Wirtschaft
ZUR MILLIONENSTRAFE DER US-BOERSENAUFSICHT SEC FUER DIE CREDIT SUISSE CS, STELLEN WIR IHNEN AM FREITAG, 21. FEBRUAR 2014, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Logo of Credit Suisse bank in Paradeplatz Square, pictured on July 23, 2012, in Zurich, Switzerland. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Das Logo der Bank Credit Suisse am Paradeplatz, aufgenommen am 23. Juli 2012 in Zuerich. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Bild: KEYSTONE

Eskalation im Steuerstreit

Ist mein Geld bei der CS noch sicher?

Die Credit Suisse gerät in den USA erneut massiv unter Druck. Wie steht es wirklich um die Grossbank? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

05.05.14, 16:42 06.05.14, 13:38

Der Steuerstreit mit den USA eskaliert erneut. Im Zentrum steht die Grossbank Credit Suisse. Das US-Justizministerium hat seine Gangart verschärft. Es stellt Forderungen, die das direkte CS-Umfeld gemäss NZZ am Sonntag als «jenseits von Gut und Böse» bezeichnet.

Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf reiste letzte Woche zu einem Treffen mit US-Justizminister Eric Holder nach Washington. Dabei ging es laut der Sonntagspresse um die Beilegung des Steuerstreits und vor allem um die Credit Suisse. Offiziell herrscht in Bern Funkstille, das Finanzdepartement wollte sich auf Anfrage von watson nicht zur Angelegenheit äussern.

Was droht der Credit Suisse in den USA?

Die CS hoffte bislang, sie könne sich wie ihre Konkurrentin UBS mit einer saftigen Busse von einem Strafverfahren im Steuerstreit freikaufen. Die UBS zahlte vor fünf Jahren 780 Millionen Dollar. Vor einer Woche jedoch berichtete die «New York Times», das Justizministerium erwäge Klagen gegen zwei Grossbanken: Die BNP Paribas und die Credit Suisse. Hintergrund ist die zunehmende Kritik an der Praxis des «Too big to jail» (zu gross für den Knast). Weil der Untergang einer Grossbank die Weltwirtschaft erneut in eine Krise stürzen könnte, scheute die US-Justiz bislang vor Klagen zurück.

Ist die Existenz der CS gefährdet?

Eine Klage in den USA bedeutete das Aus für Wegelin. Bild: KEYSTONE

Eine Klage ist mit einem enormen Risiko verbunden. Im Fall der St. Galler Bank Wegelin führte sie zu deren Untergang. Nachdem sie von der US-Justiz verklagt worden war, musste die älteste Privatbank der Schweiz in einer Notfallaktion den «sauberen» Teil ihres Geschäfts an die Raiffeisen verkaufen. Bei der CS gehen Experten wegen des «Too big to jail»-Faktors jedoch nicht von einem solchen Szenario aus. «Ich rechne nicht damit, dass es zu einer Anklage in den USA kommt», sagte der Wirtschaftsrechtler Peter V. Kunz dem «Blick». Ohne ein Schuldeingeständnis, ein so genanntes «Guilty Plea», wird die Bank aber kaum davonkommen. Auch die Busse dürfte deutlich höher sein als im Fall der UBS und die Milliardengrenze überschreiten.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Die Credit Suisse hat angeblich einen «Amerika-Geheimplan» ausgeheckt, berichtet das Finanzportal Inside Paradeplatz. Sie habe auf Initiative von VR-Präsident Urs Rohner in den USA eine Tochterfirma gegründet, eine Art Bad Bank, in die alle unversteuerten US-Konti transferiert worden seien. Das Verfahren könnte auf diese Bank mit Namen CS International Advisors AG abgewälzt werden, die Credit Suisse als Ganzes wäre aus dem Schneider. Nur die CS-Kaderleute, die für die neue Bank arbeiten, «könnten unter die Räder geraten», so Inside Paradeplatz.

Muss die Bank Kundendaten liefern?

Als Teil des Deals wird die CS die Namen der steuerflüchtigen US-Kunden herausgeben müssen. Der einfachste Weg verliefe über das neue Doppelbesteuerungsabkommen von 2009. Doch es ist vom US-Senat bislang nicht ratifiziert worden, weil der libertäre Republikaner Rand Paul Widerstand leistet. Kürzlich wurde es von der zuständigen Kommission abgesegnet und nahm damit eine wichtige Hürde, doch die Abstimmung im Senat steht noch aus.

Die Credit Suisse könnte die Daten auch von sich aus liefern. Die «Lex USA» hätte sie dazu ermächtigt, doch dieses Sondergesetz wurde letztes Jahr vom Nationalrat versenkt. Die Banker wehren sich deshalb mit Händen und Füssen gegen eine solche Lösung.

Muss der Bundesrat zu Notrecht greifen?

Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf sucht nach Lösungen im Steuerstreit. Bild: KEYSTONE

Die dritte Variante wäre die Herausgabe der Kundendaten per Notrecht. Auf diesem Weg lieferte die Landesregierung 2009 die Namen von 4450 UBS-Kunden an die amerikanische Justiz. Der Bundesrat bewegte sich dabei im legalen Graubereich, faktisch opferte er das Bankgeheimnis. Deshalb wollte er eine Wiederholung eigentlich vermeiden, doch Banken und Experten gehen laut «Blick» davon aus, dass es zu einem zweiten UBS-Szenario kommen wird. An seiner Sitzung vor Ostern soll der Bundesrat darüber diskutiert haben, schreibt die «Schweiz am Sonntag».

Ist mein Geld bei der CS sicher?

Sollte es zum Äussersten kommen und die CS Konkurs gehen, ist das Geld nicht vollständig verloren. Durch den staatlichen Einlegerschutz sind 100'000 Franken pro Kunde abgesichert. Eine Sonderregelung gilt für Freizügigkeits- und Vorsorgekonten der Säule 3a. Ein solches Szenario aber ist wie erwähnt unwahrscheinlich, zu gross sind die Risiken für die Realwirtschaft. Die Börse sieht es ähnlich. Zwar gab der Kurs der CS-Aktie am Montag nach, doch ein veritabler Einbruch fand bisher nicht statt.

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • thierry_haas 05.05.2014 19:06
    Highlight Jetzt heisst es für die ganz schlauen: noch ein paar Tage warten, dann Aktien einkaufen, denn in zwei Jahren sind diese wieder Gold wert (dann wenn alle wieder alles vergessen haben)!
    1 1 Melden
    • Peter Hofer 05.05.2014 21:09
      Highlight Eben nicht weil die UBS und die CS ständig neue riesige Bussen kassieren, das wird sich nicht ändern in Zukunft.

      Bankaktien von UBS und CS tümpeln seit Jahren vor sich hin.
      1 1 Melden
    • Maya Eldorado 06.05.2014 01:46
      Highlight "Ist Ihr Geld bei der CS noch sicher?"
      Mein Geld habe ich da schon vor Jahren abgezogen, als sie sich mit der UBS verbrüderte und sie sich zum Globalplayer machte. Viel hatte ich noch nie.
      Was die Aktien angeht. MIt Geld spiele ich nicht. Für mich ist die Börse gleichbedeutend mit "Geld spielen" - ein Monopoly im Grossen.
      Einzig bei der UBS habe ich noch ein Mieterkonto. Der Vermieter hatte kein Einsehen, als ich vorschlug es woanders anzulegen. Ich hoffe jetzt einfach, dass die Vermieterschaft geradestehen wird, sollte sich das Mieterkonto in Luft auflösen.
      0 1 Melden

Von wegen Käse, Schokolade und Uhren: Die Schweiz ist Vizeweltmeister im Waffenhandel

Laut einer neuen US-Studie liefert pro Kopf kaum ein Land mehr Waffen an Entwicklungsländer als wir Schweizer.

Die Schweiz ist ein Top-Exportland. Nicht nur bei Waren wie Käse, Schokolade und Uhren. Sondern auch bei Waffen. Vor allem bei Waffen an Entwicklungsländer.

Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des US-amerikanischen Congressional Research Service (CRS). Demnach war die Schweiz 2015 der weltweit siebentgrösste Rüstungslieferant an Entwicklungsländer: Sie lieferte Rüstungsgüter im Wert von 700 Millionen Dollar an sogenannte «developing nations».

Pro Kopf umgerechnet, belegt die neutrale Schweiz …

Artikel lesen