend Mittel für die Strafzahlungen an die US-Umweltbehörde EPA, die Nachrüstung der manipulierten Fahrzeuge und möglicherweise Schadensersatz für entrüstete Kunden bereitstellen. Ausserdem ist absehbar, dass sich so mancher enttäuschte Kunde künftig andere Autos kaufen wird.

Pötsch und seine Leute haben vier Tage nach Bekanntwerden des Skandals schon vorsorglich eine Gewinnwarnung herausgegeben. 6,5 Milliarden Euro werden im dritten Quartal gleich auf der Soll-Seite gebucht. Sie sind allein für die finanziellen Folgen reserviert. Doch bei dem Betrag wird es nicht bleiben, soviel ist jetzt schon klar.

Schadensersatz, Strafzahlungen, Prozesskosten, Umsatzeinbruch – es drängt sich die Frage auf:

Welche Summe könnte der Konzern in den kommenden Jahren eigentlich maximal stemmen? Wann ist die Schmerzgrenze für Volkswagen erreicht?

Plündern der Konten

Ein Blick auf die Bilanz zeigt, dass Ex-VW-Boss Martin Winterkorn und seine Leute immerhin solide gewirtschaftet haben. Zum 30. Juni verfügte der Konzern über knapp 18 Milliarden Euro an Bargeld und über Wertpapiere im Wert von noch einmal gut 15 Milliarden Euro – also ungefähr 33 Milliarden. Zieht man davon den Betrag von rund zehn Milliarden ab, den Rating-Agenturen als notwendigen Puffer fordern, damit das Tagesgeschäft läuft, bleiben also etwas mehr als 20 Milliarden Euro übrig, die der Konzern spontan hergeben könnte. Schmerzhaft, aber verkraftbar.

Im vierten Quartal ist noch einmal ein Geldsegen zu erwarten: Der Verkauf der Anteile am ehemaligen Partner Suzuki und an der niederländischen Leasinggesellschaft Leaseplan hat mindestens drei Milliarden Euro an Gewinn eingebracht.

Macht mehr als 23 Milliarden, die derzeit verfügbar wären.

bild: screenshot/spiegelonline

Verschärftes Sparprogramm

Wenn es teurer wird, wären Sparmassnahmen nötig. Bei den Kosten für Forschung und Entwicklung zum Beispiel, die bei VW in den vergangenen Jahren immer recht hoch waren. Für den aktuellen Planungszeitraum sind hier rund hundert Milliarden vorgesehen, von denen wohl zehn Prozent ohne spürbare Einschränkungen zu verschmerzen wären. Reserven bestehen auch noch bei den Investitionen. Der Bau von Fabriken in China oder einigen Schwellenländern könnte auf Eis gelegt werden und womöglich pro Jahr noch einmal eine bis zwei Milliarden Euro einsparen – angesichts der konjunkturellen Entwicklung in Asien und Russland ohnehin eine naheliegende Massnahme. Auf Fünfjahressicht liessen sich in beiden Bereichen zusammen also etwa 15 bis 20 Milliarden einsparen, deren Folgen zumindest mittelfristig verschmerzbar wären.

Bild: JACKY NAEGELEN/REUTERS

Von einer Verlängerung der Modellzyklen, die ebenfalls Mittel in Milliardenhöhe einsparen würde, raten Analysten hingegen ab. «Der Konkurrenzdruck ist extrem gross», sagt Arnd Ellinghorst von der Londoner Beratungsgesellschaft Evercore ISI. «Wenn VW da nicht am Ball bleibt, könnte das Unternehmen schnell den Anschluss verlieren.»

In der Summe sind das 43 Milliarden, die verfügbar wären.

Geld von den Grossaktionären

Infrage käme auch noch eine Kapitalerhöhung, die noch einmal geschätzt acht Milliarden einbringen könnte. Mehr wäre nur möglich, wenn auch die Besitzer der Stammaktien, also der Porsche/Piëch-Clan und das Land Niedersachsen nachschiessen würden. Eine Möglichkeit, die nach Einschätzung von Metzler Chefanalyst Jürgen Pieper auszuschliessen ist: «Beide Seiten achten traditionell sorgfältig darauf, ihre Stimmanteile zu sichern. Da aber jedenfalls Niedersachsen kein Geld hat, um Kapital zuzuschiessen, scheidet diese Variante aus».

Zusammen wären das 51 Milliarden.

Verkauf des Tafelsilbers

Wenn es ganz schlimm käme, bliebe noch die Möglichkeit, einzelne Marken des Konzerns abzustossen. Allein die Marke Porsche bewertet Analyst Pieper mit rund 39 Milliarden Euro. Audi repräsentiert einen Kapitalwert von gut 30 Milliarden Euro, Skoda käme auf knapp zehn Milliarden. Hinzu kommen die Luxusmarken Bentley und Bugatti mit drei bis fünf Milliarden Euro. Einen dicken Brocken stellt auch die Lkw-Sparte mit Scania/MAN und Volkswagen Nutzfahrzeuge dar – Wert: rund 30 Milliarden Euro.

Bild: MICHAELA REHLE/REUTERS

Der Verkauf von Porsche, Audi und Skoda scheidet wohl aus, zu eng sind die Marken inzwischen mit der Kernmarke Volkswagen verbunden. Das gilt natürlich auch für Seat, für die das Interesse ohnehin gering sein dürfte. Am ehesten noch liessen sich die Lkw- und die Luxussparte herauslösen und noch einmal bis zu 35 Milliarden mobilisieren.

Macht 86 Milliarden.

Im schlimmsten Fall also würde Volkswagen eine gewaltige Summe zahlen können. Doch der Konzern wäre danach nicht mehr derselbe.

VW: Bilder aus der guten, alten Zeit (als Abgase noch Abgase waren)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pbs64 29.09.2015 20:18
    Highlight Ich stelle mir vor, ein Top Verantwortlicher bekommt ein gutes Salär, das Zugemüse aber erst 5 Jahre verzögert :-)

    Beim Erfolg.

    Tolle Aussichten....
    0 0 Melden
  • atomschlaf 29.09.2015 11:31
    Highlight Wenn's hart auf hart kommt wird VW kurzerhand als systemrelevant erklärt werden und mit frisch gedruckten Euros in beliebiger Höhe gerettet werden.
    Kapitalismus war gestern. Heute leben wir im Zeitalter des Sozialismus für Grosskonzerne und Banken.
    25 1 Melden
  • saukaibli 29.09.2015 11:25
    Highlight Schlussendlich wird es laufen wie immer. Die Verantwortlichen aus der Konzernspitze werden eine Millionen-Abfindung bekommen und der entstandene Schaden wird auf die Mitarbeiter und die Kunden abgewälzt.
    24 1 Melden
    • HotShot 29.09.2015 13:04
      Highlight Leider wird es auch diesmal so sein....
      Wenn doch nur ein paar dutzend politiker der Wagenknecht zuhören würden...

      Es braucht ne neue Machtstruktur in unserer Welt, der verbraucher sollte doch der wichtigste part sein und der produzent. Alles dazwischen ist bürokratischer humbug, geldverschwenderei.
      7 1 Melden
  • Yolo 29.09.2015 10:59
    Highlight Das teuerste und nutzloseste programmierte Programm ever...
    14 0 Melden

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