Wirtschaft

Der Eurokurs sackte am Donnerstag bis auf 1,2045 Franken ab. quelle: swissquote.ch

Mindestkurs

Der Frankenkurs nähert sich der kritischen Grenze 

04.09.14, 15:48 04.09.14, 16:14

Jährlich grüsst die Untergrenze: Die Einführung eines Mindestkurs durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) zur Schwächung des Frankens jährt sich mittlerweile zum dritten Mal. Just zu diesem Jubiläum nähert sich die Währung wieder dieser kritischen Schwelle an.

Im Tief nach der überraschenden Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag kostete ein Euro nur noch rund 1,2045 Franken – so wenig wie seit Ende 2012 nicht mehr. Geopolitische Unsicherheiten, erneut tiefere Zinsen in der Eurozone und die dort stotternde Konjunktur treiben Anleger wieder in die sicheren Häfen. 

Mindestkurs im Markt fest verankert

Dies könnte dazu führen, dass die SNB zum Geburtstag des Mindestkurses wieder an den Kapitalmärkten intervenieren muss. «Nach unserem Wissen waren bislang keine Interventionen der SNB nötig», sagte Raiffeisen-Chefökonom Martin Neff gegenüber der Finanznachrichtenagentur AWP. «Falls es zu einem Test der Marke kommt, wird die SNB versuchen die Untergrenze zu halten. Und das wird ihr auch gelingen.»

Der Mindestkurs sei im Markt fest verankert und akzeptiert. Dies dürfte Spekulanten davon abhalten, auf tiefere Kurse zu setzen, so der Experte. 

Inflation kein Problem

Für Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, ist es gut möglich, dass die SNB in den nächsten Wochen den Mindestkurs wieder verteidigen muss. «Da die Nationalbank aber unbegrenzt Mittel – also Franken – zur Verfügung hat, sollte ein Unterschreiten der Marke von 1,20 nicht zum Thema werden», sagte er.

Die SNB sei darüber hinaus in der komfortablen Situation niedriger Inflationsraten. Daher sollte die mit möglichen Interventionen einhergehende Aufblähung der Geldmenge zumindest auf kurze Sicht kein Problem darstellen. 

Für die Exportwirtschaft war und ist der Mindestkurs ein Segen – darüber ist man sich in der Schweiz einig. So werten beispielsweise auch die Ökonomen der UBS die Massnahme als «vollen Erfolg». Selbst in der tiefsten Krise der Eurozone habe die SNB die Kursuntergrenze verteidigt und dürfte das in Zukunft falls nötig wieder tun. 

Grund zum Feiern oder nicht?

«Denn die Vorteile überwiegen bisher klar die Nachteile», so die Experten. So nennen die Ökonomen Planungssicherheit für Unternehmen und Währungsstabilität, was zu Wirtschaftswachstum und Arbeitssicherheit führe. Die Analysten von Julius Bär sehen für die SNB gar einen Grund zum Feiern: In schwieriger Zeit habe diese die Währungsstabilität zur Eurozone erfolgreich und glaubwürdig verbessert, so dass die Schweiz keine Rezession habe erleiden müssen.

Anders sieht das die Research-Abteilung von Raiffeisen. Das Jubiläum sei für niemanden einen Grund zum Feiern. Die Massnahme zeige nur, dass sichere Häfen wie der Franken anhaltend gefragt seien. Und Exporteure hätten weiterhin mit einem starken Franken zu kämpfen. «Schliesslich nimmt die Untergrenze der Nationalbank auch den geldpolitischen Spielraum», so das Fazit. (whr/sda/awp)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • MediaEye 04.09.2014 21:45
    Highlight Hier rächt sich nun die böse Tat; der Franken war nie und zu keiner Zeit überbewertet, sondern im Gegenteil durch die Untergrenze stets zu hoch!
    Das natürliche Wechselkursniveau muss sich von selbst finden, und dies liegt eher bei 0.8 : 1 als bei 1.2: 1!
    Also lasst den Franken aufwerten, oder wie früher zur D-Mark innerhalb eines Zielbandes; z.B. zwiscxhen 0.8 und 1.2 frei floaten !!!!!!
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