Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ramon Fonseca, founding partner of law firm Mossack Fonseca, gestures during an interview with Reuters at his office in Panama City April 5, 2016. REUTERS/Carlos Jasso

Ramon Fonseca im Interview: Wie viele legale Geschäfte über Briefkastenfirmen abgewickelt werden, lässt sich wohl an zwei Fingern abzählen.
Bild: CARLOS JASSO/REUTERS

Briefkastenfirmen: Panama kämpft um seinen Ruf – Mossack Fonseca probiert Attacke vorwärts

Mossack Fonseca verteidigt seine Geschäfte, während die Polizei das Büro in El Salvador durchsucht. Panama kämpft um seinen Ruf, und der britische Premier verspricht, seine Steuererklärung zu veröffentlichen. Der Überblick über die jüngsten Entwicklungen.



Ein Artikel von

Spiegel Online

In El Salvador ist das örtliche Büro der panamaischen Finanzkanzlei Mossack Fonseca durchsucht worden. Bei der Razzia in dem Büro der Kanzlei, die im Zentrum der Panama-Papers-Enthüllungen steht, seien zahlreiche Computer beschlagnahmt worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die Behörden hätten sich dazu entschlossen, nachdem beobachtet worden war, wie die Angestellten das Firmenschild abschraubten, sagte der Generalstaatsanwalt bei einem Besuch vor Ort. Bei der Razzia seien 20 Computer und eine grosse Zahl an Dokumenten sichergestellt worden.

epa05250498 Agents of the National Civil Police of El Salvador escort employees as they seize the office of the Panamanian firm Mossack Fonseca by order of the General Attorney's Office in San Salvador, El Salvador, 08 April 2016. According to media reports, at least 33 Salvadoran citizens are linked to fiscal activities detailed in the Panama Papers mass data leaks. According to Salvadoran Attorney General Douglas Melendez, the government seized the firm's documents and equipment to examine their financial, legal and accounting aspects. The Panamanian based firm was the victim of a mass data leak, which detailed the means by which some of the world’s most influential and powerful people used offshore companies to avoid paying taxes on their income.  EPA/OSCAR RIVERA

Polizisten eskortieren Mitarbeiter des Mossack-Fonseca-Büros in El Salvador aus dem Gebäude, damit keine Dokumente oder Daten verschwinden. 
Bild: EPA/EFE

Örtlichen Medienberichten zufolge wurden die von der Finanzkanzlei gegründeten Briefkastenfirmen von ihren Kunden in El Salvador benutzt, um ohne Kenntnis der Behörden Hunderttausende Dollar zu verschieben.

Ein Konsortium internationaler Medien unter Führung der «Süddeutschen Zeitung» hatte vor rund einer Woche begonnen, über die Existenz von Zehntausenden Briefkastenfirmen zu berichten, in denen Politiker, Prominente und Sportler aus aller Welt ihr Vermögen geparkt haben sollen. Die Enthüllungen waren durch ein Datenleck möglich geworden.

Mossack-Fonseca-Gründer verteidigt Geschäftsmodell

Der Mitgründer der Kanzlei in Panama-Stadt, Ramon Fonseca, verteidigte sein Geschäftsmodell gegen Kritik. Der «Bild»-Zeitung sagte Fonseca: «Wir machen nichts anderes als Tausende Anwälte rund um die Welt: Wir gründen Firmen und Treuhandfonds. Das sind völlig legale Geschäfte. Und normale in einer Welt, in der niemand mehr Geschäfte unter dem eigenen Namen betreiben möchte.»

Übrigens: So sehen Büros für angeblich «völlig legale Geschäfte» aus:

Offshore Briefkasten-Firma

Gähnende Leere ...
bild: ard/screenshot

Hmmm...

Offshore Briefkasten-Firma

Strom, Computer, Internet – braucht's für «legale Geschäfte» in den Briefkastenfirmen definitiv nicht.
bild: ard/screenshot

Die von der Kanzlei gegründeten Briefkastenfirmen würden «für allerlei Zwecke verwendet, in 99.99 Prozent der Fälle für gute», sagte Fonseca. Er sagte auch, die Kanzlei trage keine Verantwortung für das, was mit den Firmen gemacht werde. Bislang habe sich aber noch keine Ermittlungsbehörde an seine Kanzlei gewandt. «Wir kooperieren vollständig. Aber bisher wurden wir noch von niemandem kontaktiert.»

Fonseca sagte, seine Kanzlei wisse, aus welchem Land der Hackerangriff auf die Dateien gekommen sei, dürfe es aber nicht sagen: «Wir wurden gehackt, von einem Computer aus Übersee. Ich möchte weitere Nachforschungen über die Täter nicht gefährden.»

Panamaische Regierung kündigt diplomatische Offensive an

Die Regierung Panamas kämpft unterdessen um den internationalen Ruf des Landes. Präsident Juan Carlos Varela kündigte nach einem Telefonat mit seinem französischen Amtskollegen François Hollande eine diplomatische Offensive an. Frankreich hat angekündigt, Panama erneut auf seine schwarze Liste von Steueroasen zu setzen. Zudem steht das Land auf der entsprechenden Liste der Industrieländerorganisation OECD.

Die panamaische Regierung hatte Frankreich zunächst mit Gegenreaktionen gedroht. Am Freitagabend sagte Präsident Varela zwar, der Schritt der französischen Regierung sei «falsch und unnötig»: «Aber zuerst setzen wir auf Diplomatie, Dialog und Kooperation.» Der Finanzminister Panamas werde kommende Woche nach Paris reisen. Dort ist auch der Hauptsitz der OECD. Zuvor hatte Hollande Varela aufgefordert, mit den französischen Ermittlungsbehörden zu kooperieren. Dem französischen Finanzministerium zufolge verweigert Panama bisher weiter die Herausgabe von Informationen wie die Hintermänner von Konten.

Britischer Premier räumt Fehler ein

Der britische Premierminister David Cameron hat einen unglücklichen Umgang mit den Enthüllungen eingeräumt. «Das war keine gute Woche», sagte Cameron am Samstag beim Parteitag seiner Konservativen in London. «Ich weiss, dass ich damit besser hätte umgehen müssen», fügte er hinzu. Schuld seien nicht seine Berater, sondern er selbst. Er habe seine Lektion gelernt, sagte der Premier.

epa05250866 Protesters taking part in a demonstration calling for the resignation of British Prime Minister David Cameron in central London, Britain, 09 April 2016. The demonstration was called after  revelations in the so called Panama Papers of the financial arrangements of Prime Minister Cameron and his family.  EPA/WILL OLIVER

Cameron massiv unter Beschuss: Demonstranten fordern seinen Rücktritt wegen seiner Beteiligung an einer Briefkastenfirma.
Bild: WILL OLIVER/EPA/KEYSTONE

Bei der Versammlung versprach Cameron zudem Daten aus seinen jüngsten Steuererklärungen zu veröffentlichen. Er werde nicht nur seine diesjährige Erklärung, sondern auch die Angaben vergangener Jahre offenlegen, sagte er: «Ich werde der erste Premierminister, der erste Anführer einer grösseren Partei sein, der dies tut», sagte er.

Cameron hatte am Donnerstag erst unter dem Druck der Medien eine Beteiligung an der Briefkastenfirma seines verstorbenen Vaters eingeräumt. «Die Tatsachen sind folgende», sagte er am Samstag. «Ich habe Aktien eines Investmentfonds gekauft. Aktien, die wie alle anderen Arten von Aktien sind, und ich habe auf sie in der gleichen Weise Steuern bezahlt.» Weiter führte er aus: «Tatsächlich habe ich alle Aktien, die ich besass, verkauft, als ich Premierminister wurde.»

Nach seinen Angaben hatten er und seine Ehefrau die Anteile im April 1997 für 12'497 Pfund gekauft und im Januar 2010 für 31'500 Pfund (heute fast 39 000 Euro) verkauft.

Am Regierungssitz in der Londoner Downing Street protestierten unterdessen am Samstag Hunderte Menschen gegen den britischen Regierungschef. «Cameron muss gehen», riefen einige Demonstranten. Viele von ihnen hatten Panama-Hüte auf, andere trugen Hawaii-Hemden.

nck/dpa/AFP/Reuters

Das könnte dich auch interessieren:

Per Rohrpost auf den Friedhof – wie die Wiener ihr Leichenproblem «begraben» wollten

Link to Article

Solidarität mit «Gilets Jaunes»: Wenn Linke das Wutbürgertum «umarmen»

Link to Article

Brexit – diese unbarmherzigen Cartoons bringen das Chaos auf den Punkt

Link to Article

Vergiss Partys, Speed-Dating und Tinder: Bei Glühwein lernt man sich kennen!

Link to Article

Wie Bush senior sich den Broccoli vom Halse hielt

Link to Article

Das tun die Kantone im Kampf gegen den Terrorismus

Link to Article

Fahrplanwechsel und 7 weitere Dinge, die nur uns Schweizer ernsthaft beschäftigen

Link to Article

Ein Bild, viel zu schade fürs Archiv: So reiste die Fussball-Nati vor über 20 Jahren

Link to Article

Mit diesem einfachen Trick kannst du günstiger auf ausländischen Webseiten einkaufen

Link to Article

Danach suchen Schweizer und Schweizerinnen auf Pornhub am meisten

Link to Article

In diesem Land wohnt nur ein einziger Schweizer. Wir haben mit ihm gesprochen

Link to Article

«14 Uhr: Claras Haut ist rot»: Kitas informieren Eltern neu per Liveticker über ihre Kids

Link to Article

Selbst Trump spricht nun von einem Impeachment

Link to Article

«Hi-Tech-Roboter» in russischer Fernsehshow entpuppt sich als verkleideter Mensch

Link to Article

Tumblrs neuer Pornofilter ist ein riesiger Fail – wie diese 19 Tweets beweisen

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pamayer 10.04.2016 19:07
    Highlight Highlight so so.
    wenn ich mossack und co glauben soll, dann ist der arme isländische premier völlig unschuldig vorveruteilt worden und ganz zu unrecht zurückgetreten.
    wahrscheinlich ist es gebau so und dem armen sind nur due nerven etwas durchgebrannt.
    also, liebe leute, fahrt eins runter, 99% der geschafte über mossack waren / sind 100% legal. war bloss eine gross angelegte pr kampagne der süddeutschen...
  • Sheez Gagoo 10.04.2016 04:37
    Highlight Highlight Ich finde es bewundernswert, dass es Firmen gibt, die mit einem solchen Minimum an Infrastruktur operieren können. Das zeugt von grosser Effizienz. 6000 Firmen auf einer minimalistisch eingerichteter Etage. Anstatt sich zu beschweren sollte man auf das umweltschonende und hocheffiziente Verhalten hinweisen und sich daran erfreuen.
  • Kengru 09.04.2016 23:17
    Highlight Highlight bei all diesen panama paper skandal wollen wir doch unsere nicht vergessen.
    ich sage nur ALPIQ oder wie auch immer ;)
    ergo bringt bitte neuigkeiten zu diesem vorfall
    danke

Frankreichs Parlamentspräsident wettert gegen die Schweiz – Genfer Stadtrat kontert

Der französische Parlamentspräsident Richard Ferrand hat die direkte Demokratie als «Instrument von Lobbys und Wirtschafts-Cliquen» bezeichnet.

Die «gilets jaunes» sorgten in den letzten Wochen für reichlich Tumult in Frankreich, jetzt löst eine ihrer Forderungen auch Spannungen zwischen der Schweiz und Frankreich aus. 

Die «Gelbwesten» wollen, dass die Franzosen – so wie die Schweizer – über Gesetze abstimmen und per Initiative Themen auf die Agenda hieven können. Hierauf lässt sich eine der höchsten Polit-Persönlichkeiten beleidigend über die direkte Demokratie der Schweiz aus: Richard Ferrand, Präsident der …

Artikel lesen
Link to Article