Wirtschaft
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SAN FRANCISCO, CA - APRIL 30:  Facebook CEO Mark Zuckerberg delivers the opening keynote at the Facebook f8 conference on April 30, 2014 in San Francisco, California. Facebook is hosting the one-day developers conference for the first time since 2011 and over 1500 developers are expected to attend.  (Photo by Justin Sullivan/Getty Images)

Mark Zuckerbergs Facebook geht es blendend, da immer mehr User das soziale Netzwerk auf Smartphones nutzen. Bild: Getty Images North America

Zuckerbergs Pläne

Warum Facebook immer mächtiger wird 

Facebook wurde gross mit einer «ausgeprägten Hacker-Kultur» – so sagt es Gründer Zuckerberg. Diese Zeiten sind vorbei: Alles deutet darauf hin, dass die Geldmaschine jetzt erst richtig loslegt. 

03.05.14, 12:48 05.05.14, 12:28

Ein Artikel von

Thomas Schulz, San Francisco / Spiegel Online 

An dieser Stelle berichtet Spiegel-Korrespondent Thomas Schulz in einer wöchentlichen Kolumne aus dem Silicon Valley und blickt hinter die Kulissen der digitalen Revolution, die rund um die Welt Gesellschaft und Wirtschaft verändert. 

Manchen gilt Facebook bereits als abgeschrieben. Aber der Konzern ist ambitionierter denn je. Mark Zuckerberg will einen Tech-Riesen nach dem Vorbild von Google schaffen und scheint dabei sogar seine Meinung zum Datenschutz zu ändern. 

Es ist noch nicht lange her, da wurde ernsthaft daran gezweifelt, ob Facebook wirklich richtig viel Geld verdienen kann. Vielleicht, hiess es, seien soziale Netzwerke nur eine weitere Phase in der launischen Adoleszenz des Internets. Gerade hat das Unternehmen einen Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar verkündet – für die ersten drei Monate des Jahres. Der Gewinn hat sich fast verdreifacht, auf 642 Millionen Dollar. 

«Alles deutet darauf hin, dass Facebook eine Geldmaschine ist, die jetzt erst richtig loslegt.» 

Dann hiess es, Facebook habe die mobile Welt verpasst, sei auf Smartphones nicht ausreichend präsent. Inzwischen kommen 59 Prozent der Werbeumsätze aus dem mobilen Bereich. 

Immer wieder wird vermeldet, dass Facebook seinen Zenit überschritten habe, vor allem bei Jugendlichen nicht mehr beliebt sei. 700 Millionen Menschen nutzen den Dienst jeden Tag. 

Alles deutet darauf hin, dass Facebook eine Geldmaschine ist, die jetzt erst richtig loslegt. 

Seit dem Börsengang vor knapp zwei Jahren hat der Konzern einen deutlichen Wandel durchlaufen. Es scheint, als sei das ganze Unternehmen fokussierter und konzentrierter. Mit einer sehr viel klareren Vorstellung, was es in Zukunft sein will: Nicht mehr bloss soziales Netzwerk, nicht nur Online-Plattform, egal wie gross. Sondern die führende Macht der mobilen Welt. Ein breit aufgestellter Tech-Gigant wie Google. 

Facebooks Aktienkurs kennt seit Mitte 2013 nur eine Richtung. Grafik: Google Finance

Flucht nach vorn 

Diese neuen, grösseren Ambitionen sind deutlich zu spüren, wenn man in diesen Tagen mit Entwicklern und Programmierern, Managern und Projektleitern des Konzerns spricht. 

Vergangene Woche hat Facebook eine grosse Konferenz für Software-Entwickler in San Francisco abgehalten. In seiner Eröffnungsrede gab sich Mark Zuckerberg kontemplativ [Anmerkung der Redaktion: cooles Wort, oder? ;)]. Das Unternehmen sei zehn Jahre alt, er selbst werde jetzt 30. Zeit, über die Zukunft nachzudenken. Auch im Zwiegespräch mit uns Journalisten am Rande der Veranstaltung war Zuckerberg entspannt und nachdenklich. Die nervöse Energie, das Hibbelige und Hektische, das er in früheren Begegnungen stets an den Tag legte, ist fast verschwunden. 

«Move fast and break things», so lautete bislang das Firmenmotto. Sei schnell, egal ob dabei auch mal was kaputt geht. Zuckerberg sagt, diese Zeiten seien vorbei, das Motto gelte ab sofort nicht mehr. Stattdessen brauche es nun Stabilität und Seriosität. 

Der Konzern hat in den vergangenen Monaten im grossen Stil Unternehmen gekauft, die als eigene Marken oder neue Geschäftsfelder parallel existieren sollen. Allen voran der Messaging-Dienst WhatsApp. Aber auch in virtuelle Realität, Gesundheits- und Fitnessanwendungen sowie Forschung zur künstlichen Intelligenz hat das Unternehmen zuletzt investiert. Die Konzernentwickler arbeiten vermehrt an neuen, eigenständigen Apps



Zumindest teilweise ist die Offensive auch eine Flucht nach vorne. Getrieben von der Angst, zum nächsten Yahoo zu werden: zu langsam, zu selbstsicher und plötzlich irrelevant. 

Zuckerberg sagt im Interview mit der New York Times: «Facebook ist nicht nur eine Sache. Auf dem Desktop hat es Sinn gemacht, eine Website zu haben und verschiedene Formen des Teilens als Features zu integrieren. Aber in der mobilen Welt wollen die Leute etwas anderes.» 

Das Ziel ist es, Facebook zur zentralen Plattform der mobilen Welt zu machen. Dafür müssen längst nicht alle der Millionen von Apps über Facebook laufen. Sie sollen nur irgendwie an den Konzern gebunden sein. Über Werbung und Vermarktung. Über Daten und Informationen, die App und Facebook-Profil miteinander verknüpfen. Indem App-Entwickler Services und Software bei Facebook einkaufen. 

Der Konzern verwendet deshalb sehr viel Energie darauf, sich als Partner für jeden Entwickler von Smartphone-Apps anzubiedern. Facebook bietet allerlei Instrumente und technische Unterstützung, um Apps nicht nur zu bauen, sondern auch zu vermarkten. Selbst wenn die Anwendungen mit dem sozialen Netzwerk sonst nichts zu tun haben. 

Facebook entbündelt seine Apps: Nebst der klassischen Netzwerk-App hat Zuckerberg die Kurznachrichten-Apps Facebook-Messenger und WhatsApp im Portfolio. Bild: AP/AP

Eintrittskarte in die mobile Welt 

Eine wesentliche Rolle bei Zuckerbergs Plänen spielt die Anmeldung mit dem Facebook-Account bei anderen Online-Plattformen und Smartphone-Apps. Der Vorteil für die Nutzer: Sie müssen sich nicht für jede neu installierte App ein neues Profil anlegen und Passwörter merken. Immer mehr Anbieter lassen inzwischen solche «Social-Log-ins» zu. Facebook hat einen Marktanteil von fast 50 Prozent. 

Thomas Schulz ist USA-Korrespondent des «Spiegel», zunächst vier Jahre in New York, jetzt in San Francisco. Fulbright-Stipendiat, Forschungssemester in Harvard. Erlebte Aufstieg und Fall der New Economy bei einem Frankfurter Internet-Start-up. Seit 2001 beim «Spiegel». Ausgezeichnet mit dem Henri-Nannen-Preis, Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik, Reporter des Jahres. 

Zuckerberg sagt, ihm sei durchaus bewusst, dass viele Nutzer dabei gewisse «Vertrauensprobleme» hätten. Dass es die Angst gebe, ungewollt Daten und Informationen an Drittanbieter preiszugeben. Deshalb sollen Nutzer nun einschränken können, welche Daten aus ihrem Profil an Dritte weitergegeben werden. 

Zudem stellte Zuckerberg eine anonyme Log-in-Funktion vor, mit der sich Nutzer auch unerkannt über ihren Facebook-Account bei anderen Apps anmelden können

Das ist sicherlich noch kein Durchbruch im Datenschutzverständnis der US-Internetkonzerne. Aber es ist dennoch ein deutlicher Wandel für einen Mann, der noch vor einigen Jahren sagte, Datenschutz sei keine gesellschaftliche Norm mehr. Es lässt zumindest hoffen, dass ein 30-jähriger Zuckerberg vielleicht doch einen anderen Blick auf die Welt entwickelt. Dass Facebook auch an anderer Stelle seinen Nutzern wieder mehr Kontrolle über Informationen und Daten geben könnte, weil es sich für den Konzern am Ende auszahlt. Weil nur so die anvisierten zwei Milliarden Nutzer möglich werden. 

Zuckerberg betont, das Unternehmen sei gross geworden mit einer «ausgeprägten Hacker-Kultur». Nun sei es an der Zeit, das zu ergänzen. Er sagt: «Wir wollen eine Firmenkultur schaffen, die darauf beruht, dass wir die Leute lieben, für die wir unsere Angebote bauen.» 

Aber die eigentliche Wette des Konzerns sieht so aus: Wenn Facebook quasi zur Eintrittskarte in die mobile Welt wird, wer kann es sich da leisten, seinen Account und all seine Daten zu löschen? 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Romeo 03.05.2014 14:36
    Highlight Feisbuc ist bei Erstestundebenutzer out.
    1 1 Melden

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