Wirtschaft

Paris. Im Hintergrund der Finanzdistrikt La Défense.
Bild: CHARLES PLATIAU/REUTERS

Nach Brexit: Hollande will Paris zum neuen EU-Finanzzentrum machen

Frankreichs Präsident Hollande will nach dem Brexit Paris als Finanzplatz stärken. Er setzt auf neue Köder für die Banker aus London.

30.06.16, 09:19

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Wohin ziehen die Banken der Londoner City nach dem Brexit – Frankfurt am Main, Paris, Luxemburg oder gar Dublin? Frankreichs Staatschef François Hollande bringt seine Hauptstadt in Stellung, um London als wichtigsten Finanzplatz Europas zu beerben.

Den Finanzplatz Paris attraktiver machen: Der französische Präsident François Hollande. Bild: PASCAL ROSSIGNOL/REUTERS

Da Grossbritannien nach einem EU-Austritt «ein Drittstaat» werde, könnten in London ansässige Banken nicht mehr automatisch in der gesamten Eurozone operieren, sagte Hollande in einem Interview mit der französischen Wirtschaftszeitung «Les Echos».

So reagiert die britische Presse auf den Brexit

Es sei «legitim und logisch, dass die französischen Banken sich folglich organisieren und vorbereiten». Die Regierung müsse daher «unsere Regeln, darunter die fiskalischen, anpassen, um den Finanzplatz Paris attraktiver zu machen», fügte Hollande hinzu. Die französische Hauptstadt hat im Kampf auf die Vorreiterrolle im Finanzwesen allerdings starke Konkurrenz: Auch Frankfurt am Main sowie Dublin und Luxemburg mit ihren liberalen Steuergesetzen gelten als Kandidaten.

Der Brexit birgt aus Hollandes Sicht neben Chancen auch Gefahren für die französische Wirtschaft. Ein Austritt Grossbritanniens aus der EU werde sich zwar vor allem in dem Land selbst auswirken, eine Rezession im Königreich könnte aber auch «ein Risiko für die Eurozone und Frankreich» bedeuten, sagte Hollande «Les Echos».

Um diese Gefahr einzudämmen, müsse es eine «rasche und klare europäische Antwort» auf das britische Referendum der vergangenen Woche geben. «Je kürzer die Phase der Unsicherheit über den Platz Grossbritanniens in Europa, umso begrenzter werden die Auswirkungen des Brexit sein», mahnte Hollande.

Der französische Präsident, der seit langem mit schlechten Umfragewerten und Massenprotesten gegen seine Arbeitsmarktreform zu kämpfen hat, prognostizierte für dieses Jahr eine bessere Wirtschaftsentwicklung als zunächst erwartet. Statt um 1,5 Prozent werde die französische Wirtschaft um 1,6 Prozent wachsen, wodurch mindestens 200'000 neue Jobs geschaffen werden könnten. «Es gibt durchaus eine Erholung in Frankreich und den Beginn einer Umkehr der Arbeitslosigkeitskurve», sagte Hollande in dem Interview. Dies sei «ein unbestreitbarer Fakt».

Der Staatschef stellte Steuererleichterungen in Aussicht. Sollte die französische Wirtschaft im nächsten Jahr tatsächlich um mindestens 1,7 Prozent wachsen, würden die Steuern für Privathaushalte um weitere zwei Milliarden Euro gesenkt. Zudem sollen Firmen um weitere fünf Milliarden Euro entlastet und die Steuern für kleine und mittlere Betriebe gesenkt werden.

nck/Reuters/AFP

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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