Wirtschaft
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Rev. Fred Phelps of the Westboro Baptist Church of Topeka, Kan. protests outside the Broadway United Methodist Church Sunday, Nov. 22, 1998 in Chicago. Rev. Phelps and family members came to the church to protest a September marriage between two gay men officiated by Methodist Rev. Gregory Dell. (AP Photo/Michael S. Green)

«God hates fags»: Baptistenprediger Fred Phelps (1929-2014) gehörte mit seiner Westboro Baptist Church in Kansas zu den eifrigsten Kreuzrittern gegen die Homosexualität. Bild: AP

Kreuzzug gegen die Schwulen-Ehe: Der heilige Krieg findet nicht nur im Nahen Osten statt, sondern auch im Fernen Westen

In den USA tobt ein bizarrer Streit um die Frage, ob Private und Unternehmen gezwungen werden dürfen, Schwule zu bedienen oder nicht.

01.04.15, 17:57 02.04.15, 14:35


Im Bundesstaat Oregon muss ein Bäcker möglicherweise ein Strafe von 150'000 Dollar bezahlen. Der Grund: Er hatte sich geweigert, eine Hochzeitstorte für eine Schwulen-Heirat zu backen. Ähnlich drastische Strafen könnten auch einer Floristin drohen, die keine Blumen liefern möchte, oder einem Schneider, der kein Hochzeitskleid für Lesben anfertigen will. 

Das mag in unsere Augen mehr als exotisch erscheinen, für die Amerikaner ist es alles andere als ein Spass. Die Trennung von Kirche und Staat ist ein tragender Pfeiler ihres Staatsverständnisses, ebenso der Schutz von Minderheiten. Zudem spielen Richter und Anwälte eine weit bedeutendere Rolle als bei uns. 

Die christlichen Taliban schlagen zurück

Nach wie vor schlägt die Frage der Homo-Ehe in den USA hohe Wellen. Nun droht eine weitere Eskalation in diesem Kampf um Werte. Ausgelöst hat ihn der Bundesstaat Indiana, ein konservativer, von den Republikanern beherrschter Staat. Er hat ein Gesetz eingeführt, das Bussen wie für den Bäcker in Oregon unmöglich machen soll, denn das Gesetz erlaubt Privatpersonen und Unternehmen, sich zu weigern, Schwule und Lesben zu bedienen, falls dies eine «substanzielle Last» für ihr religiöses Gewissen darstellen würde. 

Das Gesetz ist gewissermassen eine Notwehr der christlichen Taliban. Der Versuch, das nationale Bundesgesetz, das die Homo-Ehe erlaubt, mit bundesstaatlichen Gesetzen wieder ausser Kraft zu setzen, ist nämlich vom Obersten Gerichtshof niedergeschlagen worden. Deshalb greifen immer mehr konservative Bundesstaaten im Süden zu Tricks.

Schwulen-Gegner berufen sich auf ein Gesetz von Bill Clinton

Der Bundesstaat Arkansas beispielsweise möchte ein ähnliches Gesetz wie Indiana einführen. Grundlage ist dabei ein Gesetz, das ausgerechnet der liberale Gouverneur Bill Clinton 1993 zum Schutz von Minderheiten erlassen hatte. Es sollte verhindern, dass Indianer ihren Job verloren, nur weil sie bei ihren religiösen Zeremonien Drogen verwendeten. Auf dieses Gesetz berufen sich nun auch die Gegner der Homo-Ehen, um sich dagegen wehren zu können, Schwule und Lesben zu bedienen. 

Former President of the United States Bill Clinton delivers a speech during the JFK International Symposium at Waseda University in Tokyo, Wednesday, March 18, 2015. (AP Photo/Eugene Hoshiko)

Ex-Präsident Bill Clinton führte ein Gesetz zum Schutz der Indianer ein. Bild: Eugene Hoshiko/AP/KEYSTONE

Die Krieger des christlichen Fundamentalismus stossen jedoch nicht nur bei den Liberalen auf Widerstand, sondern auch bei der Wirtschaft. Das Gesetz in Indiana hat heftige Reaktionen ausgelöst. Die Wirtschaftskammer hat dagegen opponiert, Unternehmen wie Apple drohen mit Boykott, Basketballmannschaften und Künstler haben ihre Auftritte abgesagt. Landesweit ist derweil eine neue Episode im Kampf um Werte ausgebrochen. 

Was ist tolerant?

Beide Seiten berufen sich dabei auf die Toleranz. Für die Demokraten ist das neue Gesetz in Indiana nichts anderes als eine weitere Episode in der Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Für die Republikaner hingegen ist dies ein Kampf um mehr Toleranz. Sie berufen sich dabei auf das Schicksal des ehemaligen CEO des Internet-Browsers Mozilla. Er musste zurücktreten, weil er Geld gespendet hatte für ein Referendum gegen die Erlaubnis der Homo-Ehe. 

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Absurde Gesetze

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • AdiB 02.04.2015 10:57
    Highlight sie verlangen nach toleranz und was sie dafür tun ist leuten klagen an den hals hetzen. die toleranz für homosexuelle die dadurch geschaffen wird, ist eine toleranz der angst. der hass auf homosexuelle steigt damit.
    die schwulen sollen lernen damit umzugehen nicht überall toleriert zu werden. den wenn jede minderheit auf diesem planeten, sich anfangen würde toleranz zu erzwingen, gäbe es kein ende.
    7 36 Melden
    • goschi 02.04.2015 12:09
      Highlight Moment häh?
      Es ist in unseren westlichen Rechtsstaaten grundsätzlich nicht erlaubt menschen Aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Rasse oder ihrer Religion zu diskriminieren (sprich zB nicht zu bedienen), wieso sollte dies bei der sexuellen Präferenz plötzlich anders sein?

      Und nein, Intoleranz muss man nicht tolerieren, das ist immer nur die verquere Logik der Intoleranten...
      35 6 Melden
    • TJ Müller 02.04.2015 13:31
      Highlight @AdiB
      So Adi, jetzt ersetzt mal Schwule durch Schwarze und überlege dir nochmals genau, was du gerade von dir gegeben hast? Hättest du das auch während der Apartheid gesagt: "Tja, liebe Schwarzen, Ihr seid leider in der Minderheit und Ihr müsst halt lernen damit umzugehen nicht überall toleriert zu werden!" Seine Sexualität wählt man genau gleich wenig wie seine Hautfarbe, was ist daran so schwer zu verstehen?
      30 4 Melden
    • AdiB 02.04.2015 23:23
      Highlight seit 9/11 werde ich als moslem ständig diskriminiert. ich habe noch nie eine anzeige gemacht. zum teil wussten die leute gar nicht das ich moslem bin.
      ein lächeln und meinen weg weiter gehen. es zwingt mich keiner mit solchen menschen was am hut zu haben.
      das ist toleranz. man fängt bei sich an. in den man intoleranz halt toleriert. und das mit der apartheit ist kein vergleich mit homosexuelen geutzutage.
      schwarze, muslime, tamilien, araber an sich die werden jeden tag in der schweiz diskriminiert und doch zeigen sie toleranz. die meisten von ihnen.
      ich glsub ich weis besser als schwule und juden was diskriminierung ist. was es bedeutet wen dir der lehrer sagt wegen deiner herkunft hast du null chance auf grossen erfolg. wen du für die lehre 2000 bewerbungen schreibst und 1999 absagen kriegst.
      also hört auf mir was von toleranz und diskriminierung zu reden.
      ich will den schwulen einen rat geben, weil ich weis wie sich anfühlt.
      als kind war ich mal mit meiner mutter einkaufen, als wir rauskammen schnsppt mich ein ladendetektiv und durchsucht mich. ausziehen bis zur unterwäsche am eingang NEBEN MEINER MUTTER. meine mutter schrie ihn an was das soll, sie erziehe keine diebe. der typ hat nicht gefunden. keine entschuldigung sonder "glück gehabt". der ging nicht mal auf meine mutter ein. wiesst ihr wie das beschähmend ist? für mich? für meine mutter erst? ich habe in meinem leben nie was gestohlen weil mrine mutter keinen dieb grosszog. ich habe mich durch diese intolerante welt die mich nur diskriminiert hat durchgekämpft.
      ich habe 1000e solcher geschichten auf lager die erlebt habe. mein lehrmeister war ein nazi aus dem bilderbuch und ich habe die 3 jahre mit ihm durchgestanden. und alles ohne anzeigen und behörden.
      3 9 Melden
    • Dr. B. Servisser 02.04.2015 23:26
      Highlight @goschi. Diskriminierungsverbot gilt in erster Linie in Bezug auf staatliches Handeln. Auch in westlichen Demokratien, eigentlich vor allem da, soll der Staat niemandem vorschreiben was er zu glauben und zu tun hat. Also sollte es doch einem Bäcker freistehen nur diejenigen Personen zu bedienen die er bedienen will. Das ist seine persönliche Freiheit.

      Und nein, Intoleranz kann man nicht mit Intoleranz bekämpfen.
      3 10 Melden
    • AdiB 03.04.2015 13:36
      Highlight @tj müller. du beleidigst mit dem vergleich, schwule und schwarze in der apartheit, sehr viele die unter der apartheit lieten.
      homosexuellen stehen in dieser welt soviele türen offen. sie schaffen es z.bsp. auf hohen etagen im beruf. diese freiheit die halt zum teil auch diskriminierung erhält, vergleichen sie mit dem was in südafrika war.
      überlegen sie sich msl ihren vergleich.
      1 7 Melden
  • Pieter 01.04.2015 21:53
    Highlight Ist das ein gestörtes Volk!
    25 5 Melden
  • jdd2405 01.04.2015 20:59
    Highlight My Home is my Castle. Wie kommt man auf die dämliche Idee, Geschäftsleute zu zwingen, jemanden zu bedienen?
    14 52 Melden
    • noise 01.04.2015 21:29
      Highlight Es geht nicht um den Bäcker oder die Floristin, sondern um den Polizisten oder dem Chirurgen oder dem Standesbeamten. Das sind Institutionen die per se dem Volk/Bürger/dem Menschen verpflichtet sind. Die haben einen Job und gleichzeitig einen Auftrag den es zu erfüllen gilt. Unabhängig von Rasse, Religion, Sexualität usw.
      Ansonsten können wir grad wieder die Rassentrennung einführen wie sie zB bis vor kurzem noch in Amerika selbst oder Südafrika existierte.
      62 7 Melden
    • Phil Bee 01.04.2015 23:46
      Highlight Jemanden? Ersetze doch einfach "Schwule und Lesben" mit "Schwarze" oder "Juden". Fändest Du es auch in Ordnung - ganz im Sinne der Geschäftsfreiheit - wenn ein Geschäft diese Gruppen nicht bedienen würde? Wohl kaum.
      39 4 Melden
    • Dr. B. Servisser 02.04.2015 00:01
      Highlight Es geht eben doch um die Bäckerin und den Floristen!

      Vom Gesetz in Indiana betroffen sind Privatpersonen und Unternehmen (und da gehören staatliche Institutionen nicht dazu). Diese dürfen aufgrund ihrer religiösen Moralvorstellungen Homosexuelle diskriminieren.
      4 7 Melden
  • Beasty 01.04.2015 20:23
    Highlight Wer mich nicht bedienen will, soll auch mein Geld nicht haben. Mal schauen, ob man vom Glauben alleine auch satt wird... Die landen alle zusammen sowieso in der Hölle mit ihrem unmenschlichen Verhalten, diese "Religiösen"...
    34 8 Melden
    • EvilBetty 01.04.2015 22:37
      Highlight Nein, tun sie ihrem Glauben zu Folge ja nicht. Jesus hat ja für ALLE Sünden von jedem gebüsst ;-) Also können sie sich wie die letzten Säue aufführen. Und das tun sie auch. Sie haben ja nichts zu befürchten.
      29 2 Melden
    • Tschosch 02.04.2015 17:11
      Highlight @ EvilBetty: Da haben Sie sich aber sehr oberflächlich mit der christlichen Religion auseinandergesetzt. Solche Kommentare tragen leider all zu wenig zu einer ernsthaften Diskussion über die Diskriminierung von Homosexuellen oder anderen Minderheiten bei. Schade!
      2 9 Melden
  • Topoisomerase 01.04.2015 19:33
    Highlight Wie kann es Menschen in den Sinn kommen, Schwule nicht bedienen zu wollen? Ich kann (und will) es nicht verstehen, welche Religion das sagt.
    63 8 Melden
    • phreko 02.04.2015 00:30
      Highlight Als toleranter muss man bestimmt nicht intoleranz tolerieren. Da wird ignoranz mit toleranz verwechselt!
      28 4 Melden
    • Topoisomerase 02.04.2015 06:57
      Highlight Ablehnung und Diskriminierung sind zwei verschiedene Schuhe, mein Lieber.
      17 3 Melden
    • goschi 02.04.2015 12:11
      Highlight Es ist die typisch verquere logik der Ignoranzen und intoleranten, dass man Intoleranz plötzlich tolerieren muss (weil man sonst ja angeblich selbst intolerant sei).
      Intoleranz muss und soll man nicht dulden, denn dies ist schlicht abzulehnen.
      19 4 Melden

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