Wirtschaft

Was passiert, wenn China abstürzt

Chinas Börsenturbulenzen schüren die Angst vor einem Crash der Weltwirtschaft. Extremszenarien zeigen, wie verheerend die Folgen wären: Das Wachstum in Europa und den USA würde einbrechen, vielen Branchen droht eine globale Krise.

08.01.16, 15:33 08.01.16, 15:50

Stefan Schultz

Bild: ROLEX DELA PENA/EPA/KEYSTONE

Ein Artikel von

Düster begann das Finanzjahr 2016. Gleich zweimal mussten Chinas Börsen in der ersten Januarwoche den Handel stoppen, weil die Kurse ins Bodenlose rutschten. Die Panik an den Handelsplätzen der zweitgrössten Wirtschaftsmacht hat Folgen für das globale Finanzsystem: Rund um den Globus brachen die Aktienkurse ein.

Der Ausblick für die kommenden Monate ist ebenso finster. Zwar haben sich die Weltbörsen zum Wochenausklang vorerst wieder gefangen. Doch Sorgen über das Ende des wirtschaftlichen Superzyklus in China bleiben. Börsenkenner rechnen bald mit neuen Kurseinbrüchen. Finanzexperten spielen schon Extremszenarien durch: Was droht der Welt, falls der grosse China-Crash kommt?

«Apocalypse Now» in Asien? Tsunamis an den Weltbörsen? Die Ökonomen sagen selbst: Das sind Prognosen mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit. Doch gehört es zu ihrem Brot-und-Butter-Geschäft, auch solche Voraussagen zu machen. Oder, wie es Arthur Kroeber von Gavekal Dragonomics, einem renommierten Analystenhaus für chinesische Wirtschaftsdaten, formuliert: «Paranoia ist mitunter wertvoll.»

In den vergangenen Monaten haben sich unter anderem die Citibank (hier), die Ratingagentur Fitch (hier) und das Schweizer Institut UBS (nicht online, Zusammenfassung hier) rabenschwarze Varianten der Zukunft ausgemalt. Die Annahmen und Berechnungswege der Experten variieren; doch die Ergebnisse ähneln sich im Kern: Sollte Chinas Wirtschaft abstürzen, gäbe es keinen Ratten-, sondern einen Drachenschwanz an Problemen. Weltweit.

Auslöser eines China-Crashs wären nach Meinung der Analysten folgende: Die Zahl der ausfallgefährdeten Kredite würde weiter steigen, die Kreditvergabe der Banken erlahmen, das Vertrauen der Verbraucher und Anleger schwinden, und die Landeswährung Yuan würde weiter abwerten.

Weit hergeholt sind diese Annahmen nicht. Die chinesische Wirtschaft hat schon jetzt mit all diesen Negativtrends zu kämpfen. Für einen Crash müssten sich die Entwicklungen allerdings weiter verschlimmern.

Die Folgen für China wären verheerend. Die UBS prognostiziert einen Einbruch des Wachstums von knapp sieben auf vier Prozent. Die Ratingagentur Fitch geht von einem Rückgang auf 2.3 Prozent aus. Citibank-Analyst Willem Buiter hält gar eine Rezession – also einen Rückgang der Wirtschaftsleistung – für möglich.

Schon jetzt sieht Buiter Chinas Wachstum bei nur noch vier Prozent, die offiziellen Angaben der chinesischen Statistikbehörde hält er für Bilanzkosmetik. Er ist nicht der Einzige, der das denkt. Viele andere Experten zweifeln ebenfalls an den Zahlen aus Peking.

Videoanalyse zu Chinas Börsenabsturz:

Wenn Chinas Wirtschaft wirklich abstürzt, dann zöge sie viele andere Länder mit in die Tiefe. Die UBS prognostiziert für diesen Fall eine Rezession im Nachbarland Japan; Australien, das China mit Rohstoffen versorgt, würde ebenfalls kaum noch wachsen. Insgesamt würde das Wachstum im asiatischen Raum in den kommenden drei Jahren von durchschnittlich 4.2 auf 1.8 Prozent zurückgehen, schreiben die UBS-Experten. Neben Japan würden vor allem Hongkong, Südkorea, Taiwan und Singapur hart getroffen.

Fitch prognostiziert einen Einbruch des globalen Wachstums von 3.1 auf 1.7 Prozent im Jahr 2017 und heftige Krisen in Ländern wie Chile, Brasilien, Russland, Mexiko und Südafrika. Gleich mehrere Wirtschaftssektoren bekämen obendrein weltweit Probleme. Besonders betroffen: die Öl- und Gasindustrie, Minenbauer, Chemiekonzerne und die Schifffahrt. Kaum betroffen wären dagegen Pharma- und Telekommunikationskonzerne.

Citigroup-Analyst Buiter fürchtet einen Einbruch des globalen Wachstums von vier auf zwei Prozent oder weniger. Chinas Bedeutung für die globale Produktion und den Welthandel seien gewaltig, schreibt er in seiner Analyse. Die Folgen für die Weltwirtschaft seien entsprechend heftig.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Lexxus0025 10.01.2016 13:37
    Highlight Ich wünsch mir einen massiven crash mit katastrophalen folgen!
    Wird zeit dieses system abzuschaffen.
    Ein grossteil der menschen macht den eigenen job eh nicht mehr gern, also was solls. (Sparen sparen sparen sparen wachstum wachstum, wie eine religion verbohrt an nur 2 aspekten festhalten)
    Um die eigentlich arbeit gehts schon lang nicht mehr. (In den meisten branchen).
    0 0 Melden
  • Typu 10.01.2016 12:22
    Highlight Jaja, immer diese "macht die börsen zu" vögel. Dann aber motzen wenn die PK keine rendite bringt. Gäääähn.
    2 1 Melden
  • The Host 08.01.2016 21:17
    Highlight Die Börse von China ist ein riesiges Casino. Blöd nur, dass die ganze Weltwirtschaft von ihr abhängig ist.

    somewhen, something went terribly wrong...
    6 0 Melden
  • alessandro 08.01.2016 20:33
    Highlight ich frage mich manchmal wie es zu einem system kommen konnte, das so dermassen allbestimmend ist und eine solche lange ketten von konsequenzen mit sich zieht. und wenn die zahlen nicht stimmen (-7%), dann schaltet es man einfach kurzfristig aus.
    das ist doch pervers. können wegrationalisierten arbeiter dann auch einen stopp am bauwesen durchziehen? nur weil 7% der jobs verloren gingen?
    8 2 Melden
  • sentir 08.01.2016 19:34
    Highlight Ich frage mich schon, was die hoch-studierte Elite an den Unis gelernt hat. Weitsicht scheint nicht darunter zu sein. Jetzt tun alle so, als ob das nicht vorhersehbar war, egal ob in der Wirtschaft oder in der Politik.
    Die Unis haben nur Fachidioten hervorgebracht, die vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen.
    11 13 Melden
    • Max Heiri 08.01.2016 20:21
      Highlight Die Zukunft voraussehen kann nur Mike Shiva und der hat eher an einem zwielichtigen Ort studiert.
      6 6 Melden
    • _kokolorix 08.01.2016 20:57
      Highlight @heiri zwischen wahrsagerei und dem erkennen von tendenzen liegt schon noch einiges. so schwierig war das ja nicht vorherzusagen. die mainstreamökonomen und politiker verfolgen eine astreine vogelstrauss strategie.
      noch mehr milliarden ins finanzwesen zu buttern und zu hoffen es ändert sich was, obwohl es vor 8jahren nix gebracht hat und vor 11jahren hats auch nix gebracht, ist an dummheit kaum mehr zu überbieten.
      dabei gäbe es durchaus lösungen, die was taugen könnten. bräuchte halt etwas mut, sich von den den dummschwätzern der finanzwelt zu distanzieren
      9 2 Melden
  • Thanatos 08.01.2016 17:54
    Highlight Nun zeigt sich, dass so ein extremes Wachstum wie in den letzten Jahren doch nicht ohne Folgen bleiben kann. Schöne Fassade aber, wenig dahinter was stützt.
    14 2 Melden
  • Humbolt 08.01.2016 17:02
    Highlight Eigentlich sollte mal alles so richtig bachab gehen, damit wir aufhören uns mit dem lieben Geld zu beschäftigen und wieder anbauen lernen.
    Weil wenn wir so weiter machen, werden wir es lernen müssen.
    16 6 Melden
    • E. Edward Grey 08.01.2016 17:47
      Highlight Das Szenario gilt sowieso zum grössten Teil für die Finanz-Wirtschaft, nur nimmt diese sich überwichtig und mein sie wäre der Bauchnabel der Welt. Das normale Leben wird jedoch ganz normal weitergehen, wetten?
      14 4 Melden
    • Humbolt 08.01.2016 18:13
      Highlight Erzählen sie das denen die in den Staaten auf der Strasse gelandet sind nach der Krise.
      Probelm ist, dass die Leute selbst auch die Wirtschaft als Zentrum des Glücks und der Zufriedenheit sehen, nicht nur die, die Millionen verdienen.
      7 0 Melden
  • Dä Brändon 08.01.2016 16:16
    Highlight Der Aktienmarkt ist einfach ein riesen Wettbüro. Auch wenn Morgen die Aktien von Chaupard oder Longines fallen sollten, werden sie den Tag darauf die Uhren immernoch in gleicher Topqualität herstellen nur mit dem Unterschied das die Marke plötzlich nicht mehr den gleichen wert hat.
    22 6 Melden
  • hemster 08.01.2016 15:53
    Highlight Der Aktienhandel im angemeinen gehört meiner erachten verboten, da es nur waghalsige spekulanten anlockt. Reiche reicher macht und die mittel- bzw. unterschicht ärmer.
    16 10 Melden
    • E. Edward Grey 08.01.2016 17:53
      Highlight In gewissem Sinne erfüllt Crowdfunding heute was früher die Idee der Aktien war.

      Dass es heute noch Aktien gibt liegt massgeblich im Interesse der Banken und der angegliederten Finanzindustrie, der Handel damit erfolgt schon lange nicht mehr im Sinne der Firmen.

      Mit dem Informationszeitalter sind Börsen und Banken eigentlich nur noch ein unnötiges Relikt und sinnloser Durchlauferhitzer. Und natürlich eine tolle Möglichkeit für Staaten Kontrolle auszuüben und Politik zu spielen.
      14 2 Melden
    • Typu 10.01.2016 12:24
      Highlight @Christian. Die welt ist doch noch ein wenig komplexer als du es wahrhaben willst. Arbeite mal in der finanzbranche, zb im debt capital market. Da lernt man schon den einen oder anderen zusammenhang zwischen finanzwelt, ökonomie und wie wir darin leben. Is nicht alles böse, überflüssig, casino.
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