Wirtschaft

Facebook-Drohnen

Warum Facebook jetzt den Himmel erobern will

Bild: Titan Aerospace

WhatsApp ist noch nicht mal richtig verdaut, da begibt sich Facebook erneut auf Einkaufstour: Facebook-Chef Zuckerberg will den Drohnenhersteller Titan Aerospace übernehmen. 

04.03.14, 18:02 04.03.14, 18:33

Der Appetit kommt mit dem Essen: Gerade erst hat Facebook für über 19 Milliarden Dollar den Messenger WhatsApp geschluckt, da steht schon die nächste Firma auf der Einkaufsliste des Social-Media-Riesen: Laut Techcrunch hegt Facebook beträchtliches Interesse an Titan Aerospace

«Atmosphärische Satelliten»

Titan Aerospace ist ein Drohnenhersteller, dessen Spezialität Solargleiter sind, sogenannte «atmosphärische Satelliten». Diese Drohnen fliegen in einer Höhe von bis zu 20 Kilometern und erfüllen dort Aufgaben, wie sie sonst von Satelliten übernommen werden, zum Beispiel Wetterüberwachung, Kommunikationsübertragung oder Bildaufnahmen. 

Die unbemannten Flugobjekte sollen nach Angaben des Unternehmens mehr als 100 Kilogramm Gewicht tragen und dank eines eingebauten Autopiloten selbständig starten und landen können. Oft sind solche Manöver aber nicht vorgesehen, denn die Drohnen sollen fünf Jahre ununterbrochen fliegen und in dieser Zeit vier Millionen Kilometer zurücklegen. 

Bis zu 3000 Solarzellen produzieren sieben Kilowatt (knapp zehn PS) Leistung; damit könnten sieben Liter Wasser innerhalb einer Minute von 15 °C auf knapp 30 °C erwärmt werden. Was von der Energie nicht verbraucht wird, kann in einer Lithium-Ionen-Batterie im Flügel der Drohne gespeichert werden. 

Warum aber will Facebook rund 60 Millionen Dollar – auf diese Summe wird der avisierte Übernahmepreis für die Drohnenfirma geschätzt – für eine Technologie ausgeben, die auf den ersten Blick nichts mit dem Kerngeschäft des Social-Media-Anbieters zu tun hat? 

Internetzugang für alle – aus strategischen Gründen

Techcrunch vermutet, dass Facebook die Drohnen dazu einsetzen möchte, um Gebiete ohne Internetverbindung mit einem bezahlbaren Netzzugang zu versorgen. Denn Facebook ist – zusammen mit unter anderen Samsung, Ericsson, Nokia und Opera – Teil des Projekts internet.org, dessen Ziel Internetzugang für alle Menschen ist.  

Zuckerberg hatte bereits die Übernahme von WhatsApp in diesen Zusammenhang gestellt. Er sei von dem Messenger begeistert aufgrund der Internet.org-Vision, sagte er bei der Bekanntgabe des WhatsApp-Deals. Altruistische Motive dürften bei diesem 19-Milliarden-Dollar-Deal jedoch eher im Hintergrund mitgewirkt haben – man darf wohl strategische Gründe vermuten, allen voran die Vergrösserung der Reichweite. 

Auch der Kauf von Titan Aerospace dürfte strategisch motiviert sein. Die Drohnen der Firma – Facebook plant laut Techcrunch den Bau von bis zu 11'000 solcher Fluggeräte – sollen den Social-Media-Riesen in Gebiete bringen, wo heute noch gar kein Internetzugang vorhanden ist. 

Wachstumsmarkt Afrika

Das gilt vor allem für Afrika, wo die Infrastruktur für Internet in weiten Gebieten nicht vorhanden ist und wo zugleich die Bevölkerung rasant wächst. Zahllose Menschen dort könnten künftig, so dürfte Zuckerberg hoffen, über diese Drohnen erstmals ins Web und damit zu WhatsApp und Facebook gelangen – und dort auch bleiben. 

Wenn die Leute in diesen Gegenden derzeit auch noch wenig kaufkräftig sind, so könnte sich das in der Zukunft ändern. Es gilt also, die künftigen Kunden rechtzeitig an sich zu binden. Kein Zufall also, dass auch Rivale Google an einem solchen Projekt arbeitet: Project Loon soll ebenfalls das Internet in unerschlossene Gegenden bringen. Google setzt indes nicht auf Drohnen, sondern auf Ballone. (dhr)

Video: Youtube/TomoNews US

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Samiklaus 04.03.2014 20:35
    Highlight Die 60 Millionen werden schon dringend erwartet zum erstellen neuer Flugi-Bildli.
    1 0 Melden
  • Donald 04.03.2014 20:20
    Highlight Dann können wir mit Facebook-Maps in der Drohnen-Ansicht unsere Nachbarn gleich live beim Grillieren beobachten. Cool! ;)
    4 0 Melden
  • Flint 04.03.2014 20:04
    Highlight Spannend. Ganz einfach dürfte das Unterfangen nicht werden, da vielerorts (z.B. CH) keine Drohnen autonom fliegen dürfen.
    1 1 Melden
    • Donald 04.03.2014 21:54
      Highlight In der Schweiz gibt es ja schon überall Internet ;)
      Das technische Problem ist wohl einiges grösser, als das regulatorische...
      1 0 Melden
  • Patrick Vollmer 04.03.2014 19:55
    Highlight Ein Schnäppchen
    2 0 Melden
    • FourR 04.03.2014 20:43
      Highlight Ja würde ich auch sagen wenn man den Deal mit WhatsApp vergleicht.
      3 0 Melden
  • Ped 04.03.2014 19:45
    Highlight Erster!
    0 3 Melden

«Ich küsse Dich in treuer Liebe und mit fester Umarmung. Dein schiacher Karl»

Das waren noch Zeiten, als man sich lange Liebesbriefe geschrieben hat. Heute kommuniziert Amor per WhatsApp oder Facebook. Wie war das, als Liebe noch zu Papier gebracht wurde? Wir werfen einen Blick zurück.

Geben wir in eine der gängigen Internetsuchmaschinen den Begriff «Liebesbrief» ein, dann weist die Ergebnisliste durchwegs weit mehr als eine Million Treffer aus. In vielen Foren und Kommentaren wird dabei auch darüber debattiert, ob der Liebesbrief in der digitalen Gegenwart noch aktuell sei oder ausgedient habe oder aber: ob die Liebesbriefkultur nicht vielmehr wieder verstärkt gepflegt werden sollte.

Anleitungen und Tipps, wie denn ein romantischer, erfolgreicher, perfekter Liebesbrief zu …

Artikel lesen