Wirtschaft
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Das Hauptquartier der Deutschen Bank in Frankfurt.
Bild: RALPH ORLOWSKI/REUTERS

Kein Geld, keine Strategie: Die Deutsche Bank bedroht das internationale Finanzsystem 

Die Deutsche Bank hat die gleichen Probleme wie die Credit Suisse – nur viel schlimmer. Der Internationale Währungsfonds schlägt Alarm.

29.07.16, 13:03 29.07.16, 21:15


Vor ein paar Tagen konnte CS-Chef Tidjane Thiam eine Art halben Befreiungsschlag verkünden. Im zweiten Quartal hat seine Bank wieder einen bescheidenen Gewinn erzielt, und was noch wichtiger ist: Die CS scheint das Vertrauen der Superreichen wieder gefunden zu haben. Das Wealth Management erzielte einen Zufluss von Neugeld in der Höhe von 11 Milliarden Franken.

Muss einen Augiass-Stall ausmisten: John Cryan, Chef der Deutschen Bank.
Bild: EPA/DPA

Davon kann der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, nur träumen. Der ehemalige UBS-Banker hat den derzeit übelsten Job in der internationalen Bankenszene. Er muss die Deutsche wieder auf Kurs bringen. Im Vergleich dazu ist Thiams Neupositionierung der CS ein Kindergeburtstag.  

Die hoch fliegenden Pläne der Ex-Chefs

Beide Chefs haben das gleiche Problem: Sie müssen ein aufgeblähtes und nicht mehr rentables Investmentbanking zurückstutzen. Nur ist bei der Deutschen das Ausmass viel grösser. 2014 fällten die damaligen Chefs, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, einen Grundsatzentscheid. Während im Nachgang der Finanzkrise rund um den Globus das Investmentbanking abgebaut wurde, setzten die beiden damaligen Chefs auf das Gegenteil: Sie wollten die Deutsche zur grössten Investmentbank Europas ausbauen und so ein Gegenwicht zu den Titanen der Wall Street bilden.  

Haben sich brutal verzockt: Die Ex-Chefs Jain und Fitschen.
Bild: EPA/DPA

Es war eine fatale Fehlentscheidung: Das Umfeld für das Investmentbanking war in den letzten Jahren – milde ausgedrückt – nicht vorteilhaft. Nach dem Debakel von 2008 wurde das Finanzkasino entweder geschlossen oder zumindest der Zutritt massiv erschwert, will heissen: Viele der einst so lukrativen Geschäfte mit hochkomplexen Finanzinstrumenten sind verpönt.  

Gleichzeitig werden die Banken gezwungen, ihr Eigenkapitalpolster zu erhöhen. Beides lässt die Gewinne schrumpfen. Selbst der langjährige Musterschüler Goldman Sachs muss sich derzeit mit einer einstelligen Eigenkapitalrendite begnügen. Zum Vergleich: Josef Ackermann forderte einst als Chef der Deutschen eine minimale Eigenkapitalrendite von 25 Prozent.  

Die Deutsche Bank ist zu gross, um nur Hausbank der deutschen Wirtschaftselite zu sein.»

Economist

Für die Deutsche kam es noch viel schlimmer: Im letzten Jahr erzielte sie einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro, und auch im laufenden Jahr wird ein Verlust von gegen eine Milliarde Euro erwartet. Um die schlimmsten Löcher zu stopfen, muss John Cryan einen Teil seines Tafelsilbers verhökern, will heissen: verkaufen, was sich verkaufen lässt.  

Hat die Postbank gekauft: Ex-Chef Josef Ackermann.
Bild: KEYSTONE

Liebend gerne würde er die Tochter Postbank abstossen, denn im deutschen Retailgeschäft ist der Wettbewerb mörderisch und im Zeitalter der negativen Zinsen verdient dort niemand Geld. Deshalb hat sich bisher auch kein Käufer gemeldet. Cryan braucht jedoch dringend frisches Kapital. Von allen grossen Banken hat die Deutsche derzeit das dünnste Eigenkapitalpolster.  

Was aber sollte potentielle Inverstoren locken? Der Kurs der Aktie nähert sich der ominösen 10-Euro-Grenze und ist tiefer als auf dem tiefsten Punkt nach der Finanzkrise. Zudem gibt es noch beträchtliche Altlasten. Anders als die UBS und die CS hat die Deutsche ihre Probleme mit den USA noch nicht bereinigt. Insgesamt 7000 Rechtsfälle müssen noch erledigt werden. Dafür sind Reserven in der Höhe von 5,5 Milliarden Euro gebildet worden.

Nach dem Brexit brach der Aktienkurs ein

Kommt dazu, dass die Deutsche ein Brexit-Opfer ist. Als Investmentbank hat sie eine grosse Präsenz auf dem Finanzplatz London. Wie es dort weitergehen wird, ist derzeit noch völlig unklar. Nach dem Brexit ist der Kurs der Deutschen um einen Viertel eingebrochen.  

Mitarbeiter der Postfinance protestieren vor dem Hauptgebäude.
Bild: KAI PFAFFENBACH/REUTERS

UBS und CS haben ihre Strategie über Bord geworfen und stellen neuerdings das Investmentbanking in den Dienst des Wealth Managements. Diese Option hat die Deutsche nicht, denn sie hat gar kein nennenswertes Wealth Management. Sie hat auch kein nennenswertes Retailbanking, und sie ist, wie der «Economist» schreibt, «zu gross, um nur die Hausbank der deutschen Wirtschaftselite» zu sein.  

Hoffentlich irrt sich der IWF

In dieser Funktion hat es die Deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ruhm und Ehre gebracht. Ihre Chefs wie Hermann Josef Abs, Alfred Herrhausen oder Hilmar Kopper gehörten zu den mächtigsten Vertretern der deutschen Wirtschaft. Weder bei Mercedes noch bei Siemens wurden wichtige Entscheide ohne ihre Zustimmung gefällt.

Heute ist die Deutsche am Boden. John Cryan hat bereits 9000 Mitarbeiter entlassen, weitere werden folgen, die Moral ist im Keller. Das ist nicht nur für die Mitarbeiter und Aktionäre ein Problem. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat kürzlich erklärt, von allen global wichtigen Banken scheine die Deutsche «am meisten zu den Systemrisiken beizutragen». Dazu ergänzt die «Financial Times» besorgt: «Niemand kann ein Interesse daran haben, dass der IWF Recht bekommt.»

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Zeno Hirt, 25.6.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Der Rückbauer 30.07.2016 08:34
    Highlight Spooky: Nur den Habenichtsen ist es "total egal, ob die Weltwirtschaft von einem Tag auf den anderen global zusammenbricht. Sie haben nach dem Zusammenbruch nicht weniger als vorher". Mit dieser Aussage kann ich nun gar nichts anfangen; sie ist einfach nur hohl. -
    Und dann zur CS: Schöngefärbt, schon fast gefährlich schöngeschrieben. Die weissen Westen sind am Arbeiten, und sie schaffen es bis heute nicht (http://insideparadeplatz.ch/2016/07/28/the-shrinking-credit-suisse/). CS-Aktie am 28.7.2016: Zuerst +3, dann -7 und Schluss -5%. 52 Wochen -57%. Die DB ist am Boden, und die CS auch.
    2 1 Melden
  • Spooky 30.07.2016 02:43
    Highlight Nicht persönlich nehmen, Philipp Löpfe! Aber dieser Artikel - das ist die eiskalte Sprache des Kapitals. Aber, zugegeben, was auf unserem Planeten passiert, das kann man nur noch in dieser eiskalten, seelenlosen Sprache journalistisch korrekt beschreiben. Chapeau!
    0 4 Melden
  • Spooky 29.07.2016 23:13
    Highlight Nur zum Sagen: Milliarden von Menschen ist est total egal, ob die Weltwirtschaft von einem Tag auf den anderen global zusammenbricht. Sie haben nach dem Zusammenbruch nicht weniger als vorher.
    8 7 Melden
    • Spooky 31.07.2016 23:40
      Highlight @Ben88
      Das stimmt, was du sagst. Leider ist es halt so (und ich meine das nicht zynisch): Arme Leute sind - leider - auch dumme Leute. (Ich zum Beispiel gehöre auch zu den dummen Leuten.)
      0 0 Melden
  • Spooky 29.07.2016 20:23
    Highlight "Wir schaffen das!"
    5 3 Melden
  • ströfzgi 29.07.2016 18:38
    Highlight Eigenkapitalrendite von 25%... Zeigt doch irgendwie den Grössenwahn gewisser Herren.

    Super Artikel, Herr Löpfe!
    13 1 Melden
  • amore 29.07.2016 16:44
    Highlight Früher diagnostizierte man "unsere frei Wirtschaft ist nicht das beste Wirtschaftssystem, aber es gibt keine besser Alternative". Kluge Köpfe sollten in einem demokratischen Evaluationssystem ein grundlegend NEUES Geld- und Wirtschaftssystem erarbeiten. Der Crash ist nicht mehr aufzuhalten, und es werden Millionen von Menschen Verlierer sein. Klar wird es einige Superteiche geben, die im Crash nicht untergehen werden. Vielleicht könnte man den Grundsatz der Solidarität wieder aufleben lassen und als oberstes Gebot des Handelns verbriefen. Es wäre enorme Chance.
    9 1 Melden
    • FrancoL 29.07.2016 18:11
      Highlight Ja wenn in unserer "DNA" mehrheitlich die Solidarität verankert wäre würde ich Dir zustimmen.

      Nun nach einigen Jahrzehnten der Betrachtung, habe damit schon in der Mittelschule begonnen, glaube ich nicht dass die Solidarität extrem weit verbreitet ist, zumindest nicht in unseren Breitengraden. Damit will ich nicht sagen dass wir nur unsolidarisch sind, aber wenn es wirklich zu einer flächendeckenden Solidarität kommen müsste würden viele dagegen schwimmen und es wäre dann der Damm einer durchgehenden Solidarität gebrochen. Egoismus ist immer noch eine der treibensten Kräfte.
      15 0 Melden
    • You will not be able to use your remote control. 29.07.2016 20:35
      Highlight Du glaubst, das liegt nur an der DNA?

      Kennst du dieses Buch: Frank Schirrmacher: Ego das Spiel des Lebens
      2 1 Melden
  • Zuagroasta 29.07.2016 16:06
    Highlight Heute las ich in der FAZ, zwei Artikel über die CS. So rosig, wie Herr Löpfe es beschreibt, sieht es dort auch nicht aus.

    http://m.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/credit-suisse-kommt-nicht-zur-ruhe-14361977.html

    Der zweite Artikel ist nur via Print zu finden, schlägt aber in dieselbe Kerbe.
    Übernahmekanidat usw.

    Jetzt frag ich mich, was stimmt.

    PS: die Deutsche Bank wird auch von der FAZ kritisiert.

    http://m.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/deutsche-bank-nur-noch-mit-mini-gewinn-14359355.html

    5 3 Melden
    • Philipp Löpfe 29.07.2016 16:08
      Highlight Ich habe keineswegs gesagt, die Lage bei der CS sei rosig. Ich habe nur gesagt, dass es bei der Deutschen Bank noch viel schlimmer ist.
      32 3 Melden
    • Zuagroasta 29.07.2016 16:31
      Highlight Ok. Falsche Wortwahl meinerseits.
      Nur den Vergleich finde ich nicht so gelungen. Ich beobachte seit dem
      Too big to fail Ausspruch vor ein paar Jahren den Bankensektor ziemlich intensiv.
      Thiam scheint die CS an die Wand zu fahren (Stellenabbau, aber dicke Boni und solche Sachen).
      Dass die Deutsche Bank mies dasteht will ich nicht verleugnen.
      FT hat dies gestern auch sehr eindeutig hervorgehoben.
      2 2 Melden
    • Philipp Löpfe 29.07.2016 18:09
      Highlight Dann sind wir uns ja fast einig. Schönes Wochenende
      7 3 Melden
    • Zuagroasta 29.07.2016 18:31
      Highlight Ihnen auch, Herr Löpfe. :)
      6 2 Melden
  • LeChef 29.07.2016 14:42
    Highlight Die Deutsche wollte ab 2011 in die Lücke stossen, die bspw. UBS oder Barclays auf dem Markt für Investment Banking hinterliessen. Das schien damals gar keine so schlechte Strategie zu sein; zumindest die Aktionäre und der Vorstand waren durchaus zufrieden. Es erweist sich aber erneut als richtig, dass die Europäischen Banker die Trends im komplexen Investment Banking einfach weniger gut einschätzen können, als ihre Amerikanischen Kollegen. Das war schon 2005/06 so, als zB. Deutsche und UBS gross in den US-Hypothekar-Markt einstiegen, während Citigroup und Co sich bereits wieder zurück zogen...
    20 0 Melden
    • FrancoL 29.07.2016 18:20
      Highlight Manchmal steigt man ein in der Hoffnung der andere hätte sich getäuscht.
      Man muss einmal davon wegkommen zu meinen die Bänker hätten da immer eine durchdachte Strategie.
      Grundsätzlich geht es auch beim Finanzwesen mitunter um try and error. Nur so lässt sich erklären das namhafte Institute gegenläufige Bewertungen abgeben und auch gegenläufig handeln.
      9 0 Melden
  • E7#9 29.07.2016 14:29
    Highlight Ein sehr lesenswerter Artikel. Politische Löpfe-Artikel können manchmal sehr einseitig sein. Aber was Wirtschafts-Artikel angeht: Chapeau...!
    41 1 Melden
  • elivi 29.07.2016 13:59
    Highlight Postfinance? ... Meint man hier die post tochter? Oder gibts in deutschland ein ableger?
    14 4 Melden
  • noxon 29.07.2016 13:51
    Highlight Handelt es sich bei der erwähnten Postfinance nicht eher um die Tochter Deutsche Postbank?
    Ansonsten ein sehr interessanter Artikel.
    24 0 Melden
    • Philipp Löpfe 29.07.2016 14:09
      Highlight Postbank, sorry für den Helvetismus...
      38 0 Melden

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