Wirtschaft
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epa04533384 Screens show Russian President Vladimir Putin speaking at his annual news conference in Moscow, Russia, 18 December 2014. Vladimir Putin will face scrutiny from journalists with more than 1,000 gathered in Moscow on 18 December for the Russian president's end-of-the-year press conference. Global interest in the annual event is high because of the crisis over Ukraine and the recent collapse of the Russian ruble. While Putin will certainly dwell on the economy and international issues during the traditional marathon event, he is expected to take many questions from journalists from Russian provinces. His spokesman Dmitry Peskov has stressed that reporters from all of the country's 85 regions, including the recently annexed Crimea, will be present.  EPA/MIKHAIL KLIMENTYEV / RIA NOVOSTI / KREMLIN POOL MANDATORY CREDIT

Einer gegen Alle: Putin an der Pressekonferenz. Bild: EPA/RIA NOVOSTI POOL

Rundumschlag in Moskau

Putin: Die Anderen sind Schuld

Die Wirtschaftskrise in Russland? Haben «äussere Faktoren» provoziert. Fallender Ölpreis und sinkender Rubel-Kurs? Wird sich in zwei Jahren erledigt haben. Wladimir Putin äussert sich ausführlich zur ökonomischen Lage in seinem Land – vor 1200 Journalisten. 

18.12.14, 11:17 18.12.14, 17:12

Ein Artikel von

Video: YouTube/world news

Der russische Staatspräsident Wladimir Putin hat dem Ausland die Schuld an der Wirtschaftskrise in Russland gegeben. Den Wertverfall des Rubels hätten «äussere Faktoren» provoziert, sagte er bei seiner jährlichen Pressekonferenz vor 1200 Journalisten in Moskau. Allein die Sanktionen des Westens im Zuge des Ukraine-Konflikts seien «zu 25 bis 30 Prozent» verantwortlich dafür.

Die schwierige Situation derzeit könne sich unter den «ungünstigsten globalen Bedingungen» zwar über weitere zwei Jahre hinziehen und der Rubel bei einem fallenden Ölpreis weiter an Wert verlieren, sagte Putin. Die Lage werde sich aber nach und nach bessern: Da die Weltwirtschaft weiter wachse, sei es «unausweichlich», dass Russland die Krise überwinde, sagte Putin. Die bisher ergriffenen Massnahmen von Regierung und Zentralbank bezeichnete er als «adäquat». 

Schon im kommenden Jahr werde die russische Wirtschaft wieder wachsen, kündigte Putin an. Um das zu erreichen, müsse die Abhängigkeit des russischen Haushalts vom Ölverkauf reduziert werden. «Anders wird es nicht funktionieren», sagte er. 

Die Regierung in Moskau und die russische Zentralbank würden vielfältige Massnahmen zur Bekämpfung der schwersten Krise in Russland seit 16 Jahren treffen, so Putin. Dabei seien auch Einschnitte im Haushalt möglich, warnte er. Trotzdem werde das Land seinen sozialen Verpflichtungen nachkommen: «Die Lage wird sich in die Bahnen lenken», sagte Putin. 

«Sie haben nicht aufgehört, Mauern zu bauen» 

Wirtschaftsminister: «Sind selber Schuld»

Russlands Wirtschaftsminister hat den Kurs der eigenen Regierung scharf angegriffen. Mit Blick auf die Turbulenzen in der russischen Wirtschaft sagte Alexej Uljukajew: «Wir haben diesen Sturm selbst verursacht.» In einem Interview mit Tageszeitung «Wedomosti», einem Schwesterblatt der britischen «Financial Times», machte Uljukajew verschleppte Reformen für die Wirtschaftskrise verantwortlich – und «alles, was wir nicht getan haben».

In den ersten zehn Monaten dieses Jahres sei die russische Wirtschaft um 0,6 bis 0,7 Prozent gewachsen, sagte Putin. Trotz der Turbulenzen würden die Einnahmen des Staates höher als die Ausgaben ausfallen. In diesem Jahr seien die Reserven der Zentralbank sogar gewachsen, sagte er weiter. Derzeit würde die Zentralbank über 419 Milliarden Dollar verfügen – diese sollten aber nicht unbedacht verschwendet werden. Zudem biete die derzeitige Wirtschaftskrise die Möglichkeit, die russische Wirtschaft umzustellen. 

Putin äusserte sich auch zur Ukraine-Krise: Die Situation im Osten des Landes sei eine «Strafmassnahme», die Kiew herbeigeführt habe. Moskau habe etwa mit der Annexion der Krim seine Souveränität verteidigt: «Wir wollen nicht, dass jemand unser Fell an die Wand hängt», sagte Putin. Die russische Regierung sei aber bereit, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Der Kreml verfolge das Ziel, die territoriale Einheit der Ukraine zu erhalten. 

Verständnis äusserte er für russische Kämpfer in den Separatistengebieten der Ukraine: «Alle Menschen, die dem Ruf des Herzens folgen oder freiwillig an irgendeinem Kampf teilnehmen – einschliesslich in der Ukraine – sind keine Söldner, da sie dafür kein Geld bekommen», sagte er. Zudem rief er die ukrainische Regierung auf, die Wirtschaftsblockade der Separatistengebiete aufzuheben. «Die Versuche der Führung in Kiew, die Lage mit einer Blockade zu lösen, sind aussichtslos und schädlich – auch für das ukrainische Volk.» 

Für die Eskalation des Konflikts trage der Westen grosse Verantwortung. Denn nach dem Ende der Sowjetunion sei immer wieder das Versprechen gebrochen worden, den westlichen Einflussbereich in Osteuropa nicht auszuweiten. Der Westen fühle sich seither als Sieger und gehe noch immer gegen Russland vor. 

Russland hingegen habe sich nach dem Fall der Berliner Mauer gegenüber dem Westen geöffnet – «und was passierte dann?» Die Osterweiterung der Nato sei wie die Errichtung einer neuen Berliner Mauer gewesen, sagte Putin: «Sie haben nicht aufgehört, Mauern zu bauen.» Russlands Haltung zur Ukraine soll den Partnern demnach verdeutlichen, dass sie den Bau einer neuen Mauer stoppen sollten. «Wir schützen unser Recht auf Existenz», so Putin. (mxw/Reuters/AP/dpa/AFP)



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    Alle Leser-Kommentare
  • Wiederkehr 18.12.2014 17:08
    Highlight Treibt Russland nur in die Enge.....wie Japan 1941
    4 14 Melden
  • zombie1969 18.12.2014 13:57
    Highlight Die Sanktionen gegen Russland mögen kurzfristig wirken. Langfristig sind sie für Europa desaströs. Russland bleibt der wichtigste Lieferant von Öl und Gas für Europa. Da ist und bleibet Europa abhängig. Die europäische Politik glaubt immer noch, dass Wirtschaftskraft und bedrucktes Papier stärker sind als Rohstoffe. So verbündet man sich lieber mit einem durch und durch korrupten Staat wie die Ukraine, zahlt deren Gasrechnungen und verkauft dieses Verhalten dann als "Werte". Die Russen bauen derweil Pipelines Richtung China und sagen "Fuck the EU".
    13 20 Melden
  • Lumpirr01 18.12.2014 13:06
    Highlight Die missliche Lage von Russland hat viel mit ihrem Präsidenten Wladimir zu tun. Nicht vergessen ist seine umstrittene Verfassungsänderung, um möglichst lange selber an der Macht zu bleiben. Er unternimmt nichts gegen die überall im Land vorherrschende Korruption, was dazu geführt hat, dass unsere Firma trotz fixfertigem Projekt keine Fabrik gebaut hat. Die fehlende Respekt gegen / die Konflikte um die Gaspreise mit den Nachbarn sowie das Querulantentum mit den Vetos bei der UNO sorgen auch nicht unbedingt für neue Freunde. Der Aufbau einer nichtfossilen Industrie lässt auf sich warten!
    22 7 Melden
  • Angelo C. 18.12.2014 12:01
    Highlight Zum grossen Teil möchte ich da Wladimir Putin recht geben, und es komme mir Keiner mit dem oeden Spruch: "Immer diese Putin-Versteher" :-)! Tatsache ist, dass Nato und USA im Verbund mit der EU - entgegen früherer Zusagen - das grosse Land völlig eingekesselt haben, sich auch in Dinge im Vorhof desselben eingemischt haben, die sie nur bedingt etwas angehen. Man hat auch nichts unversucht gelassen, Russland und seine Regierung durch eine sich stets unnötigerweise häufende Vielzahl von Sanktionen zu destabilisieren. Was teilweise gelungen ist. Ob aber darüber ungeteilte Freude herrschen sollte? Ich würde es dem Westen, seinen Banken und Investoren von Herzen gönnen, wenn das Pendel zurückschlägt und auch sie für diese Neukonstruktionndes kalten Krieges massiven Schaden erleiden würden. Ausgleichende Gerechtigkeit, könnte man sowas nennen....
    32 42 Melden
    • Lowend 18.12.2014 12:26
      Highlight Sie haben aber eine sehr selektive Wahrnehmung und sogar Gorbatschow widerspricht ihrer Darstellung, denn er sagt ganz klar, dass nie davon die Rede gewesen sei, dass sich die ehemaligen Sowjetrepubliken, die nach dem Zusammenbruch der UdSSR freie Länder wurden, nicht dazu entscheiden durften, sich der NATO anzuschliessen. Sie verteidigen das Denken des kalten Krieges, nur diesmal stellen sie sich, aus lauter Hass auf die freie Welt, die ihnen übrigens solche Meinungsäusserung überhaupt ermöglicht(!), auf die Seite des Diktators aus Moskau. Warum lieben die Rechten eigentlich starke Führer?
      44 21 Melden
    • Angelo C. 18.12.2014 12:51
      Highlight Lowend: Woher wollen Sie wissen, was ihr "freier Westen" den Nachfolgeregierungen Gorbatschows und der UdSSR versprochen haben? Woher wollen Sie wissen, ob ich nicht mehr ausgewogener Denker denn Rechter bin? Und kommen Sie mir ja nicht mit dem "freien Denken und der Moral des Westens", zumal sich diese wohl kaum in NSA-Affären, US-Invasionskriegen, Foltermethoden und permanenten Menschenrechtsverletzungen weltweit erschöpft. Während der europäische Vasall schön brav im Gleichschritt marschiert, mit stetem hündisch unterwürfigen Blick zum Big Master jenseits des Atlantiks. Schauen Sie nur das groteske Beispiel Merkels an, im Anschluss an ihr vom grossen Bruder abgehörtes Privat- und Staatshandy - zum totlachen oder erbrechen.... und sowas finden Sie frei, löblich und über russische Zweifel erhaben?
      7 17 Melden
    • droelfmalbumst 18.12.2014 12:59
      Highlight putin, merkel, obama... bla bla wie die alle heissen.
      als ob die sich für was anderes interessieren als für ihr bankkonto. prio 1 ist eigene taschen füllen.. prio 2 ist eigene taschen füllen und prio 3 ist eigene taschen füllen...

      alles andere ist dann augenwischerei, dummschwätzerei und der menschheit auf den sack gehen
      3 21 Melden
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