Wirtschaft
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Britain's Queen Elizabeth II sits in a carriage with Chinese President Xi Jinping, right, as they travel through Horse Guards Parade, in London, Tuesday, Oct. 20, 2015, on the first official day of a state visit. Chinese President Xi Jinping prepared to address Britain's Parliament and dine with Queen Elizabeth II Tuesday as he began a state visit that is intended to cement close economic ties between the two countries — but risks being overshadowed by concerns over Beijing's growing economic clout in Britain. (Jeremy Selwyn, Pool Photo via AP)

In der Kutsche mit der Queen: Chinas Präsident Xi Jinping.
Bild: AP /POOL Evening Standard

Warum Chinas Präsident Xi in London königlich empfangen wird

China will eine neue Seidenstrasse bauen und braucht dazu die City of London. Die Briten sind Europa-müde und auf der Suche nach neuen Wirtschaftspartnern.



Der chinesische Präsident Xi Jinping weilt in diesen Tagen in London. Es ist kein gewöhnlicher Höflichkeitsbesuch. China verfolgt einen langfristigen Plan: den Aufbau einer neuen Seidenstrasse. Dabei spielt auch der Finanzplatz London eine entscheidende Rolle.

In China hat sich in den letzten Jahrzehnten das wohl grösste Wirtschaftswunder in der Geschichte der Menschheit ereignet. Aus Maos Steinzeitkommunismus wurde die Werkhalle der Weltwirtschaft und die mittlerweile zweitgrösste Volkswirtschaft. Dabei ist in Peking auch ein riesiger Schatz angehäuft worden. Die Devisenreserven bei der Bank of China werden auf rund 4000 Milliarden Dollar geschätzt.  

China wird immer mehr zum Rivalen der USA

China will diesen Schatz nicht einfach horten, es will zumindest einen Teil davon für den Aufbau eines sehr ehrgeizigen Projekts verwenden, den Bau einer modernen Seidenstrasse. Die alte Seidenstrasse diente dem Handel. Es wurden auf diesem Weg nebst Seide auch Gewürze und Glas von Asien nach Europa transportiert. Die neue Version ist eine Art Marshallplan mit chinesischen Charakteristika, ein gewaltiges Entwicklungsprogramm, von dem sich China neue Märkte und politischen Einfluss erhofft.  

«Wie der Marshallplan ist die neue Seidenstrasse so konzipiert, dass wirtschaftliche Angebote mit anderen Bedürfnissen vermischt werden.»

«Financial Times»

Um diesen Entwicklungsplan voranzutreiben, hat China eine Konkurrenz zum Internationalen Währungsfonds gegründet, die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB). Damit sollen die einzelnen Projekte finanziert werden. Sehr zum Ärger der Amerikaner sind die Briten dieser Bank beigetreten.  

Chinas Archilles-Ferse: Der Finanzplatz

Erste Projekte der neuen Seidenstrasse sind bereits in Angriff genommen worden, neue Häfen in Sri Lanka, Bangladesch und Pakistan beispielsweise. Dabei werden eigene Ziele verfolgt.

Britain's Prince Charles (L) speaks with China's President Xi Jinping at the Mandarin Oriental hotel in London, Britain October 20, 2015. The president and his wife will be guests of Queen Elizabeth during their state visit to Britain. REUTERS/Justin Tallis/pool

Tee mit Prinz Charles.
Bild: POOL/REUTERS

China ist zwar inzwischen der grösste Werkplatz der Welt, sein Finanzplatz hingegen ist ausbaufähig, um es höflich zu sagen. Daher hat China ein grosses Interesse an der City of London, dem zusammen mit der Wall Street bedeutendsten Finanzzentrum der Welt. Die Briten wiederum sind scharf darauf, Chinas Banker in der westlichen Welt zu werden. «Beide Regierungen wollen, dass London der wichtigste Umschlagplatz für den Handel und das Clearing mit Renminbi wird», stellt George Magnus, ökonomischer Berater der UBS, fest.  

Die chinesische Wirtschaft befindet sich in einem Formtief

So weit der Plan. In der Praxis läuft es nicht ganz so geschmiert. Chinas Wirtschaft befindet sich im Umbau und ist krisenanfällig geworden. Das Wachstum ist – für chinesische Verhältnisse ungewohnt – unter sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesunken. Die Börse in Shanghai erlitt in diesem Sommer einen bösen Rückschlag, ein Crash konnte nur dank dem Eingreifen des Staates verhindert werden.

Das Vereinigte Königreich plagen andere Sorgen. Voraussichtlich im kommenden Jahr werden die Briten über ein EU-Referendum abstimmen. Was ursprünglich von Premierminister David Cameron als Befreiungsschlag geplant war, ist zur Zitterpartie geworden. Es ist inzwischen denkbar, dass sich die Briten für einen EU-Austritt entscheiden.

Londons Probleme mit der EU

Das wiederum würde die Attraktivität der City of London für die Chinesen massiv beeinträchtigen. «Es würde Londons Kapazität als Finanzzentrum beschädigen, weil es zu Gesetzesänderungen führen würde, die viele Euro-Geschäfte abwandern liessen», stellt Magnus fest. «Und es würde die britische Wirtschaft neuen Risiken aussetzen, die Chinas Investoren abschrecken würden.»

Historisch interessierte Beobachter können in dem Besuch von Xi Jinping an der Themse auch ein Symbol sehen: Die aufstrebende Supermacht China braucht die City of London, um ihre ehrgeizigen Ziele zu verwirklichen. Die ehemalige Supermacht Grossbritannien braucht das chinesische Kapital, um sich von Europa abzunabeln. Beide gehen dabei ein beträchtliches politisches Risiko ein.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Angelo C. 21.10.2015 00:28
    Highlight Highlight Warum nur finden Löpfes Wirtschaftsartikel fast immer meine volle Zustimmung, obwohl wir rein politisch meist anders ticken 😐?! Einmal mehr eine sehr gute ökonomische Analyse jedenfalls....

    Obwohl wir mit dem Finanzplatz London und im Hinblick auf eine neue Seidenstrasse wohl nur sehr marginal konkurrieren können, müssen wir uns in der Schweiz mit dem ersten europäischen Freihandelsabkommen, welches China in Europa abgeschlossen hat, immerhin auch nicht gerade stiefmütterlich behandelt fühlen :

    http://www.economiesuisse.ch/sites/default/files/downloads/dp10_freihandelsabkommen_20130706.pdf
    5 1 Melden
  • ZHR8037 20.10.2015 22:01
    Highlight Highlight Kompliment Herr Löpfe dieser Artikel ist sehr gut geschrieben. Die BBC hat heute fast den gleichen Ansatz gehabt.
    6 0 Melden
  • Wilhelm Dingo 20.10.2015 15:36
    Highlight Highlight Gute Analyse. Ich bin mir nicht sicher wen ich lieber als dominierende Weltmacht habe möchte, die USA oder China. China führt beträchtlich weniger Kriege als die USA...
    12 3 Melden
    • 有好的中国老虎 friendly chinese Tiger 20.10.2015 16:53
      Highlight Highlight das habe ich auch zuerst gedacht, dass sie bis jetzt keine Kriege führen. Aber ich glaube lieber China als die neue Weltmacht haben als die US and A.
      1 6 Melden
    • roger.schmid 20.10.2015 22:35
      Highlight Highlight china ist ein verbrecherstaat - frag mal einen Tibeter - oder einen oppositionellen, was aber bei der hinrichtungsrate (staatsgeheimnis) schwierig sein könnte.. kapitalismus der dreckisten sorte und nennen sich komunisten!! sorry, bei thema lüpfts mir einfach den hut! ja, die usa haben auch viel dreck am stecken aber im vergleich zu diktaturen wie china oder russland sind die mir 100 mal lieber.
      2 1 Melden
    • Wilhelm Dingo 21.10.2015 09:42
      Highlight Highlight @Hakuna & Roger: Ihr habt beide Recht, aber es geht um die Wahl zwischen zwei Übeln. Die Frage ist welches das kleinere ist.
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