Wirtschaft

Kunden der Air Berlin warten am Flughafen Tegel auf ihren Flug. Bild: EPA/EPA

Air Berlin lässt 70 Flüge - auch in Zürich - ausfallen – weil viele Piloten «krank» sind

12.09.17, 08:16 12.09.17, 14:30

Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin streicht am Dienstag rund 70 Flüge. Betroffen in der Schweiz sind Flüge zwischen Zürich und Berlin respektive Zürich und Düsseldorf. «Der heutige Tag kostet uns mehrere Millionen Euro», teilte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann mit.

«Das, was wir jedoch heute bei einem Teil der Belegschaft sehen, ist ein Spiel mit dem Feuer»

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann

Ein stabiler Betrieb sei zwingende Voraussetzung dafür, dass die Verhandlungen mit Kaufinteressenten gelingen. Bisher seien die Beschäftigten professionell mit der schwierigen Situation umgegangen. «Das, was wir jedoch heute bei einem Teil der Belegschaft sehen, ist ein Spiel mit dem Feuer», so Winkelmann.

Rund 200 der 1500 Piloten hatten sich krank gemeldet, viele nach Unternehmensangaben erst unmittelbar vor dem Flug. Der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus warnte: «Wenn sich die Situation nicht kurzfristig ändert, werden wir den Betrieb und damit jegliche Sanierungsbemühungen einstellen müssen.»

Das Unternehmen rief betroffene Fluggäste auf ihrer Internetseite auf, nicht zum Flughafen zu kommen und sich stattdessen an die Hotline zu wenden. «Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für unsere Gäste», sagte eine Sprecherin.

Medien berichten von Piloten-Revolte

Die «Bild»-Zeitung berichtete in ihrer Online-Ausgabe, Hintergrund sei eine Piloten-Revolte, weil am Montag die Verhandlungen zum Übergang von 1200 Air-Berlin-Piloten auf den potenziellen neuen Käufer von der Geschäftsführung abgebrochen worden waren.

Grund dafür soll dem Bericht zufolge eine Auseinandersetzung über den Übergang von Piloten der insolventen Airline auf den potenziellen neuen Käufer sein.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) befürchtet, dass der Langstreckenbetrieb der Air Berlin komplett eingestellt werden könnte. VC-Präsident Ilja Schulz sagte der «Rheinischen Post» (Dienstag), es bestehe die Sorge, dass mit einer «enormen Preiserhöhung die Langstrecke so unattraktiv gemacht werden soll, dass sie noch vor der Übernahme eingestampft werden kann».

Die Flüge von Air Berlin ab Zürich heute Dienstag. Bild: DPA

Hintergrund könnte Schulz zufolge sein, dass man insbesondere die gut bezahlten Langstreckenpiloten loswerden wolle, bevor es zu einer Übergabe von Betriebsteilen komme. «Die könnte der Insolvenzverwalter bei einer Einstellung der Langstrecke sofort entlassen wollen», sagte Schulz der Zeitung. «Die Braut wird quasi für die Hochzeit hübsch gemacht. Das ist ein Skandal, den wir uns so nicht bieten lassen.»

Im Abwicklungsmodus

Erst am Montag hatte Air Berlin bekanntgegeben, ihr Karibik-Flugprogramm ab Düsseldorf zum 24. September einzustellen. Flüge auf die Niederländischen Antillen, nach Cancún in Mexiko, Havanna und Varadero in Kuba sowie in die Dominikanische Republik entfielen damit. Hintergrund sei die im Insolvenzverfahren nötige Reduzierung der Langstreckenflotte.

Die verlustreiche Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, nachdem ihre arabische Grossaktionärin Etihad die Zahlungen an die Berliner eingestellt hatte. Noch bis zum 15. September können Kaufangebote für die Fluggesellschaft abgegeben werden.

Eine Entscheidung über den Verkauf der Airline könnte schon am 21. September fallen. (cma/sda/reu/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Alterssturheit 13.09.2017 09:24
    Highlight Ich kann mich noch an die ersten Botschaften nach der ersten Mitteilung erinnern: "Selbstverständlich werden trotzdem alle Flüge der AB weiterhin durchgeführt."
    War schon damals eine sehr gewagte Aussage.
    1 0 Melden
  • Juliet Bravo 12.09.2017 14:05
    Highlight So wie es aussieht werden die Flüge, die aus der Basis Zürich geflogen werden durchgeführt. Jene, die ex TXL und DUS geflogen werden fallen aus.
    1 0 Melden
  • MaxHeiri 12.09.2017 12:37
    Highlight Die sehr gut bezahlten Langstrecken-Piloten (max. 5% der Belegschaft) gefährden die Übernahme der gesamten Airline. Ich finde dieses Verhalten sehr egoistisch
    4 3 Melden
    • Juliet Bravo 12.09.2017 16:27
      Highlight Betroffen sind aber nicht (nur) die Langstrecken. Die Kurzstrecken ex DUS und TXL werden ebenfalls "bekrankt".
      2 0 Melden
  • elivi 12.09.2017 10:06
    Highlight Ich weiss nicht wieviel das bring ne insolvente airline mit sowas noch mehr zu belasten... Klar is es nicht schön wenn die langstecken piloten ihren job verlieren, aber momentan könnte auch dir ganze airline zu grunde gehn und somit sind alle piloten betroffen. Anstatt ne hübsche braut gibts ne gemetzel, einzelteile werden gekauft, alle piloten die eventuell übernommen werden müssen nen neuen vertrag unterschreiben mit neuen bedingungen ...
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