Wirtschaft

Jetzt müssen die Mieten runter: Referenzzinssatz sinkt auf rekordtiefe 1,5 Prozent

01.06.17, 07:57 01.06.17, 13:40

Der Referenzzinssatz für Mieten ist wie erwartet auf rekordtiefe 1,5 Prozent gefallen. Doch während der Satz seit 2009 sank, stiegen die Mieten weiter an. Forderungen nach tieferen Mieten können Vermieter höhere Unterhaltskosten und Investitionen entgegenstellen.

Es ist das erste Mal seit Juni 2015, dass der Referenzzinssatz sinkt. Der neue Referenzzinssatz gilt ab dem (morgigen) Freitag, wie das Bundesamt für Wohnungswesen am Donnerstag mitteilte. Die Reduktion beträgt 0,25 Prozentpunkte

Die Mieten müssten jetzt um knapp 3 Prozent sinken. Bild: KEYSTONE

Wegen dieser Senkung ergibt sich für die über zwei Millionen Mieterhaushalte in der Schweiz im Grundsatz, dass sie eine Reduktion der Mieten um 2,91 Prozent verlangen können.

Bei einer Miete von 2000 Franken etwa resultiert theoretisch eine monatliche Mietzinsreduktion von 58.25 Franken im Monat oder 699 Franken im Jahr. Das lässt sich auf der Internetseite des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverband (SMV) berechnen.

Im Einzelfall hängt die Anpassung davon ab, wann die letzte Mietzinsreduktion vorgenommen worden ist. Grundsätzlich können weitere Senkungs- und Erhöhungsansprüche geltend gemacht werden. Diese betreffen auf Seiten der Mieter vorherige, nicht weitergegebene Reduktionen des Referenzzinssatzes.

Vermieter müssen eine Senkung des Referenzzinssatzes nicht automatisch an die Mieter weitergeben. Sie können beispielsweise höhere Unterhaltskosten sowie Wert steigernde Investitionen geltend machen. Zudem können sie 40 Prozent der angelaufenen Teuerung anrechnen sowie eine Pauschale für die allgemeinen Kostensteigerungen.

18 Prozent des Lohns fürs Wohnen

Der Mieterverband appellierte am Donnerstag an die Vermieter und Vermieterinnen, die Mietzinsen von sich aus zu senken. Werde die Vermieterseite nicht aktiv, müssten die Mieter und Mieterinnen eine Senkung einfordern, sagten Vertreter des SMV vor Medien in Bern.

Obwohl der Referenzzinssatz seit seiner Einführung stetig gesunken sei, seien die Mietzinse in der Schweiz seit 2009 angestiegen, kritisierte der SMV. Viele Vermieter und Verwaltungen würden auf Nachfrage den Mietzins zwar senken - allerdings erst auf Nachfrage.

Deshalb hätten Mieter und Mieterinnen von den Tiefstzinsen der letzten Jahre kaum profitiert. Gleichzeitig hätten sie aber die Zinsentwicklung in Form von schlechteren Pensionskassenleistungen oder Nullzinsen auf den Ersparnissen mitbezahlt.

Mehr Geld zum Leben

Im Durchschnitt gäben Mieter und Mieterinnen mehr als 18 Prozent des Einkommens für die Miete aus, rechnete der SMV vor. Demgegenüber seien es bei Eigentümer nur noch 10 Prozent. Denn letztere hätten ihre Wohnkosten in den letzten Jahren laufend senken können.

Bei einer Mietreduktion würden Mieterhaushalten rasch mehrere hundert Franken pro Jahr zur Verfügung stehen, etwa für Konsum oder Altersvorsorge, sagte der Genfer SP-Nationalrat und SMV-Präsident Carlo Sommaruga. Das freiwerdende Geld käme nicht nur den Individuen zugute, sondern könne auch die Wirtschaft ankurbeln.

Mit gutem Beispiel voran ging am Donnerstag der Hausverein Schweiz: Er reagierte umgehend auf den neuen Referenzzinssatz und rief seine Mitglieder dazu auf, die Mieten zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen.

Zinssatz im Sinkflug

Für die Mietzinsgestaltung wird in der Schweiz seit dem 10. September 2008 auf einen einheitlichen hypothekarischen Referenzzinssatz abgestellt, der sich in Schritten von einem Viertelprozent verändern kann. Dieser ersetzte den in den einzelnen Kantonen früher massgebenden Zinssatz für variable Hypotheken.

Seit seiner Einführung ist der Referenzzinssatz noch nie gestiegen. 2008 lag er noch bei 3,5 Prozent, danach sank er immer weiter. Seit Juni 2015 galt der Referenzzinssatz von 1,75 Prozent. Der jüngste Rückgang auf 1,5 Prozent war angesichts der Zinsentwicklung erwartet worden. Bereits im März hatte nur wenig für eine Senkung gefehlt. (sda)

Häuser, sorry «Häuser», unter 10'000 Franken

Geld, Banken, Weltwirtschaft

2,1 Prozent besitzen so viel wie 97.9 – willkommen im Ungleichheitsland Schweiz

640 Millionen Dollar: ABB erhält Grossauftrag aus Indien

Hunderte Stellen betroffen: UBS erwägt Verlagerung von Jobs aus London 

Banken-Rettung kostet Italien 6,6 Milliarden Euro

Die unendliche Bussenstory der Schweizer Grossbanken

«Die Schweiz hat die Chance, weltweit führend bei der Blockchain zu werden»

Raiffeisen lanciert Hypothek für arme Leute

«Anleger werden durch mehr Bürokratie nicht unbedingt besser geschützt»

Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz: «Frankenstärke kostet zehntausende Arbeitsplätze»

UBS verliert Steuerstreit mit Frankreich und muss 1,1 Milliarden Euro Kaution hinterlegen

Trotz Lohnanstieg können sich Schweizer 2017 kaum mehr kaufen

Credit Suisse mit weiterem Gewinneinbruch – Aktie im Sinkflug

Europäische Zentralbank legt vorerst nicht nach – es bleibt bei null Prozent

«Bitcoins sind kein sinnvolles Geldsystem» – weil sie zuviel Strom verbrauchen

Wegen Irreführung mit Neugeld: Credit Suisse in den USA zu Millionenbusse verdonnert

Bauer, WWF und Kinderkrippe – was die Crash-Banker der Nuller-Jahre heute machen

Credit Suisse hat in diesem Jahr bereits 4800 Jobs gestrichen, 1200 weitere sollen noch folgen

Die CS soll sich in Italien auf 100 Mio Euro-Zahlung geeinigt haben

Will die UBS jetzt eigene Bitcoins prägen? Nein – aber die Bank hat eine clevere Idee

In Asien gibt es jeden dritten Tag einen neuen Milliardär

Ist das die Retourkutsche? Deutsche Bank zu 14-Milliarden-Busse verdonnert

Brexit könnte bei der UBS in London zu einem Aderlass von 1500 Arbeitsplätzen führen 

UBS will eigene digitale Münzen herausbringen

Die Chefs der Schweizer Grossbanken verkaufen ihre Aktien

Jetzt nehmen die USA den Goldhandel ins Visier – Schweizer Grossbanken sind am Rande betroffen

Finma-Chef hält noch schärfere Grossbanken-Regulierung für nötig

Sollte die Deutsche Bank untergehen, würde ich einen Notvorrat anlegen – aber so weit wird es wohl nicht kommen

Wall-Street-Banker wollen den CEO der Credit Suisse stürzen

«Worst Case Szenario»: Credit-Suisse-Aktie ist nicht mal halb so viel wert wie Anfang Jahr

US-Justiz an der Nase herumgeführt: Bank Vontobel lässt indischen Betrüger Millionen verstecken

Panama Papers: Und was hat das mit der Schweiz zu tun?

Warum gerade Panama? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Mega-Datenleck

EZB-Chef Draghi dämpft Zinsfantasien: Euro im Höhenflug – Franken wird schwächer

Das verdienen die Chefs der Kantonal- und Regionalbanken 

EZB senkt Leitzins erstmals auf null Prozent: Franken geht nicht durch die Decke

Hacker dringen in das internationale Zahlungssystem Swift ein

Das sind die wirtschaftlichen Brandherde Europas

Schwarzgeld: 40'000 Schweizer zeigen sich selbst an – das bringt dem Staat rund 2 Milliarden

Steuer-CD: Deutschland gibt verdächtige Schweizer Kontodaten an 27 Länder weiter

Von wegen «Finanzkrise»: Seit 2007 haben Grossbank-Aktionäre 1,7 BILLIONEN eingestrichen

Offshore-Insider Elmer zu Gast bei Schawinski: 7 Erkenntnisse aus der gestrigen Panama-Talkshow

«Geldwäscherei ist kein Kavaliersdelikt»: FINMA kontaktiert Banken wegen Offshore-Firmen

Coop, Migros, SIX und Swisscom: Gibt es bald eine einheitliche Lösung im digitalen Zahlungsverkehr? 

Die Verkehrsampeln der Weltwirtschaft wechseln die Farben – und das Chaos an den Märkten ist vorprogrammiert

Fünf Gründe, warum der Franken momentan schwächelt und was das für die Wirtschaft bedeutet (Gutes!)

Es ist nicht China, Dummkopf, es ist die Fed!

Die Frage wird immer dringlicher: Wie unabhängig dürfen die Zentralbanken noch sein?

Der neue Weg aus der Krise: «Helikopter-Geld»

Warum der chinesische Börsen-Crash weltweit Angst und Schrecken auslöst – und wie die US-Notenbank eine Panik verhindern kann

Übernehmen bei der CS die Scheichs aus Katar und Saudi-Arabien das Zepter?

Der Kampf der Titanen: Die beiden wichtigsten Banken der Welt wollen eine gegensätzliche Geldpolitik

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Richu 01.06.2017 15:00
    Highlight Aus Gerechtigkeit müssen jetzt wirklich die Mieten runter, wenn auch diese Massnahme für viele Pensionskassen, die doch einen recht grossen Anteil Immobilien besitzen, nicht erfreulich ist!
    1 0 Melden
  • Pasch 01.06.2017 10:54
    Highlight Und ab die Post!

    Aber naja gibt wohl wieder nen anstieg der nebenkosten.
    0 1 Melden
  • Hugo Wottaupott 01.06.2017 08:56
    Highlight Aha! Die Mieten müssen runter... soso... ich meine sie hätten nie so hoch werden dürfen.
    0 1 Melden

Bis zu 100 Stellen betroffen: SIX plant Stellenabbau

Die Finanzinfrastrukturbetreiberin SIX plant bis zu 100 Stellen in der Schweiz abzubauen. Nach der Übernahme des Kartenakzeptanz- und Verarbeitungsgeschäfts der Aduno Gruppe zieht die SIX ihre Standorte an ihrem Hauptsitz am Hardturm in Zürich zusammen.

Die Niederlassungen in Bedano im Tessin und in Oerlikon ZH sollen auf Ende 2018 geschlossen werden. Ein Teil der Stellen soll bis dahin durch natürliche Fluktuation abgebaut werden, wie die SIX am Montag mitteilte.

Das gesetzlich vorgeschriebene …

Artikel lesen