Wirtschaft
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Yahoo-Chefin Mayer: Gutes Vorbild? Schlechtes Beispiel?
Bild: LUCAS JACKSON/REUTERS

Facebook, Yahoo, Netflix: Bezahlter Mutterschutz wird zum Trend im Silicon Valley

Bei der Auszeit für Eltern sind die USA beschämend unmodern: ein guter Mutterschutz? Fehlanzeige. Bezahlte Elternzeit? Kaum denkbar. Nun will das Silicon Valley daran etwas ändern - ausgerechnet die Branche, die als arbeitssüchtig gilt.

10.09.15, 20:49

Marc Pitzke, New York



Ein Artikel von

Als ob Marissa Mayer nicht genug Sorgen hätte. Seit mehr als drei Jahren kämpft die Yahoo-Chefin darum, den Internetriesen zu retten. So will sie Yahoos Anteile am chinesischen Web-Giganten Alibaba abstossen, um bis zu 24 Milliarden Dollar in die Kasse zu spülen. Doch die US-Steuerbehörde IRS blockiert den Plan.

Im Silicon Valley haben sie aber sowieso nur ein ganz anderes Gesprächsthema: Mayers erneute Schwangerschaft.

Mayer - die 2012, zweieinhalb Monate nach ihrem Einstieg bei Yahoo, einen Jungen zur Welt gebracht hatte - erwartet Zwillinge. Trotzdem wolle sie nur begrenzt in Mutterschutz gehen und «während der Schwangerschaft durcharbeiten», schrieb die 40-Jährige auf ihrem Tumblr-Blog: «Es gibt viel zu tun, für meine Familie und für Yahoo. Beides wird harte Arbeit und umsichtige Prioritätensetzung erfordern.»

Mayers «Mikro-Mutterschutz», wie die Spötter es nennen, sorgt für Aufruhr. Die einen kritisieren Mayers Spagat zwischen Firma und Familie als «Schwachsinn» («Daily Beast») und Beispiel für eine «Rund-um-die-Uhr-Arbeitskultur» («New York Times»), die Frauen schade. Die anderen loben, dass sie sexistische Erwartungen enttäusche: Männer müssten sich sowas erst gar nicht fragen lassen, stellt «Fortune» fest.

Speerspitze einer Bewegung

Mit ihrer arg kurzen Abwesenheit steht Mayer, die schon 2012 nur zwei Wochen Mutterschutz nahm, im Widerspruch zu den hauseigenen Regelungen - und zum aktuellen Trend im Silicon Valley. Denn dort weitet gerade ein Tech-Konzern nach dem anderen die - in den USA bisher kaum existierende - Elternzeit aus, als Speerspitze einer Bewegung, die auf die ganze US-Wirtschaft abfärben könnte.

«Es gibt viel zu tun, für meine Familie und für Yahoo. Beides wird harte Arbeit und umsichtige Prioritätensetzung erfordern.»

Marissa Mayer, Yahoo-Chefin

Nicht zuletzt Yahoo: Bereits 2013 führte es 16 Wochen bezahlten Mutterschutz ein und acht Wochen für Väter - und legte noch 500 Dollar für Baby-Ausgaben drauf: Damit wolle man, so hiess es, «das Glück und Wohlergehen der Yahoos und ihrer Familien» gewährleisten.

Obwohl sich US-Präsident Barack Obama gerne als Fürsprecher der Frauen geriert, etwa durch seine Initiative zur Lohngleichheit, hinkt Amerika weltweit hinterher, was Eltern am Arbeitsplatz angeht. Einer Uno-Studie zufolge sind die USA der einzige Industriestaat, der keinen landesweiten Mutterschutz bietet - von Elternzeit für Väter ganz zu schweigen. Nur zwei andere Länder verweigern das: Oman und Papua-Neuguinea.

In Deutschland haben beide Eltern Anspruch auf bis zu drei Jahre Elternzeit - plus ein Jahr Elterngeld (65 bis 67 Prozent des letzten Nettogehalts). Hinzu kommt das neue, flexible Elterngeld Plus.

Junge Mütter sind begehrt

In den USA - wo Arbeitnehmerrechte wenig zählen und der normale Jahresurlaub im Schnitt zehn Tage beträgt - waren solche Leistungen lange undenkbar. Der bis heute gültige Family and Medical Leave Act von 1993 garantiert höchstens zwölf Wochen Elternzeit - unbezahlt.

Das will eine neue Generation von Unternehmern nun aber ändern - angeführt vom sonst als eher arbeitssüchtig geltenden Silicon Valley.

Priscilla Chan und Mark Zuckerberg: Werden auch sie die 4000 Dollar «Baby-Cash» von Facebook einstreichen?
Bild: STEPHEN LAM/REUTERS

Die Konzerne tun das aber kaum aus plötzlicher Grosszügigkeit. Die Millennium-Generation, die in Amerikas Wirtschaft hineinwächst, hat höhere Ansprüche, nicht nur was Gleichberechtigung angeht. Vor allem im Silicon Valley ist die Konkurrenz um neues Personal gross - und am Ende siegt, wer diesen Anforderungen am besten gerecht wird.

«Die USA mögen bei familienfreundlichen Leistungen hinterher sein», sagte Julie Sweet, die Nordamerika-Chefin der Beratungsfirma Accenture, der «New York Times». «Aber das ändert sich, weil wir alle um Talente kämpfen.» Will heissen: Junge Mütter sind begehrt.

Das merken auch andere Konzerne: Die Wall-Street-Bank Goldman Sachs verdoppelte ihre Elternzeit für Väter jetzt, immerhin - auf vier Wochen.

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