Wirtschaft

«Imageschädigend und despektierlich gegenüber den hohen Standards der dualen Berufsbildung»: Hans-Ulrich Bigler kritisiert die vom Bundesrat lancierte Flüchtlingslehre.
Bild: KEYSTONE

Gewerbeverbands-Direktor Bigler will nichts von Flüchtlingslehre wissen: «Das weckt falsche Hoffnungen»

Der Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands (sgv), Hans-Ulrich Bigler, kritisiert die Flüchtlingslehre. Das jüngst vom Bundesrat lancierte Programm schwäche die duale Berufsbildung.

04.03.16, 03:40

Eine einjährige Flüchtlingslehre, wie sie das Staatssekretariat für Migration (SEM) im vergangenen Dezember als Pilotprojekt vorgestellt hatte, sei «eine direkte Schwächung» der heute im dualen Bildungssystem anerkannten Berufslehre, sagte Bigler in einem Interview mit dem «Blick» vom Freitag. «Dieser Titel suggeriert Kompetenzen, die die Absolventen nach dem Einjahresschnellkurs nicht haben können.»

Für Bigler ist die Flüchtlingslehre «imageschädigend und despektierlich gegenüber den hohen Standards der dualen Berufsbildung». Zudem wecke das Angebot «vor allem falsche Hoffnungen bei den Flüchtlingen». Die Wirtschaft könne Personen, «die bloss eine Schnellbleiche durchlaufen» hätten, nicht aufnehmen.

Der sgv-Direktor schlägt vor, die zweijährige Attestlehre solle auch von Flüchtlingen genutzt werden. Der Bund würde besser bestehende Strukturen stärken. Zudem könne er Projekte finanzieren, um abzuklären, welche Fähigkeiten und Eignungen Flüchtlinge hätten.

Das SEM hatte im Dezember mitgeteilt, in einem Abklärungsverfahren würde getestet, ob die Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen Potenzial, Motivation und Beharrlichkeit für die Teilnahme am einjährigen Pilotprogramm mitbringen würden.

Einst von Blocher initiiert

Um die Berufsaussichten für anerkannte Flüchtlinge zu verbessern, hatte der damalige Justizminister Christoph Blocher bereits im September 2006 das Pilotprojekt einer «Flüchtlingslehre» lanciert. Rund 50 Personen nahmen daran teil. 2013 kündigte Staatssekretär Mario Gattiker an, Bund und Kantone würden intensive über eine Wiederaufnahme des Projekts beraten.

Im vergangenen Dezember schliesslich kam ein vierjähriges Pilotprogramm für eine einjährige Flüchtlingslehre auch als als Stärkung der flankierenden Massnahmen gegen die Zuwanderung aufs Tapet. Laut dem Bundesrat sollten jährlich rund 1000 Personen daran teilnehmen. Die Gesamtinvestitionen werden im Jahr 2017 festgelegt und belaufen sich auf maximal 54 Millionen Franken. (wst/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Brehynfak 04.03.2016 10:03
    Highlight Bigler hat recht. Die meisten Flüchtlinge sind auf unserem Arbeitsmarkt nicht gefragt, und daran kann eine 1-jährige Flüchtlingslehre sicher nichts ändern, eine ordentliche Lehre dagegen kann, aber auch nur vielleicht, etwas daran ändern.
    Für Flüchtlinge müsste ein neuer Arbeitsmarkt für Unqualifizierte geschaffen werden, z. B. als Hausmädchen gegen Kost und Logis. Zudem könnten alle Asylanten zu gemmeinnütziger Arbeit verpflichtet werden, als Gegenleistung für die staatlichen Zuwendungen, die sie geniessen, z.B. Unrat Sammeln in Pärken und Wäldern, Schuheputzen am Bahnhof, u.a.
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  • Schneiderlein 04.03.2016 07:11
    Highlight Wer ein Flüchtlingsheim einrichtet, will damit das traute Heim weder schädigen noch despektierlich behandeln. Eine Flüchtlingslehre ist ein Instrument, welches der ausserordentlichen Situation genüge tut und als schnelle Massnahme integrative Schritte ermöglicht. Nur weil Bigler-Ideen profilierungssüchtig und untauglich sind heisst dies noch längst nicht, dass alle Ideen profilierungssüchtig und untauglich sind. Herr Bigler sollte tunlichst erst denken und dann reden, ansonsten "weckt er falsche Hoffnungen". Seine Aussagen "suggerieren Kompetenzen", die ihm leider abgehen.
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  • Wilhelm Dingo 04.03.2016 06:33
    Highlight Bräuchte es für Flüchtlinge nicht eher eine reguläre Ausbildung welcher ein zusätzlicher Sprachteil angehängt wird? Meist können Flüchtlinge ja sehr schlecht deutsch und das ist meist der grösste Hinderungsgrund auf dem Arbeitsmarkt.
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