Wirtschaft

Trader an der Doha Stock Exchange: Die Krise bei VW und Glencore hat auf einen Schlag einen Fünftel des katarischen Staatsfonds vernichtet. 
Bild: STRINGER/REUTERS

VW, Glencore und Co.: Kursstürze bescheren Katar zwölf Milliarden Dollar Verlust

VW in der Krise, Glencore bedroht: Viele Anleger haben bei den Kursstürzen dieser Konzerne eine Menge Geld verloren. Der globale Grossinvestor Katar hat die Einbrüche besonders stark zu spüren bekommen.

29.09.15, 09:33 29.09.15, 09:57

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Es war ein beispielloser Wertverlust für den deutschen Vorzeigekonzern: Binnen drei Tagen stürzte der Kurs der Volkswagen-Aktie Anfang vergangener Woche um rund ein Drittel ab, nachdem die Manipulation von Abgaswerten durch den Autokonzern bekannt wurde. In absoluten Zahlen betrug der Wertverlust für den Konzern allein in diesem Zeitraum 23 Milliarden Euro, und seitdem ist der Aktienkurs noch weiter gefallen, zwar wesentlich langsamer, aber inzwischen unter die Grenze von 100 Euro.

Für einen Kurssturz um fast ein Drittel brauchte die Aktie des schweizerisch-britischen Bergbaukonzerns Glencore noch wesentlich kürzer, nämlich einen Tag: Am Montag hatte eine Analysteneinschätzung, wonach Glencores Existenz bedroht sei, zu massiven Verkäufen geführt. Der Konzern war am Ende 5.33 Milliarden Dollar weniger wert als zuvor. Im Gegensatz zu Volkswagen hatten Glencore-Anteilsscheine aber schon in den vorhergehenden Monaten massiv an Wert verloren, insgesamt summiert sich das Minus der vergangenen Monate auf mehr als 75 Prozent.

5 Prozent des Staatsvolumens

Zahlreiche Anleger haben bei diesen Kursstürzen viel Geld verloren, zumindest auf dem Papier. Ein globaler Grossinvestor hat das besonders stark zu spüren bekommen: Laut Berechnungen der «Financial Times» hat Katars Staatsfonds von Juli bis September zwölf Milliarden Dollar Buchverluste erlitten. Das sind rund fünf Prozent des gesamten Fondsvolumens von etwa 250 Milliarden Dollar. Die Zeitung stützt sich bei ihren Berechnungen auf Daten der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Für den Löwenanteil der katarischen Verluste ist demnach der Fall VW ursächlich. Insgesamt 8.51 Milliarden Dollar entfallen auf den Wertverlust der Stammaktien (5.67 Milliarden Dollar) und der Vorzugsaktien (2.84 Milliarden Dollar) im Besitz des Staatsfonds LLC. Diesem gehören 17 Prozent der VW-Stammaktien, mit denen auch ein Stimmrecht verbunden ist. Darüber hinaus hält LLC Millionen von stimmrechtslosen Vorzugsaktien.

Allerdings dürfte Katar mit der Beteiligung an Volkswagen immer noch einen Gewinn allein aus dem Wertzuwachs des Konzerns verbuchen. Schliesslich soll der Staatsfonds die Vorzugsaktien zu einem Durchschnittspreis von 63 Euro und die Stammaktien zu einem Durchschnittspreis von 80 Euro erworben haben, also unter den jetzigen Preisen.

Das Minus bei den Glencore-Aktien wirkt sich der Zeitung zufolge für den Staatsfonds mit einem Buchverlust von 2.7 Milliarden Dollar aus. Das Aktienpaket des niederländisch-britischen Ölkonzerns Royal Dutch Shell verlor rund 500 Millionen Dollar an Wert, das der Qatar National Bank 760 Millionen Dollar und das von Siemens 350 Millionen Dollar.

In das am Mittwoch zu Ende gehende dritte Quartal fielen auch die massiven Kurseinbrüche an den chinesischen Börsen. Die an der Hongkonger Börse gehandelte Agricultural Bank of China bescherte Katar laut «Financial Times» ein weiteres Minus von 650 Millionen Dollar. Nur eine der zehn grössten Beteiligungen habe ein Plus erwirtschaftet: Der französische Baukonzern Vinci hat demnach 200 Millionen Dollar an Wert gewonnen.

Die für den Staatsfonds zuständige Behörde Katars QIA nahm gegenüber der Zeitung keine Stellung zu den Berechnungen. (fdi)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • _kokolorix 29.09.2015 10:24
    Highlight das sind alles nur buchverluste, die sich ebenso schnell wieder ausgleichen können wie sie entstanden sind.
    die realen verluste kommen erst in form von weniger verkauften autos. für diese verluste werden dann die beschäftigten von vw geradestehen müssen.
    1 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 29.09.2015 10:18
    Highlight das passiert halt, wenn man nicht nachhaltig die eigene wirtschaft aufbaut sondern den anderen die arbeit überlässt um dann überall nur den gewinn ab zu sahnen.

    die golfstaten haben es verpasst und noch immer nicht gelernt, nicht alles existenzerhaltende vom endlichen öl und gas abhängig zu machen.

    wieso macht jeder staat die immer selben fehler, wo es doch zig beispiele gibt wie man es nicht machen sollte?
    1 0 Melden

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