Wirtschaft
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Der griechische Göttervater Zeus und seine Kinder. bild: shutterstock

Drei moderne Mythen über Griechenland – und ihre tragischen Folgen für Europa

Die Griechen sind renitent, die Finanzmärkte können einen «Grexit» verkraften und der griechischen Regierung ist nicht zu trauen: Mit diesen drei Mythen wird eine drohende Katastrophe in Griechenland verharmlost.

15.06.15, 19:21


In der Antike haben die griechischen Mythen den Menschen die Welt und den Sinn des Lebens erklärt. Die modernen Mythen über Griechenland hingegen vernebeln den Menschen die Sinne und sind zu einer Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems und die europäische Einheit geworden.

Das sind die drei modernen griechischen Mythen:

1. Die renitenten Griechen haben bis heute noch keine Sparanstrengungen gemacht

In der «Financial Times» drosch der italienische Ökonomieprofessor Francesco Giavazzi kürzlich mit dem Zweihänder auf die Griechen ein: Sie hätten sich für die Armut entschieden, würden hartnäckig jede Reform ablehnen und verdienten es deshalb, aus Euroland ausgeschlossen zu werden. Diese Argumentation ist typisch geworden für das Denken der Mehrheit in Europa.

Mit den Fakten hat dies allerdings nichts zu tun. Diese hat der irische Ökonom Karl Whelan zusammengetragen:

In der Sendung von Günther Jauch vom Sonntag war zudem zu erfahren, dass

So viel zum Thema «renitente Griechen».

2. Einen Grexit können die Finanzmärkte leicht verkraften

Die Europäische Zentralbank habe alles Nötige vorgesorgt, um ein Chaos nach einem Austritt Griechenlands aus der Einheitszone zu verhindern, wollen uns Ökonomen vom Schlage Giavazzis glauben machen. Das kann sein – oder auch nicht.

Tatsache ist, dass ein «Grexit» auch einen sofortigen Staatsbankrott Griechenlands zur Folge haben würde. Allein Frankreich und Deutschland müssten sich damit 160 Milliarden Euro ans Bein streichen. «Angela Merkel und François Hollande würden als die grössten finanziellen Verlierer in die Geschichte eingehen», stellt dazu Wolfgang Münchau in der «Financial Times» fest.

Das wäre nicht nur ein politischer, sondern auch ein wirtschaftlicher Schlag ins Gesicht, vor allem für Frankreich, das über keine Reserven mehr verfügt, um einen solchen Schlag auffangen zu können. Das gilt noch verschärft für Italien, das ähnlich viel Geld verlieren würde, und dessen staatliche Verschuldung ebenfalls längst weit jenseits von Gut und Bös liegt.

3. Die griechischen Spiel-Theoretiker spielen mit Europa Katz und Maus

Finanzminister Yanis Varoufakis während einer Debatte im Parlament. Bild: ALKIS KONSTANTINIDIS/REUTERS

Yanis Varoufakis kommt inzwischen die zweifelhafte Ehre zu, der wohl am meisten gehasste Politiker Europas zu sein. Dem griechischen Finanzminister wirft man so ziemlich alles vor, was man einem Politiker vorwerfen kann: Er sei eingebildet, unehrlich, belehrend, ein Vulgär-Marxist, naiv, etc., etc.

Über das Auftreten von Varoufakis kann man geteilter Meinung sei. Als Ökonom ist er jedoch unbestritten eine Kapazität. Sein Buch «Der globale Minotaurus» ist eine in sich stimmige Analyse der Weltwirtschaft auf hohem Niveau.

Die von den Institutionen geforderten Reformen hingegen sind teilweise widersinnig. Der angestrebte Primärüberschuss – ein positiver Saldo der Staatskasse vor den Zinszahlungen – ist absurd hoch. Das geben inzwischen selbst konservative Ökonomen zu und empfehlen deshalb einen teilweisen Schuldenverzicht oder zumindest ein Schuldenmoratorium. 

Ebenfalls idiotisch ist eine nochmalige Erhöhung der Mehrwertsteuer, die den totalen Zusammenbruch der Binnennachfrage zur Folge haben würde. Wolfgang Münchenau spricht von einem doppelten Selbstmord, sollten die Griechen diese Bedingungen annehmen: Einem wirtschaftlichen für das Land und einem politischen für die Regierung.

Fazit

Die antiken Mythen enden jeweils in einer Katastrophe. Auch die modernen haben alle Anzeichen einer Tragödie: Die Positionen sind derart festgefahren, dass es ein politisches Wunder brauchen würde, um aus dieser Nummer wieder herauszukommen.  

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    Alle Leser-Kommentare
  • Habakuk 16.06.2015 05:29
    Highlight Die Staaten sind miteinander verkettet duch Schulden welche nicht abbezahlt werden können. Griechenland ist nur der erste Stein welcher fallen wird. Ob als Domino oder nicht. Selbst wenn die Griechenlandkrise inexistent wäre, früher oder später gingen diese Länder hops. An erster Stelle Japan, Frankreich und Italien.

    Man muss sich fragen wohin das Geld geflossen ist. Denn die volatileren Märkte zeigen, dass immer mehr Geld verschoben wird. Hin und Her.

    Die Schweiz profitiert sowieso am Schluss. Was aus den Ländern ausgequetscht wurde, landet auf CH-Konten u.s.w.
    0 0 Melden
  • Monti_Gh 15.06.2015 21:11
    Highlight Vielen Dank für diese Infos!
    11 0 Melden
  • Amboss 15.06.2015 20:32
    Highlight Na gut, zu schreiben, was NICHT geht, das ist ja wohl gar nicht schwierig.
    Von einem profilierten Journalisten würde ich mir eher eine Aussage erhoffen, wie es denn weiter gehen könnte, wenn a) weiter sparen nicht geht und b) ein Schuldenschnitt auch nicht möglich ist.

    Variante 1 hat nicht geklappt, jetzt muss man halt Variante 2 probieren, den Grexit. Kann es für die Bevölkerung schlimmer kommen als es jetzt ist? Nein.

    Oder gibt es eine Variante 3, Herr Löpfe?

    5 16 Melden
    • phreko 15.06.2015 21:01
      Highlight Habe ich was überlesen? Schuldenschnitt soll nicht möglich sein? Das wäre Variante b! Grexit ist ein Spiel mit dem Feuer das eben genau, wie Löpfe erklärt hat, sauteuer wird! Mut nicht mit Leichtsinn verwechseln, wenn es um den Grexit geht!
      11 2 Melden
    • Amboss 15.06.2015 21:51
      Highlight @phreko: Ich frage auch sie: Welche anderen Möglichkeiten gibt es noch ausser dem Vorgehen wie bisher und dem Grexit?

      Klar ist der Grexit ein Spiel mit dem Feuer. Aber gibt es einen anderen Ausweg?
      Und kann es für die Bevölkerung schlimmer kommen?
      1 3 Melden
    • phreko 16.06.2015 00:23
      Highlight Schuldenschnitt. Bei einem Grexit, mit Staatspleite können sich die Gläubiger das Geld auch ans Bein streichen. Warum muss man das am Boden liegende Land noch weiter in die Pfanne hauen, wenn sowieso nichts mehr zu holen ist? Ist denn etwa eine Staatspleite OK für dich?
      1 0 Melden
    • Ikarus 16.06.2015 00:33
      Highlight Die schulden bestehen doch eh nurnoch aus zinsen von den zinsen von den zinsen... Das ist mit geld verdientem geld die ware wäre schon längst bezahlt. Schuldenschnitt wäre schon vor 5 jahren fällig gewesen heute wirds wegen zinsen teurer und ist immernoch die beste variante. Der grexit wird die ganze zone ,inklusive der schweiz mit ihren 500mrd euro kursstützung, in die krise ziehen.. Schön wird mal varoufakis teilweise anerkennt, dieser typ ist intelligenter als viele politiker gerne haben und spricht die sachen erst noch aus. Hoffe die berichte lesen noch ein paar verblendete blick leser die immernoch meinen da wurden in den krisenländern tausende milliarden in die eigene tasche gesteckt und das die leute in griechenland mit 35 in die rente gehn...
      1 0 Melden
    • Zuagroasta 16.06.2015 00:36
      Highlight Re Vorgehen wie bisher: Interessante Frage Amboss.
      Lesen Sie mal die Geschichte von Haris Theoharis.
      0 0 Melden
    • Alnothur 16.06.2015 00:49
      Highlight Aha, und der Schuldenschnitt ist kostenlos, oder wie, phreko? Da können sich DE, FR und IT die 160 Mrd. genauso ans Bein streichen wie bei einem Grexit.
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    • Amboss 16.06.2015 14:01
      Highlight @phreko: Schuldenschnitt. Gut. Und dann? Wie geht es weiter? Ist Griechenland in der Lage, mit dem Euro zu leben und die Finanzen unter Kontrolle zu haben?

      Ganz ehrlich, ich glaube nein. Der Euro ist viel zu stark für Griechenland. Sie brauchen eine eigene Währung, schwächer, damit sie in der Lage ist, Produkte konkurrenzfähig im Ausland zu verkaufen.
      Und gleichzeitig wird es attraktiv, im eigenen Land zu produzieren, da Importe zu teuer sind.

      Ich glaube wirklich, man muss die Variante Grexit probieren
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    • phreko 16.06.2015 20:04
      Highlight Das Problem mit den Produktionskosten/Importen wird gerade mit den Löhnen erledigt.
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    • phreko 16.06.2015 20:09
      Highlight Und die Staatsfinanzierung klappt grundsätzlich auch ganz gut. Soviele Länder haben aktuell keinen Überschuss vor Schuldenzinsen bezahlung. Ökonomisch spielt es keine Rolle, jedoch inne politisch wie auch europapolitisch bergt der ganze Vorgang dermassen Risiko, dass es sich nicht lohnt "einfach mal auszuprobieren". Oder wünscht ihr euch als nächstes die goldene Morgenröte an der Macht?Oder wiedermal das Militär?
      0 0 Melden
    • Amboss 16.06.2015 20:55
      Highlight @phreko: Nein, es funktioniert eben nicht mit den Löhnen. Die Löhne sind so tief, dass niemand etwas konsumieren kann. Jedes Ziel wurde bisher verfehlt, die totale Verelendung ist voll im Gang.

      DAS ist die wahre Gefahr. Ich glaube ohne Euro hat die GR-Bevölkerung bessere Aussichten.
      0 0 Melden
    • Amboss 17.06.2015 07:51
      Highlight @phreko: "Das Problem mit den Produktionskosten/Importen wird gerade mit den Löhnen erledigt. "

      Lesen sie mal diesen Artikel.
      http://www.zeit.de/2014/51/schlachthof-niedersachsen-fleischwirtschaft-ausbeutung-arbeiter
      Dann sehen sie, dass es eben gerade nicht funktioniert.
      Werden Arbeiten mit der deutschen Hochtechnologie erledigt und gleichzeitig Stundenlöhne von 3,4 Euro gezahlt, dann kann Griechenland einpacken. Die sind absolut chancenlos.

      0 0 Melden
    • Ikarus 17.06.2015 10:35
      Highlight Amboss vieleicht ist es ja genau dass was sie wollen, arbeiter für 2-3 euro damit man china und amerika konkurenzieren kann.. Der grexit wird die ganze EU stürzen den spanien wird da nachher auch nichtmehr länger mitmachen. Was macht die schweiz wenn plötzlich der euro weg ist mit ihren 500mrd? Das geld wird nur irgendwelchen multinationalen konzernen genommen die sich an langfristigen zinsen ne goldene nase verdienten, während du beim grexit ganz europa runterziehst. Weder siemens noch ihrer autoindustrie würde es heute so gut gehn wenn sie nicht auf kosten anderer gelebt hätten. Noch nichtmal in der schweiz will der zuger für die berner zahlen, das sie aber unrechtmässig geld entziehen mit steuervorteilen sehen sie aber nicht.
      1 0 Melden
    • phreko 17.06.2015 11:04
      Highlight Das Hauptproblem der EU ist sovieso das Lohnniveau in Deutschland. Durch deren Exporte werden die anderen v.a. die Krisenländer ruiniert. Demnach müsste Griechenland aus der EU austreten um was dagegen unternehmen zu können. Aber da sind wir uns warscheinlich einig.
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    • Amboss 17.06.2015 11:50
      Highlight @Ikarus: Die EU ist nicht der Euro. Vielleicht macht Spanien nicht mehr mit. Na und? Viele Länder haben nicht den Euro.
      Und selbst wenn der Euro zerbricht, heisst das doch nicht, dass die EU zerbricht.
      Die EU ist ein Friedensprojekt. Etwas grosses, umfassendes, gegründet mit dem Ziel, niemals mehr Frieden in Europa zu haben (so hört man es zumindest immer).
      Wenn das nun wegen dem kleinen GR zerbricht, dann ist es mit der EU nicht weit her.

      Ein Grexit gäbe bestimmt Unruhe, Stress, Ungewissheit. Aber es wäre eine längst fällige Bereinigung
      0 0 Melden
    • Ikarus 18.06.2015 01:14
      Highlight Friedensprojekt? Das war ein projekt für deutschland und frankreich. Da wurden schulden gestrichen und kein südler hat sich derart beschwert als sie alle auf geld verzichteten.. Wo soll der frieden sein wenn all das geld plötzlich keinen wert mehr hat? Wo steht die schweiz wen die 500mrd plötzlich nurnoch bedrucktes klopapier ist?
      0 0 Melden
  • Zuagroasta 15.06.2015 20:10
    Highlight Herr Löpfe, ein kurzer Blick auf Wikipedia
    und Sie hätten den Satz "Griechenland hat heute eines der höchsten Rentenalter in Europa." nicht mehr schreiben müssen.
    Der Grossteil der EU-Länder bzw. die Schweiz teilt das Rentenalter von 65 Jahren.
    Ab 2020 schaut es aber anders aus.
    Re Staatsangestellte: seit Antritt von Herr Tsipras hat sich leider der Fortschritt der letzten Jahre wieder umgekehrt.
    Re Herr Varoufakis: Er mag eine Kapazität in Sachen Ökonomie sein, aber das müssen auch Sie zugestehen, es herrscht ein kleiner Unterschied zwischen Theorie und Praxis.
    Und hier fehlt es Herrn Varoufakis an Erfahrung, die genau jetzt dringend von Nöten wäre.
    Mir persönlich tut es um meine griechischen Bekannten leid, da die populistische Rumkräherei von beiden Seiten auf deren Rücken ausgetragen wird.
    Und das ist selbst als Besserverdienender kein Spass.
    12 14 Melden
    • phreko 15.06.2015 20:46
      Highlight Wenn die komplette Abschaffung eines öffentlichen Fernsehens sein soll, dann kann ich sie nicht ernst nehmen! Wir sind hier in Europa und nicht in einem Neoliberalen Traum.
      8 7 Melden
    • Zuagroasta 15.06.2015 21:28
      Highlight @phreko: Huh? Fernsehen?
      4 2 Melden
    • phreko 16.06.2015 00:25
      Highlight Als kleines Beispiel wofür sich Tsipras eingesetzt hat. Ich kann jetzt nicht auswendig sagen wie lange kein Öffentlich-rechtlicher Sender bestand, jedoch war jetzt das ziemlich lange der Fall. Noch immer Huh? Fernsehen? Kommt noch mehr warme Luft?
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    • Zuagroasta 17.06.2015 10:12
      Highlight Phreko, warum gleich beleidigend? Ich habe nichts gegen gepflegte Diskussionen, nur wenn mein Gegenüber persönlich wird, habe ich schnell Zweifel an der Aussagekraft der Argumente.
      Ja,Tsipras hat sich für den Staatsrundfunk eingesetzt, nur zu welchem Preis?
      http://www.nzz.ch/international/europa/gezaehmte-rundfunk-piraten-1.18562858
      3 Euro tönen wenig, nur wenn ich so zwischen sechs- und achthundert Euro netto verdiene, das ist normal, kann ich von dem Gehörten auch nicht meinen Hunger stillen.
      Tsipras sollte sich mal um die Besserverdienenden kümmern, nur da scheut er etwas.Warum nur?
      0 0 Melden

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