Wirtschaft

Wars das für den A380? Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Milliarden-Fiasko

Drohendes Ende für den A380: Der Traum ist aus 

Der A380 wird für Airbus zum Fiasko, erstmals sprechen die Manager von einem möglichen Aus für das Grossflugzeug. 20 Milliarden Euro Entwicklungskosten wären futsch – Konkurrent Boeing kann triumphieren. 

11.12.14, 13:58 11.12.14, 14:20

Michael Kröger / Spiegel Online

Ein Artikel von

Vom Massentransport über den Wolken ist John Leahy innigst überzeugt. «Die Nachfrage geht stärker in Richtung der grossen Flugzeuge», erklärte der Airbus-Vorstand noch im Mai am Rande der Internationalen Luftfahrt-Ausstellung in Berlin.

Doch gross ist relativ – Kaum sechs Monate später ist in der Chefetage von Airbus die Erkenntnis gereift, dass allenfalls eine Passagierzahl von 300 plus X gemeint sein kann, wenn man von «grossen Flugzeugen» spricht. Denn Riesenflieger wie der A380, der im Extremfall Platz für mehr als 850 Menschen bietet, wollen sich einfach nicht durchsetzen am Markt. Bislang hat der Flugzeughersteller 318 Maschinen verkauft – deutlich weniger als erwartet. Gemessen am prognostizierten Bedarf hätten längst knapp 450 Verträge unterschrieben sein müssen. 

Auch hätten sich die Konzern-Strategen einen grösseren Kundenkreis erhofft. Zwar haben inzwischen 20 Airlines den Riesenjet bestellt, doch oft dienen sie nur in geringer Zahl als Vorzeigeobjekt für Prestigestrecken. Und Fluggesellschaften, die erstmals einen A380 bestellen, wollten sich in diesem Jahr überhaupt nicht finden. Der wichtigste Abnehmer ist Emirates, deren A380-Flotte in den kommenden Jahren auf 140 anwachsen soll. 

Druck von Emirates 

Bild: AP Images for Emirates/AP Images

Der Druck der Araber ist es auch, der Airbus-Chef Tom Enders jetzt zu einem halböffentlichen Rückzieher veranlasst hat. In London brachte er vor Investoren erstmals einen Stopp des Projekts ins Spiel. Denn Emirates-Chef Tim Clark drängt mit der Macht seines Grosskundenstatus' auf eine Modernisierung des Flugzeugs, zumindest aber fordert er neue sparsamere Triebwerke. 

Die Modifikationen sind jedoch bei weitem nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Zum einen, weil zwei der drei möglichen Triebwerkshersteller bereits abgewinkt haben, zum anderen, weil damit umfangreiche Änderungen an der Flügelkonstruktion notwendig werden. Insgesamt dürfte so eine Überarbeitung weitere Milliarden kosten, und es ist fraglich, ob sich das jemals rechnet. Aktuell bringt die Produktion der bestellten Flieger gerade ein bisschen mehr ein, als sie kostet. Auf der Sollseite stehen dagegen die gut 20 Milliarden Euro, die Airbus für die Entwicklung aufgebracht hat. 

Für Enders und seine Leute bedeutet die ernüchternde Aussicht gleichzeitig eine bittere Erkenntnis: Die Wette auf den A380 ist wahrscheinlich nicht mehr zu gewinnen. Ursprünglich hatte der Riesenflieger die Trumpfkarte sein sollen, um im Konkurrenzkampf gegen Boeing endgültig zu gewinnen. Auf rund 1500 hatten die Planer des Konzerns den Bedarf bis 2025 geschätzt. Basierend auf der Annahme, dass der Luftverkehr zwischen den internationalen Umsteigeflughäfen Frankfurt, Singapur, Tokio oder New York unaufhörlich weiter wächst. Tatsächlich deutet sich inzwischen aber eine ganz andere Entwicklung an. Viele Passagiere meiden die überlasteten Umsteigeflughäfen – und wählen zunehmend Direktverbindungen, beispielsweise zwischen Hamburg und New York oder Berlin und Los Angeles, ohne Zwangsstopp in Frankfurt, London oder Paris. 

Schwere Hypothek 

Bild: EDGAR SU/REUTERS

Die neuen Langstreckenflieger vom Typ 787 (Boeing) und A350 (Airbus) sind für diese Aufgabe viel besser geeignet. Sie sind leise, haben einen zeitgemässen Treibstoffverbrauch – und sie ermöglichen es den Fluggesellschaften, sehr viel flexibler auf Veränderungen der Nachfrage zu reagieren. Lieber zwei kleinere Jets als einen Riesen à la A380, lautet inzwischen die Devise. Selbst das stetige Wachstum des internationalen Flugverkehrs – die International Air Transport Association sagt ein Plus von sieben Prozent für 2015 voraus – bringt nur wenig Hoffnung, dass sich an dieser Grundannahme auf mittlere Frist etwas ändert. Zu gross ist das Risiko, mit halbvollen A380 Nachfrageflauten überbrücken zu müssen. 

Damit aber hätte Airbus ein mehr als 20 Milliarden Euro schweres Problem. Wenn die Entwicklungskosten für den A380 tatsächlich in voller Höhe abgeschrieben werden müssten, dürften auf absehbare Zeit kaum noch Reserven zur Verfügung stehen, um neue Projekte zu starten. Erzkonkurrent Boeing hätte dann nahezu uneinholbar die Nase vorn. 

Das sehen zurzeit offensichtlich auch die Investoren so. Die Aktien von Airbus Chart verloren in Paris erneut fast drei Prozent an Wert und waren damit Schlusslicht im Eurostoxx 50. Am Vortag hatten die Papiere bereits fast zehn Prozent verloren. 

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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