Wirtschaft
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Tempi passati: Ein Swiss-Jumbolino am Euroairport. YouTube/VoarVideos HD

Wie sich Easyjet den Euroairport Basel – und bald auch Genf Cointrin krallt

29.05.15, 10:18 31.05.15, 07:47


Sonntag 18.25 Uhr wird ein denkwürdiger Moment für die nationale Airline der Schweiz: Dann hebt der letzte Swiss-Flieger am Euroairport ab, Ziel London City. Wenn er 22.40 Uhr wieder landet, ist endgültig Schluss in Basel. Die beiden dort stationierten Jumbolinos fliegen nach Zürich, an ihren neuen Heimflughafen.

So traurig dieser Umstand anmutet – die Basler werden die Swiss nicht vermissen. Fast 60 Prozent aller Passagiere am Euroairport fliegen ohnehin mit Easyjet. Der britische Billigflieger bedient dort mit neun Airbus-Flugzeugen 47 Destinationen. Swiss flog zuletzt gerade noch derer fünf an.

Drei davon – Barcelona, Hamburg, Mallorca – hat auch Easyjet ab Basel im Angebot. Ein Preisvergleich gibt einen ersten Anhaltspunkt, warum die Swiss gegen den orangen Konkurrenten nicht bestehen konnte:

Preisvergleich Easyjet–Swiss ab Basel

Hin- und Rückflug am 31.05.2015, gebucht am 22.05.2015. grafik: watson

Nach Barcelona zahlt man mit der Swiss ab Basel locker doppelt soviel wie bei Easyjet. Auch Hamburg ist deutlich teurer. Wenn man berücksichtigt, dass beim Billigflieger gegebenenfalls noch 50 bis 60 Franken fürs Kofferaufgeben anfallen, ist einzig der Flug nach Mallorca preislich konkurrenzfähig.

Selbst aus Zürich lohnt es sich

Die Preisunterschiede sind auch im Vergleich zu Swiss-Flügen ab Zürich so hoch, dass viele Passagiere die vergleichsweise lange Anreise in Kauf nehmen und ab Basel fliegen (siehe Grafik unten). Eine einfache Fahrt vom Hauptbahnhof Zürich zum Euroairport kostet mit Halbtax 18.70 Franken. Sogar die Anreise mit dem Auto rechnet sich unter Umständen: Für 86 Franken kann man am Euroairport eine Woche lang parken.

Aufgrund der höheren Flughafengebühren konkurrenziert Easyjet die Swiss in Zürich nicht direkt. Die Landung eines vollbesetzten Airbus A320 kostet dort rund 8000 Franken, doppelt so viel wie am Euroairport. Bei einem angenommenen Ticketpreis von 150 Franken (einfacher Flug) gehen bei Easyjet demnach 50 verkaufte Sitze für diese Gebühren drauf – bei total 180 Sitzen. Der Billigflieger beschränkt deshalb das Zürich-Angebot auf seine beiden Hubs London Gatwick und London Luton.

Preisvergleich Easyjet-Swiss ab Basel/Zürich

Hin- und Rückflug Anfang Juli, gebucht am 18.05.2015.    grafik: watson

Die Schlacht um Genf ist in vollem Gange

Bleibt der zweitgrösste Schweizer Flughafen, Genf Cointrin. Auch hier droht Swiss dasselbe Schicksal wie in Basel: Easyjet fliegt 69 Destinationen direkt an, mehr als die Swiss (und ihre Codeshare-Partner) mit 42. Der Billigflieger hält in der Westschweizer Metropole einen Marktanteil von über 40 Prozent, Tendenz steigend. Die Preise sind tiefer als bei Swiss.

Swiss will Easyjet in Genf dennoch die Stirn bieten und investiert kräftig. Ob die Rechnung aufgeht, ist allerdings fraglich. Anfang März musste die Airline einräumen, dass sie in Genf nach wie vor Verluste schreibt. Für Europa-Flüge aus Genf ist bereits der neue Economy-Light-Tarif buchbar, der ab 23. Juni auch ab Zürich eingeführt wird. Das Angebot orientiert sich preislich an Easyjet.

An easyJet Air Line aircraft runs on taxiway behind a Swiss International Air Lines aircraft at Geneva Airport, in Geneva, Switzerland, Tuesday, March 20, 2012. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Easyjet und Swiss am Flughafen Genf Cointrin. Bild: KEYSTONE

Das Problem ist: Swiss kann die Preis- nicht aber die Kostenstruktur von Easyjet kopieren. Mit den neuen Tiefstpreisen vermag sie dem Billigflieger vielleicht ein paar Marktanteile abzuringen – aber im Unterschied zu Easyjet wird sie damit keinen Gewinn machen. Das weiss auch CEO Harry Hohmeister: «Wenn 80 Prozent den günstigsten Tarif wählen, müssen wir über die Bücher», sagte er Mitte Mai.

Ryanair prophezeit düstere Zukunft

In einem Punkt unterscheidet sich die Konstellation in Genf von Basel: Swiss bietet hier einen direkten Langstreckenflug nach New York an. Den kann Easyjet nicht konkurrenzieren, weil die Airline nur Kurzstrecke fliegt. Auf der Langstrecke erwirtschaftet die Swiss ihren Gewinn, hier schenken die Premium-Produkte Business und First ein.

Ein Teil dieses Gewinns wird allerdings vom defizitären Europageschäft aufgefressen. Stellt sich die Frage, warum sich die Swiss das überhaupt antut. Nicht nur in der Schweiz, auch anderswo in Europa kämpfen Premium-Airlines auf der Kurzstrecke gegen die Billig-Konkurrenz.

Laut Michael O'Leary, CEO des grössten Billigfliegers Ryanair, wird sich diese Situation in den nächsten fünf bis zehn Jahren von selbst bereinigen. Fluggesellschaften wie die Swiss werden sich auf ihr profitables Langstreckengeschäft konzentrieren und die Kurzstrecken den Billigfliegern überlassen, prophezeite er im Januar. Sogar Deals schliesst er nicht aus: Ryanair und Easyjet könnten für Lufthansa, Air France und British Airways zu Zubringern werden, ihnen also die Langstreckenpassagiere zuführen.

Umfrage

Bist du bereit, für einen Europa-Flug mit Swiss mehr zu bezahlen als mit Easyjet?

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  • 37%Ja, auch weil es mir wichtig ist, dass die Swiss ihr Kurzstreckennetz behält
  • 57%Nein, auf der Kurzstrecke buche ich dort, wo es billiger ist, und das ist Esayjet
  • 5%Weiss nicht

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • 90er 30.05.2015 14:53
    Highlight Ich find die ganze Entwicklung sehr schade.
    Der Flug Basel - London City Airport war perfekt!
    In wenigen Minuten in der City, keine langen Zollkontrollen.
    Diese Strecke war auch immer sehr gut ausgelastet, insbesondere von Geschäftsleuten.
    Ich verstehe nicht wieso Swiss diesen Slot am City Airport aufgibt!
    3 0 Melden
  • kEINKOmmEnTAR 29.05.2015 23:52
    Highlight Ich bezahle gerne mehr Geld für die Swiss, noch mehr für die edelweiss air und wenn wir noch eine Schweizer Fluggesellschaft hätte würde ich sogar jeden Preis dafür bezahlen. Ich will keine Billiglienen!
    5 17 Melden
  • scnoters 29.05.2015 14:17
    Highlight Eventuell wird es den Flughafen bald nicht mehr in dieser Form geben. Denn wenn die Franzosen sich durchsetzten, was ich persönlich annehmen, dann überlegen sich alle Billig-Fluggesellschaften, ob sie noch Basel anfliegen...
    10 3 Melden
  • Friends w/o pants 29.05.2015 11:24
    Highlight Schade, die Angebote von Swiss aus Basel mit zB 99,- Return nach Nizza waren gut.
    Der Vorteil vom EAP sind seine kurzen Wege (hat unter 7 Minuten auf den Bus). Der Nachteil ist die Lage und die Erreichbarkeit mit dem ÖV.
    Für Swiss ist es sicher nur eine kurze Erholung- auch in Zürich wird die Luft enger. Der Markt konsolidiert sich-überleben werden nur die, die es schaffen, den Kunden zu bieten, was sie wollen und das ist ein Mindestmass an Service zu einem günstigen Preis. Wer Interesse hat, wird hier über die günstigsten Tickets für die Schweiz informiert: https://facebook.com/HerrAbgehoben
    7 1 Melden
  • gurix 29.05.2015 11:23
    Highlight Schaut euch mal die Doku-Serie "MayDay - Alarm im Cockpit" an, danach werdet ihr gerne ein paar Franken mehr zahlen. Ich werde auf jeden Fall nie eine Billig-Airline buchen.
    11 24 Melden
    • Friends w/o pants 29.05.2015 11:52
      Highlight Als regelmässiger Mayday-Zuschauer weiss ich, dass Billigflieger und Flugunfälle nicht in Korrelation stehen. Es gibt genügend Beispiele aus der jüngeren Geschichte, bei denen renommierte Fluggesellschaften - die nicht als Billigflieger gelten - in Zwischen- bzw. Unfälle verwickelt waren. Die Luftfahrtindustrie ist sehr stark reguliert und jeder Betreiber muss sich an klare Regeln halten
      27 2 Melden
    • gurix 29.05.2015 16:48
      Highlight Bei so wenig Unfällen ist es allgemein schwer überhaupt eine statistische Korrelation herbeizuziehen. Aber der Kostendruck ist doch ein Faktor. Übermüdete Piloten, weil sie ihr Hotel selber zahlen müssen und irgendwo schlafen. Schlechte Schulung um Trainingskosten zu sparen. Druck auf den Kapitän um den Flugplan einzuhalten. Die Liste lässt sich endlos verlängern.

      Ich persönlich will auf jedenfall einen gut bezahltes stolzes Personal das die Arbeit liebt.
      7 2 Melden
    • gurix 29.05.2015 16:50
      Highlight Ach und apropos, ist dir mal aufgefallen, dass die FAA etc. immer "Empfehlungen" abgibt und sich trotz dieser "Empfehlungen" die Unfälle wiederholen? Soviel zum Thema klare Regeln an die sich die Betreiber halten müssen.
      1 7 Melden
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