Wirtschaft

Brisanter Entscheid

Nagra will radioaktive Abfälle im Zürcher Weinland und Aargau entsorgen – Region Zürich ist alarmiert

30.01.15, 09:59 30.01.15, 12:22

Jura Ost und Zürich Nordost: Diese beiden Standorte schlägt die Nagra für die Lagerung sowohl von schwach- und mittelradioaktiven als auch von hochradioaktiven Atomabfällen vor. Nicht nur im Standortkanton Zürich, auch in Schaffhausen und im grenznahen Süddeutschland ist man alarmiert. Der Aargauer Regierungsrat hat sich «ausserordentlich überrascht» gezeigt.

Zürich Nordost: Im orange ausgeschiedenen Standortgebiet könnten die unterirdischen Anlagen für ein geologisches Tiefenlager für hochaktive Abfälle im Opalinuston gebaut werden.  quelle: nagra.ch

Die Standortgemeinden im Jura Ost: Brugg, Effingen, Elfingen, Gallenkirch, Linn, Mönthal, Oberbözberg, Remigen, Riniken, Unterbözberg, Villnachern, Zeihen.   quelle: nagra.ch

Vier weitere Gebiete, die ebenfalls für den Bau eines geologischen Tiefenlagers untersucht wurden, dürften damit aus dem Spiel sein. Es handelt sich um Jura-Südfuss, Nördlich Lägern, Südranden und Wellenberg. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hatte in einer ersten Etappe insgesamt sechs Standorte identifiziert, welche als Endlager geeignet schienen.

Die am Freitag vorgelegte Empfehlung der Nagra umfasst nun lediglich zwei Standorte. Beide eigneten sich sowohl für ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle als auch für hochradioaktive Abfälle oder für ein Kombi-Lager, heisst es in einer Mitteilung. 

Die Berichte und Analysen, auf welche die Nagra ihren Entscheid stützt, werden nun den Bundesbehörden zur Überprüfung und den Standortkantonen zur Stellungnahme unterbreitet. 2016 soll eine öffentliche Anhörung durchgeführt werden. Voraussichtlich Mitte 2017 wird der Bundesrat auf Grundlage aller Ergebnisse entscheiden, ob er den von der Nagra vorgeschlagenen Gebieten zustimmt. Ein definitiver Standortentscheid soll 2027 fallen. Das letzte Wort hat das Volk.

Region Zürich Nordost ist alarmiert nach Nagra-Vorschlägen

Der Regierungsrat des Kantons Zürich findet die Einschränkung auf nur noch zwei mögliche Standorte zu früh, wie er in einer Mitteilung schreibt. Der Kanton Zürich habe immer betont, dass das Tiefenlager am sichersten Standort gebaut werden müsse, heisst es in der Mitteilung. Gleichzeitig halte der Regierungsrat fest, «dass er ein geologisches Tiefenlager auf Kantonsgebiet nach wie vor ablehnt».

Besorgt zeigte sich die Regionalkonferenz Zürich Nordost. Die Einengung auf nur noch zwei Standorte erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass in Zürich Nordost ein Tiefenlager realisiert werde. Das Partizipationsverfahren werde für die regionale Bevölkerung noch wichtiger. Und auch die Zusammenarbeit von Region, Kanton, Bund und Nagra müsse gestärkt werden.

Aargau zeigt sich «überrascht»

Der Aargauer Regierungsrat hat sich «ausserordentlich überrascht» gezeigt, dass die Nagra die Standortsuche für ein Atomendlager bereits jetzt stark einengte. Im Aargau ist ein Endlager im Gebiet Jura Ost (Bözberg) geplant. Es brauche ein «faires und glaubwürdiges» Standortverfahren. 

Man sei weniger überrascht, dass der Aargau noch als Standortkanton in der Diskussion sei, sagte Regierungsrat und Baudirektor Stephan Attiger (FDP) am Freitag vor den Medien in Aarau. Aber die Eingrenzung auf die Standorte Jura Ost und Zürich Nordost sei schon überraschend. 

«Wir wollen kein Atomendlager», machte Attiger klar: «Wir wollen das nicht.» Es dürfe kein politischer Entscheid sein. Aber der sicherste Standort müsse geprüft werden. Der Aargau werde die Berichte der Behörden genau prüfen und dann ausführlich Stellung nehmen. 

Waldshut besorgt über Grenznähe

Der Waldshuter Landrat Martin Kistler stellte mit Besorgnis fest, dass beide jetzt vorgeschlagenen Standorte nahe der Grenze liegen. Aufgrund der Unterlagen, die auch die deutsche Seite erhalte, werde man sehr genau die Gründe für das vorläufige Ausscheiden der grenzferneren Standorte prüfen. Zudem kritisierte Kistler gemäss einem Communiqué die zu enge Definition der Standortregion.

Voraussichtlich Mitte 2017 wird der Bundesrat auf Grundlage aller Ergebnisse entscheiden, ob er den von der Nagra vorgeschlagenen Gebieten zustimmt. Ein definitiver Standortentscheid soll 2027 fallen. Das letzte Wort hat das Volk. (whr/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Baba 31.01.2015 06:39
    Highlight Warum sich der Kanton Aargau mit Zähnen und Klauen gegen ein Atommüllendlager sträubt ist mir ein Rätsel. ALLES, wirklich alles was die Nagra da plant ist bestimmt um Faktoren sicherer als das Zwilag in Würenlingen. Dort wird der Atommüll an der Oberfläche in einer etwas besseren 'Lagerhalle' gehortet... Klar finde ich ein solches Lager vor der Haustüre auch nicht wirklich prickelnd, aber die Büchse der Pandora wurde vor Jahrzehnten geöffnet und es wäre nicht mehr als verantwortungsvoll, das Problem nun zu Ende zu denken und auch dorthin zu bringen... Hin und her schieben ist keine Lösung!
    1 0 Melden
  • MM 30.01.2015 12:43
    Highlight Man hört stets nur von den Gegnern. Doch hier im Weinland gibt es auch viele Leute, die dem Projekt zwar skeptisch, aber nicht blockierend gegenüberstehen.
    3 2 Melden
  • Der Tom 30.01.2015 10:48
    Highlight Solange AKW nicht verboten und abgeschaltet sind darf es kein Endlager geben.
    8 8 Melden
    • Polybertarian 30.01.2015 13:11
      Highlight Aus welchem Grund, genau?
      2 0 Melden
    • mghelfi 30.01.2015 14:24
      Highlight Lagern wir den anfallenden Abfall lieber in einer Lagerhalle irgendwo im Siedlungsgebiet. Ist das sicher genug?
      1 0 Melden
    • Der Tom 30.01.2015 14:36
      Highlight Damit die Politik am Ball bleibt mit dem Atomausstieg.
      Man könnte sich auch fragen wieso es nicht schon längst eines gibt? Wieso wurde das nicht zuerst gebaut... vor dem ersten AKW?
      0 1 Melden
    • Der Tom 30.01.2015 14:40
      Highlight mghelfi das machen wir seit 40 Jahren so und weder wir noch die AKW in unserem Land werden die Fertigstellung des Endlagers noch erleben. Dereinst wird ein Lift den Abfall in den Weltraum transportieren. Von dort kann man ihn dann Richtung Sonne schubsen. Alles andere wäre noch verantwortungsloser als es jetzt schon ist.
      0 1 Melden
    • Polybertarian 27.02.2015 13:48
      Highlight Hallo? Nie gab es eine Technologie, wo man die Entsorgung vor der Technologie selbst entwickelt... Es ist auch so mit Computers, Satelliten, usw. Hauptsächlich wurde Forschung zum Thema ziemlich früh angefangen. Diese Lösung (Geologischer Tiefenlager) ist eigentlich nicht neu. Die Barriere sind 1) politisch und 2) dass wir noch forschen, ob wir etwas besseres machen könnten.
      0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 30.01.2015 10:25
    Highlight naja wenigstens ist der ganze scheiss im gleichen eck...
    4 7 Melden
  • Gelöschter Benutzer 30.01.2015 10:23
    Highlight sich um den eigenen Abfall zu kümmern ist kein brisanter Entscheid.
    13 3 Melden
  • Heinz24 30.01.2015 10:03
    Highlight Wie darf man den Entscheid begreifen? Welches sind die Hintergründe? Wählte man die Optionen, die wenig Stunk befürchten liessen? Übernehmen diese Regionen nicht schon viel Anfluglärm? Wie hilft diesen Regionen Balthasar Glättli?
    4 8 Melden
    • E. Edward Grey 30.01.2015 10:44
      Highlight Wären sie auf eine der vielen öffentlich durchgeführten Diskussionsrunden gekommen, dann wüssten sie es.
      6 5 Melden

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