Wirtschaft

In der Kutsche mit der Queen: Chinas Präsident Xi Jinping.
Bild: AP /POOL Evening Standard

Warum Chinas Präsident Xi in London königlich empfangen wird

China will eine neue Seidenstrasse bauen und braucht dazu die City of London. Die Briten sind Europa-müde und auf der Suche nach neuen Wirtschaftspartnern.

20.10.15, 14:48 21.10.15, 15:16

Der chinesische Präsident Xi Jinping weilt in diesen Tagen in London. Es ist kein gewöhnlicher Höflichkeitsbesuch. China verfolgt einen langfristigen Plan: den Aufbau einer neuen Seidenstrasse. Dabei spielt auch der Finanzplatz London eine entscheidende Rolle.

In China hat sich in den letzten Jahrzehnten das wohl grösste Wirtschaftswunder in der Geschichte der Menschheit ereignet. Aus Maos Steinzeitkommunismus wurde die Werkhalle der Weltwirtschaft und die mittlerweile zweitgrösste Volkswirtschaft. Dabei ist in Peking auch ein riesiger Schatz angehäuft worden. Die Devisenreserven bei der Bank of China werden auf rund 4000 Milliarden Dollar geschätzt.  

China wird immer mehr zum Rivalen der USA

China will diesen Schatz nicht einfach horten, es will zumindest einen Teil davon für den Aufbau eines sehr ehrgeizigen Projekts verwenden, den Bau einer modernen Seidenstrasse. Die alte Seidenstrasse diente dem Handel. Es wurden auf diesem Weg nebst Seide auch Gewürze und Glas von Asien nach Europa transportiert. Die neue Version ist eine Art Marshallplan mit chinesischen Charakteristika, ein gewaltiges Entwicklungsprogramm, von dem sich China neue Märkte und politischen Einfluss erhofft.  

«Wie der Marshallplan ist die neue Seidenstrasse so konzipiert, dass wirtschaftliche Angebote mit anderen Bedürfnissen vermischt werden.»

«Financial Times»

Um diesen Entwicklungsplan voranzutreiben, hat China eine Konkurrenz zum Internationalen Währungsfonds gegründet, die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB). Damit sollen die einzelnen Projekte finanziert werden. Sehr zum Ärger der Amerikaner sind die Briten dieser Bank beigetreten.  

Chinas Archilles-Ferse: Der Finanzplatz

Erste Projekte der neuen Seidenstrasse sind bereits in Angriff genommen worden, neue Häfen in Sri Lanka, Bangladesch und Pakistan beispielsweise. Dabei werden eigene Ziele verfolgt.

Tee mit Prinz Charles.
Bild: POOL/REUTERS

China ist zwar inzwischen der grösste Werkplatz der Welt, sein Finanzplatz hingegen ist ausbaufähig, um es höflich zu sagen. Daher hat China ein grosses Interesse an der City of London, dem zusammen mit der Wall Street bedeutendsten Finanzzentrum der Welt. Die Briten wiederum sind scharf darauf, Chinas Banker in der westlichen Welt zu werden. «Beide Regierungen wollen, dass London der wichtigste Umschlagplatz für den Handel und das Clearing mit Renminbi wird», stellt George Magnus, ökonomischer Berater der UBS, fest.  

Die chinesische Wirtschaft befindet sich in einem Formtief

So weit der Plan. In der Praxis läuft es nicht ganz so geschmiert. Chinas Wirtschaft befindet sich im Umbau und ist krisenanfällig geworden. Das Wachstum ist – für chinesische Verhältnisse ungewohnt – unter sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesunken. Die Börse in Shanghai erlitt in diesem Sommer einen bösen Rückschlag, ein Crash konnte nur dank dem Eingreifen des Staates verhindert werden.

Das Vereinigte Königreich plagen andere Sorgen. Voraussichtlich im kommenden Jahr werden die Briten über ein EU-Referendum abstimmen. Was ursprünglich von Premierminister David Cameron als Befreiungsschlag geplant war, ist zur Zitterpartie geworden. Es ist inzwischen denkbar, dass sich die Briten für einen EU-Austritt entscheiden.

Londons Probleme mit der EU

Das wiederum würde die Attraktivität der City of London für die Chinesen massiv beeinträchtigen. «Es würde Londons Kapazität als Finanzzentrum beschädigen, weil es zu Gesetzesänderungen führen würde, die viele Euro-Geschäfte abwandern liessen», stellt Magnus fest. «Und es würde die britische Wirtschaft neuen Risiken aussetzen, die Chinas Investoren abschrecken würden.»

Historisch interessierte Beobachter können in dem Besuch von Xi Jinping an der Themse auch ein Symbol sehen: Die aufstrebende Supermacht China braucht die City of London, um ihre ehrgeizigen Ziele zu verwirklichen. Die ehemalige Supermacht Grossbritannien braucht das chinesische Kapital, um sich von Europa abzunabeln. Beide gehen dabei ein beträchtliches politisches Risiko ein.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Angelo C. 21.10.2015 00:28
    Highlight Warum nur finden Löpfes Wirtschaftsartikel fast immer meine volle Zustimmung, obwohl wir rein politisch meist anders ticken 😐?! Einmal mehr eine sehr gute ökonomische Analyse jedenfalls....

    Obwohl wir mit dem Finanzplatz London und im Hinblick auf eine neue Seidenstrasse wohl nur sehr marginal konkurrieren können, müssen wir uns in der Schweiz mit dem ersten europäischen Freihandelsabkommen, welches China in Europa abgeschlossen hat, immerhin auch nicht gerade stiefmütterlich behandelt fühlen :

    http://www.economiesuisse.ch/sites/default/files/downloads/dp10_freihandelsabkommen_20130706.pdf
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    • Quattri 21.10.2015 10:19
      Highlight Lieber Angelo, bitte genau bleiben: zwar sind die beiden bilateralen Freihandelsabkommen Chinas mit der Schweiz und mit Island beide am 01.07.2014 in Kraft getreten, abgeschlossen wurde jedoch zuerst jenes mit der energiereichen Insel Island.

      Interessant ist nun ja, dass China als Gegenmassnachme zum TPP das Netz an solchen bilateralen FHA stärker ausbauen möchte. Somit werden hier wohl in nächster Zeit noch sehr viele hinzukommen, ob nun eines mit dem ex-EU Land UK oder direkt mit der EU werden wir wohl bald sehen.
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  • ZHR8037 20.10.2015 22:01
    Highlight Kompliment Herr Löpfe dieser Artikel ist sehr gut geschrieben. Die BBC hat heute fast den gleichen Ansatz gehabt.
    6 0 Melden
  • Quattri 20.10.2015 16:19
    Highlight Was die NZZ nicht versteht (Schlagzeile vor ein paar Jahren auf Seite 1: "Cameron auf Staatsbesuch in Indien"), versteht watson zum Glück: Die Queen ist das Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs und deshalb ist es an ihr bei einem Staatsbesuch ihr Counterpart, den Präsidenten Chinas zu empfangen. Es gibt hierzu gar keine Alternative, alles andere wäre ein Affront.
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    • Gantii 21.10.2015 07:26
      Highlight das ist wohl eine affront für jede demokratie.. - meine steuergelder würde ich solch hohlen monarchen bestimmt nicht in die hand drücken ;)
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  • Wilhelm Dingo 20.10.2015 15:36
    Highlight Gute Analyse. Ich bin mir nicht sicher wen ich lieber als dominierende Weltmacht habe möchte, die USA oder China. China führt beträchtlich weniger Kriege als die USA...
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    • Gelöschter Benutzer 20.10.2015 15:50
      Highlight Ich bin jetzt mal zynisch und sage: bis jetzt. Jedoch denke ich dass China andere Pläne als Krieg verfolgt. Absolute Weltherrschaft durch Ökonomie. ;)
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    • 有好的中国老虎 friendly chinese Tiger 20.10.2015 16:53
      Highlight das habe ich auch zuerst gedacht, dass sie bis jetzt keine Kriege führen. Aber ich glaube lieber China als die neue Weltmacht haben als die US and A.
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    • roger.schmid 20.10.2015 22:35
      Highlight china ist ein verbrecherstaat - frag mal einen Tibeter - oder einen oppositionellen, was aber bei der hinrichtungsrate (staatsgeheimnis) schwierig sein könnte.. kapitalismus der dreckisten sorte und nennen sich komunisten!! sorry, bei thema lüpfts mir einfach den hut! ja, die usa haben auch viel dreck am stecken aber im vergleich zu diktaturen wie china oder russland sind die mir 100 mal lieber.
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    • Gelöschter Benutzer 21.10.2015 07:37
      Highlight Und die Gewalt & Unterdrückung dem Volk gegenüber ist für Sie nicht relevant? Wie blind Sie doch leider sind...
      3 0 Melden
    • Wilhelm Dingo 21.10.2015 09:42
      Highlight @Hakuna & Roger: Ihr habt beide Recht, aber es geht um die Wahl zwischen zwei Übeln. Die Frage ist welches das kleinere ist.
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    • 有好的中国老虎 friendly chinese Tiger 21.10.2015 10:13
      Highlight @ roger.schmid.
      Ich habe mehrere independent Dokus über die US Kriegsstragien gesehen und muss sagen, dass nur die wenigstens überhaupt wissen, was in der Welt vor sich geht.
      Schauen Sie mal die Doku "Schmutzige Kriege - Dirty Wars"
      Vielleicht ändern Sie Ihre Meinung.
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    • roger.schmid 21.10.2015 11:44
      Highlight @​Eddie: keine angst, dass weiss ich schon. habs ja auch erwähnt. aber vielleicht sollten Sie sich mal anschauen was China und Tibet so abläuft...
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    • 有好的中国老虎 friendly chinese Tiger 21.10.2015 13:48
      Highlight @ roger: finde es auch nicht gut, was da China in Tibet macht. Aber finde es auch schlecht, dass die USA in Guantanamo immer noch Leute festhalten, die nie ein Gericht gesehen haben. Es sind beide Staaten keine unbeschriebene Blätter.
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