Wirtschaft
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Das britische Pfund schwächelt – und die Talsohle ist wahrscheinlich noch nicht erreicht. Bild: ANDREW KELLY/REUTERS

So günstig wie seit 31 Jahren nicht mehr: Um das britische Pfund steht's immer schlimmer

Das Brexit-Votum verunsichert weiterhin die Anleger. Die Börsen schwächeln, der Kurs des Pfunds sinkt und sinkt. Staatsanleihen und Gold profitieren.

05.07.16, 20:56 06.07.16, 06:36


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Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen des Brexit-Votums hat die europäischen Anleger wieder eingeholt. Der Kurs des Pfund Sterling stürzte auf ein 31-Jahres-Tief von 1.3098 Dollar. Dax und Euro Stoxx 50 verloren jeweils knapp zwei Prozent auf 9532.61 und 2812.88 Punkte.

Verstärkt wurde die Verunsicherung der Investoren durch die Krise des italienischen Bankensektors, der auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg fauler Kredite sitzt. «Italien könnte ein grösseres Risiko für die Stabilität der Euro-Zone sein als der Brexit», warnte Andrew Edward, Chef des Brokerhauses ETX Capital. Das Land habe nach der Lehman-Pleite 2008 seine Hausaufgaben nicht gemacht und den Finanzsektor nicht reformiert.

Stresstests stehen erst noch an

Auch Konstantin Oldenburger, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, äusserte sich kritisch. «Der EU-Banken-Stresstest Ende des Monats könnte hier weitere Löcher und Schwächen der einzelnen Banken aufdecken.»

So reagierte die britische Presse auf den Brexit

Bestätigt sahen sich die Konjunkturpessimisten von Aussagen des britischen Notenbankchefs Mark Carney. Er warnte vor gravierenden Folgen des Brexit für die Wirtschaft auf der Insel. Gleichzeitig lockerte er die Kapitalvorschriften für die Geschäftsbanken, damit diese die Krise besser meistern. Nun stehen den Geldhäusern insgesamt 150 Milliarden Pfund (176 Milliarden Euro) zusätzlich zur Verfügung, die sie zum Beispiel als Kredite vergeben können.

Immobilienwerte brechen stark ein

Diese Ankündigung hievte den FTSE 100 knapp ins Plus. Immobilienwerte wie Berkeley, Barratt oder Taylor Wimpey brachen dagegen um bis zu 6,5 Prozent ein. Die Geschäfte der Branche liefen im Juni so schlecht wie seit sieben Jahren nicht mehr. «Die Probleme liegen aber noch vor uns», warnte Jerome Schupp, Chef-Analyst des Vermögensverwalters SYZ. «Anleger werden bis zum Start der Bilanzsaison in einigen Tagen vorsichtig bleiben.»

Vermeintlich sichere Anlagen erfreuen sich dagegen weiterhin grosser Beliebtheit. Die «Antikrisen-Währung» Gold hielt sich mit 1346.01 Dollar je Feinunze (31.1 Gramm) in Reichweite ihres Zwei-Jahres-Hochs. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe schrammte mit minus 0,164 Prozent haarscharf an ihrem Rekordtief vorbei. Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen fielen auf neue Rekordtiefstände. Treasuries mit zehnjähriger Laufzeit rentierten im Tief mit 1,375 Prozent, die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen fiel bis auf 2,14 Prozent. (msc/dpa/Reuters)

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    Alle Leser-Kommentare
  • 33EVROPA 06.07.2016 10:24
    Highlight Ui riesen Panik war das man sagte uns die Börse wird nur weiter bis ins Minus stürzen. Und nun? Der Kurs steigt und steigt, wenn man den Jahresvergleich anschaut ist das ganze noch krasser, so hoch wie seit einem Jahr nicht mehr. Ich bin weder pro noch contra Brexit. Es ist jedoch sehr bedenklich wie die Massenmedien wirklich zwanghaft versuchen den Brexit des Teufels darzustellen.
    6 3 Melden
    • Acappucci Stefan Shabbes 06.07.2016 11:45
      Highlight Schon möglich. Aber die erdrückende Mehrheit britischer Medien war für den Brexit und nicht für den Verbleib in der EU. Jetzt haben sie den Salat und berichten weiter darüber....
      1 2 Melden
    • Yolo 06.07.2016 14:51
      Highlight In den USA feiert die Börse seit 8 Jahren stetig höhere Bewertung, dummerweise kommt wenig bei der Mittel- und Unterschicht an. Ergo, ist dies für den Otto mehr ein Trostpflaster...
      2 0 Melden
  • Wilhelm Dingo 06.07.2016 08:01
    Highlight Wenn ein starker Franken für die Schweizer Wirtschaft schlecht ist dann muss ein schwaches Pfund gut für die Englische Wirtschaft sein. In 10 Jahren wird England deshalb gestärkt dastehen.
    17 14 Melden
    • phreko 06.07.2016 10:47
      Highlight Dumm nur, dass Thatcher vor jahrzehnten die Industrie ruiniert hat und auf die Finanzwirtschaft gesetzt hat, welche eher von einer starken Währung profitiert...
      12 5 Melden
    • Evan 06.07.2016 15:07
      Highlight Nun dann werden jetzt eben wieder andere Betriebe profitieren. Das Rad dreht sich trotzdem weiter.
      4 1 Melden
    • phreko 06.07.2016 19:41
      Highlight Ja Evan, das Rad dreht sich dann auf tieferem Niveau. Aufbau geht nie so schnell wie Abbau...
      1 3 Melden
  • Stefan Kuster 06.07.2016 07:06
    Highlight Witzig finde ich die Panikmache der Medien. Ich werde den Eindruck nicht los das mit allen Mitteln versucht wird den Brexit schlecht zu reden.
    22 9 Melden
    • Wilhelm Dingo 06.07.2016 07:56
      Highlight Ja, so ist es wohl. Interessant ist die Analyse wer zu den Verlieren gehôrt: Grossbanken und Konzerne. Die werden künftig weniger reibungslos agieren können.
      20 4 Melden
    • phreko 06.07.2016 10:49
      Highlight Auf was wird denn in England gesetzt? Grossbanken und Finanzkonzerne?

      Wilhelm, du erklärst ja selber weshalb es den Briten schlecht gehen wird.
      6 2 Melden
  • Ruffy 06.07.2016 06:27
    Highlight Für die Wirtschaft ist das ein ziemlicher Glücksfall. Für die Konsumenten eher weniger...
    9 3 Melden
  • walsi 06.07.2016 05:58
    Highlight Ich bin verwirrt. Wenn das Pfund sinkt finden das die Leute schlecht. Wenn der Schweizer Franken steigt finden das die Leute schlecht. Was wollt ihr denn? Soll ein Währung nun steigen oder sinken?
    26 7 Melden
    • Yolo 06.07.2016 06:52
      Highlight Inflation und Deflation, beides ist scheisse und kann sich negativ auf die Wirtschaft, bzw. auf den Konsum auswirken.
      18 2 Melden
    • sheimers 06.07.2016 10:09
      Highlight Stabilität wollen wir.
      6 0 Melden
    • schuhsohle 06.07.2016 10:22
      Highlight Das hat doch gar nichts mit Inflation/Deflation zu tun, da sich das Preisniveau innerhalb des Landes nicht ändert. Das britische Pfund wird einfach gegenüber den ausländischen Währungen billiger, was sich positiv auf die Exporte und negativ auf die Importe auswirkt. Liege ich falsch?
      5 2 Melden
    • Yolo 06.07.2016 12:29
      Highlight Und wenn die Preise für importierte Produkte steigen passiert was? Es gibt eine positive Teuerung (also Inflation) im Bereichen, also für die selbe Ware muss man mehr Geld ausgeben. Zum Beispiel für Elektrogeräte, Produkte für Zulieferer (Industrie) oder Produkte des täglichen bedarf wie Lebensmittel und Kosmetika. Anders formuliert, unter Inflation (auch Teuerung) versteht man in der Volkswirtschaftslehre einen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus.
      2 0 Melden
    • sheimers 06.07.2016 15:25
      Highlight @schuhsohle Das Preisniveau wird sich sehr wohl auch im Inland ändern. Wenn das Pfund absackt werden Autos, Fernseher, Heizöl, Südfrüchte, etc. für den britischen Konsumenten teurer, ohne dass er mehr Lohn erhält. Allenfalls wird das Risiko der Arbeitslosigkeit geringer, weil er ja für den Export billiger arbeitet, also konkurrenzfähiger wird. Dies aber nur vorübergehend bis der Brexit tatsächlich vollzogen wird, dann erschweren neue Handelsschranken den Export in die EU, dann sind auch die Arbeitsplätze bedroht.
      2 0 Melden
  • Evan 05.07.2016 21:13
    Highlight Vor 16 Jahren scheint der Kurs tiefer gewesen zu sein als vor 31 Jahren, ausserdem erlebte der Kurs nach und um 2008 eine Talfahrt von 0,6, während Brexit bisher den Kurs um 0.15 nach unten gerichtet hat. (USD / GBP)
    11 2 Melden
    • exeswiss 06.07.2016 01:08
      Highlight "bisher". je nach verhandlungsverlauf, kann er auch stärker als 0.6 einbrechen.
      5 4 Melden
    • Evan 06.07.2016 15:04
      Highlight Deshalb habe ich "bisher" gewchrieben. Es kann auch ganz anders kommen. Aber der Titel ist definitiv viel zu reisserisch.
      1 0 Melden

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