Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Von der ZKB nach 35 Jahren ausgemustert – und dann beim Job-Interview am Infarkt gestorben

17.08.15, 16:25


Reto Werners* Beerdigung ist am Dienstag, den 18. August. Der Banker ist nur 51 Jahre alt geworden – und die Umstände seines Todes sind erschütternd: Reto Werner arbeitete gut 35 Jahre für die Zürcher Kantonalbank, bevor die ihn loswerden wollte. Beim Bewerbungsgespräch bei der St.Galler Kantonalbank versagte sein Herz: Er starb am 3. August an einem Infarkt. 

In ihrer Todesanzeige für den «hilfsbereiten und loyalen» Mitarbeiter schrieb die ZKB, man werde ihn «in dankbarer und guter Erinnerung behalten». Bild: KEYSTONE

Aufgedeckt wurde dies vom Finanzblog «Inside Paradeplatz». Reto Werner* sei seit seiner Lehre bei der ZKB gewesen: Sein Fall belege, wie stark der Druck auf ältere Mitarbeiter im Bereich Private Banking geworden ist, analysiert der stets gut informierte Finanzblog. Die Bank habe versucht, intern etwas Neues für den Mitarbeiter zu finden, als der Infarkt ihn während des Job-Interviews aus dem Leben riss.

Ausgemustert

«Der plötzliche Tod von Reto Werner* hat uns alle überrascht und sehr betroffen gemacht.», sagte eine Mitarbeiterin gegenüber «Inside Paradeplatz». Hinter vorgehaltener Hand wird aber auch kritisiert, dass «ein neuer Ton» herrsche, «ständig neue Forderungen» an die Angestellten gestellt werden und besonders die älteren Kollegen unter den «rauen Sitten» leiden würden. 

Das Grundproblem sei, dass bei der ZKB im Private Banking grosse Ziele verkündet würden, denen keine Taten folgten. Anstatt die Strategen zu bestrafen, müssten Angestellte und Kaderleute wie Reto Werner die Zeche zahlen: Sie würden durch jüngere, günstigere Leute ersetzt. Reto Werner sei «äusserst beliebt bei den Kunden» gewesen und brachte es bis zum Vizedirektor  – bis er «nicht mehr genügt» habe. 

CEO Martin Scholl will die ZKB im Private Banking besser aufstellen. Bild: KEYSTONE

Der Banker hatte trotz des internen Vermittlungsversuchs wohl zum ersten Mal seit 35 Jahren auch externe Angebote geprüft, berichtet «Inside Paradeplatz». Nun bleibt seinen Angehörigen nur noch, den Mann zu Grabe zu tragen.

* Name geändert

(phi)

Abonniere unseren Daily Newsletter

9
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • HerrGerold 17.08.2015 22:49
    Highlight Hach inside paradeplatz, der Zürcher Wallstreet-Blick. 😂
    4 6 Melden
  • mia_zwellweger 17.08.2015 18:26
    Highlight Echt jetzt Watson? Inside Paradeplatz ist eure Quelle? Kommt schon, das könnt ihr besser.
    7 15 Melden
    • elivi 17.08.2015 19:25
      Highlight Ja der blog is keine offizielle quelle, watson hätte um ein offizielles statement bitten sollen. Aber was der blog so preisgibt ist nicht gerade erfunden .... man kann also davon ausgehen es stimmt. Aber vielleicht wurde er nicht ausgemustert ... sonder was anderes war der grund ....
      15 3 Melden
  • dracului 17.08.2015 18:07
    Highlight Ein Freund von mir wurde von einer Grossbank mit 53 und fast 35 Dienstjahren einfach auf die Strasse gesetzt. Kaum 1 Jahr später starb er.
    Für solche und ähnliche Spezialfälle sollte man andere Lösungen finden. Im HR gibt es leider nur noch wenig Menschen, die genügend Empathie und Feingefühl für solche Fälle haben oder haben dürfen. Firmenloyalität zahlt sich eben nie aus!
    46 1 Melden
    • blueberry muffin 03.09.2015 14:28
      Highlight Das ist wirklich Schade. Vorallem wie wenig Gewicht heute auf Loyalitaet gelegt wird.
      0 0 Melden
  • Zeit_Genosse 17.08.2015 17:22
    Highlight Mit den dargebotenen Informationen aus der Quelle "Inside Paradeplatz" könnte man jetzt einfach mal auf potenziell Schuldige losgehen. Bevor wir über die Banken herziehen, lasst den Angehörigen doch die Zeit der Trauer und für ein Begräbnis ohne Mediengeschrei.
    8 15 Melden

Abweisende Vegetarier, skeptische Metzger – das Laborfleisch hat fast keine Freunde

Die Nachricht machte am Dienstagmorgen schnell die Runde. Die Coop Tochter Bell Food Group investiert in kultiviertes Rindfleisch. Mit rund 2.3 Millionen Franken beteiligt sich der Schweizer Fleischproduzent am holländischen Start-up Mosa Meat, das bereits seit Jahren am Fleisch tüftelt, das kein Leben auf dem Gewissen hat. Am Fleisch, das die ganze Branche auf den Kopf stellen könnte.

Der Schweizer Fleisch-Fachverband SFF winkt ab. «Wir sehen mittelfristig keine Bedrohung für die …

Artikel lesen