Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Kampf der Kryptowährungen: 13 Charts, die dir den Überblick verschaffen

16.11.17, 17:38 17.11.17, 06:28


Vor einer Woche arbeitete ich an einem Artikel zur anstehenden Bitcoin-Hardfork. Leserin Agnesse hatte dies verlangt, nachdem ich die Details dazu vorgängig vernachlässigt hatte.

bild: sceenshot watson.ch

Der Artikel wurde nie auf unserer Startseite publiziert. Weshalb? Noch am selben Tag überschlugen sich die Ereignisse: Die Hard-Fork wurde überraschend abgesagt. (Interessierte können den Artikel hier trotzdem lesen). Wieder einmal wurde der Kryptomarkt seinem Ruf als ADHS-Kind mit Zuckerschub gerecht.

Deklaration der Interessenbindung

Der Autor dieser Zeilen besitzt im Moment keine Bitcoins (verdammt!). Er «hodlet» [Anmerkung ans Korrektorat: Es heisst tatsächlich «hodlen» und nicht «holden»] aber diverse andere Kryptowährungen – unter anderem Ethereum.

Bitcoin Cash konnte kurzfristig profitieren

Die abgesagte Bitcoin-Hard-Fork ist ein Sieg des Core-Lagers über das 2x-Lager (Wem das nichts sagt, der sollte tatsächlich den nicht veröffentlichten Artikel lesen). Eingeknickt waren im 2x-Lager aber «nur» sechs finanzstarke Wortführer (Mike Belshe, Wences Casares, Jihan Wu, Jeff Garzik, Peter Smith and Erik Voorhees). Die zwar kleine, aber doch vorhandene Basis wurde umgangen.

Diese wandte sich in Teilen der ihrer Meinung nach nächstbesseren Alternative zu: Bitcoin Cash. Bitcoin Cash hatte sich am 1. August mit einer Hard-Fork von Bitcoin abgespaltet. Seither herrscht zwischen diesen Lagern eine Art Krieg – vor allem um die Deutungshoheit, welches der beiden Bitcoins denn das echte sei.

Als Folge der kleinen Völkerwanderung stieg der Preis von Bitcoin Cash an – während der Preis von Bitcoin nach unten korrigierte.

Das Verhältnis (BTH/BTC) von Bitcoin Cash (BTH) zu Bitcoin (BTC) veränderte sich vom 9. November bis zum 12. November von ca. 0.09 bis auf 0.42. Geschickte Händler konnten ihre Positionen damit vervierfachen. bild: coinmarketcap.com

Mehr Einnahmen bei Bitcoin Cash

Neben frustrierten Usern liefen auch einige Miner zu Bitcoin Cash über – weil sie sich dort höhere Renditen versprachen (das Sprichwort, dass die Miner dem Geld folgen, bewahrheitete sich wieder einmal). Als Folge stieg die Hash-Rate von Bitcoin Cash sprunghaft an.

Die Hashrate von Bitcoin Cash. Sie nimmt gleich nach der Absage der Hard-Fork zu – weil einige Miner kurzfristig zu Bitcoin Cash überlaufen. bild: screenshot  bitinfocharts

Bitcoin Cash: Für ein paar Minuten die zweitgrösste Kryptowährung

Die Kursexplosion hatte zur Folge, dass Bitcoin Cash kurzfristig zur Nr. 2 wurde – noch vor Ethereum. Cash-Anhänger träumten bereits von der Spitzenposition. Das auch im Zusammenhang mit Ether immer wieder zitierte «Flippening» werde bald stattfinden.

Bitcoin schlägt zurück

Wie der Graph weiter oben aber zeigt – der Aufschwung von Bitcoin-Cash war nur von kurzer Dauer. Nach einer kurzen Korrekturphase unter 6000 Franken rast der Bitcoin-Kurs mittlerweile wieder nach oben. Die 7000er-7200er-Schallmauer wurde heute bereits wieder überschritten.

Transaktionen

Dank dem regen Handel nahmen auch die Einträge auf der Bitcoin-Blockchain in der letzten Woche zu – und führten die Blockchain an den Rand der Belastbarkeit ...

Die Bitcoin-Blockchain «am Rand der Belastbarkeit»?

Die Anzahl Transaktionen auf der Bitcoin-Blockchain ist beschränkt. Im Moment wird der Blockchain alle 11 Minuten ein neuer Block angehängt – jeder davon enthält ein maximales Datenvolumen von einem Megabyte. Deshalb kommt es bei Transaktionen auf der Blockchain* zu Verzögerungen. Phasenweise warteten in den letzten Tagen über 100'000 Transaktionen darauf, auf einem Block unterzukommen. Im Moment sind es «nur» noch ca. 80'000 Einträge.

*Handel auf Kryptobörsen sorgen in den meisten Fällen für keine Einträge auf der Blockchain.

Transaktionskosten explodieren

Bei vielen Kryptowährungen – auch bei Bitcoin – gibt es eine Art A-Post. Wer seine Transaktion schneller verifiziert haben will, erhöht die Transaktionsgebühren. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass parallel zu den Wartezeiten auch die Transaktionskosten explodierten. So kostete ein durchschnittlicher Eintrag auf der Blockchain in der letzten Woche bis zu 19 Dollar.

Hohe Transaktionskosten und lange Wartezeiten – geht das nicht besser?

Bitcoin hat zwar die höchste Marktkapitalisierung und ist weiterhin die unangefochtene Nr. 1 im Kryptomarkt – die meisten Transaktionen werden aber mit einer anderen Währung getätigt: Ethereum – hinter Bitcoin (wieder) die Nr. 2 der Kryptowährungen.

In Sachen Transaktionen ist seit diesem Sommer Ethereum die erfolgreichste Kryptowährung. bild:  bitinfocharts.com

Ethers tiefe Transaktionskosten

Bei einer durchschnittlichen Transaktion von Ether fallen Gebühren von weit unter einem Dollar an. Damit sind Ether-Transaktionen deutlich billiger als Bitcoin-Transaktionen.

Der Vergleich der Transaktionskosten von Bitcoin (blau) und Ether (rot). bild: bitinfocharts.com

Transaktionen in der Warteschlange bei Ether

Zu erwarten wäre, dass Ether wenigstens bei den Wartezeiten weit hinter Bitcoin liegt. Doch auch dem ist nicht so. Momentan befinden sich nur gerade 212 Transaktionen in der Warteschlange.

Bitcoins Bekanntheitsgrad

Ether transferiert digitales Geld also schneller und billiger? Weshalb ist denn Bitcoin noch immer unangefochten die Nr. 1 im Kryptomarkt?

Laut einem Artikel des «Business Insider» korreliert der Preis von Bitcoin zu 91 Prozent mit der Anzahl Google-Anfragen. Und die haben es in sich. Während Herr und Frau Schweizer, Otto Normalverbraucher, Average Joe und Monsieur Tout-le-monde noch nichts von Ethereum gehört haben, ist Bitcoin bekannt wie ein bunter Hund. Das zeigen auch die Google-Anfragen.

Die Google-Anfragen. Bitcoin (blau) vs. Ethereum (rot). bild: screenshot: google.com

Bitcoins Selbstverständnis

Fans der ältesten Kryptowährung lassen das alleinige Argument des Bekanntheitsgrades als Erfolgsgarant nicht gelten. Die sogenannten Bitcoin-Maximalisten führen ins Feld, dass sich Bitcoin am längsten bewährt habe – und damit am sichersten sei. Und noch viel wichtiger: Bitcoin sei das «digitale Gold» – und benötige damit keine tiefen und günstigen Transaktionen. Was meinen sie damit? 

Bitcoin wird von vielen nicht als Zahlungsmittel für Kioskkäufe, sondern als langfristige Anlage beschrieben. Komme es hin und wieder zu einer Transaktion, müsse diese nicht in wenigen Sekunden erfolgen – es habe keine Eile. Ausserdem seien die verschobenen Vermögen derart hoch, dass die paar Dollar Gebühren keine Rolle spielen würden.

Und tatsächlich gibt es Indizien, dass dem so ist. Eine durchschnittliche Ether-Transaktion hat einen Wert von unter 8000 Dollar – bei Bitcoin beträgt diese über 90'000 (Ja, die Huhn-Ei-Problematik darf hier moniert werden). 

Die Marktkapitalisierung

Der eigentliche Sieger der stetigen Grabenkämpfe ist der Kryptomarkt an sich: Seit Januar 2017 verzehnfachte sich die Marktkapitalisierung. Das bedeutet: Der Wert sämtlicher sich im Umlauf befindenden Coins aller Kryptowährungen hat sich durchschnittlich verzehnfacht. Auch die Schlacht um Bitcoin hat den Trend nicht stoppen können – im Gegenteil.

2017 verzehnfachte sich die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen. bild: coinmarketcap.com

Die reichsten acht Männer besitzen soviel wie die halbe Welt

Video: watson/Lya Saxer

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
14
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Fischra 16.11.2017 22:43
    Highlight Ich versuche immer mal wieder mich mit Kryptos zu beschäftigen aber den Durchblick habe ich immer noch nicht. 😂😂
    12 0 Melden
    • Patrick Toggweiler 17.11.2017 07:54
      Highlight Wir werden das schon noch ändern...
      18 0 Melden
    • Fischra 19.11.2017 08:20
      Highlight Da freue ich mich drauf. Interessant ist es auf jeden Fall. 😉👍
      2 0 Melden
  • Zat 16.11.2017 20:47
    Highlight Danke für die verständlichen Infos.
    24 1 Melden
  • jjjj 16.11.2017 20:45
    Highlight Warum seid ihr so auf die ganze cryptocurrency sache fixiert!??
    9 38 Melden
    • flv 17.11.2017 19:10
      Highlight Naja, Bitcoins kannst du momentan getrost ignorieren, ausser du beschäftigst dich mit Investments. Ether hingegen ist was ganz anderes. Hier wird es in den nächsten Jahren zu einer Revolution kommen, was sensible Daten angeht. Mit Ether lässt sich nicht nur bezahlen, sondern es lassen sich Daten in Blockchains speichern. Das heisst, sie sind praktisch hackingsicher. Für Bestrebungen wie die digitale ID, eGovernment, Gesundheitsdaten etc. ist das eine riesige Möglichkeit. Da erwarte ich in der nächsten Zeit richtige Durchbrüche!
      3 0 Melden
    • Thanatos 17.11.2017 19:50
      Highlight Money money money. Oder grob gesagt: die Zukunft.
      1 0 Melden
  • TheGoon 16.11.2017 19:22
    Highlight und da no churz und knackig
    5 2 Melden
    • TheGoon 16.11.2017 21:15
      Highlight https://pbs.twimg.com/media/DOhVulMWAAAR3Ok.jpg
      1 0 Melden
  • The IT Guy 16.11.2017 17:52
    Highlight Um die Frage "Hohe Transaktionskosten und lange Wartezeiten – geht das nicht besser?" zu beantworten:

    Das Wort das du suchst ist IOTA. ☺
    34 4 Melden
    • Phil B. 16.11.2017 20:12
      Highlight IOTA DIE nextgen Crypto!
      14 1 Melden

«Das Bitcoin-System verbraucht mehr Strom als die Schweizer Volkswirtschaft»

Bei der Produktion eines Bitcoins geht so viel Strom drauf, wie eine Familie in zwölf Jahren verbraucht - Tendenz steigend. Ökonom Alex de Vries über die verheerenden Folgen der Kryptowährung für das Klima.

Der niederländische Ökonom und Blockchain-Experte Alex de Vries sorgt für Furore in der Energie- und Umweltszene. Seine Studie, die gerade im Fachmagazin «Joule» erschienen ist und von unabhängigen Gutachtern geprüft wurde, zeigt, welch gigantische Mengen Energie die Produktion und Verwaltung der Digitalwährung Bitcoin verschlingt. Laut de Vries hat das Bitcoin-System schon jetzt einen höheren Energiebedarf als viele Staaten.

Beim «Schürfen», dem Erzeugen von Bitcoins, lösen Rechner …

Artikel lesen