Wirtschaft

Erneute Verzögerung: Beznau 1 frühestens Ende Juli am Netz

30.11.15, 19:17 30.11.15, 19:27

Der Block 1 des AKW Beznau im Kanton Aargau bleibt noch länger vom Netz als geplant. Der Energiekonzern Axpo als Betreiber rechnet damit, dass er nicht vor Ende Juli hochgefahren werden kann. Grund dafür sind Materialfehler im Reaktordruckbehälter. Der Block 2 soll Ende Dezember ans Netz gehen.

Der Block 1, der mit 46 Betriebsjahren älteste kommerzielle Reaktor der Welt, ist seit März vom Netz. Die Revision sollte ursprünglich vier Monate dauern. Unter anderem wurde der Deckel des Reaktordruckbehälters ausgetauscht. Bei der Untersuchung des Reaktordruckbehälters mit Ultraschall wurden jedoch 925 fehlerhafte Materialstellen mit einer Grösse von 5 bis 6 Millimetern festgestellt.

Das AKW Beznau kämpft mit Problemen
Bild: KEYSTONE

Es handelt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um Einschlüsse, die nach bisherigem Erkenntnisstand bei der Herstellung der geschmiedeten Ringe des Druckbehälters entstanden waren, wie es am Montag an einem Mediengespräch der Axpo in Döttingen AG hiess. Worum es sich genau handelt, ist nicht klar.

Ertragsausfall von über 100 Millionen Franken

Der Ertragsausfall beim Block 1 wird sich bis Ende Februar auf rund 100 Millionen Franken belaufen, wie Andy Heiz von der Axpo-Konzernleitung sagte. Hinzu komme ein weiterer einstelliger, allenfalls zweistelliger Millionenbetrag, wenn der Reaktor Ende Juli ans Netz gehe.

Bei der Abklärung der Wirtschaftlichkeit sei man klar zum Schluss gekommen, dass der sichere Weiterbetrieb die bessere Option sei als ein vorzeitiges Abstellen, sagte Heiz: «Wir sehen nichts, das dem sicheren Wiederanfahren im Weg stehen würde.»

Weitere Messungen und Analysen

Die Analysen und Bewertungen hatten wiederholt zu Verzögerungen geführt. Zunächst sollte der Block 1 im Oktober wieder hochgefahren werden, danach wurde als neuer Termin Ende Februar genannt.

Die Axpo rechnet nun damit, dass die Analysen und Nachweise so viel Zeit in Anspruch nehmen, dass mit der Genehmigung zum Wiederanfahren des Blocks 1 nicht vor Ende Juli 2016 gerechnet werden kann. Der Konzern reichte eine entsprechende Roadmap, die das weitere Vorgehen aufzeigt, beim Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) ein.

Umweltschützer demonstrieren im März 2014 gegen das AKW
Bild: GREENPEACE/Ex-Press

Die Axpo entschied sich für weitere Messungen. Dieses Prüfverfahren wurde für belgische Atomreaktoren entwickelt, bei denen ähnliche Materialfehler entdeckt worden waren. Die Messungen für Block 1 werden gemäss Axpo zurzeit noch ausgewertet. Michael Dost, designierter Leiter des AKW Beznau, sagte, dass sich der Reaktor-Druckbehälter nicht reparieren lasse. «Wir würden das nicht machen.»

Internationales Expertengremium

Der vorläufige Messbericht soll im Dezember dem Schweizerischen Verein für technische Inspektionen (SVTI) und danach der Aufsichtsbehörde ENSI zur Prüfung übergeben werden. Damit beginnt der im Juli auf Basis der ersten Messungen durchgeführte Analyse- und Prüfprozess von vorne.

Das dauert laut Axpo mehrere Monate und erfolgt unter Einbezug eines vom ENSI nominierten internationalen Expertengremiums. Der AKW-Betreiber muss nachweisen, dass trotz der gefundenen Unregelmässigkeiten die Integrität des Reaktordruckbehälters unverändert gewahrt bleibt. Das ENSI wird über die Wiederinbetriebnahme von Beznau 1 entscheiden.

Block 2 gemäss Axpo ohne auffällige Messresultate

Beim weitgehend baugleichen Block 2, der seit 1971 in Betrieb ist, geht die Axpo davon aus, dass dem Anfahren nach Abschluss der Revision Ende Dezember nichts entgegensteht. Der Block 2 wurde Mitte August vom Netz genommen, um ebenfalls den Deckel des Reaktordruckbehälters auszuwechseln.

Die Ultraschallmessungen beim Block 2 hätten bisher nur vereinzelte kleinste Anzeigen ergeben, die bis jetzt ein unauffälliges Bild zeigten, sagte Stephan Döhler, Leiter Division Kernenergie. Alle Arbeiten verliefen nach Zeitplan.

Die Umweltorganisation Greenpeace gibt sich einer Stellungnahme skeptisch. Die erneute Verzögerung lasse vermuten, dass «die Probleme am Herzen von Beznau grösser» seien, als es die Axpo glauben machen wolle.

(sda)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dnsd 30.11.2015 20:50
    Highlight Wo sind die Öko-Terroristen wenn man Sie braucht?
    1 0 Melden
  • amore 30.11.2015 19:54
    Highlight ...können. ? Etc. etc. etc. Wenn man alle diese Details den Menschen einmal ehrlich offen legen würde, wäre die Mehrheit sicher für eine sofortige Abschaltung dieser Höchstrisiko-Anlagen. Aber vielleicht sind diese Pläne ja gerade darum geheim.
    So oder so, die AKW gehören sofort abgeschaltet.
    5 0 Melden
  • amore 30.11.2015 19:54
    Highlight Es wäre doch mal interessant, die Evakuationspläne & -abläufe der Kantone zu kennen im Fall eines schweren AKW-Unfalls. Die verteilten Jodtabletten sind ja nicht einmal die Spitze des Eisbergs. Dürfen die Menschen im Umkreis von 20km des havarierten AKWs diesen noch verlassen. Was bedeuten die Panzersperren an den Hauptstrassen exakt in diesem Umkreis? Werden die verstrahlten Menschen nicht mehr aus den verseuchten Gebieten rausgelassenen? Wenn doch, wie verstopft sind dann die Strassen? Werden die Wohneigentümer entschädigt, weil sie jahrzehntelang nicht mehr im verseuchten Gebiet wohnen ...
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