Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Artists perform during the opening ceremony of the XXII Winter Olympics 2014 Sochi at the Fisht Olympic Stadium in Sochi, Russia, on Friday, February 7, 2014. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Eine Szene aus der bombastischen Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Sotschi.  Bild: KEYSTONE

Wie in Russland die Politik zu einer Reality-TV-Show wurde

Wladimir Putins «gelenkte Demokratie» rüstet sich zur nächsten Mega-Show. Am 18. September finden nationale Wahlen statt – doch entscheidend ist, was am Fernsehen gezeigt wird.

10.09.16, 18:59 12.09.16, 01:56


Wenn am 18. September die Russen aufgerufen sind, ihr Parlament – die Duma – neu zu bestellen und 450 Abgeordnete zu bestimmen, dann gibt es rein oberflächlich betrachtet nichts zu bemängeln. Es gibt eine Regierungspartei, «Vereinigtes Russland», die den Präsidenten, Wladimir Putin, stellt, und es gibt eine Opposition, und alle dürfen ihr Kreuz auf ihren Wahlzettel malen, so wie es sich für eine ordentliche Demokratie gehört.

epa05382998 A general view of the Russian State Duma, lower chamber of the Parliament, in Moscow, Russia, 22 June 2016, during the last session for the State Duma on the completion of work by the current deputies. Russian leader Vladimir Putin summed up the five year term of the State Duma line-up and set the date of the election to the State Duma of the seventh convocation on 18 September 2016.  EPA/SERGEI ILNITSKY

Innenansicht der Duma, dem russischen Parlament. Bild: SERGEI ILNITSKY/EPA/KEYSTONE

Alles nur Schein. Wer sich ernsthaft gegen Putin auflehnt, lebt gefährlich. Boris Nemzow, der bedeutendste russische Oppositionelle, wurde am 27. Februar 2015 direkt vor dem Kreml erschossen. Er stammte aus der Stadt Jaroslawl, die als aufmüpfig gilt. Auch Jewgenij Urlaschow, Bürgermeister von Jaroslawl, politisierte nicht stramm auf dem Putin-Kurs. Er wurde wegen angeblicher Korruption von seinem Posten entfernt und zu zwölfeinhalb Jahren Arbeitslager verurteilt.  

Wie einst in der DDR

Was sich heute als Demokratie gebärdet, ist ein schlechter Witz. Drei Parteien, die Kommunisten unter dem greisen Gennadi Sjuganow; eine Art Sozialdemokraten, die sich «Gerechtes Russland» schimpfen; und eine faschistoide Partei, die sich perverserweise Liberaldemokraten nennt, bilden die vermeintliche Opposition. Wie einst in der DDR stimmt diese Opposition jedoch stets mit der Regierung.  

Daran wird sich auch nichts ändern. Andrej Kolesnikow, Analyst beim Carnegie Moscow Centre, erklärte kürzlich in der «Financial Times»:

«Die Wähler haben keinerlei Hoffnung mehr, dass sich durch die Wahlen etwas ändern wird. Das Problem des russischen Systems liegt heute darin, dass es sich nicht mehr durch Wahlen verändern lässt.»

Putin will keine Demokratie nach westlichem Vorbild. Er selbst spricht von einer «gelenkten Demokratie». Schon bei seinem Amtsantritt als russischer Präsident liess er daran keinen Zweifel aufkommen. Der russische Journalist Arkady Ostrowski beschreibt dies in seinem Buch «The Invention of Russia» wie folgt:

«Er (Putin, Anm. d. Red.) versicherte, dass Russland niemals eine Kopie von Grossbritannien oder Amerika werden würde, wo liberale Werte eine lange historische Tradition haben. Russland habe seine eigenen Werte. Dabei handelt es sich um Patriotismus, Kollektivismus und die Vorherrschaft des Staates.»

Ostrowski arbeitet heute für den «Economist».

epaselect epa04707060 Russian man passes TV screens with Russian President Vladimir Putin an annual Q&A (question-and-answer) nationwide live-broadcast TV and radio session in Moscow, Russia, 16 April 2015. During the session Vladimir Putin said that lifting of international sanctions should not be expected in near future and Russia should make use of them to promote its own development.  EPA/SERGEI ILNITSKY

Putin am russischen TV. Der Bildschirm regiert die Politik. Bild: SERGEI ILNITSKY/EPA/KEYSTONE

Russische Politik spielt sich nicht primär in der Duma, sondern in den Medien ab, vor allem am TV. Alle bedeutenden Medien werden heute vom Staat kontrolliert. Das war nicht immer so.   Schon in der Ära von Michail Gorbatschow wurde die einst straffe Zensur der russischen Medien gelockert.

Ein gemässigt liberaler Journalismus wurde in den Achtzigerjahren geduldet. In den wilden Neunzigerjahren gab es tatsächlich Pressefreiheit. Boris Jelzin war zwar ein Säufer, aber ein toleranter. Wenn ihm die Berichterstattung am Bildschirm nicht passte, dann schaltete er das Gerät aus.

Putin und die Fernbedienung

Ganz anders Wladimir Putin. Bei ihm ist die TV-Fernbedienung das wichtigste Arbeitsinstrument. Minutiös verfolgt er, wie die Medien über ihn berichten. Gefällt ihm etwas nicht, dann greift er entschlossen durch.

Der ehemalige Oligarch und NTV-Gründer Wladimir Gussinski. Er wurde von Putin verjagt.

Kurz nach Amtsantritt begann Putin, die Medien an die Leine zu nehmen. Sein erstes Opfer war der TV-Sender NTV. Dieser gehörte ursprünglich dem Oligarchen Wladimir Gussinski und setzte sich für Marktwirtschaft und Liberalismus ein. Vor allem kritisierte NTV den Krieg in Tschetschenien. Das war sein Untergang. Gussinski wurde gezwungen, NTV an Gazprom zu verkaufen und zu verschwinden. Heute lebt er in Israel.

Die liberalen Journalisten wurden zu zynischen Demagogen

NTV wurde am 14. April 2001 in einer Art Militäraktion gestürmt. Die liberalen Journalisten und ihre Chefs wurden entlassen. Doch Journalisten sind nicht selten zynische Opportunisten. «Viele von denen, die 2001 aus den NTV-Studios gestürmt waren, kehrten bald zurück und boten ihre Dienste den neuen Machthabern an», schreibt Ostrowski. «Sie verwandelten NTV schliesslich in einen überaus bösartigen TV-Kanal, selbst nach den Standards des Staatsfernsehens.»

Die kurze Phase der Liberalität unter Jelzin hat nicht zu liberalen Medien geführt. Die russische TV-Landschaft verwandelte sich zunehmend in eine riesige Reality-Show, in der Zynismus regierte und Manipulation selbstverständlich war. Die TV-Macher handelten nach der Maxime, wonach alles machbar war und sich die Realität beliebig verbiegen liess. Ausführlich beschrieben wird diese groteske Welt von Peter Pomerantsev in seinem Buch «Nichts ist wahr und alles ist möglich».

Putin reagiert auf Demonstrationen

Die Big-Brother-Mentalität setzte sich auch in den Nachrichtensendungen durch, vor allem nach 2012. Der dank hohen Ölpreisen verwöhnte russische Mittelstand war zunächst wenig begeistert von der Charade, die Putin mit seiner Wiederwahl als Präsident aufführen liess. Es kam zu heftigen Protesten, an denen trotz bitterer Kälte Zehntausende teilnahmen.  

«Russland riskiert eine Überdosis von Hass und Aggression.»

Arkadi Ostrowski

Putin reagierte sofort. Nationalismus begann die Medienwelt zu beherrschen. Die Eröffnungsfeier zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi wurde zu einer bombastischen Show der russischen Werte und war an Pathos nicht zu übertreffen. Kaum war die Show vorbei, wurde sie von der Realität eingeholt. Putin annektierte die Krim. «Es war eine TV-Show, deren Kosten nicht in Milliarden von Dollar gezählt wurden, sondern in tausenden von Menschenleben», stellt Ostrowski fest.

Russian President Vladimir Putin (L) meets with U.S. President Barack Obama on the sidelines of the G20 Summit in Hangzhou, China, September 5, 2016. Sputnik/Kremlin/Alexei Druzhinin/via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. EDITORIAL USE ONLY.     TPX IMAGES OF THE DAY

Sie mögen sich nicht wirklich: Putin und Obama. Bild: SPUTNIK/REUTERS

Die Annexion der Krim hat die russischen Medien endgültig wieder in eine Staatspropaganda-Maschine verwandelt. Unablässig wird den Zuschauern eingetrichtert, Russland sei von Feinden und Verrätern umzingelt und der Dritte Weltkrieg sei bloss noch eine Frage der Zeit. Selbst der gebildete Mittelstand beginnt, diese Botschaft zu glauben, denn TV-Bilder wirken wie eine Droge.

Trump bewundert Putin

«Russland riskiert eine Überdosis von Hass und Aggression», warnt Ostrowski. «Die Euphorie und der Rausch des Nationalismus können nicht einfach wie ein TV-Gerät wieder abgeschaltet werden: All diese aufgeputschten Gefühle werden nicht einfach verschwinden.»  

Das gilt auch für den Westen. Der grösste Fan von Wladimir Putin ist bekanntlich Donald Trump, und die Tendenz, die Politik in eine Reality-Show zu verwandeln, ist auch im Westen unübersehbar geworden.

So tickt Putin – privat wie politisch

Alles rund um Putin

Wie Putin den Nationalismus entdeckte – und was das für den Westen bedeutet

7 Gründe, weshalb er der gefährlichste Mann der Welt ist

Cold War reloaded: Wenn Blicke töten könnten

Putin und Trump haben je einen Neuen – und mit denen wird's jetzt richtig gefährlich

Weshalb die Russen die Sanktionen super finden

Wirtschaftskrieg mit Russland: Wie stark ist Putins neue Rote Armee?

Können wir uns die Amerika-Hasser noch leisten?

Warum gibt es immer noch Linke, die Putin feiern?

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

62
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
62Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Beobachter24 17.09.2016 23:27
    Highlight Das mit der gelenkten Demokratie stimmt sogar.

    Allerdings:
    80% der Russen stimmen dem zu.
    10% wünschen sich dem Kommunismus zurück.
    und 10% sind Nationalisten à la Zhirinovsky.

    Na und? Wenn das dem Russischen Volk das passt, ist doch alles okay? Was hat uns das zu kümmern?

    Zum Rest sag ich mal nix, ausser dass es Loepfe-Behauptungen sind.
    1 1 Melden
    • rodolofo 18.09.2016 12:45
      Highlight Ich glaube, Du hast nicht begriffen, wie die geschundene "Russische Seele" tickt!
      Ich selber vermutlich auch nicht, aber aus meinen "Schnupperbesuchen" im ehemaligen Ostblock glaube ich, gewisse Grundzüge zu erahnen:
      In einer Diktatur passt sich die Zivilgesellschaft an die Unmöglichkeit einer offenen Meinungsäusserung an, indem sie "indirekt" zu sprechen beginnt.
      Menschen reden über alltägliche Dinge und meinen damit die Politischen Verhältnisse.
      Einige verwenden die doppelte Verneinung, andere verehren Jesus Christus, als einen Oppositionellen, der vom Imperium und dem Mob gekreuzigt wurde.
      2 0 Melden
    • Beobachter24 18.09.2016 15:47
      Highlight @rodolofo

      An der Ergründung der Russischen Seele habe ich mich nur im Einzelfall versucht :-)
      2004 war meine erste (aber nicht letzte) Reise nach RU. Damals hielt ich Putin für ein A…h (dank NZZ) und Patriotismus für etwas Negatives. Seit 2004 verfolge ich Putins Wirken rel. akribisch.
      Meine Einschätzungen beruhen auf persönlichen Kontakten, dem Lesen russ. Zeitungen, Blogs u. Literatur.
      Eine negative Haltung gegenüber Putin kenne ich v.a. von Leuten, die nicht mehr in RU leben.
      Was Gorbi und Jelzin anbelangt, sind sich alle, die ich kenne, einig.
      Mit mehr als 600 z. könnte ich das ausführen.
      2 0 Melden
    • Beobachter24 18.09.2016 16:08
      Highlight @rodolofo - II

      Meine engsten Kontakte waren zur Zeit des System-Wechsels ungefähr im Pionier-Alter (vgl. https://goo.gl/9JbK9a).

      Meine Ex-Schwiegermutter war während der Jelzin-Zeit nahe am Verhungern, war Putin sehr dankbar dafür, dass er ein +/- gescheites Renten-System eingeführt hat, wird ihm das nie vergessen und gibt einen Scheiss auf Pressefreiheit. Sie ist aus einer ländlichen, rel. armen Gegend (Nord Kaukasus, KBR).
      Intellektuelle Städter mögen das anders sehen.

      Alter, persönliche Erfahrungen und Bildung sind wohl wichtig was die „Haltung“ anbelangt.
      2 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Echo der Zeit 11.09.2016 20:42
    Highlight Gute Reportage über Russische Grossstädte - Propaganda Frei - Nadvoizy und Kachkanar – Russlands Monostädte im Niedergang - http://www.srf.ch/sendungen/international/nadvoizy-und-kachkanar-russlands-monostaedte-im-niedergang
    2 1 Melden
  • rodolofo 11.09.2016 13:40
    Highlight Die Sowietunion ist zurückgekehrt und hat sich an die neue Zeit angepasst.
    Der "Russische Frühling" unter Gorbatschow mit Glasnost und Perestroika dauerte nur kurz.
    Übermütig treibende Kräuter und Blümchen wurden gemäht, oder sind im eisigen Frost, der seit Putin's Machtübernahme herrscht, erfroren.
    Eine Lügen-Babuschka ist kaputt gegangen:
    Diejenige vom Sozialismus.
    Darunter ist die (etwas kleinere) Faschistische Lügen-Babuschka zum Vorschein gekommen.
    Wir müssen diesen Lauf der Dinge akzeptieren und versuchen, das "Reich der Verlogenheit" wenigstens auf den Fernen Osten zu begrenzen.
    11 10 Melden
    • pique dame 11.09.2016 15:54
      Highlight Sie meinen matrjoschka. Babuschka ist die Grossmutter ;)
      18 0 Melden
    • rodolofo 11.09.2016 16:06
      Highlight Ich meine diese Figürchen, in denen immer eine weiteres, kleineres Figürchen drinsteckt, wenn man sie öffnet.
      Ich hatte beim schreiben noch das Gefühl, dass Babuschka nicht das richtige Wort ist für diese Figürchen.
      Also Matrjoschka.
      Wieder etwas gelernt!
      7 2 Melden
    • Beobachter24 17.09.2016 23:43
      Highlight rodolofo und sein Halbwissen :-)

      Ich weiss, dass Du relativ "beratungsresistent" bist, trotzdem:

      Matrjoschka ≠ Babushka
      Russische Föderation ≠ Sowjetunion
      Patriotismus ≠ Faschismus

      P.S. Auch wenn wir „Wessis" Gorbi geliebt haben; in Russland hält man sehr wenig bis gar nix von ihm.

      P.P.S. Seien wir mal froh, dass ein besonnener Patriot und nicht ein Faschist das Zepter in der Hand hält.
      Zhirinovsky wird ein Treppenwitz bleiben. Aber wenn die wiederauferstandene Parnas von Kasyanov und neuerdings Maltsev weiterhin mit US$ hochgegpäppelt werden, dann kann das so richtig hässlich werden.
      1 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Emperor 11.09.2016 02:01
    Highlight Der arme Putin ist ein lupenreiner Demokrat! Er wird nur von der bösen Westpropaganda so böse dargestellt! Richtig Böse!
    27 17 Melden
  • stan1993 11.09.2016 00:36
    Highlight der Kommentar trieft ja vor lauter Propaganda.
    21 20 Melden
    • phreko 11.09.2016 01:56
      Highlight Ja dann erzähl mal, wie siehst du es?
      15 8 Melden
  • Soli Dar 10.09.2016 23:19
    Highlight Na ja Hauptsache 'wir sind die Guten' und Hauptsache wir haben unsere Feindbilder.
    36 16 Melden
  • Luca Brasi 10.09.2016 22:34
    Highlight Rußland will seine eigenen Werte hochhalten und nicht eine Kopie des liberalen Westens sein? Wieso bedienen sich dann die patriotischen Russen dann ständig bei Ideen vom Westen? Zar Peter lernte Technik in Holland und konnte so St. Petersburg aus einem Sumpfgebiet erschaffen. Kirchen, etc. wurden mit künstlerischer Hilfe von Italienern erschaffen und man wollte mit dem Newski Prospekt eine eigene Champs d'Elysée errichten. Dann läßt man mit der deutschen Zarin Katharina auch noch aufklärerische Ideen ins Land und bedient sich noch bei Marx. So patriotisch können Russen also gar nicht sein. ;)
    33 9 Melden
  • oel 10.09.2016 22:12
    Highlight Viele Putin freundliche Kommentare hier. Haben Putins Kommentarschreiber Watson entdeckt?
    42 43 Melden
    • Ivan der Schreckliche 10.09.2016 23:41
      Highlight Nein, stell dir vor es gibt verschiedene Meinungen!
      38 18 Melden
    • phreko 11.09.2016 02:00
      Highlight Haha, ich lach mich schlapp: ivan der schreckliche behauptet anderes...
      16 13 Melden
  • smoking gun 10.09.2016 20:38
    Highlight Ihre Einschätzung finde ich ok. Was sie zu erwähnen vergessen haben, ist die Tatsache, dass fast überall auf der Welt so regiert wird.
    28 29 Melden
    • roger.schmid 10.09.2016 20:55
      Highlight nein. wird es nicht.
      40 32 Melden
    • smoking gun 10.09.2016 21:14
      Highlight @roger.schmid: Trump oder Clinton? Chaos oder Krieg?
      25 27 Melden
    • roger.schmid 10.09.2016 21:38
      Highlight @ smoking gun: werden in westeuropäischen und nordamerikanischen ländern Oppositionelle und Journalisten regelmässig erschossen und verhaftet? werden staatliche tv-stationen von einer Partei kontrolliert?
      38 17 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Maett 10.09.2016 20:34
    Highlight Berechtigte Kritik an der russischen "Demokratie" mit dem Fall Nemzow zu vermischen, macht den Artikel leider wieder mal ziemlich kaputt. Selbst wenn Russland inzwischen ein brutales Regime wäre, wäre Nemzow nicht ansatzweise eine Gefahr dafür gewesen, wie auch alle anderen Oppositionspolitiker.

    Das Land leidet unter der Tatsache eine Demokratie haben zu wollen, obwohl man (russ. Regierung) weiss, dass das Land so mittelfristig nicht überlebensfähig (siehe 90er) wäre, deshalb wird im Hintergrund das offensichtlich erfolgreichere chinesische System eingeführt.

    Schön? Nein. Aber verständlich.
    30 21 Melden
    • rodolofo 11.09.2016 13:54
      Highlight Nemzow war eine Gefahr für das Putin-Régime.
      Darum ist er jetzt auch tot.
      7 6 Melden
    • Maett 13.09.2016 15:36
      Highlight @rodolofo: Nemzow war nicht mal annährend eine Gefahr für die russische Regierung. Warum auch? Nemzow hatte ja keine Macht und keinen Einfluss, auch Wähler hatte er kaum welche.

      Zumal Russland sich über diese Diskussion nicht im mindesten freut, das schadet Putin höchstens. Der einzige der profitiert, ist Kadyrow. War vielleicht auch ein Warnschuss in Richtung Regierung, ohne sich gleich mit Putin direkt anzulegen, in dem man eine ihm nahestehende Person um die Ecke bringt.

      Kadyrow wäre es darüber hinaus auch ohne weiteres zuzutrauen.

      Nur leider kann man Kadyrow nicht loswerden...
      1 1 Melden
    • rodolofo 13.09.2016 21:36
      Highlight Ich kann das nicht wissen, aber wenn ich beobachte, wie das "System Putin" bisher funktioniert hat, dann wäre Kadyrow in Tschetschenien das, was Assad in Syrien ist:
      Ein Brutalo-Herrscher, der für Friedhofsruhe sorgt in einer Russischen Kolonie.
      Der Brutalo-Herrscher wäre ohne die Unterstützung durch die Russische Armee nicht lebensfähig, übernimmt dafür als Gegenleistung Auftragsmorde. Kadyrow's Killer können Oppositionelle, welche sich Putin's Alleinherrschaft entgegenstellen, eliminieren, ohne dass der Verdacht auf Putin selber fällt.
      Ein lokaler Mafiaboss erweist so dem Ober-Paten die Ehre
      0 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • NikolaiZH 10.09.2016 20:20
    Highlight Nemzow ist bei the way aus sochi, das weiss glaube jeder, wer schon ein bisschen russland kritisch denkt...
    12 10 Melden
  • Herbert Anneler 10.09.2016 20:18
    Highlight Eindrücklicher Beitrag! Wenn man sich vor Augen hält, dass vor Kurzem einer der Vizepräsidenten der SVP - derjenige aus dem Wallis - im russischen TV Putins Russlan als Vorbild für die Schweiz bezeichnet hat, muss einem schlecht werden!
    49 22 Melden
  • NikolaiZH 10.09.2016 20:18
    Highlight Sieht man löpfe drauf, weiss man was drin ist...
    36 33 Melden
    • Herbert Anneler 10.09.2016 22:24
      Highlight Klar! Wo Löpfe drauf steht, lohnt es sich, zu lesen, und oft ist man klüger als zuvor. Er ist ja für seine Leser da, nicht für Wladimir. Und im Notfall: Im unserem Land ist nicht nur die Meinung frei (bei watson gibt es dafür Blitzli UND Herzli), sondern wir haben zwischen den Ohren auch noch einen Apparat zum Denken. Wir nennen es Hirn...
      22 25 Melden
    • Datsyuk * 10.09.2016 23:54
      Highlight Herbert Anneler, auch Russinnen und Russen haben Gehirne. Ein Herz haben sie auch.
      22 5 Melden
    • Datsyuk * 11.09.2016 01:22
      Highlight Guter Vorschlag.
      11 4 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • NWO Schwanzus Longus 10.09.2016 20:15
    Highlight Im Osten nichts neues. Könnte man über jedes Land in dieser Region sagen.

    Aber auch bei uns im Westen ist es gleich. Die Parteien unterscheiden sich in vielen Punkten gar nicht und bilden einen einzigen Block gegen eine Opposition wie in vielen Ländern. Die Volksparteien arbeiten da alle Zusammen gegen eine Opposition die andere Werte vertritt als die des Neoliberalismus, Globalismus, Schuldenwirtschaft, Interventionismus. Wo stehen wir da besser da? Gar nicht denn gerade unsere Demokratie wurde von den Lobbys vergewaltigt.
    25 31 Melden
    • The Destiny // Team Telegram 10.09.2016 20:26
      Highlight Man könnte lobbys auch mit Delphinen vergleichen und unsere Demokratie mit einem toten Fisch.
      Die lobbys würden es mit allem machen was sie in Reichweite bekommen.

      16 13 Melden
    • roger.schmid 10.09.2016 20:29
      Highlight wo "wir" im Westen besser da stehen? da kommen mir spontan schon einige Sachen in den Sinn:

      - Freiheit
      - Freie Presse
      - Meinungsäusserungsfreiheit
      - Xenophobie und Homophobie sind noch nicht Salonfähig
      - Nationalismus ist noch im Rahmen
      usw. usf...
      33 18 Melden
    • Nikolai 10.09.2016 22:03
      Highlight roger.schmid, tut mir leid, nein stehen wir nicht. Im Westen gibt es auch Rassismus und Homophobie. Nationalismus ist noch im Rahmen? Hast du dir mal den Blocher oder Mörgeli angehört? Trump villeicht? Le pen? Gerade ist UK aus der EU ausgetreten, obwohl es wirtschaftlich keinen Sinn macht. Über "Freiheit" kann man sich streiten. Es ist eine Frage der Anschauung. Die mehrheit der russen sind der meinung sie hätten mehr Freiheit wie wir. Nur ein naiver Mensch würde denken, dass wir im Westen freie Presse haben. Da ich in der Schweiz lebe, englisch und russisch beherrsche kann ich das beurteilen
      16 16 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ivan der Schreckliche 10.09.2016 20:03
    Highlight 1. Beweise für den Zusammenhang zwischen Nemzov und Putin?
    2. Kein einziger Schuss wurde auf der Krim abgegeben, tausende Menschenleben reine Polemik.
    3. Demokratie ist ein langjähriger Prozess, dieses Land gibt es seit 27 Jahren, wie lange war die schweizer Demokratie eine "Einparteienherrschaft", wie lange ging es bis zum Stimmrecht der Frauen?
    4. Dass es sich um eine gelenkte Demokratie handelt, daran kann nicht gezweifelt werden, nur stelle ich mir das äusserst schwer, ein Land mit sovielen Minderheiten, einer dermassen grossen Fläche demokratisch zu leiten, siehe China, USA, Indien usw.
    28 34 Melden
    • roger.schmid 10.09.2016 20:13
      Highlight jaja, whatabout.. überaschend.. 😆
      22 22 Melden
    • The Destiny // Team Telegram 10.09.2016 20:24
      Highlight @roger.schmid, haben sie auch etwas zum Argumentieren zu sagen oder trollen sie einfach gerne ?

      Punkt 3. und 4. kann man nicht als whataboutism bezeichnen, da sie nicht das Sachverhalt von zbsp. "Russland ist schlecht, aber schaut euch mal die USA an..."
      23 13 Melden
    • roger.schmid 10.09.2016 21:12
      Highlight @ destiny: denke schon, dass ich meistens argumentiere.

      ..und manchmal troll ich auch einfach die Trolle.. geb ich zu. kann ich nicht lassen. 😎
      20 11 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • roger.schmid 10.09.2016 19:56
    Highlight Starker Artikel, der die Dinge beim Namen nennt. Dies wird unseren fleissigen Freunden des Kremls hier natürlich gar nicht gefallen und ein Sperrfeuer von b.s auslösen.. Doch kein einziger abstruser Kommentar von denen wird die Wahrheit vernebeln können - im Gegenteil. Es ist nur Beweis für die bösartige Propaganda des Kremls. Jeder der 1+1 zusammen zählen kann weiss was läuft..
    36 29 Melden
  • Kookaburra 10.09.2016 19:53
    Highlight Na ja. Um unsere Politik steht es auch nicht viel besser. Der Liberalismus äussert sich vor allem im Neoliberalismus und der Herrschaft der Wirtschaft. Der Antinationalismus im Kontinentalismus, Gleichschaltung, der Herrschaft der Globalisierung und der multinationalen Konzerne, während der Schein nach verschiedenen Parteien zwar gewahrt wird, aber alle Parteien dem Geldlobbyismus verfallen sind und auch wenn niemand gemordet wird, so sind die Kreuze unserer Abstimmungen auch nichts mehr Wert, wenn die Mehrheitsmeinung der Wirtschaft nicht gefällt.
    Das Resultat ist unter dem Strich dasselbe.
    27 16 Melden
    • Herbert Anneler 10.09.2016 22:16
      Highlight Wer unsere Demokratie schlechtjammert, wird diese auch bekommen. Wir müssen für eine funktionirende Demokratie kämpfen, sonst übernehmen die Putins und Blochers etc. die Macht. Dann geht es uns wirklich elend.
      15 9 Melden
  • The Destiny // Team Telegram 10.09.2016 19:46
    Highlight TL;DR

    Russland is eine gelenkte Demokratie und mit der Pressefreiheit hat es sich in etwa gleich.
    Nichts neues aus dem Osten.
    20 3 Melden
  • Lowend 10.09.2016 19:23
    Highlight Ein sehr guter Artikel über den Zustand und die Geschichte der gelenkten russischen Demokratie und ich kann jetzt schon förmlich die Mail- und SMS-Alarme der Putin-Fans hören, die sich gegenseitig über diesen unerhörten Artikel austauschen und überlegen, wie man diesen unverfrorenen Autor am effektivsten angreift.

    Pop-Corn ist bereit und ich wünsche Herr Löpfe jetzt schon gute Nerven, aber auch viel Spass, beim nun folgenden "Hau den Philipp"! Wer heute die Wahrheit über Putin's Russland schreibt, lebt leider gefährlich.
    ;-)
    34 26 Melden

Der Staat soll Stillpausen für berufstätige Mütter bezahlen

Im ersten Lebensjahr des Kindes haben Mütter Anrecht auf bezahlte Stillpausen, finanziert vom Arbeitgeber. Im Alltag werde dieses Recht aber oft missachtet, sagt eine Expertin. Deshalb soll neu die Erwerbsersatzordnung (EO) dafür bezahlen, fordert eine Nationalrätin.

Wie familienfreundlich ist der Schweizer Arbeitsmarkt? Das Thema ist hochpolitisch: Stichworte sind etwa Krippenfinanzierung, Tagesschulen oder Vaterschaftsurlaub. Weniger im Fokus von Politik und Medien hingegen steht das Thema Stillen am Arbeitsplatz. Das könnte sich nun ändern. Eine vor Kurzem eingereichte Motion verlangt jetzt, die Stillpausen zukünftig durch die Erwerbsersatzordnung EO zu finanzieren.

Eigentlich ist die heutige Sachlage klar. Per 1. Juni 2014 wurde das Arbeitsgesetz …

Artikel lesen