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A supporter of WikiLeaks founder julian Assange holds a copy of The WikiLeaks Files outside the Ecuadorian embassy in central London, Britain February 5, 2016. Assange should be allowed to go free from the Ecuadorian embassy in London and be awarded compensation for what amounts to a three-and-a-half-year arbitrary detention, a U.N. panel ruled on Friday.   REUTERS/Toby Melville

Bald ein Leak des Leak? Will Wikileaks die Daten der Panama Papers veröffentlichen?
Bild: TOBY MELVILLE/REUTERS

Panama Papers: Die Ergebnisse sind öffentlich, die Quellen nicht – warum eigentlich?

Hinter den Panama Papers stehen geleakte Originaldokumente, die Journalisten ausgewertet haben. Warum sind die Quellen nicht öffentlich?

04.04.16, 22:22 05.04.16, 07:23

Angela Gruber



Ein Artikel von

Wikileaks plant schon mal das Leak zu den Leaks, man will auch mitmischen. Diesen Eindruck zumindest kann man bekommen, wenn man die Reaktionen der Enthüllungsplattform zu den Panama Papers auf Twitter verfolgt. Obwohl das Online-Portal von Julian Assange nichts mit den Veröffentlichungen um eine dubiose Kanzlei und jede Menge Offshore-Firmen zu tun hat, verfolgt Wikileaks den selbst auferlegten Auftrag radikaler Transparenz auch im Fall der Panama Papers unbeirrt – und lässt auf Twitter aktuell über die Frage abstimmen: 

«Sollen wir alle elf Millionen Panama Papers veröffentlichen, damit jeder sie durchsuchen kann wie unsere anderen Publikationen?»

Über 90 Prozent der Umfrageteilnehmer antworten mit «Ja», was aber auch mit Antwortoption Nummer 2 zu tun haben könnte: «Nein, lasst die Medien sich das Beste herauspicken.»

Wie Wikileaks in den Besitz der Daten kommen will, lässt man zwar noch offen, einige wenige Dokumente sind offenbar online. Die Anekdote verdeutlicht aber, wie schwierig der Umgang mit Datenleaks, mit Enthüllungen im Netzzeitalter geworden ist.

Digitalisierte Daten können leichter kopiert, leichter weitergegeben, leichter veröffentlicht werden. Diese Wende geht auch am Journalismus nicht vorbei.

Muss also jeder Bürger alles wissen können zu Leaks, die Dokumente selbst einsehen können? Oder ist die alleinige Bearbeitung und Auswahl der Geschichten durch Berichterstatter nach wie vor sinnvoll, so wie es die Journalisten der «Süddeutschen Zeitung» (SZ) bei den Panama Papers halten? In diesem Fall sind die Originaldokumente nicht öffentlich gemacht worden.

Wikileaks dagegen definiert sich als Plattform, auf der Transparenz immer auch eine Öffentlichkeit der Quellen bedeutet:

«Eine unserer wichtigsten Aktivitäten ist es, neben unseren Geschichten auch die Originalquellen zu veröffentlichen, damit Leser und Historiker Belege der Wahrheit sehen.»

Mit das wichtigste Dokument, um die Wikileaks-Logik der freien Veröffentlichung von Rohmaterial zu verstehen, ist ausserdem nach wie vor der Assange-Aufsatz «Government as Conspiracy» von 2006.

Transparenz übertrumpft Geheimhaltung und verbessert die Gesellschaft, lässt sich Assanges Denken zusammenfassen. Mit Wikileaks hat er schon früh eine Konkurrenz zu etablierten Medienhäusern in Stellung gebracht, die heute in anderen Fällen freilich auch Originaldokumente online stellen.

Das Alleinstellungsmerkmal verblasst, wohl auch deshalb gibt sich Wikileaks im aktuellen Fall so kämpferisch.

Whistleblowing hat sich gewandelt

Verfolgt man den Weg der Daten der Panama Papers zurück zum Hinweisgeber, landet man bei einer anonymen Quelle, die laut einem Begleittext der SZ zu den Leaks «auf verschlüsseltem Weg interne Dokumente der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca» an die Journalisten übermittelte, ohne Gegenleistung. «Es gab den angedeuteten Wunsch der Quelle nach internationaler Öffentlichkeit», sagte einer der beteiligten SZ-Journalisten, Frederik Obermaier, in einem Interview mit dem österreichischen «Falter». Für die Kanzlei ein illegaler Akt: «Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen», sagte Ramón Fonseca Mora dem Fernsehsender TVN.

epa05243757 A composite picture made available on 04 April 2016 shows the journalists of Sueddeutsche Zeitung, Bastian Obermayer (L) and Frederik Obermaier (R), photographed in Frankfurt Main, Germany, 19 May 2015 and Munich, Germany, 9 May 2011. Millions of leaked documents published on 03 April 2016 suggest that 140 politicians and officials from around the globe, including 72 former and current world leaders, have connections with secret 'offshore' companies to escape tax scrutiny in their countries. The leak involves 11.5 million documents from one of the world's largest offshore law firms, Mossack Fonseca, based in Panama. The investigation dubbed 'The Panama Papers' was undertaken and headed by German newspaper Sueddeutsche Zeitung and Washington-based International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ), with the collaboration of reporters from more than 100 media outlets in 78 countries around the world.  EPA/SCHMIDT/HASE

Bastian Obermayer (l.) und Frederik Obermaier (r.), die Journalisten der SZ.
Bild: EPA/DPA FILE

Jeder, der die Originalquellen einfordert, sollte sich klarmachen, wie grundlegend sich der Akt des Whistleblowings, des Weitergebens von Geheimnissen zum Wohle der Gemeinschaft, gewandelt hat: Wurden früher ein paar Akten mühsam händisch kopiert, hantieren Whistleblower heute mit riesigen digitalisierten Datenmengen.

Im Fall der Panama Papers ist der Datenberg so gross wie nie zuvor: «Die Panama Papers umfassen 11,5 Millionen Dokumente – mehr als die von Wikileaks veröffentlichten Botschaftsdepeschen, Offshore-Leaks, Lux-Leaks und Swiss-Leaks zusammen», schreibt die SZ. Es geht um rund 2,6 Terabyte Daten. Zum Vergleich: Das entspricht dem Speicherplatz von 163 Smartphones (geht man von einem handelsüblichen Speicher von 16 Gigabyte aus).

Die wenigsten Leser könnten oder wollten das selbst lesen. Auch die Journalisten mussten die Informationen erst einmal maschinell durchsuchbar machen, um damit arbeiten zu können.

Vorbild Snowden?

Vor drei Jahren gab es schon einmal eine Quelle, die sich mit geschätzt 50'000 bis 200'000 Dokumenten an die Öffentlichkeit wenden wollte. Es war Edward Snowden. Auch er gab seinen Datenschatz nicht zur Veröffentlichung an Wikileaks, zum Leidwesen von Assange. Snowden stellte die Inhalte auch nicht ungesehen selbst online.

Der NSA-Whistleblower suchte sich mit Laura Poitras und Glenn Greenwald vielmehr ebenfalls zwei Journalisten, die die Dokumente sichteten und in Kooperationen mit Medien weltweit, darunter auch dem «Spiegel» und «Spiegel Online», veröffentlichten. Im Zuge dieser Veröffentlichungen wurden dann auch ausgewählte, teilweise geschwärzte Originaldokumente aus Snowdens Fundus veröffentlicht.

Snowden reagierte in mehreren Tweets auf die Veröffentlichung der Panama Papers und schrieb : «Mut ist ansteckend.»

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Chili5000 05.04.2016 07:50
    Highlight Wenn man sich vor Augen führt das Briefkastenfirmen nicht illegal sind, dann fragt man sich schon was daran so verwerflich ist? Ich würde alles tun um so wenig Steuern wie möglich zu zahlen. Das ist doch völlig normal und die meisten werden dabei die Gesetzte einhalten und einige wenige eben nicht. Es ist einfach Witzig zu sehen das allen die in diesen Papieren auftauchen gleich ein Verbrecher Status angelastet wird.
    11 18 Melden
  • Töfflifahrer 05.04.2016 06:55
    Highlight Was nun noch fehlt sind die Daten anderer Orte wie z. B. der Caymans die ja dieselben Konstrukte pflegen. Wichtig wäre auch noch aufzuzeigen wie multinationale Firmen dies alles Nutzen mit dem einzigen Zweck, Steuern zu vermeiden!
    Ja, meist ist es (noch) legal, aber mehr als verwerflich!
    6 4 Melden
  • walsi 05.04.2016 00:58
    Highlight Das Problem ist, dass die Medien in der letzten Zeit sehr viel Glaubwürdigkeit verspielt haben. Die Titelgeschichte wird um Putin aufgebaut, obschon er in den Datensätzen selber nicht vorkommt versucht man einen Zusammenhang zu ihm herzustellen. Ich will damit nicht sagen, dass Putin ein Saubermann ist, aber mal ganz ehrlich, welcher Politiker mit dieser Macht ist das? Es ist einfach sehr auffällig wie sich Medien auf Persönlichkeiten einschiessen, wie auch z.B. auf Donald Trump.
    40 20 Melden
    • Töfflifahrer 05.04.2016 06:56
      Highlight Es ist eben einfacher auf einen fahrenden Zug aufzuspringen als sich selbst Gedanken zu machen.
      10 1 Melden
  • peeti 04.04.2016 23:30
    Highlight "Do not expect a genuine expose of western capitalism. The dirty secrets of western corporations will remain unpublished."

    https://www.craigmurray.org.uk/archives/2016/04/corporate-media-gatekeepers-protect-western-1-from-panama-leak/
    19 13 Melden
  • Madison Pierce 04.04.2016 23:04
    Highlight Ich finde es gut, wenn nicht alles öffentlich wird, zumindest nicht, bevor das Material gesichtet ist. Solche Konstrukte sind dubios, aber nicht zwingend illegal. Würde alles veröffentlicht, könnten Leute verunglimpft werden, die korrekt gehandelt haben.

    Heutzutage wird schnell mal alles online gestellt. Die Sicherheitslücken von Ashley Madison hätte man auch aufzeigen können, ohne alle Daten zu veröffentlichen.

    Aktuell geht gerade die gesamte Datenbank der türkischen Einwohnerkontrolle rum. Das schadet vielen Millionen Leuten, die nichts für die Sicherheitslücke können.
    28 6 Melden
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 04.04.2016 22:57
    Highlight Die Dokumente seien voll von persönlichen Daten, Kreditkarten Infos und Bankdetails, Adressen, Telefonnummern und sonstiges von Leuten, die nicht unbedingt mitschuldig sind. Nicht alle Daten handeln von illegalen Geschäften.
    Ich sehe den Nutzen der Veröffentlichung für die Oeffentlichkeit nur bedingt.
    33 6 Melden
    • Soulrider 05.04.2016 00:02
      Highlight Ist wohl eher als Wachrütteln zu verstehen. Die Daten sind ja auch nur aus einer Kanzlei und da gibts nach viele weitere Orte um "Geld unbemerkt zu parkieren" wie z.B. die Cayman Islands usw. Das Abartige an der Sache ist ja auch, dass sich im rechtlichen Sinne niemand schuldig macht und alles legal ist...
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Jobs für Kiffer hat ein Unternehmen vor der Legalisierung von Cannabis in Kanada am Mittwoch angeboten. «Verdiene 50 Dollar pro Stunde, um das Beste zu bewerten, das Kanadas Grower anzubieten haben», wirbt das Unternehmen Ahlot unter anderem auf Twitter um erfahrene «Cannabis-Connaisseure», die «lange genug mit Cannabis gelebt haben, um die Nuancen zu verstehen und zu beschreiben, die eine Sorte von der anderen unterscheiden».

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