Wirtschaft
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European Competition Commissioner Margrethe Vestager addresses a news conference at the EU Commission headquarters in Brussels April 22, 2015. European Union antitrust regulators charged Russian gas giant Gazprom  on Wednesday with abusing its dominant position in Poland, Hungary and six other countries in Eastern Europe following more than two years of investigation.  REUTERS/Yves Herman

Der neue Sheriff in Brüssel: Margrethe Vestager. Bild: YVES HERMAN/REUTERS

Mit selbst gestrickten Elefanten gegen Google und Gazprom

Margrethe Vestager heisst die neue EU-Kommissarin für Wettbewerbsfragen. Sie hat sich als Erstes zwei ganz dicke Brocken vorgeknöpft: Google und Gazprom. 



In der dänischen Politik ist Margrethe Vestager (47) ein fester Begriff. Die sozialliberale Politikerin hat der sozialdemokratischen Premierministerin Helle Thorning-Schmidt schmerzliche Kompromisse abgerungen und sich unerschrocken mit den mächtigen Gewerkschaften angelegt. Kein Wunder, wird sie die «Eiserne Lady von Dänemark» genannt. «Man kann Margrethe Vestager viel vorwerfen, aber nicht, dass sie Angst hätte», sagt Bo Lidegaard, Chefredaktor der Zeitung «Politiken». 

Die resolute Dänin sieht sich nicht als Powerfrau

Jetzt hat Vestager ihren Tätigkeitsbereich nach Brüssel verlegt und Joaquin Almunia als Wettbewerbskommissarin abgelöst. Auch in dieser Funktion hat die Tochter eines lutherischen Pastoren-Ehepaars ihre Unerschrockenheit bereits unter Beweis gestellt und sich Google und Gazprom vorgeknöpft. 

Unter ihrem Vorgänger hatten die Dossiers der beiden Konzerne Staub angesetzt. Jetzt kann es nicht schnell genug gehen: Innerhalb weniger Tage hat Vestager Verfahren gegen beide eingeleitet. Sie stehen im Verdacht, ihre Monopolstellung zulasten der Konsumenten missbraucht zu haben. Die resolute Dänin sieht sich selbst nicht als Powerfrau: «Was ich tue, hat nichts mit Härte zu tun», sagt sie in einem Interview mit der «New York Times». «Für die Konsumenten ist es jedoch von grosser Bedeutung, dass der Wettbewerb fair und offen ist, und mein Job besteht darin, dafür zu sorgen.» 

«Man kann Margrethe Vestager viel vorwerfen, aber nicht, dass sie Angst hätte.»

Bo Lidegaard, Chefredaktor «Politiken»

Im Fall von Google hat Vestager einem jahrelangen Zaudern ein Ende gesetzt. Als sie in Brüssel angekommen sei, habe sie das Dossier angeschaut und sei zum Schluss gekommen, dass sich ein Verfahren lohne, sagt sie nüchtern. «Es liegt in meiner Verantwortung, dass etwas geschieht», sagt sie. Jetzt hat Google zehn Wochen Zeit für eine Antwort auf die Vorwürfe. Fallen sie unbefriedigend aus, dann droht dem IT-Riesen eine Busse in Milliardenhöhe. 

Vestager schreckt auch vor Putin nicht zurück

Bei Gazprom geht es nicht nur um Geld, sondern auch um Politik. Eigentlich wollte die EU schon lange gegen den russischen Energiekonzern vorgehen, verzichtete aber wegen der Ukrainekrise darauf. Das politische Risiko besteht nach wie vor – der russische Präsident Wladimir Putin protestiert bereits lauthals gegen das Verfahren. Im Westen jedoch wird die Dänin gelobt. «Trotz aller Risiken hat Frau Vestager vollkommen Recht, wenn sie jetzt handelt», schreibt etwa die «Financial Times». 

Strickt gerne Elefanten: Margarethe Vestager.

Mit Margarethe Vestager ist ein neuer Sheriff in die Stadt gezogen, einer, der aufräumen will. Vestagen schiesst nicht aus der Hüfte und hat auch keinen Revolver. Sie setzt auf Stoffelefanten, die sie während langen Sitzungen selbst strickt und an Freunde und Feinde verteilt. «Elefanten sind nicht nachtragend», sagt Vestagen, «aber sie vergessen auch nichts.» 

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