Wirtschaft

Kinder bei der Goldgewinnung in Burkia Faso.
Bild: NOOR

Kinderarbeit: Tonnen von Gold gelangen aus Togo in Schweizer Raffinierie, dabei gibt es in Togo gar keine Goldminen

10.09.15, 13:12

Jedes Jahr importiert die Schweiz tausende Tonnen Minengold. Gemäss einem aktuellen Report der Erklärung von Bern soll ein Grossteil davon aus dem westafrikanischen Burkina Faso stammen, wo es von zehntausenden Kindern geschürft werden soll. Hauptabnehmer ist laut der NGO eine Raffinerie im Tessin.

Jedes Jahr gelangen mehrere Tonnen Gold aus Togo in die Schweiz – dabei wird in dem westafrikanischen Land gar kein Gold abgebaut. Die Erklärung von Bern (EvB) hat in einem am Donnerstag veröffentlichen Report die Herkunftswege des Rohstoffs nachgezeichnet:

Recherchen vor Ort ergaben, dass ein Grossteil des Goldes aus «handwerklich betriebenen Minen» im westafrikanischen Burkina Faso stamme. 30 bis 50 Prozent der dortigen Mitarbeiter sind gemäss EvB noch minderjährig. Das Edelmetall werde «unter prekärsten Bedingungen» gefördert und anschliessend über Schmuggler in das benachbarte Togo gebracht.

Dort soll laut der NGO ein libanesischer Familienkonzern das Gold aufkaufen, der es wiederum an eine Tochtergesellschaft in Genf liefert.

Raffinerie «analysiert» Vorwürfe

Von dort gelange die Fracht zur grössten Schweizer Raffinerie, der Valcambi SA – sie liegt unweit der italienischen Grenze in Balerna TI. Fast 1000 Tonnen Rohgold sollen dort im letzten Jahr verarbeitet worden sein.

Das Unternehmen werde die Vorwürfe «analysieren», sagte der Generaldirektor der Valcambi SA am Mittwochabend gegenüber der Online- Ausgabe der Westschweizer Tageszeitung «Tribune de Genève». Er bedauerte zugleich, dass die Erklärung von Bern dem Unternehmen keine Beweise für die Vorwürfe vorgelegt hätte. Man bereite derzeit eine weitere Stellungnahme zu den Anschuldigungen vor, sagte eine Sprecherin der Valcambi SA am Donnerstag auf Anfrage.

Laut einem Bericht der SRF-Sendung «Rundschau» vom Mittwochabend haben Schweizer Firmen eine freiwillige Selbsterklärung unterschrieben, die Lieferkette des Goldes genau zu überprüfen. Eine staatliche Überwachungsinstanz gibt es dagegen nicht.

Die Einrichtung einer solchen «Aufsichtsbehörde analog der Finma» hatte der SP-Nationalrat Cédric Wermuth (AG) im vergangenen Herbst in einem Postulat gefordert. Der Bundesrat beantragte die Ablehnung, weil bereits «umfangreiche Arbeiten» zur Förderung der sozialen Verantwortung der Unternehmen und zur Erhöhung der Transparenz begonnen worden seien und deshalb eine «spezifische Aufsichtsbehörde» nicht nötig sei. (whr/sda)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • next_chris 11.09.2015 07:09
    Highlight ja ich zweifle daran, weil ich weit und breit keine sehe. und ich sehe und kenne tausende small scale miners. ich brauche dazu keinen internet link sondern schau mir das selbst an.
    alle freiwillig da um geld zu verdienen, da sie mehr verdienen im vergleich zu einem polizisten zum beispiel.
    was nicht heisst dass sie viel verdienen, aber dass ist eine andere frage.
    0 2 Melden
  • Homme de la Rue 11.09.2015 02:34
    Highlight So ein schöner Satz...

    "...weil bereits «umfangreiche Arbeiten» zur Förderung der sozialen Verantwortung der Unternehmen und zur Erhöhung der Transparenz begonnen worden seien und deshalb eine «spezifische Aufsichtsbehörde» nicht nötig sei."
    0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 10.09.2015 21:05
    Highlight wer daran zweifelt, dass es kinderarbeit in den (& illegalen) goldminen gibt der soll mal danach googeln...

    https://www.google.ch/search?q=children+work+in+gold+mine

    und auf deutsch mit treffer bis ende 2005, sollte jemand denken, es sei ein neuzeitliches problem.
    https://www.google.ch/search?q=kinderarbeit+goldminen&client=safari&hl=de&tbas=0&biw=320&bih=460&prmd=inv&source=lnt&tbs=cdr%3A1%2Ccd_min%3A%2Ccd_max%3A31.12.2005&tbm=
    2 0 Melden
  • next_chris 10.09.2015 14:36
    Highlight ich bezweifle stark dass wirklich kinder in diesen minen arbeiten. normalerweise findet man teenager ab 15 jahren, aber die findet man auch auf jedem bauernhof. btw wovon sollen diese familien leben wenn man ihre produkte boykotiert? es gibt keine alternative arbeit in der region.
    3 15 Melden
    • Gelöschter Benutzer 10.09.2015 21:16
      Highlight "btw wovon sollen diese familien leben wenn man ihre produkte boykotiert?"

      das problem ist aber, dass man für eine feinunze gold (~31.1g) hier über us$ 1000.- zahlen muss, die (kinder)arbeitenden bekommen aber nur ein butterbrot, als "tüpfli ufs i" quecksilbervergiftung und ein tägliches 12h todesfallrisiko in den ungesicherten minen obendrauf...

      wenn wenigstens die geleistete arbeit fair entschädigt, die minen und die raffinierung sicherer wären usw...
      6 0 Melden
  • frankyfourfingers 10.09.2015 13:53
    Highlight so läufts halt; und dann beklagt mann sich über Wirtschaftsflüchtlinge...
    16 1 Melden

«Asyl-Algorithmus»: Ein Programm soll Flüchtlinge vor der Arbeitslosigkeit bewahren

Forscher der ETH-Zürich entwickelten einen Algorithmus, der die Arbeitslosigkeit bei Asylsuchenden drastisch senken soll. Neu sollen Flüchtlinge nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern anhand von Faktoren wie Alter, Herkunft und Sprache auf die Kantone verteilt werden.

Wer in der Schweiz einen Asylantrag stellt, wird vom Bund einem Kanton zugewiesen. Die Verteilung findet computergesteuert und nach Zufall statt. Das heisst, es kann gut sein, dass ein Asylsuchender, der fliessend Französisch spricht, in ein Asylheim in der Deutschschweiz kommt.

Grund für die zufällige Verteilung: Asylsuchende sollen möglichst gleichmässig auf die verschiedenen Kantone verteilt werden und es soll keine ethnische Gruppe überproportional häufig in einem Kanton vorkommen.

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