Wirtschaft

CEO verzichtet auf Millionengehalt – und wird dafür mit glücklichen Angestellten und neuen Kunden belohnt

16.04.15, 14:03 16.04.15, 15:51

Dan Price (30) überraschte Anfang Woche seine rund 100 Angestellten mit einer fantastischen Nachricht: 70'000 Dollar Mindestlohn für alle! Pure Nächstenliebe oder genialer PR-Gag? In letzterem Fall drängen sich für den CEO und Mitinhaber der Kreditkarten-Abwicklungs-Firma Gravity Payments in Seattle zwei Feststellungen auf: 

Es wird teuer: Finanzieren will Price den Geldsegen, indem er sein eigenes Gehalt von bislang einer Million ebenfalls auf 70'000 Dollar jährlich senkt. Zudem wird sich der diesjährige Unternehmensgewinn seiner Firma von prognostizierten 2.2 Millionen mehr als halbieren. Die Lohnerhöhung wird über drei Jahre gestaffelt eingeführt.

Es scheint zu funktionieren: Price liess die Mitarbeiter-Info auf Video aufzeichnen (siehe unten) und die «New York Times» exklusiv darüber berichten. Medien auf der ganzen Welt haben die Geschichte übernommen. «In den vergangenen zwei Tagen haben wir definitiv ein paar Neukunden gewonnen», zitiert AP einen Kundendienst-Manager von Gravity Payments.

Dan Price verkündet den neuen Mindestlohn bei Gravity Payments (Seattle, 13.04.2015). video. youtube/Watch News

Die revolutionäre Idee kam Price, nachdem er in einer Studie zweier renommierten Psychologen gelesen hatte, dass Einkommen unter rund 75'000 Dollar Menschen unglücklich machen. «Das Verhältnis zwischen einem marktgerechten CEO-Lohn und jenem eines normalen Angestellten ist absurd», sagte der Unternehmer gegenüber der «New York Times». Von Freunden wisse er genau, was es bedeutet, mit 40'000 Dollar pro Jahr einen Lebensunterhalt zu bestreiten. «Ich höre das jede Woche, und es nagt an mir», sagte er.

Als politisches Statement will Price seinen Schritt hingegen nicht verstanden wissen. In kaum einem anderen Land geht die Lohnschere zwischen CEO und Angstellten so weit auseinander wie in den USA. Ein Faktor von 300:1 ist keine Seltenheit. Seattle hat per 1. April einen Mindestlohn von 15 Dollar die Stunde eingeführt, doppelt so hoch wie der landesweit vorgschriebene von 7.50. Der neue Mindestlohn bei Gravity Payments entspricht einem Stundenlohn von 36 Dollar.

Grossraumbüro von Gravity Payments Bild: Ted S. Warren/AP/KEYSTONE

«Ich bin gerade total überwältigt», sagte Hayley Vogt (24), die 45'000 Dollar bei Gravity Payments verdient. Sie ist eine von rund 70 Angestellten, deren Gehalt nun ansteigt. 30 werden ihres sogar verdoppeln, wenn der Plan in drei Jahren vollständig umgesetzt ist.

Das Durchschnittsgehalt beträgt 48'000 Dollar. Auf 100 Mitarbeiter hochgerechnet steigen die Lohnkosten demnach um über zwei Millionen. Die eine Hälfte davon stemmt Price mit seinem Lohnverzicht, die andere kommt aus dem Unternehmensgewinn.

Jungunternehmer des Jahres

Price, der in einer 3-Zimmer-Wohnung wohnt und einen 12 Jahre alten Audi fährt, hat einen unegwöhnlichen Werdegang: Er wuchs in einer landwirtschaftlich geprägten Region in Idaho auf, kanpp 50 Kilometer vom nächsten Lebnsmittelgeschäft entfernt. Bis zum 12. Lebensjahr wurde er von seinen Eltern zu Hause unterrichtet. Gravity Payments gründete er im Alter von 19 Jahren, als er noch Student war.

Dan Price (25) trifft US-Präsident Barack Obama  screenshot: youtube/Ryan Pirkle

Der 30-Jährige macht nicht zum ersten Mal von sich reden. Sein Geschäftsmodell erlaubt es, Kleinunternehmen tiefe Gebühren für Kreditkartentransaktionen anzubieten. Die Small Business Administration, eine US-Behörde zur Förderung von Kleinunternehmen, wählte ihn deshalb zum nationalen Jungunternehmer 2010 – was ihm ein Treffen mit dem Präsidenten einbrachte.

Sein Gehalt will er bei 70'000 belassen, bis Gravity Payments wieder denselben Unternehmensgewinn wie vorher erwirtschaftet. «Es ist an uns, einen Weg zu finden, damit es funktioniert», sagte er an der Mitarbeiter-Veranstaltung am Montag. Die Gebühren für die Kunden werde er auf jeden Fall nicht erhöhen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 16.04.2015 18:02
    Highlight Ein CEO (ist in der Regel auch nur ein Angestellter) könnte kaum am VR vorbei die Kosten derart ansteigen lassen. Ob die kurzfristig aufsteigenden Kunden das nachhaltig mittragen? Da er Mitinhaber der Firma ist, kann er so etwas durchsetzen. Echt mutig. Falls die Aktien im Kurs zulegen, gewinnt er dort genug, muss sich also nicht nur mit 70k begnügen. Normalerweise steigen Aktien nur bei mehr Gewinn. Höhhere Fixkosten sind dafür Gift. Er hat scheinbar die Zuversicht, dass ihm der Trick über Mehreinnahmen gelingt. Gute PR hat er erhalten, Nachahmer wird er kaum haben.
    3 5 Melden
  • Matthias Studer 16.04.2015 17:17
    Highlight Mehr Kunden bedeutet mehr Gewinn. Die Aktien steigen an Wert. Da er der Eigentümer ist, steigert er so sein Vermögen.
    Ich meine das nicht negativ. Er geht ein echtes Risiko ein und hier unterscheidet er sich von den meisten anderen CEO.
    23 0 Melden
  • Nicoscore 16.04.2015 16:09
    Highlight Schlauer Zug! Wenn es nun bergauf geht, haben beide gewonnen. Warscheindlich hat er das nicht nur aus reiner Grosszügigkeit getan, sondern auch den unternehmerischen Wert gesehen.
    20 2 Melden
  • droelfmalbumst 16.04.2015 14:51
    Highlight Hört sich ja toll an. Bezweifle aber dass es genau so funktionieren wird.

    Aber auf jeden Fall kommt er dick in die Medien und erhöht sein Bekanntheitsgrad! Dies führt zu mehr Neukunden bzw. viele Neuaufträge.

    Fazit: Ob wahr oder nicht, gute Marketingaktion :)
    14 15 Melden
    • Gelöschter Benutzer 16.04.2015 15:08
      Highlight Kannst du deine Zweifel mit Fakten begründen? Oder entspringen diese lediglich dem Zeitgeist, sich auf Negatives zu fokussieren?
      26 6 Melden
    • sobre 16.04.2015 15:32
      Highlight Evtl. arbeitet droelfmalbumst bei der UNIA:o)
      7 7 Melden
    • droelfmalbumst 16.04.2015 15:37
      Highlight Nein, soll ja nicht negativ gemeint sein. Nur wissen wir ja wie der Mensch funktioniert und wie gierig er ist. Mag ja sein dass er anstatt Millionen zu verdienen sich mit 70k begnügt... sie müssen aber zugeben, dass ist schon etwas unglaubwürdig :P

      Lasse mich aber gerne vom Gegenteil überraschen. Bis dahin sehe ich das ganze als PR-Aktion
      8 6 Melden
    • Gelöschter Benutzer 16.04.2015 16:26
      Highlight @sombre Wohl eher bei der rechtspopulistischen SVP. Für die muss es ja unverständlich sein, dass sich ein CEO für seine Mitarbeiter einsetzt und nicht Millionen abzockt.
      13 6 Melden
    • Gelöschter Benutzer 16.04.2015 16:26
      Highlight Ich lass mal alles offen und lass mich von den Fakten überraschen.
      6 2 Melden
    • droelfmalbumst 16.04.2015 16:50
      Highlight sicher zocken viele auch ab aber wenn einer CEO ist dann weil er auch dahin gekommen ist. verdient er halt millionen... neid war noch nie gut... Werden sie halt auch CEO Banda... lol
      4 4 Melden
    • sobre 16.04.2015 17:05
      Highlight @Banda69:

      Quote ist 50:50. Fragt doch droelfmalbumst. Oder evtl. ist das ganze von CIA veranlasst... oder steck die EZB dahinter...?
      2 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.04.2015 14:40
    Highlight Guter Mann!
    22 1 Melden

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