Wirtschaft
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Bargeld wird laut Studien vermehrt als Wertaufbewahrungs-, denn als Zahlungsmittel verwendet. keystone

Schweden will Cash abschaffen – der E-Franken lässt noch auf sich warten

Bargeld ist teuer und weniger gefragt, dennoch wird sich digitales Geld nicht so leicht durchsetzen

daniel zulauf / Aargauer Zeitung



Die Entwicklung und Ausgabe neuer Banknoten ist ein langwieriger und teurer Prozess. Allein die neue Notenserie der Nationalbank wird über den ganzen 20-jährigen Lebenszyklus hinweg rund eine Milliarde Franken kosten. Die Schaffung von elektronischem Zentralbankgeld könnte die Sache vereinfachen.

Dieser Weg wird derzeit in Schweden geprüft. Das Land ist bei der Abschaffung des Bargeldes weltweit am weitesten fortgeschritten. Hochrechnungen zufolge könnte es 2030 so weit sein – zum Vorteil der ganzen Wirtschaft. Denn: Bargeld ist erwiesenermassen das teuerste Zahlungsmittel. Das ist vermutlich der Hauptgrund dafür, dass Bargeld auch ohne aktives Zutun der Notenbanken auf dem Rückzug ist. Aktuellen Erhebungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zufolge hat sich der Wert von Kartenzahlungen gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den grössten Ländern der OECD seit der Jahrtausendwende auf durchschnittlich 25 Prozent verdoppelt.

Dazu zählen namentlich Europa (einschliesslich Schweiz), die USA, Japan, China, Indien, Brasilien und Russland. Im Mittel besitzt eine Person in diesen Ländern aktuell 2,5 Zahlkarten (Debit- und Kreditkarten), vor zehn Jahren waren es noch 1,1 Karten pro Kopf gewesen. Zwischen den Ländern gibt es zwar beträchtliche Unterschiede, doch ein klares Muster ist gemäss den BIZ-Ökonomen nicht zu erkennen.

Krisensicher

Trotzdem nimmt auch die Nachfrage nach Bargeld weltweit zu. Der Bargeldumlauf, gemessen am BIP, hat sich seit der Jahrtausendwende von 7 Prozent auf 9 Prozent erhöht. Im Zug der internationalen Finanzkrise, in der viele Sparer die Sicherheit ihrer Bank infrage stellten, hat die Bargeldnachfrage insbesondere in den alten Industrieländern zugenommen. Aus deutlich überproportional starker Nachfrage nach grossen Noten folgern die BIZ-Forscher, dass Bargeld heutzutage vermehrt als Wertaufbewahrungsmedium und nicht primär als Zahlungsmittel verwendet wird.

Davon lässt sich die Frage ableiten, ob es tatsächlich nicht effizienter wäre, die gedruckten Scheine durch elektronisches Zentralbankgeld abzulösen. Nicht nur könnten die Notenbanken damit vielleicht den aus aufsichtsrechtlicher Sicht (Geldwäscherei etc.) problematischen Vormarsch privater Kryptowährungen wie Bitcoin & Co. eindämmen. Vielmehr könnten E-Franken oder E-Euros einen direkten Nutzen für Sparer schaffen, die ihr Geld heute auf gewöhnlichen Bankkonti liegen haben, sich aber eigentlich ein Depot mit elektronischem Notenbankgeld wünschen würden. Elektronisches Geld mit direkter Notenbankdeckung ist krisensicher. Das Horten von 1000-Franken-Scheinen im Tresor würde sich erübrigen

Geringes Interesse der Sparer

Ein solches Angebot könnten die Geschäftsbanken heute schon bieten, indem sie ihren Kunden die Eröffnung entsprechender Depots ermöglichen. Doch in der Praxis kommen diese Angebote nicht zustande. Reto Föllmi, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule St.Gallen, glaubt, dass die Sparer mit dem Risikoschutz bereits weitgehend zufrieden sind und deshalb nicht bereit wären, allfällige Zusatzkosten eines solchen Notenbankgeld-Depots zu tragen. Föllmi verweist auf die bestehenden umfangreichen Sicherungssysteme: Die Kunden der Postfinance und der meisten Kantonalbanken geniessen Staatsgarantie, und auch die privaten Banken nehmen am Einlagensicherungssystem teil. Föllmi glaubt, dass die Bargeld-Hortung in der Schweiz primär eine Folge des Negativzinsregimes der Nationalbank und der allgemeinen Unsicherheit ist.

Doch was, wenn die hohe Bargeldnachfrage doch das Misstrauen der Sparer in die Solidität des Bankensystems reflektiert? Unter dieser Annahme wäre die Vermutung naheliegend, dass die Geschäftsbanken den eigenen E-Franken deshalb nicht bringen, weil ihn keiner will, sondern weil ihn die Banken aus eigenem Interesse selber nicht wollen. Schliesslich würden sie mit einem solchen Angebot Wasser auf die Mühle der Vollgeld-Initianten lenken und sich ihrer eigenen Möglichkeiten zur Geldschöpfung beschneiden.

Idee des E-Frankens entsorgt

Wenn die Geschäftsbanken das Einfallstor für digitales Zentralbankgeld tatsächlich (in gegenseitiger Absprache) geschlossen hielten, dann käme dies auch den Notenbanken nicht ganz ungelegen. Gemeint ist nicht nur die Nationalbank, die sich bereits dezidiert gegen das Vollgeld-System ausgesprochen und die Idee des E-Frankens damit längst in einer unteren Schublade entsorgt hat. Stellvertretend für viele andere Notenbanken auf der Welt warnt Jacqueline Loh, stellvertretende Direktorin bei der «Monetary Authority of Singapore», in einer Mitteilung der BIZ, digitales Zentralbankgeld könne für die Stabilität des Finanzsystems gefährlich werden, wenn es zu einer Konkurrenz für die Geschäftsbanken würde. Geschäftsbanken finanzieren ihre Kreditgeschäfte aus Spargeldern und müssen selber für deren Sicherheit besorgt sein. In Krisenzeiten könnte das Konkurrenzproblem somit akut werden.

Die Sorge der Notenbanken um die Finanzstabilität kommt nicht von ungefähr. Viele Experten sind der Auffassung, dass die Risiken für eine neue Finanzkrise zunehmen, je länger die Nullzinsphase anhält. Schliesslich sind es auch die Notenbanken, die für die Stabilität des Finanzsystems verantwortlich sind. Längerfristig könnten die Notenbanken allerdings durchaus Gefallen daran finden, das Bargeld durch Digitalgeld zu ersetzen. Schliesslich ist das Horten von Bargeld auch eine Möglichkeit, einem Negativzinsregime zu entgehen und Geldscheine in den Tresor zu legen. Jacqueline Loh nennt dies «ein neues Instrument, das die Übertragung der Geldpolitik auf die reale Wirtschaft verstärken könnte».

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kstyle 15.03.2018 11:51
    Highlight Highlight So wie es ist, ist es nicht schlecht. Auch wenn das ganze Geldsystem so nicht weiter bestehen kann. Die Zinsen der Milliardären und die Staatsverschuldungen werden das system über kurz oder lang zusammenbrechen lassen. Der zinseszinseffekt und das sinnlose hypertrading genauso wie die vielen sinnlosen spekulationen werden uns noch das genick brechen.
    Die Zinslast wird immer höher und am schluss gibt es Krieg. Arm gegen Reich. Wen wir dieser entwicklung nicht langsam entgegentreten werden die armen den Kampf verlieren trotz mächtiger überzahl.
  • Der Rückbauer 13.03.2018 19:15
    Highlight Highlight In Griechenland wurde letzthin die Bargeldbezugslimite am Automaten angehoben (auf neu EUR 420.-- -?- die Woche). Tja, würde nur noch E-Geld zur Verfügung stehen, könnten die Bankomaten auch einmal per Mausklick der Obrigkeit für die Untergebenen gesperrt werden. So geschehen in Zypern. Nach Freigabe war auf dem Konto aber dann nur noch die Hälfte.....
    Da lob ich mir ein paar Tausender unter dem Kopfkissen, da habe ich gleich viel Zins wie auf dem E-Geldkonto.
  • Chatzegrat Godi 13.03.2018 14:54
    Highlight Highlight Somit hätten die da oben, die da unten, noch mehr unter Kontrolle!
    Bargeld ist nicht weg zu denken!
  • bcZcity 13.03.2018 14:05
    Highlight Highlight Mein Geld liegt doch so oder so nur virtuell auf der Bank, wird erst zu Papier wenn ich an den Automaten gehe. Bei einem Blackout kann ich auch kein Bargeld abheben oder Online-Zahlungen machen. Was ist Geld im Fall einer echten Krise überhaupt noch wert?

    Für Notfälle sollte man daher immer einen echten Goldanhänger um den Hals tragen. Denn wenn alle Systeme versagen und es hart auf hart kommen sollte, wäre Gold oder sonstige raren Metalle/Edelsteine, auf einmal wieder mehr wert.

    Daher liebe Ladys, tragt den - echten - Schmuck, er könnte Euch das Leben retten wenn die Welt zugrunde geht :P
    • Snowy 13.03.2018 15:42
      Highlight Highlight Wenn es wirklich hart auf hart kommt, dann zählt Gold nur wenn es Aussicht auf eine mittelbare Normalisierung der Lage gibt.

      Bspw bei einem Atomkrieg zählen wohl eher Wasser, abgepackte Fertiggerichte, Waffen, Treibstoff, Medikamente und Zigaretten.

      Allerdings weiss ich nicht, ob ich in einer solchen Welt überhaupt noch Leben möchte.
  • Raphael Stein 13.03.2018 12:36
    Highlight Highlight Die "Sozialexperimente" in Schweden sind gescheitert. Schweden als Vorreiter von irgendwas anderem ist ebenfalls grenzwertig.

    Und Cash abschaffen... ne. Geht gar nicht. Das wäre das Ende jeder Demokratie und der definitve Anfang von 1984.
    • Snowy 13.03.2018 15:44
      Highlight Highlight Word. Schweden ist so ziemlich das letzte Land, das anderen soziale Experimente vorschlagen sollte...

  • bobi 13.03.2018 12:08
    Highlight Highlight Bedenklich, wenn ein Wirtschaftsprofessor nicht korrekte Aussagen in einer Zeitung tätigt. PostFinance verfügt über keine Staatsgarantie mehr!

    https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/postfinance-verliert-die-staatsgarantie/story/30618717
  • Likos 13.03.2018 10:07
    Highlight Highlight Wenn EC und Kreditkarten in allen Lebenslagen 0.- Gebühren kosten würden, dann würde ich wohl auch weniger Bargeld nutzen.
    Leider kosten beide Karten bei meiner Bank schon 130.- im Jahr um sie einfach nur zu haben.. Da gehe ich lieber zwei mal gut Essen + Trinkgeld, was ich bei Kartenzahlung eh nie geben würde.
    • Amboss 13.03.2018 10:29
      Highlight Highlight Und wie kommst du zu diesen 130 Franken ohne EC- oder Kreditkarte?
      Zahlt dir dein Chef den Lohn im Ernst noch bar im Geldsäckli aus?
    • atomschlaf 13.03.2018 11:20
      Highlight Highlight Amboss, eine normale Kontokarte gibt's immer noch gratis und wenn man in der Nähe eines Bancomaten oder einer Filiale der Hausbank wohnt oder arbeitet, kann man das Geld dort abheben.
      Den Rest via e-banking und gut ist.
    • Amboss 13.03.2018 11:55
      Highlight Highlight Stimmt. An die gute alte Kundenkarte hab ich gar nicht gedacht. Ja, okay, kann man so machen. Aber auch nicht gratis.... Denke nicht, dass es eine Bank gibt, wo man ein Privatkonto gratis führen kann.

      Und: E-Banking "ja", aber EC-/Kreditkarte "nein" ist ja irgendwie auch ein Widerspruch, nicht?
    Weitere Antworten anzeigen
  • mogad 13.03.2018 09:49
    Highlight Highlight In der Abschaffung des Bargeldes seh ich nur Nachteile für das "gemeine" Volk. Totale Kontrolle über den Konsum und totale Enteignung nach einem Zusammenbruch des Finanzsystems, bzw. einem Staatsbankrott. Es muss eine Mischform geben, grössere Beträge ab 100Fr. nur noch mit Kreditkarte oder gleich online, der Rest bar. Alle Banknoten ab 100Fr. könnte man abschaffen. Es gäbe noch das Münz, die 10er, 20ziger, 50ziger und 100erter-Noten.
  • 7immi 13.03.2018 09:29
    Highlight Highlight ironischerweise fielen vorletzten sommer die zahlungsterminals in nordschweden aus und nur bargeld wurde akzeptiert. ich wurde zum rund 100 km entfernten automaten geschickt. zum glück hatten wir genügend bargeld dabei. ist ja schon praktisch elektronisch zu zahlen, cash hat aber auch seine vorteile. dessen abschaffung wäre sehr kurzsichtig.
  • Hardy18 13.03.2018 09:22
    Highlight Highlight Ich bin auch kein Fan von Kartengeld. Was ich in der Hand halte hab ich sicher. Und Garantien von Bank und Staat hin oder her. Omi's Socke bleibt die beste. (aber nicht mehr unter der Matratze 😂)
  • Zeit_Genosse 13.03.2018 07:14
    Highlight Highlight Die Schweden sollen das mal umsetzen und wir sehen welche Erfahrungen sie damit machen. Die Schweiz ist bekannt nicht zu den ersten zu gehören. Zudem, die Bevölkerung würde das an der Urne verwerfen. Also noch länger kein Thema.
  • Der Rückbauer 13.03.2018 07:04
    Highlight Highlight "Elektronisches Geld mit direkter Notenbankdeckung ist krisensicher". Was ist denn das für ein Blödsinn? Gerade in Krisen ist elektronisches Geld n i c h t sicher.
    Weshalb gibt's eigentlich das Goldvreneli? Während des 2. Weltkrieges war die Schweiz das einzige Land auf der Welt, wo noch Gold gehandelt werden konnte.
  • Der Rückbauer 13.03.2018 06:59
    Highlight Highlight Bargeld ist geprägte Freiheit!
    Elektronisches Geld kann die Obrigkeit per Mausklick wegnehmen. Enteignung per Mausklick. Zypern war Versuchskaninchen: Ueber Nacht wurden die Kontostände halbiert.
    Natürlich wollen Regierungen und Banken nur noch elektronisches Geld. Dann haben sie die Bürger im Griff und können mit ihnen machen, was sie wollen.
    In Skandinavien und .... der Schweiz, wo das Vertrauen der Bürger in den Staat hoch ist, ist die Gefahr einer Enteinung nicht gross. Für die SNB ist die Bargeldabschaffung denn auch kein Thema.
  • derEchteElch 13.03.2018 06:42
    Highlight Highlight „Elektronisches Geld mit direkter Notenbankdeckung ist krisensicher“

    Ohgott.. Was für ein Ahnungsloser schreibt so etwas? Elektronisches Geld ist von der Elektronik und Digitaltechnik abhängig. Da gibt es Fehler und Ausfälle.

    Ich als Nutzer will nicht von einem Zahlungsmittel abhängig sein! Ich will auch nicht, dass Banken und Co. die Übersicht und Kontrolle über meine Ausgaben haben!

    Digitales Geld lässt sich manipulieren und bei Bedarf auch löschen, sollte mal meine Meinung einem Bankangestellten nicht gefallen. Mein 100er-Nötli muss mir zuerst mit Gewalt weggenommen werden!
    • Loeffel 13.03.2018 07:24
      Highlight Highlight Achtung, nicht „krisensicher“ mit „risikolos“ verwechseln.
    • The Destiny // Team Telegram 13.03.2018 08:41
      Highlight Highlight TenX das ist der Name der Lösung die du suchst.
    • riqqo 13.03.2018 12:09
      Highlight Highlight Auch die heutigen Bargeld-Kassensysteme sind von Elektronik und Digitaltechnik abhänig...
    Weitere Antworten anzeigen
  • öpfeli 13.03.2018 06:12
    Highlight Highlight Die Abschaffung des Bargeldes gibt mir das Gefühl, dass ich die Kontrolle über mein Geld verliere.
    Digitalisierung ist ok in einem bestimmten Masse, aber für mich geht dieser Schritt zu weit.
  • walsi 13.03.2018 05:59
    Highlight Highlight Der interessanteste Satz im Artikel ist: "Schliesslich würden sie mit einem solchen Angebot Wasser auf die Mühle der Vollgeld-Initianten lenken und sich ihrer eigenen Möglichkeiten zur Geldschöpfung beschneiden."

    Oder anders gesagt, die Banken wie UBS, CS und Co. können selber Geld erschaffen, es wird uns aber immer vorgegaukelt, dass die Nationalbank das Geld für die Schweiz erzeugt.
    • Trippljones 13.03.2018 07:28
      Highlight Highlight Mit einem Zinssystem welches unsere Banken betreiben, schaffen sie schon lange Geld aus dem Nichts..
  • chnobli1896 13.03.2018 05:38
    Highlight Highlight Toll. Wenns mal ein (elektronisches) Blackout gibt, gibts halt nix zu essen für die Leute 🙈. Bin der Sache sehr skeptisch eingestellt, ich schätze das Bargeld sehr.
    • rauchzeichen 13.03.2018 08:37
      Highlight Highlight isst du bargeld? oder was soll dein suenario?
    • chnobli1896 13.03.2018 10:53
      Highlight Highlight Leider habe ich nicht so viel davon das ich es essen könnte. Aber in der Regel bezahle ich Esswaren mit Bargeld. Die Esswaren esse ich dann.
    • Schlafwandler 13.03.2018 10:56
      Highlight Highlight @rauchzeichen: tauschst du jeweils dein Kärtli gegen deine Einkäufe? Kartenterminals können ausfallen. Grad vor kurzem wieder passiert.
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