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Luxus-Ressort oder doch ein öffentlicher Park? Italiens Regierung und Bevölkerung haben unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft von Poveglia.  Bild: Google Maps

Insel im Angebot

Ausverkauf in Italien: Venezianer wollen «Spuk-Insel» per Crowdfunding retten

Im Ausverkauf seiner Kulturgüter will Italien auch Poveglia verscherbeln. Das verlassene Inselchen in der Lagune von Venedig gilt als Spukort – dennoch wäre ein Umbau zum Hotelresort wahrscheinlich. Eine Bürgerbewegung will die Privatisierung stoppen.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Poveglia zu verkaufen! Der italienische Staat will das Nutzungsrecht an der kleinen venezianischen Insel auf einer Online-Aktion am 6. Mai versteigern, so wie über 40 andere Besitztümer, darunter eine Festung aus dem 15. Jahrhundert in Triest und ein früheres Kloster in Loreto.

«Investoren aus der ganzen Welt können bieten, ob in New York oder Dubai», sagt Stefano Scalera von der staatlichen Immobilienagentur Demanio, «über das Internet können sie sich die Unterlagen und Verträge runterladen.»

Böse Geister aus Pestzeiten

Dem nur 72.000 Quadratmeter grossen Inselchen vor dem Lido, bebaut mit einem Dutzend verfallener Gebäude und einem Glockenturm, droht damit ein ähnliches Schicksal wie den benachbarten Eilanden Sacca Sessola, San Clemento und Santo Spirito. Hier werden Luxus- und Spa-Resorts unter anderem von der Marriott-Kette errichtet, die mit Hunderten Zimmern vom Run auf die Lagunenstadt profitieren wollen. Und für Sacca San Biagio gibt es bereits Pläne, die die ehemalige Müllinsel in den Freizeitpark Veniceland mit Riesenrad und Freilichtmuseum verwandeln sollen.

Auch Poveglia könnte dem klammen italienischen Staat von einem Hotelinvestor abgekauft werden – dabei ist die Insel einer jener venezianischen Orte, um die sich Jahrhunderte alte Legenden ranken: Sie soll einer der am stärksten von bösen Geistern heimgesuchten Plätze der Welt sein. Fischer würden einen weiten Bogen um Poveglia schlagen, so wird erzählt, damit in den Netzen keine menschlichen Knochen landen. 

Tatsächlich wurde die Insel mit ihrer achteckigen Festungsanlage zu Pestzeiten als Quarantänestation genutzt, auch ein Krankenhaus wurde hier einrichtet. Seit 1979 ist sie verlassen, der Zutritt zu dem von Kaninchen, Eidechsen und Vögeln bewohnten Grund ist verboten. 

Bürgerinitiative gegen Insel-Kauf

Vielen Venezianern missgefällt die Idee, eine weitere Insel vor ihrer Haustür zu privatisieren und mit einem Luxushotel zu belegen. Eine Initiative aus anfangs 30 Bürgern, darunter Architekten und Städteplaner, hat sich formiert und unter dem Motto «Poveglia per tutti» (Poveglia für alle) einen Verein gegründet. «Wir können nicht akzeptieren, dass die Lagune in Stücke geschnitten und an ausländische Beteiligungsgesellschaften verkauft wird», sagte Lorenzo Pesola, einer der Vereinsgründer der Zeitung «L'Espresso». 

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Die kleine «Spuk-Insel» Poveglia liegt gleich vor Venedig. Bild: Google Maps

Die Bürger wollen Poveglia selber erwerben. Über ihre Facebook-Seite ruft «Poveglia per tutti» zu der Aktion «99 euro por 99 anno» auf: Für das 99-jährige Nutzungsrecht, das versteigert wird, können Bürger 99 Euro spenden. Der Verein plant, die dreiteilige Insel in einen öffentlichen Garten zu verwandeln, in dem Kinder spielen und Grillfeste gefeiert werden können. «Unsere politischen Ideen sind verschieden, eine Sache haben wir aber gemeinsam: den Traum von der Wiederherstellung der Gärten für die Menschen», sagte Pesola der Zeitung. 

Der Bürgermeister von Venedig, Giogio Orsoni, unterstützt die Bewegung: «Ehrlich gesagt, haben wir zu viele Luxushotels auf den kleineren Inseln», sagte er der lokalen Zeitung «La Nuova di Venezia». «Vielleicht sollten wir zunächst die historischen Häuser auf dem Lido wiederbeleben, die aufgegeben wurden oder vor der Pleite stehen. Auf Poveglia sollte lieber ein kulturelles oder ein Jugendzentrum entstehen.» Bis zum 6. Mai können Interessenten ihre Gebote für Poveglia einreichen – dann geht es darum, wer das meiste Geld bietet. 

(abl)



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