Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Hat die Katze aus dem Sack gelassen: CS-CEO Tidjane Thiam.
Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Übernehmen bei der CS die Scheichs aus Katar und Saudi-Arabien das Zepter?

Der neue CEO der Credit Suisse, Tidjane Thiam, restrukturiert die Bank, baut in der Schweiz 1600 Arbeitsplätze ab und bringt die Schweizerische Kreditanstalt an die Börse. Läutet er damit eine neue, erfolgreiche Ära ein – oder verhökert er damit die einst stolze Schweizer Bank an arabische Investoren?

21.10.15, 11:37 22.10.15, 11:06


«Tidjane Thiam sticht der CS ins Herz» titelt heute der Newsletter Inside Paradeplatz. Lukas Hässig malt dabei ein düsteres Bild für die Zukunft der Schweizer Traditionsbank: Das Herzstück der Bank, die einst von Alfred Escher gegründete SKA, werde verscherbelt, «von Nachfolgern mit McKinsey Karrieren».

Ölscheichs als Bedrohung für Schweizer Banken.
Bild: Kamran Jebreili/AP/KEYSTONE

Die Filetstücke würden sich nun ausländische Grossinvestoren, Ölscheichs und Hedge-Fund-Manager zu Schnäppchenpreisen unter den Nagel reissen, altgedientes Personal durch willige und billige Junge ersetzt. Hässigs Fazit:

«Die CS liegt da wie ein angefahrenes Reh auf der Strasse. Jetzt machen sich ihre Eigentümer ans Ausnehmen.»

Lukas Hässig, Inside Paradeplatz

So weit, so schlecht. Lukas Hässig ist zwar ein erfahrener, aber auch umstrittener Finanzjournalist. Spektakuläre Enthüllungen (Vasella/Novartis) wechseln sich ab mit ebenso spektakulären Flops (UBS/Bär). Sein Newsletter steht zudem im Ruf, eine Stimme der Loser rund um den Paradeplatz zu sein. Wenden wir uns also den Fakten zu:

CS rendiert nicht mehr

Die CS befindet sich in einem Formtief, die Zahlen des dritten Quartals haben die eh schon gedämpften Erwartungen der Analysten nicht erfüllt. Gerade mal 826 Millionen hat die Bank in dieser Periode erwirtschaftet, vor Steuern, wohlgemerkt. Das entspricht der Hälfte des Vorjahrs. Die Eigenkapitalrendite – das A und O in der Bankenwelt – dümpelt um die 5 Prozent, weit von den 25 Prozent entfernt, die Jo Ackermann einst als Minimum für eine anständige Bank forderte.

Forderte einst 25 Prozent Eigenkapitalrendite: Josef Ackermann.
Bild: CHRISTIAN HARTMANN/REUTERS

Die Probleme der CS sind seit längerem bekannt: Zu viel Investmentbanking, zu wenig Vermögensverwaltung und eine zu dünne Eigenkapitaldecke. Vom neuen Chef Thiam wurde daher eine tiefgreifende Restrukturierung erwartet. Die hat er nun geliefert. Die Schwerpunkte dabei sind:

Die neue Ausrichtung der CS ist wenig überraschend. Sie kopiert mehr oder weniger das Modell der UBS.

«Die Formel, das Investmentbanking zurückzufahren und sich auf die Vermögensverwaltung zu konzentrieren, hat der UBS geholfen, wieder zu gesunden.»

Wall Street Journal

Wie die UBS will auch die CS künftig das Investmentbanking in den Dienst der Vermögensverwaltung stellen. Das bedeutet, dass auf spekulative Deals mit Währungen und anderen Gütern verzichtet werden soll. Die Risiken – und neuerdings die Bussen  – sind schlicht zu gross geworden. Wie bei der UBS ist der ideale Kunde der Zukunft ein reicher Unternehmer, der auf seinem ganzen Lebenszyklus begleitet wird. Er wird zudem eher in Asien als auf dem alten Kontinent zuhause sein.

Böses Omen?

Nicht nur die CS ist dabei, sich neu auszurichten. Auch die Deutsche Bank, Barclays und auch JP Morgan wälzen ähnliche Pläne. Der Vorwurf, die CS werde an den Persischen Golf verscherbelt, ist daher unsinnig. Die neue Strategie passt sich vielmehr den geänderten Umständen an. Doch die Vorwürfe zeigen auch, was auf Thiam zukommen könnte, wenn sein Plan nicht aufgehen sollte. Er ist Muslim und schwarz.

Abonniere unseren Daily Newsletter

17
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • elivi 21.10.2015 19:19
    Highlight huh wusste bis jetzt gar ned, dass er muslim is. Schwarze sind ja nicht unbedingt muslime. ich glaub sogar eher minderheit? naja ... spielt ja eigentli keine rolle. man kann muslim sein auf paper aber gar nicht aktive praktizieren.
    2 5 Melden
    • Typu 21.10.2015 20:01
      Highlight Ist denn ein aktiv praktizierender muslim ein problem? Hui wasn hier los heute ...
      11 2 Melden
    • Hayek1902 22.10.2015 11:21
      Highlight wär tatsächlich ein problem in der bankenwelt, weil nicht halal
      3 0 Melden
  • ChiefJustice 21.10.2015 18:47
    Highlight *rentiert
    1 0 Melden
  • christianlaurin 21.10.2015 13:47
    Highlight Did any of you actually decide to read the report?

    1) No it is not following a UBS strategy. Investment banking is still very much part of the bank. The difference is that it is going back to its roots of helping businesses do business.

    2) Wealth management is geared towards business owners, not rich people. Again makes sense as rich people have their own offices.

    3) Bank is spun off to focus on "Swissness"

    4) There will be no blood letting in people.
    8 4 Melden
  • Der Rückbauer 21.10.2015 13:39
    Highlight Keine Angst, haben sie schon, die Männer in den langen Gewändern, die wir mit unseren Oelkäufen finanzieren. Die CS ist schon lange keine Schweizer Bank mehr. Müsste eigentlich Credit Arabe heissen. Wer noch Aktien dieses Casinos hat, ist selbst schuld (und gierig), und wer noch Kunde ist, melde sich doch bitte bei der KESB.
    A propos Philipp Löpfe: Ja, was soll der letzte Satz?
    A propos Lukas Hässig: Ja, ein Winkelried....
    A propos Thiam: Das Erbe des Brädeli....
    13 4 Melden
  • Typu 21.10.2015 12:41
    Highlight Ist doch klar was mit dem letzten Satz gemeint ist. Was mir gar nicht klar ist, was bewegt den Autor sich damit zu exponieren? Total sinnlos mit so einem Einzelsatz.
    24 1 Melden
    • Philipp Löpfe 21.10.2015 13:09
      Highlight Er gibt ein ideales Feindbild für Rassisten ab.
      12 32 Melden
    • Typu 21.10.2015 16:04
      Highlight Naja, sie tragen ihren teil ja dazu bei 😕
      17 1 Melden
  • Hayek1902 21.10.2015 12:38
    Highlight herr löpfe , ich glaube Thiams person ist wirklich nicht der grund für die kritik. die CS soll sich First Boston nennen und Rohner muss weg
    7 0 Melden
  • Teslaner 21.10.2015 12:23
    Highlight Überall stecken langsam diese Saudis dahinter. Eine sehr gefährliche Entwicklung. Ein Land, das Frauenrechte und Menschenrechte regelrecht missachtet erlangt mehr und mehr Macht.
    Es ist langsam Zeit, auf Elektroautos und Saubere Heizungen umzusteigen und nicht mehr diesen Saudis das Geld rübersenden.
    46 4 Melden
    • unclegreg 21.10.2015 12:44
      Highlight Genau!
      amis gut, australier gut, europäer gut, russen schlecht, saudis schlecht, china schlecht, afrikaner schlecht, südamerikaner schlecht.

      14 36 Melden
  • PewPewPew 21.10.2015 12:10
    Highlight "Er ist Muslim und schwarz."
    Huh, was hat diese Bemerkung mit dem Thema des Artikels zu tun?
    31 5 Melden
    • Thomas F. 21.10.2015 12:22
      Highlight Der letzte Satz lässt mich ebenfalls ratlos zurück. Was meinen Sie damit Herr Löpfe?
      25 3 Melden
    • unclegreg 21.10.2015 12:36
      Highlight Die Aussage soll wohl einfach den momentanen Zeitgeist wiedergeben.
      Hat er Erfolg ist es die Schweizer Bank die Erfolg hat ansonsten ist der Ausländer (in diesem Fall schwarz und muslim - böse, böse) schuld.
      26 9 Melden

Valon Behrami und Ignazio Cassis – eine Tessiner Geschichte von Kampf, Krieg und Mitschuld

Fussballstar Valon Behrami floh einst vor der Gewalt im Kosovo ins Tessin. Der Tessiner Bundesrat Ignazio Cassis ermöglicht nun, dass mit Schweizer Waffen Gewalt in Bürgerkriegen ausgeübt wird. Ein Blick auf zwei Leben.

Das ist die Geschichte eines Kriegers, eines Kriegs und eines Fehlentscheids. Ihre Hauptfiguren sind zwei Tessiner. Sie spielt im kosovarischen Mitrovica, in Bellinzona, im russischen Rostow am Don und im Sitzungszimmer des Bundesrats im 1. Obergeschoss, Bundeshaus-West, Bern.

Die Geschichte beginnt am 4. Dezember 1990. Die Familie Behrami, Vater Ragip, Mutter Halime, der damals 5-jährige Valon und seine 7-jährige Schwester Valentina überqueren in einem Bus aus Mitrovica im Kosovo kommend …

Artikel lesen