Wirtschaft
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epa04091166 (FILE) A file photo dated 30 March 2011 shows shoppers outside a Walmart store in the Los Angeles San Fernando Valley community of West Hills, California. US retail giant Walmart on 20 February 2014 reported a fall in fourth quarter profits of 21 per cent, compared to the same period last year, due to a more reluctant consumer and competition from high street and online retailers. Walmart profits for the November-to-January period came in at 4.4 billion dollars, the company said, results that brought the retailer's stock down by 1 per cent in pre-market trading. Problems for the Bentonville, Arkansas-based retailer were mainly felt outside its home market of the United States. Internationally, profits dropped by half. The company's Chief Financial Officer Charles Holley predicted a continuing inclement economic forecast, saying that

Walmart führt keinen einzigen Supermarkt in der Niederlande – Steuern spart der US-Konzern im nordeuropäischen Land trotzdem.  Bild: MIKE NELSON/EPA/KEYSTONE

«Finanzdrehscheibe der Welt»

Steueroase Luxemburg? Mag sein, doch die Niederlande treiben es ebenso bunt

Rund 12'000 Briefkastenfirmen residieren in den Niederlanden. Genutzt werden die «effektiven Steuerstrategien» europaweit. 

10.11.14, 16:30 10.11.14, 17:32

claus hecking / spiegel online

Ein Artikel von

Die Massenunterkunft der Weltkonzerne kann Gaby de Groot vom Bürofenster erblicken. «Da drinnen haben Tausende Unternehmen ihren Sitz», sagt der Steuerexperte und zeigt auf den beigefarbenen Bürokomplex auf der anderen Strassenseite. «Aber höchstens 300 Leute arbeiten dort.» Und das höchst diskret. 

Hier am Amstel-Bahnhof im Süden Amsterdams residierten DanoneSaab, Gazprom und mehr als 2'000 weitere multinationale Unternehmen. Sie teilen sich eine Adresse hier am Prins Bernhardplein 200 bis 218, gleich gegenüber der Finanzzeitung «Het Financieel Dagblad», Gaby de Groots Arbeitgeber. Aber nicht ein einziges Logo all dieser stolzen Firmen steht auf der Fassade. Nicht einmal auf den Briefkasten des «Amstelgebouw» haben die prominenten Mieter ihren Namen geschrieben. Dabei kommt es doch auf diesen Briefkasten an. 

The company logo of Russian natural gas producer Gazprom is seen on an advertisement installed on the roof of a building in St. Petersburg, in this November 14, 2013 file photo. Russian gas producer Gazprom said on October 14, 2014, its first-half net profit was down to 450.58 billion roubles (6.92 billion pounds) from 582.7 billion roubles. Photo taken with long exposure.  REUTERS/Alexander Demianchuk/Files (RUSSIA - Tags: BUSINESS ENERGY)

Gazprom-Logo an einem Unternehmenssitz in St.Petersburg. Bild: ALEXANDER DEMIANCHUK/REUTERS

Die meisten der wenigen Menschen, die hier ein- oder ausgehen, arbeiten wohl für Intertrust: die Treuhandfirma, die ihre Dienste so bewirbt: «Wenn Sie eine hochqualitative Business-Infrastruktur, günstige Steuer-Bedingungen und Service aus erster Hand suchen, dann ist Intertrust Niederlande Ihr Büro.» Treuhänder wie Intertrust stehen hoch im Kurs bei multinationalen Unternehmen. Mindestens 12'000 meist mitarbeiterlose «besondere finanzielle Einrichtungen», wie sie offiziell heissen, oder «Briefkastenfirmen», wie sie der Volksmund nennt, sind laut einer Studie des Forschungsinstituts SEO Economisch Onderzoek in den Niederlanden ansässig. Denn die Niederlande sind mutmasslich die beliebteste legale Steueroase der Welt. Noch beliebter als das berüchtigte Luxemburg



Als Steueroase wohl attraktiver als Luxemburg

Auch PriceWaterhouseCoopers hatte sich mal am Prins Bernhardplein 200 einquartiert: die Unternehmensberatung, die gerade im Mittelpunkt der «Luxemburg-Leaks» steht. Die für Hunderte Grosskonzerne Konstrukte ersonnen hat, mit denen sie Gewinne in das Niedrigsteuerland Luxemburg verschieben und so Milliarden Euro Steuern sparen können. Es gebe «mindestens vier bis fünf Länder, die ebenso effektive Steuerstrategien anbieten», verteidigt sich PWCs Luxemburg-Chef Didier Mouget. Und nennt als ein Beispiel die Niederlande. 

Mouget hat wohl recht. Alles deutet darauf hin, dass die Niederlande für multinationale Konzerne noch attraktiver sind als das kleine Luxemburg, um Profite hierher zu verschieben und so Steuern ganz legal zu vermeiden. Denn Deutschlands nordwestlicher Nachbar erhebt auf bestimmte im Ausland erzielte Einkünfte geringe oder gar keine Abgaben. Dazu gehören Zinsen und Dividenden sowie Erträge aus intellektuellem Eigentum, also aus Lizenzen, Marken- oder Patentrechten. Und so verlagern Multis wie Ikea, Italiens teilstaatlicher Ölriese Eni («Agip»), Walmart oder laut «Financieel Dagblad» 17 der 20 umsatzstärksten Konzerne aus dem klammen Portugal ihre Gewinne in das Niedrigsteuerparadies an der Nordsee. Das Prinzip ist manchmal ganz einfach – etwa bei Ikea. Hier erhebt die «Ikea Inter Systems BV» im niederländischen Delft Franchise-Gebühren von Filialen weltweit – und drückt so deren Steuerlast. Die Kaffeekette Starbucks ist ähnlich vorgegangen. Ist ja auch alles erlaubt. 

epa04282902 An exterior view of an Ikea store in Brooklyn, New York, USA, 26 June 2014. The Swedish furniture company is planning to raise the average hourly minimum wage it pays by 17 percent to $10.76 (7.90 euros) an hour at the company's 38 stores in the USA, which would be about $3.50 (2.57 euros) over the current federal mandated minimum wage.  EPA/JUSTIN LANE

Eingang zu einem Ikea-Einkaufszentrum in Brooklyn, New York. Bild: JUSTIN LANE/EPA/KEYSTONE

«Wir sind die Finanzdrehscheibe der Welt», sagt Experte De Groot, der mit seinem Kollegen Siem Eikelenboom seit Jahren diese Praktiken untersucht. Und die Zahlen geben ihm recht: Rund 4.000 Milliarden Euro wurden 2011 laut der vom Finanzsektor beauftragten SEO-Studie durch die niederländischen Briefkastenfirmen geschleust – rund das Fünffache des Bruttosozialprodukts. Sie haben das Land mit nicht mal 17 Millionen Einwohnern nach Statistiken des Internationalen Währungsfonds zu einem der beiden weltgrössten Empfänger und Geber von Direktinvestitionen gemacht. 

Finanzholdings verbergen sich hinter Briefkastenfirmen

Laut einer Studie der US-Nichtregierungsorganisation Citizens for Tax and Justice (CTJ) besitzen 48 Prozent der 500 umsatzstärksten Firmen Finanzholdings in den Niederlanden – mehr als in Singapur, Hongkong oder Luxemburg (34 Prozent). Laut CTJ verbuchten Niederlande-Töchter von US-Konzernen 2010 Gewinne in Höhe von 127 Milliarden Dollar, mehr als auf den Bermudas (91 Milliarden), in Luxemburg (55 Milliarden) oder auf den Cayman-Islands (51 Milliarden Dollar). Sie verbergen sich bisweilen hinter unauffälligen Namen. «Blueleave Cooperatie» etwa heisst die lokale Holding des US-Handelsriesen Walmart – der in den Niederlanden nicht einen einzigen Supermarkt hat. Allein BASF hatte 2012 21 Holdings in den Niederlanden. Selbst die Rolling Stones unterhalten einen Geschäftssitz an der noblen Amsterdamer Herengracht.

Besonders beliebt sind laut de Groot so genannte «Tax Rulings», bei denen Multis mit dem niederländischen Fiskus individuelle, geheime Absprachen über ihre Steuerlast treffen. Wie in Luxemburg. «Oft sind die beiden Länder miteinander gekoppelt», sagt de Groot, «dann hat die niederländische Holding eine Luxemburger Holding über sich». Oder umgekehrt. 

Qualitätssiegel für seriöse Treuhänder geplant

Andre Nagelmaker, Vizepräsident der Treuhändervereinigung Holland Quaestor, streitet ab, dass es den Kunden ausschliesslich um Steuerflucht gehe. «Die meisten siedeln sich an, um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden, denn die Niederlande haben gute bilaterale Abkommen geschlossen», sagt er. Aber es seien auch «noch Strukturen möglich, in denen nie eine Steuerzahlung entrichtet wird». Dies wolle man nicht, behauptet Nagelmaker; sein Lobbyverband plant daher die Einführung eines Qualitätssiegels für seriöse Treuhänder. «Wenn wir hier etwas verändern», sagt Nagelmaker, «muss es im europäischen Kontext geschehen.» 

«Die Niederlande sind keine Steueroase.»

Finanz-Staatssekretär Eric Wiebes

Die Regierung hat erklärt, die Briefkastenfirmen schärfer kontrollieren zu wollen. Den Begriff «Steueroase» hören niederländische Politiker nämlich gar nicht gerne. Im Januar 2013 rief das Parlament auf Antrag der rechtpopulistischen Wilders-Partei die Regierung per Resolution dazu auf, «diese Qualifizierung zurückzuweisen und wo möglich in der Diskussion darauf zu dringen, dass diese Qualifizierung unterbleibt.» Diesen Donnerstag erklärte Finanz-Staatssekretär Eric Wiebes denn auch. «Die Niederlande sind keine Steueroase.» Die Zahlen der Studie über die «besonderen finanziellen Einrichtungen», die gerade im Parlament vorgestellt wurde, deuten allerdings etwas anderes an. Demnach hat sich allein die Summe der Dividenden, die in die Briefkastenfirmen geflossen ist, zwischen 2004 und 2012 mehr als verfünffacht: von 13,1 Milliarden auf 72,7 Milliarden Euro.

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Alnothur 10.11.2014 21:33
    Highlight "Rund 4.000 Milliarden Euro wurden 2011 laut der vom Finanzsektor beauftragten SEO-Studie durch die niederländischen Briefkastenfirmen geschleust – rund das Fünffache des Bruttosozialprodukts."
    Hmm, ein BIP von 0.8 Milliarden Euro finde ich etwas tief angesetzt für die Niederlande, liebes Watson-Team...
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    • Alnothur 11.11.2014 12:32
      Highlight Falsches Trennzeichen nicht bemerkt? Bei uns trennt ein Punkt die Nachkommastellen...
      1 2 Melden
    • Alnothur 11.11.2014 14:36
      Highlight Achten Sie sich das nächste Mal im Migros/Coop darauf ;)
      1 1 Melden
    • Alnothur 12.11.2014 13:47
      Highlight Genau, denn dort würde es z.B. 4'000.00 heissen...
      0 1 Melden
  • Ridcully 10.11.2014 17:21
    Highlight Wen erstaunt es, die sind auch nicht besser als wir.Was hingegen die Schweiz von LUX und Niederlanden lernen sollte, ist, wie man mit so einem Vorwurf gegenüber der Öffentlichkeit umgeht. Einfach aussitzen funktioniert nicht. Die öffentliche Wahrnehmung entscheidet Alles, niemand interesiert sich für die Wahrheit. (Gilt für fast alle Themenbereiche, nicht nur für windige Steuerpraktiken)
    5 1 Melden

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