Wirtschaft

Neue Achse Athen-Moskau: Der griechische Premier Alexis Tsipras (l.) zu Besuch beim russischen Präsidenten Wladimir Putin. Bild: POOL/REUTERS

Treffen in Moskau: Tsipras und Putin wollen enger zusammenarbeiten

Russland und Griechenland beschwören ihre Freundschaft: In der Wirtschaft wollen die Länder enger kooperieren. Auch ein «Partnerschaftsjahr» riefen Russlands Staatschef Putin und der griechische Premier Tsipras nach einem Treffen in Moskau aus.

08.04.15, 16:22 08.04.15, 17:58

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Die Regierungen Russlands und Griechenlands wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen. Das haben der russische Staatspräsident Wladimir Putin und der griechische Premier Alexis Tsipras nach einem Gespräch in Moskau bekannt gegeben. Vor allem die wirtschaftliche Kooperation soll demnach gestärkt werden.

Putin betonte die «freundschaftliche Atmosphäre» des Gesprächs. «Wir haben beschlossen, den Wachstumskurs der wirtschaftlichen Zusammenarbeit wieder zu aktivieren», sagte Putin. Vor allem im Energiesektor sollen demnach die Investitionen angekurbelt werden – unter anderem sei über die neue Gas-Pipeline Turkish Stream gesprochen worden, die durch das Schwarze Meer und in der Türkei verlegt werden soll.

Tsipras sprach nach dem Treffen von einem «wichtigen Tag für die russisch-griechischen Beziehungen.» Er sagte, dass mithilfe Russlands die Rolle Griechenlands als «Energie-Knotenpunkt» gestärkt werden solle.

Zudem unterzeichneten die Aussenminister Sergej Lawrow und sein griechischer Amtskollege Nikos Kotzias einen Massnahmenplan für ein «Partnerschaftsjahr Griechenland-Russland 2015/2016». Während des «Freundschaftsjahres» 2016 seien etwa kulturelle Austausche und Projekte zwischen beiden Ländern vorgesehen.

Putin hatte Tsipras zuvor eine Wiederbelebung des Handels ihrer Länder und eine Lockerung des Lebensmittelembargos für Griechenland angeboten. Nach Darstellung des Kremlchefs brach der Handel zwischen den beiden Ländern im vergangenen Jahr um 40 Prozent ein im Vergleich zum Vorjahr.

«Griechenland ist ein souveränes Land»

Grund sind die Sanktionen der EU gegen Russland im Ukraine-Konflikt. Tsipras erneuerte nun seine Kritik an den Strafmassnahmen: Sie seien nicht der richtige Weg, um den Konflikt zu lösen. Griechenland wolle in der derzeitigen Krise zwischen Moskau und dem Westen «Brücken bauen».

Tsipras befindet sich zu einem zweitägigen Besuch in Moskau, um über eine engere Wirtschaftszusammenarbeit zu sprechen. Die Reise hatte harsche Kritik hervorgerufen. So gibt es in der EU Befürchtungen, dass Tsipras sich in Moskau um Finanzhilfen bemühen und im Gegenzug bei den EU-Partnern für eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland einsetzen könnte. Tsipras sagte zu diesen Äusserungen nun: «Griechenland ist ein souveränes Land mit dem unveräusserlichem Recht, eine eigene Aussenpolitik zu betreiben.»

Auch die Ukraine hatte den Besuch mit ungewöhnlich deutlichen Worten kritisiert: «In unserem Land wurden Menschen verschleppt, verprügelt, gefoltert und haben ihr Leben verloren, weil sie für die Werte Europas aufgestanden sind», sagte der ukrainische Wirtschaftsminister Aivaras Abromavicius dem «Tagesspiegel». «Es ist enttäuschend zu sehen, dass einige Nationen in Europa kurzzeitige ökonomische Vorteile über das Leben von Menschen heben.»

Derartige Bedenken wies der griechische Wirtschaftsberater der regierenden Syriza-Partei, Theodoros Paraskevopoulos, zurück. Bei der Visite gehe es um die Fortführung einer Gaspipeline nach Griechenland, russische Investitionen und den Export griechischer Agrarprodukte, sagte der Regierungsberater. Experten halten es etwa für denkbar, dass Russland seinen Importstopp für griechisches Obst und Gemüse aufhebt.

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow zeigte sich empört über die Kritik an Tsipras' Moskau-Reise. Wenn ein EU-Mitglied seine nationalen Interessen wahrnehme, werde es von Brüssel gleich als unsolidarisch gegeisselt, sagte er. Lawrow warf der EU zudem eine antirussische Front vor: «Immer mehr Länder werden sich bewusst, wie kontraproduktiv die Sanktionen gegen Russland sind», sagte er der Agentur Interfax zufolge.

(mxw/fab/dpa)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 08.04.2015 17:36
    Highlight Ich finde es gut für Griechenland, wenn es Agrarprodukte nach Russland liefern könnte. Es ist doch besser als wertvolle Nahrungsmittel zu vernichten.
    Ökonomische Vorteile werden fast überall auf dieser Welt über das Leben von Menschen und die Umwelt gehoben.
    Es ist schon klar, dass die Gunst der Stunde genutzt wird. Welches Land tut dies nicht!
    9 3 Melden
  • elivi 08.04.2015 17:16
    Highlight oh sieh an putin lebt doch noch! griechenland ist wohl russlands nächste annexion ... eh ne das würde bedeute griechenland würde gewaltsam übernommen wenn es eher so aussieht als verkaufen sie sich freiwillig an die russen.
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