Wirtschaft

Gilt auch für die Börsengewinne: Vom Winde verweht. bild: Shutterstock.

Anschnallen bitte: Im Herbst drohen heftige Wirtschafts-Stürme!

China taumelt, Europa stagniert – und in den USA werden die Anleger nervös. Die Weltwirtschaft steuert auf eine Sturmfront zu.

18.08.15, 10:47 18.08.15, 11:33

Die Prognosen für das laufende Jahr hätten aus Sicht der westlichen Staaten nicht besser sein können: Mehr Konsum dank billigem Öl und mehr Investitionen und Konsum dank billigem Geld. Zudem schien die nach wie vor grösste Volkswirtschaft der Welt, die USA, endlich wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Kein Wunder boomten die Aktienmärkte zu Beginn des Jahres als gäbe es kein Morgen.

Davon ist wenig übrig geblieben. Die Gewinne sind grösstenteils wieder ausradiert worden, die Stimmung unter den Investoren ist nervös. Die Bullen (Optimisten) machen den Bären (Pessimisten) Platz. Selbst der erklärte Börsen-Liebling Apple hat über zehn Prozent an Wert verloren, obwohl die Quartalszahlen «umwerfend» waren, wie CEO Tim Cook sich ausdrückte: 33 Prozent mehr Umsatz und gar 45 Prozent mehr Gewinn pro Aktie. Nur weil die Verkäufe der neuen Apple Watch nicht ganz den Vorstellungen entsprachen, wurden die Apple-Papiere abgestraft.

Die Börsenbullen – hier vor der Frankfurterbörse – sind auf dem Rückzug. Bild: Michael Probst/AP/KEYSTONE

Die Hektik an den Börsen widerspiegelt die Situation der realen Weltwirtschaft: In Europa ist der zaghafte Aufschwung des Frühsommers bereits wieder am Abklingen; und das, obwohl auch die Europäische Zentralbank mit dem so genannten Quantitativen Easing für tiefe Zinsen sorgt. Nur in Deutschland brummt die Wirtschaft  – vorläufig noch.

Zwist zwischen Deutschland und dem IWF 

Die Griechenland-Krise hat tiefe wirtschaftliche und politische Wunden hinterlassen. Selbst wenn das neue Hilfspaket endlich geschnürt sein wird, ist keine Erleichterung zu verspüren. In Deutschland muss Angela Merkel gegen wachsenden Widerstand in den eigenen Reihen der CDU ankämpfen. Gleichzeitig macht Direktorin Christine Lagarde eine Beteiligung des IWFs an der Sanierung von einem Schuldenerlass abhängig. Genau das hat jedoch die Kanzlerin ausdrücklich ausgeschlossen.

In den USA starren Anleger, Unternehmer und Konsumenten auf die Notenbank, wie das viel zitierte Kaninchen auf die Schlange: Wird Fed-Präsidentin Janet Yellen im September die Leitzinsen erhöhen oder nicht? Eigentlich sprechen alle Anzeichen dafür. Die amerikanische Volkswirtschaft schafft derzeit Monat für Monat mehr als 200'000 neue Jobs und sollte auf keine Krücken mehr angewiesen sein. 

Hat überraschend abgewertet: Der chinesische Renminbi. Bild: Jason Lee/REUTERS

Das grosse Aber ist jedoch der Dollar. Der Greenback hat gegenüber dem Durchschnitt der anderen Währungen rund 15 Prozent zugelegt. Das macht einerseits der amerikanischen Exportwirtschaft zu schaffen – aber vor allem auch den Schwellenländern. Diese haben sich mehrheitlich in Dollar verschuldet und ächzen deshalb unter der immer schwerer werdenden Schuldenlast. 

Was will uns Peking sagen?

Am meisten Bauchweh bereitet jedoch derzeit China. Die überraschende Abwertung des Yuan letzte Woche hat für grosse Verunsicherung gesorgt. Was will uns Peking damit sagen? Ist es bloss eine Korrektur einer zuvor immer stärker werdenden chinesischen Währung, wie die Optimisten erklären? Oder ist es Ausdruck einer strukturellen Krise, wie die Pessimisten befürchten? 

Tatsache ist, dass die jüngsten Wirtschaftszahlen aus China zu Sorge Anlass geben: Im Juli sind die Exporte um 8 Prozent zurückgegangen und die Preise um 5,4 Prozent gefallen. Damit fallen die Preise für chinesische Güter seit 41 Monaten, «ein Anzeichen dafür, dass es grosse Überkapazitäten gibt», wie der «Economist» vermutet. 

Einen Schock weg von der nächsten Rezession

Eine reife Wirtschaft fällt in eine Rezession, wenn das Wirtschaftswachstum negativ wird. Wegen des grossen Aufholbedarfs der Schwellenländer gilt für die Weltwirtschaft bereits ein Unterschreiten der 3-Prozent-Marke als Rezession. Davon sind wir nur einen Schock weit entfernt.  

Kennst du schon die watson-App?

Über 150'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
6
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 18.08.2015 13:26
    Highlight Glaube, dass das ein Angriff auf den Dollar ist und dass sich viel verändern wird im Finanzsystem. Meiner Meinung nach, wird das in einem Währungskrieg enden und irgendwann zum Krieg führen.
    5 9 Melden
    • 1337pavian 19.08.2015 05:23
      Highlight Krieg? Bewaffnete Konflikte? Gibt es schon überall.
      Du meinst wohl eher die Ragnarök.
      0 5 Melden
  • Lumpirr01 18.08.2015 11:23
    Highlight @Philipp Löpfe: Gut möglich, dass die Aktienkurse gegen Herbst / Winter etwas sinken. Man bedenke jedoch, dass viele Aktien immer noch fair bewertet (KGV) sind und Alternativen mit vernünftiger Rendite Mangelware sind. Von heftigen Wirtschafts-Stürmen würde ich erst sprechen, wenn die Gewinne der Firmen mehr oder weniger wegbrechen würden. Von daher teile ich ihre Einschätzung in ihrem Artikel kaum, zudem der Beitrag keine neue Informationen enthält.
    29 3 Melden
    • 1337pavian 19.08.2015 05:28
      Highlight Sie müssen die Deklination im Deutsch immer variieren:

      "keine neue Informationen" <---- dies ist falsch

      "keine neuen Informationen" <---- dies is korrekt

      Machen wir beim Inhalt weiter:

      "Alternativen mit vernünftiger Rendite sind Mangelware"

      Hier unterlief Ihnen ein logischer Fehler: Vernunft rentiert nie.
      Oder halten Sie das Wirtschaftssystem für vernünftig?
      Dann gehe ich davon aus, dass Sie für vernünftig erachten, was Profit bringt. Daher fände ich es vernünftig, wenn Sie diese Kommentare in Zukunft unterlassen würden, was mir den Gewinn brächte, Sie nicht mehr berichtigen zu müssen.
      0 7 Melden
    • Huber50 19.08.2015 11:20
      Highlight @ 1337pavian: Vielen Dank für die wichtige Berichtigung von Lumpirr01's Orthografiefehlers! Ohne ihre wertvolle Berichtigung bekäme der Text einen ganz anderen Sinn! Leider habe ich aber den zweiten Teil ihrer Aussage nicht verstanden. Ich nehme an, für Sie wäre ein Gewinn, wenn im Herbst unser Wirtschaftssytem wie von Herrn Löpfe kommentiert und von Lumpirr01 bestritten , abstürzen würde?
      4 0 Melden
    • 1337pavian 20.08.2015 22:08
      Highlight Wie kommen Sie darauf? Man sollte auf Gewalt verzichten.
      0 3 Melden

Russland «klaut» ganze Fabriken

Was der «weisse Konvoi» wirklich transportierte

Die Welt rätselt, was die 280 russischen Lastwagen im «weissen Konvoi» in die Ukraine transportierten. Auf den starken LKW befanden sich nur ein paar wenige Paletten mit Hilfsgütern. Tatsächlich holte sich Russland aber eine ganze Fabrik.

Sogar zweihundertprozentig regierungstreue Russen lachten lauthals heraus, als sie die Begründung der russischen Regierung hörten, warum jeder Kamaz-Lastwagen im so genannten «Hilfskonvoi» nur zwei, drei Paletten Hilfsgüter geladen hatte: «Die Kamaz-LKW konnten nicht vollständig beladen werden, um einen übermässigen Verschleiss der fabrikneuen Lastwagen zu vermeiden. Voll beladen wären die Kamaz-LKW zudem auf Bergstrassen zu langsam gefahren, um die Hilfsgüter …

Artikel lesen