Wirtschaft
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Chinas Börsen kennen derzeit nur eine Richtung: nach unten. Bild: BOBBY YIP/REUTERS

Warum der chinesische Börsen-Crash weltweit Angst und Schrecken auslöst – und wie die US-Notenbank eine Panik verhindern kann

Am «schwarzen Montag» sind die chinesischen Aktienkurse um 8,5 Prozent eingebrochen. Weltweit sind die Investoren deshalb hypernervös. 

24.08.15, 12:52 25.08.15, 06:33


Eine Kurzzusammenfassung der aktuellen Situation der Weltwirtschaft sieht wie folgt aus: Chinas Exporte brechen ein und die Aktienkurse stürzen ab. Gleichzeitig wird eine Zinswende in den USA erwartet. Für den Rest der Welt ist dies ein giftiger Cocktail: Die Rohstoffpreise sinken und bringen Schwellenländer wie Brasilien, aber auch die Ölstaaten, in Schwierigkeiten. Derweil verlieren ihre Währungen gegenüber dem Dollar an Wert. Weil sowohl die Unternehmen wie die Regierungen dieser Länder sich in Dollar verschuldet haben, geht ihnen langsam der Schnauf aus. 

«Die Einschätzung der Lage der chinesischen Wirtschaft hat sich gewandelt von: seriöse Bedenken zu Beinahe-Panik.» 

Eswar Prasad, China-Experte

So weit, so schlecht. Aber der Reihe nach. Im Zentrum der Turbulenzen steht China. Zu Recht: China ist wichtig. Rund 15 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts werden heute im Reich der Mitte erwirtschaftet. Etwa die Hälfte des Wachstums der Weltwirtschaft in den letzten Jahren wurde durch den rasanten chinesischen Aufschwung ermöglicht. Wenn China schwächelt, bekommt dies der Rest der Welt zu spüren. 

Wer sitzt an den Schalthebeln der Macht?

China ist jedoch undurchsichtig. Ob und wie die Wirtschaftsstatistiken manipuliert werden, können selbst Experten kaum einschätzen; und wie weit die chinesische Zentralbank, die PBoC, ihre Geldpolitik unabhängig bestimmen kann, ist ebenfalls unklar. Grosse Zweifel herrschen auch darüber, wie weit die Regierung die Lage im Griff hat. Die Massnahmen zur Stabilisierung der Börse greifen offensichtlich nicht. Die überraschende Abwertung des Renminbi wird ebenfalls sehr unterschiedlich eingeschätzt. 

Börse in Thailand. Auch die Schwellenländer leiden unter dem China-Crash. Bild: RUNGROJ YONGRIT/EPA/KEYSTONE

Zwei Dinge sind jedoch klar: An den chinesischen Börsen findet ein Crash statt. Am Montag sind die Kurse erneut um 8,5 Prozent eingebrochen, selbst offizielle Stellen sprechen nun von einem «Schwarzen Montag». Insgesamt sind alle Gewinne des laufenden Jahres ausgelöscht worden. Dabei lagen sie noch im Juni rund 60 Prozent über dem Stand vor Beginn des Jahres. 

Die Exporte gehen zurück

Als gesichert gilt auch, dass die chinesische Exportwirtschaft ins Stocken geraten ist. Schon im Juli sind die Ausfuhren um rund 8 Prozent zurückgegangen, in den ersten Augustwochen hat sich dieser Rückgang noch verstärkt. 

Autos werden auf Halde produziert.   Bild: EPA/FEATURECHINA

Insgesamt scheint es, als ob die negativen Trends der chinesischen Wirtschaft eine kritische Masse erreicht hätten. Im «Wall Street Journal» beschreibt Eswar Prasad, Professor an der Cornell University und ehemals zuständig für China beim IWF, die Lage wie folgt: «Die Einschätzung der Lage der chinesischen Wirtschaft hat sich gewandelt von: seriöse Bedenken zu Beinahe-Panik.»

Das härteste Umfeld seit Jahren

Die bisherige Erfolgsformel der chinesischen Wirtschaft – staatliche Investitionen und Exporte – verliert ihre Wirkung. Nicht nur die Exporte stagnieren, auch die Bauwirtschaft ist gegenüber dem Vorjahr um 16,8 Prozent zurückgegangen. Das «Wall Street Journal» meldet, dass selbst die Fabriken der Autokonzerne wie GM und VW nicht mehr ausgelastet seien. Auch das IT-Unternehmen Lenovo spricht vom «wahrscheinlich härtesten Umfeld in den letzten Jahren.»

All dies gibt reichlich Grund zur Besorgnis. Ein Absturz der chinesischen Wirtschaft würde die ohnehin schon gebeutelten Rohstoffländer noch weiter ins Trudeln bringen. Vor allem der Ölpreis würde noch weiter in den Keller rutschen und damit nicht nur Länder wie Russland und Venezuela in Nöte bringen, sondern vermehrt auch Länder wie Saudi-Arabien und Kanada. Und zur Erinnerung: Das Wachstum der Weltwirtschaft war in den letzten Jahren primär von den Rohstoffpreisen getrieben.

Die Fed müsste jetzt ihr Versprechen einlösen

Der zweite wichtige Player ist die US-Notenbank, die Fed. Sie hat mit ihrer Tiefzins-Politik dafür gesorgt, dass sich die amerikanische Wirtschaft erholt hat. Die Banken sind wieder saniert, die Unternehmen sitzen auf viel Cash und die Haushalte haben ihre Schuldenexzesse wieder auf ein verträgliches Mass reduziert. 

Verhindert Sie den globalen Crash? Fed-Präsidentin Janet Yellen. Bild: Manuel Balce Ceneta/AP/KEYSTONE

Eigentlich müsste die Fed daher jetzt ihr Versprechen einlösen und langsam wieder zu normalen Zuständen zurückkehren, will heissen, die Leitzinsen erhöhen. Innenpolitisch drängt sich dieser Schritt auf, denn auch die Arbeitslosenquote ist wieder auf knapp über fünf Prozent gesunken. Für US-Verhältnisse liegt sie damit im normalen Bereich. 

Selbst Fed-Kritiker warnen 

Bis vor ein paar Tagen wurde denn auch allgemein erwartet, dass die Fed schon Mitte September die Leitzinsen zum ersten Mal anheben wird. Jetzt aber raten selbst explizite Gegner der Politik des billigen Geldes der Fed ab, die Zinsen zu erhöhen. Ja, es wird sogar ausdrücklich davor gewarnt, den Fehler von 1937 zu wiederholen. Damals stürzte die Fed mit einer zu voreiligen Zinserhöhung die amerikanische Wirtschaft endgültig in die Depression. 

Heute sind es vor allem die Sorgen um die Weltwirtschaft, die eine Zinserhöhung gefährlich erscheinen lassen. Bereits die Spekulationen über den Zinsschritt haben dazu geführt, dass mehr als eine Billion Dollar aus den Schwellenländern abgezogen wurden. Ob türkische Lira, indonesische Rupie oder südafrikanischer Rand – alle haben gegenüber dem Dollar an Wert verloren. 

Wird die Zinserhöhung einmal mehr verschoben?

Es ist daher wahrscheinlich geworden, dass die Fed den Zinsschritt einmal mehr verschieben wird, wahrscheinlich bis ins nächste Jahr. Das wird zu einem grossen Aufatmen führen. Die Rohstoffpreise würden sich stabilisieren – und die Wahrscheinlichkeit, dass der chinesische Crash auf die übrigen Börsen übergreift, markant verkleinern. 

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Thanatos 24.08.2015 19:36
    Highlight Das taktische Spiel der USA ist definitiv aufgegangen. So dürften sie nach wie vor die wichtigste Nation der Erde bleiben. Und China und Russland versinken im Sumpf...
    8 2 Melden
  • Noach 24.08.2015 19:02
    Highlight and the Winner is? Die Amerikanische Finanzwelt!,Wieder einmal hat der Supermaterialismus gewonnen,wie immer das Geld dreht die Welt und die Reichen werden Reicher und die Schwellenländer werden ärmer,Die Amis wären jetzt schön dumm den Leitzins zu erhöhen und ihre Wirtschaft abzuwürgen!!!
    4 2 Melden
  • Wilhelm Dingo 24.08.2015 15:01
    Highlight @PL: Warum soll es spät sein? Ich denke das Thema ist bei jeder Krise relevant. Und das hier wird sicher nicht die letzte Krise gewesen sein.
    2 0 Melden
  • Ricky Baumgartner 24.08.2015 14:54
    Highlight Also ich darf doch bitten! Die FED als Retter und der Finanzwelt zu ernennen, wäre etwa so als würden wir Anders Breivik als Ferienleiter einer muslimischen Schule einstellen.. Die FED ist das Böse schlecht hin, zusammen mit der Blackrock (mächtigste Bank der Welt) und Goldman Sachs steuern die seit nun bald einem Jahrhundert unser Finanzmarkt. Würden besser mal die Atlantikbrücke einreissen und mit echten Partnern kooperieren, wie z.B. Russland.
    12 21 Melden
    • TheRabbit 24.08.2015 17:17
      Highlight Du hast die Bilderberg Konferenz und die Illuminati vergessen!
      12 1 Melden
    • Thanatos 24.08.2015 19:32
      Highlight @theRabbit
      FED hat drei Buchstaben und ein Dreieck hat drei Seiten -> Illuminati bestätigt ^^
      4 0 Melden
    • TheRabbit 24.08.2015 20:12
      Highlight Die Buchstaben "F" "E" "D" kommen im Wort "Illuminati" nicht vor. Ein Fall für Galileo Mystery
      3 0 Melden
    • Thanatos 24.08.2015 21:29
      Highlight Oder für den History Channel :P
      Eventuell stecken da Geister dahinter ^^
      2 0 Melden
  • Zeit_Genosse 24.08.2015 14:53
    Highlight Hallo Wirtschaftsexperten, helft mir. Liege ich richtig? Für mich gibt es nur einen Gewinner. Die USA!

    China strauchelt heftig und hat viele Dollars. Russland, Venezuela, die OPEC und Brasilien bekommen die tiefen Rohstoffe zu spüren. Europa ist mit sich selbst beschäftigt. Japan zieht es mit runter. Exakt dann, wenn die USA wirtschaftlich an Schwung gewonnen haben. Habe ich etwas übersehen?
    15 1 Melden
    • Zeit_Genosse 24.08.2015 16:26
      Highlight Der kalte Krieg: Und Russland macht Militärmanöver am Nordpool zur Sicherung des Arktisöls.... und beansprucht (annektiert) eine umstrittene Zone. Hat nichts mit den Börsen direket zu tun, sondern mit schwarzen Gold, das für Russland fast der einzige Export ist und für jeden nachvollziehbaren Machtansprüche mit Signalwirkung.

      Die USA kommen von der Alaskaseite her zum Öl und haben Shell umfassende Förderrechte vergeben, entgegen vorheriger Ansage, die Umwelt höher zu gewichten.

      Der kalte Krieg wird über Rohstoffe, Währungen und Cyberwar geführt.
      5 0 Melden
    • TheRabbit 24.08.2015 17:19
      Highlight Du vergisst, dass die Weltwirtschaft schlussendlich auch die USA zu spühren bekommt. Ausserdem produziert die USA auch Öl und vorallem die Fracking-Industrie wird jetzt viele Jobs verlieren.
      1 0 Melden
    • Zeit_Genosse 24.08.2015 20:33
      Highlight @The Rabbit
      Ja, aber nur relativ. Also die anderen gehen in die Knie und die USA zahlt den Preis mit einer erträglichen Rezession. Dann machen Sie irgendwo Krieg, verkaufen Waffen, subventionieren ihr Frackingöl und setzen auf Reindustralisierung durch günstige Energie und Robotertechnik. Aber auch das ist zu kurz gedacht. Die anderen werden sich wehren. China und Russland als sich ungern eingehende Allianz werden die Nordkoreaner gegen den Süden (USA) anheizen, im südchinesischen Meer die Japaner und Tigerstaaten bedrängen (USA). Dann wird Russland weiter in der Ukraine zündeln und die Europäer beschäftigen (USA), gleichzeitig den Iran unterlaufen und Atomtechnik liefern (USA) und die IS Richtung Westen finanzieren (USA). Das sind hoffentlich nur meine Hirngespinste.
      2 0 Melden
  • Abel Emini 24.08.2015 13:53
    Highlight Die haben doch bereits schon Milliarden erwirtschaftet.
    0 0 Melden
    • meerblau 24.08.2015 16:04
      Highlight ...welche jetzt durch die Entwertung und für den Ausgleich der Verluste auch schon wieder Flöten sind. Tja, so schnell kann's gehen.
      2 0 Melden
  • Radiochopf 24.08.2015 13:19
    Highlight Wie immer werden ein paar wenige von diesem Crash profitieren und viel Geld verdienen und noch reicher werden und viele mehr werden ärmer und Geld/Job verlieren..
    20 1 Melden
    • Wilhelm Dingo 24.08.2015 13:37
      Highlight Genau. Das Geld wird ja nicht vernichtet, es wird nur verschoben. Bei all diesen grossen Bewegungen nach unten / oben verdienen sehr wenige sehr viel. @Watson: das wäre doch mal was das zu analysieren. Ich bin gespannt!
      11 1 Melden
    • droelfmalbumst 24.08.2015 13:58
      Highlight ein ausführlicher bericht über die rockerfeller etc. wäre nice. oder die Rothschilds... haha
      6 5 Melden
    • Philipp Löpfe 24.08.2015 14:45
      Highlight Wären wir da nicht ein bisschen spät dran?
      5 5 Melden

Familientrennungen an der US-Grenze: TV-Moderatorin bricht in Tränen aus

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