Wirtschaft

Urs Schäppi: «Die Swisscom ist kein Staatsbetrieb, sondern eine börsenkotierte Firma.»
Bild: KEYSTONE

Swisscom-Chef: «Der Erfolg der Swisscom rührt nicht daher, dass wir eine geschützte Werkstatt wären.»

13.12.15, 10:52 13.12.15, 11:05

Swisscom-Chef Urs Schäppi wehrt sich gegen Kritik, wonach der Branchenprimus den Wettbewerb bremse und als Staatsbetrieb implizit Vorteile geniesse.

«Die Swisscom ist kein Staatsbetrieb, sondern eine börsenkotierte Firma mit einer Marktkapitalisierung von 26 Milliarden Franken», sagt er im Interview mit der «SonntagsZeitung». Der Bund habe zwar eine knappe Mehrheit, aber ein Blick auf die strategischen Ziele zeige, dass der Mehrheitseigentümer der Swisscom den unternehmerischen Freiraum lasse.

In einem Bericht der OECD hingegen kommt die Swisscom schlecht weg, weil sie als ehemalige Monopolistin immer noch höhere Marktanteile hat als Konkurrenten. Die OECD forderte gar eine vollständige Privatisierung. Schäppi hingegen sagt: «Der Erfolg der Swisscom rührt nicht daher, dass wir eine geschützte Werkstatt wären.»

Konkurrenzkampf mit Google und Facebook

Er bezeichnet die Swisscom als Innovationsleader. Telekom und Informatik sei das Kerngeschäft, auch wenn Swisscom in diversen Geschäftsfeldern wie TV aktiv sei.

«Es wird immer gesagt, die Swisscom sei überall dabei. Das stimmt nicht. Wir machen nichts anderes, als unser Kerngeschäft und unsere Fähigkeiten im Zuge der Digitalisierung in andere Branchen zu bringen», sagt Schäppi.

Angesprochen auf die neue Werbeplattform, welche die Swisscom zusammen mit den Medienhäusern Ringier und SRG betreiben will, sagt Schäppi, dass es im Konkurrenzkampf mit Google und Facebook eine Wettbewerbsdynamik gebe, der sich Schweizer Unternehmen stellen müssten.

Werbung muss demnach gezielt auf Kunden gerichtet werden können. Es gehe nicht um mehr Werbung, sondern um relevante Werbung aus Kundensicht. Die Grundidee sei, anonymisierte, aggregierte Kundengruppen zu erstellen. Diese Kundengruppen - Schäppi nennt als Beispiel jüngere Autointeressierte in einer bestimmten Region - werden nur mit Werbung bedient, die sie interessiert. Swisscom liefere aber den Medienhäusern Ringier und SRG keine Detaildaten. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rendel 13.12.2015 16:11
    Highlight Ist doch gut, wenn der Bund die Mehrheit der Aktien hat, schliesslich haben die Einwohner die Infratruktur finanziert. Jeder Bürger sollte dann eigentlich an den Ausschüttungen partizipieren können und Gewinne gutgeschrieben bekommen.

    Ich bin gegen vollkommene Privatisierung von allem, vor allem wenn Bürger mit ihren Steuergeldern da schon viel reingesteckt haben, dann sollen sie auch profitieren. Man sollte die Bürger als Mitaktionäre sehen. Dann ist alles in Ordnung.
    8 0 Melden
  • Amboss 13.12.2015 12:47
    Highlight natürlich erbringt die Swisscom gute Leistungen.
    Einen extremen Wettbewerbsvorteil hat sie dennoch: Sie könnte alle Kunden von der PTT übernehmen, die Konkurrenz muss sich richtig in den Markt kämpfen.

    Und da die Schweizer extrem wechselfaul sind bleibt dieser Vorteil noch jahrzehnte bestehen.

    Die OECD-Kritik ist schon berechtigt...
    15 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 13.12.2015 12:08
    Highlight aber das defakto monopol haben sie immernoch....!!!
    6 8 Melden
    • Gelöschter Benutzer 13.12.2015 13:04
      Highlight Wo denn?
      3 3 Melden
    • Oberon 13.12.2015 13:27
      Highlight z.B Glasfasernetz...
      5 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 13.12.2015 14:03
      Highlight alles was mit telefonie und deren übertragungstechnik zu tun hat, wie leitungen, zentralen, hausanschlüsse, ...

      und wie bereits anderwo erwähnt bakam die swisscom ag diese sehr wichtige und relevante technologie als brautgeschenk vom staat, nachdem die bürger es bereits via steuern in den letzten jahrzehnten bezahlt hatten.

      fairness sieht in meinen augen anders aus...

      aber das gilt bei/für ALLE quasimonopolisten ...
      8 2 Melden
  • Hierundjetzt 13.12.2015 11:46
    Highlight Er hat bis zu einem gewissen Grad Recht.

    Aber: Der Erfolg der Swisscom rührt daher, dass der Steuerzahler die komplette Infrastruktur bezahlt hat und auch weiter bezahlt.

    Die Swisscom nach wie vor ein Regiebetrieb des Bundes ist, wie die Post, die SBB, RUAG et al. Das blendet der Herr immer wieder gerne aus.

    Innovation schön und gut aber kann mir jemand erklären, warum die Swisscom selbstfahrende Autos entwirft? Gehört das wirklich zum Kerngeschäft? Ich denke nein.
    21 3 Melden
    • viella 13.12.2015 13:44
      Highlight Swisscom entwirft keine selbstfahrenden Autos. Sie versucht zu verstehen, was Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren, Internet der Dinge usw. für Anforderungen an ein Netz stellen wird. Das solche Infrastrukturausbauten naturgemäss ihre Zeit brauchen, muss man früh die Nase im Wind haben.
      8 3 Melden
    • Hierundjetzt 13.12.2015 16:25
      Highlight viella: Das ist ein etwas armer Versuch einer Erklärung. Ein Begründung ist das nicht.

      Nocheinmal: Warum muss eine Telefonfirma Zukunftstechnologien abseits vom Kerngeschäft verstehen? Warum nicht gleich Pharamforschung betreiben? Oder Möbel bauen? Gehört das jetzt wirklich in die Kernkompetenz eines Bundesbetriebes mit diesen hohen Telcopreisen? Als Bundesbetrieb: Nein. Als 100% dem Markt ausgesetzte Firma: Sicher, warum nicht (würde Sie dann aber nicht mehr machen)
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