Wirtschaft
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Nach SNB-Entscheid

Massive Verluste bei Banken und Pensionskassen 

17.01.15, 08:01

Die Turbulenzen an den Devisenmärkten wegen der Aufhebung des Mindestkurses des Frankens zum Euro hat auch bei internationalen Grossbanken für Verluste gesorgt. Deutsche Bank und Citigroup verloren nach Angaben des «Wall Street Journal» je rund 150 Millionen Dollar.

Auch die britische Grossbank Barclays und einige Hedgefonds sollen kräftig Geld verloren haben, berichtete das «Wall Street Journal» in der Nacht auf Samstag. Das Wirtschaftsblatt berief sich auf eingeweihte Kreise.

Als grösstes Opfer der SNB-Entscheidung gilt bislang ein US-Onlinebroker für Kleinanleger, FXCM. Die Firma wurde mit einem Notkredit über 300 Millionen Dollar gerettet, nachdem die Aktie um mehr als 70 Prozent gefallen war.

In den USA müssen nur 2 Prozent der gehandelten Währungssumme tatsächlich abgedeckt sein. Die Kundenverluste, die über die Einlagen hinaus gehen, müssen vom Händler ausgeglichen werden.

Britischer Broker insolvent

Der britische Wettbewerber Alpari UK meldete sogar Insolvenz an. Die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) habe zu extremen Schwankungen und zum Austrocknen jeglicher Liquidität geführt, teilte Alpari auf seiner Internetseite mit.

«Das hat zur Folge gehabt, dass die Mehrheit der Kunden Verluste erlitt, die ihr Einlagenkapital überstiegen. Wo der Kunde diesen Verlust nicht abdecken kann, wird er an uns weitergereicht», heisst es weiter.

Der kleine neuseeländische Devisenhändler Global Brokers hatte schon kurz nach dem Beschluss der SNB sein Geschäft eingestellt. Global Brokers hatte von ähnlichen Liquiditätsproblemen und Verlusten der Kunden berichtet.

Das Kapital der Firma sei aufgefressen, womit man nicht mehr den Anforderungen der Finanzaufsicht genüge, erklärten die Neuseeländer. Geschäftsführer David Johnson entschuldigte sich bei seinen Kunden, versicherte aber, dass die Einlagen sicher seien.

Milliardenverluste bei Pensionkassen

Die SNB hatte am Donnerstag völlig überraschend die Wechselkursbindung des Franken an den Euro aufgehoben. Der Franken sprang zwischenzeitlich um etwa 30 Prozent nach oben. Der Devisenmarkt wurde völlig auf dem falschen Fuss erwischt. Analysten sprachen von Panik und Chaos unter Anlegern.

Auch in der Schweiz sind die Verluste gross: Nach einer Schätzung des Beratungsunternehmens TowersWatson wurden 30 Milliarden Franken an Pensionskassenvermögen vernichtet. Der Schweizer Online-Finanzdienstleister Swissquote stellte 25 Mio. Fr. zurück. (mbu/sda/dpa/awp)

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 17.01.2015 08:37
    Highlight Was wäre wenn...
    ...Es ist zwar müssig das zu fragen.
    Doch was wäre passiert, wenn man das Halten einer Untergrenze von 1.10 angekündigt hätte und dass man in absehbarer Zeit die Untergrenze ganz aufheben würde? hätten die Spekulanten auf einen fallenden Euro, resp. verstärkten CHF gewettet? Hätte den Banken, PKs, und der übrigen Wirtschaftein solches Vorgehen geholfen? Hätte ein Überschiessen vermieden werden können. Wäre dann die Kommunikation weniger panisch? Die Massnahme der SNB ist ja einsehbar, doch die Umsetzung wirkt selbst panisch und das steckt die Märkte an. Unsicherheit ist Gift.
    2 7 Melden
    • Dubio 17.01.2015 10:40
      Highlight Mit größter Sicherheit wäre genau das passiert: Alle Wetten gegen den Euro und eine 1.10 Untergrenze wäre nur mit extrem viel Unterstützung haltbar gewesen. Keine gute Option aus der Sicht der SNB. Die Rosskur war die einzige Option.
      3 0 Melden
    • Cox 17.01.2015 10:44
      Highlight Wäre man zuerst auf z.B. 1.10 runter, wäre es wohl klar gewesen, dass die Kopplung an den Euro bald ganz fallen würde. Dann hätte die SNB ihre Bilanz noch mehr aufblasen müssen, um 1.10 zu halten.
      Die plötliche Entkopplung mag panisch wirken, war aber die beste Möglichkeit.
      6 0 Melden

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