Wirtschaft

Konkurs von *****-Hotel: Flimser Gemeindevorstand  vergleicht das «Waldhaus» mit der UBS – und ist besorgt um den «gesamten Tourismusort»

07.04.15, 17:24

Das Flimser 5-Sterne-Hotel Waldhaus ist pleite. Obwohl der Hotelbetrieb dank einer Auffanggesellschaft weitergeführt werden kann, zeigt sich der Gemeindevorstand des Graubündner Bergorts besorgt. Man sei in Sorge um den «gesamten Tourismusort», schreibt er in einer Mitteilung. Die Gemeinde wolle im Rahmen ihrer Möglichkeiten Unterstützung anbieten. Konkrete Angaben machte der Vorstand aber nicht.

Ganz im Vokabular der Finanzkrise und den Grossbanken UBS und CS spricht der Gemeindevorstand dem «Waldhaus» Systemrelevanz für die Destination Flims zu. Der Vorstand schrieb, das Hotel habe mit seiner «systemrelevanten Infrastruktur» grosse Bedeutung für den Kongresstourismus in der Region. 

Am Dienstagmorgen hat das «Waldhaus» die Bilanz deponiert. Das Hotel, in dem 2006 die Auswärtsession der eidgenössischen Räte stattfand, geriet wegen eines zusätzlichen Abschreibers in die Überschuldung. Eine Auffanggesellschaft führt den Betrieb weiter.

«Die Lage des Hotels in einer einmaligen Parklandschaft mit dem Caumasee ist ein Trumpf, der bei einem neuen Investor sicher sticht. »

Gemeindevorstand Flims

Todesstoss durch Zweitwohnungsinitiative

Verluste im Hotelbetrieb konnten im «Waldhaus» bislang durch Gewinne aus Zweitwohnungsverkäufen aufgefangen werden. Dieses Geschäftsmodell funktioniert jedoch spätestens seit Annahme der Zweitwohnungsinitiative nicht mehr.

Eine Neubewertung der gesamten Anlage im Februar ergab nun einen zusätzlichen Abschreibungsbedarf von 30 Mio. Franken, was zur Überschuldung führte, wie die Waldhaus Flims Mountain Resort AG am Dienstag mitteilte. Folglich musste die Gesellschaft von Gesetzes wegen Konkurs anmelden.

Trotzdem geht der Hotelbetrieb weiter. Das «Waldhaus» mit seinen total 150 Zimmern eröffnet am 22. Mai nach Plan die Sommersaison. Die Fortführung des Betriebs wurde möglich dank der Auffanggesellschaft WF Hotelmanagement GmbH.

Die Auffanggesellschaft mietete den Hotelbetrieb vom Konkursamt und verfügt eigenen Angaben zufolge über «eine ausreichende Liquidität». Der Vertrag mit dem Konkursamt wurde am Dienstagmorgen unterzeichnet und dauert vorerst bis Ende März 2016.

Mit Ausnahme von maximal sieben Personen könnten alle 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Arbeitsplätze behalten, hiess es. Die Löhne seien bis Ende März ausbezahlt.

Aktienkapital weg

Allerdings verlieren über 900 Aktionäre ihr investiertes Geld, darunter zwei Familien, welche zusammen die Aktienmehrheit besitzen, sowie viele Kleinaktionäre. Neun Millionen Franken beträgt das Aktienkapital insgesamt. Ein Ziel der Auffanggesellschaft ist es, die Luxus-Herberge mitsamt der Mitarbeiter-Crew einem neuen Eigentümer zu übergeben.

Ein Investor ist zwar noch nicht gefunden. Die Chance, einen zu finden, sei aber gross, sagte Gion Fravi, Verwaltungsratspräsident der Waldhaus Flims Mountain Resort, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Laut Fravi erwirtschaftete das Hotel über die Ostertage doppelt soviel Umsatz wie im letzten Jahr. Und bei den Logiernächten habe das Haus gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent zugelegt.

«Attraktiver Preis»

Für einen neuen Eigentümer werde der Kauf dieser Anlage sehr attraktiv, schrieb die Noch-Besitzerin. Tatsächlich verfügt das einzige Fünf-Sterne-Haus in Flims mit 200'000 Quadratmetern über einen der grössten Hotelparks der Schweiz.

Wieviel Geld ein Investor für den Kauf des 1877 eröffneten Hotels «Waldhaus» in Flims auf den Tisch legen muss, wollte Verwaltungsratspräsident Fravi nicht verraten. Er sprach lediglich von einem «attraktiven Preis».

Zuversichtlich zeigt sich auch der Flimser Gemeindevorstand: Die Lage des Hotels in einer einmaligen Parklandschaft mit dem Caumasee, in unmittelbarer Nähe der Rheinschlucht sei ein Trumpf, der bei einem neuen Investor sicher steche. «In diesem Sinne blicken wir optimistisch in die Zukunft.» (mlu/sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • bhauswirth 09.04.2015 13:14
    Highlight Solange es Pistenverbot für Einheimische gibt läuft noch viel mehr falsch.
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  • Oban 07.04.2015 20:00
    Highlight Interessant das man sein Kerngeschäft mit Zweitwohnungen querfinanziert muss. Da läuft doch was falsch.
    14 2 Melden
  • elivi 07.04.2015 17:51
    Highlight also dass das hotel nur profitabel war wegen zweitwohnungsverkäufen klingt mehr nach dem swissair debakel als UBS/CS. Dass ein einziges Luxushostel der ruin oder erfolg einer ganzen touristmusregion sein soll? ... tja dumm gelaufen? hätte man doch in der vergangenheit bisl mehr in den mittelstand tourismus investiert ...
    17 5 Melden
    • Zern 09.04.2015 13:15
      Highlight Vergleich mit UBS/CS wurde wegen deren Systemrelevanz fürs Bankensystem gezogen. Gleich wie das Waldhaus Systemrelevant für den Films/Laax Tourismus sei.
      0 0 Melden

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