Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Schutz der russischen Nordflanke»: Luftaufnahme von Franz-Josef-Land. Bild: Wikipedia

Wettlauf um Bodenschätze: Russland stationiert Raketen in der Arktis

Erst ein grosses Manöver, jetzt Abwehrraketen: Russland untermauert mit zunehmender Militärpräsenz seine Ansprüche auf Bodenschätze im Nordpolarmeer. Hauptkonkurrenten in der Region sind Kanada und Dänemark.

06.04.15, 22:08 07.04.15, 09:36


Ein Artikel von

Das Gebiet ist karg und unwirtlich, doch unter dem Boden werden wahre Schätze vermutet. Um den Anspruch darauf zu verdeutlichen, baut Russland seine Militärpräsenz in der Arktis immer weiter aus. Die Armee habe in der Region Abwehrraketensysteme vom Typ Panzir stationiert, teilte Generalmajor Kirill Makarow Moskauer Medien zufolge mit.

Es gehe um einen Schutz der «Nordflanke» des Landes, zitierten die Medien den Generalmajor. Geplant sei auch die Verlegung von Kampfjets des Typs MiG-31. Zudem soll auf der Insel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer ein militärisches Frühwarnsystem entstehen.

Das Abwehrsystem Panzir-S1. Bild: Wikipedia

Auf der Inselgruppe Franz-Josef-Land traf bereits am Montag Baumaterial für eine Marineanlage ein. Die in Seweromorsk nahe der Grenze zu Norwegen stationierte russische Nordflotte plane in der Region östlich von Spitzbergen mehrere «Objekte», sagte Armeesprecher Wadim Serga der Agentur Tass.

Russland behauptet, dass sein Festlandsockel am Meeresboden so weit in die Arktis reiche, dass Moskau den Nordpol beanspruchen dürfe. Um den Anspruch zu unterstreichen, hatte eine U-Boot-Besatzung 2007 die russische Trikolore aus rostfreiem Titan in den Meeresboden unter der Eiskappe gerammt.

Vor einem Jahr hatte der Kreml ausserdem ein grosses Militärmanöver in der Arktis abgehalten. Transportflugzeuge vom Typ Iljuschin IL-76 setzten damals auf den Neusibirischen Inseln tonnenweise Militärtechnik ab.

Nicht nur ein Streit um Bodenschätze

Bisher zählt der Meeresboden der Arktis zum sogenannten Gemeinsamen Erbe der Menschheit. Die Aufteilung des Gebiets, das wegen der schmelzenden Eismassen leichter zugänglich wird, ist nicht hinreichend geklärt. Neben Russland erheben auch die Anrainerstaaten Dänemark, Kanada, Norwegen und die USA Ansprüche.

Dänemark etwa versucht, sich die Rechte für ein Gebiet von fast 900'000 Quadratkilometern im Arktischen Ozean zu sichern. Einen entsprechenden Antrag hat die dänische Regierung Ende vergangenen Jahres am UNO-Hauptquartier in New York abgegeben. Daneben können jedoch auch die anderen Staaten rund um den Arktischen Ozean Anträge bei der UNO stellen.

Grund der Anstrengungen sind unter anderem wirtschaftliche Interessen: Milliarden Kubikmeter Gas und Millionen Tonnen Erdöl unter dem arktischen Eis sollen das Rohstofflager der Zukunft bilden. Die meisten der für Öl- und Gasproduktion interessanten Gebiete liegen jedoch vergleichsweise nahe an den Küsten der Arktisstaaten und sind somit schon vergeben.

Daneben handelt es sich bei den Forderungen aber auch um politische Signale. Niemand weiss, welche geopolitische Rolle die Gebiete in Zukunft spielen werden. Da wäre es schlecht, sie sich heute einfach entgehen zu lassen. (irb/chs/dpa)

Abonniere unseren Daily Newsletter

2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Teslaner 07.04.2015 10:18
    Highlight Dieses Russland ist brandgefährlich. Möchte nicht wissen was passieren würde, wenn die USA nicht als Gegenmacht da wäre.
    6 2 Melden

Der Gipfel zwischen Trump und Putin war zum Gruseln

Männerfreundschaft statt klarer Worte für den russischen Alleinherrscher: Der kumpelhafte Auftritt von Donald Trump mit Wladimir Putin in Helsinki war der Tiefpunkt der desaströsen Europareise des US-Präsidenten.

Die frohe Botschaft vom Helsinki-Gipfel zuerst: Mit dem Treffen in Finnland beendet Donald Trump seine Europa-Reise und fliegt zurück in die Heimat. Das ist positiv zu bewerten, denn jeder Tag, den dieser US-Präsident nicht mit Aussenpolitik verbringt, ist ein guter Tag.

Trumps Europa-Trip war ein Desaster in jeder Hinsicht, er hat alte Alliierte wie Deutschland oder Grossbritannien vor den Kopf gestossen und die Kluft zwischen Europa und den USA vertieft. Das Treffen zwischen Trump und …

Artikel lesen