Wirtschaft
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Freitag-Taschen waren gestern – jetzt drängt ein neuer Schweizer Abfall-Veredler auf den Markt 

Kambodscha, Bosnien, Italien, Schweiz. Das sind die Länder, die in jeder Elephbo-Tasche stecken. Die Idee dafür hatte der junge Zürcher Nicolas Huxley. Er macht aus alten asiatischen Zementsäcken Designerstücke. Davon profitiert nicht nur er selber. 



Tausende Touristen sind schon drüber gestolpert, haben sich über sie genervt. Oder sie einfach nicht beachtet. Armen Einheimischen hingegen dienen sie zum Schutz vor Sonne oder Regen. Die Rede ist von gebrauchten Zementsäcken, die in Ländern wie Kambodscha auf Wegen und Strassen herumliegen, die Felder verschmutzen.  

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Gebrauchte Zementsäcke: In Kambodscha ein gewohntes Bild.

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Auch Nicolas Huxley war vor vier Jahren Tourist in Kambodscha. Im Gegensatz zu anderen hatte er nicht nur Augen für die einmaligen Tempel dieses Landes, sofort fielen ihm die Zementsäcke auf. Für ihn waren sie schon damals nicht einfach Abfall. Er nahm die Säcke in die Hand, war überrascht, wie robust sie sind, entdeckte die verschiedenen Embleme auf ihnen, die Farben. Huxley sensibilisierte sein Auge, entdeckte, wie vielseitig die Einheimischen die Zementsäcke verwendeten: Sie deckten damit Holz ab oder transportierten Früchte vom Markt in ihre Hütten. 

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Nicolas Huxley mit einer kambodschanischen Mitarbeiterin. 

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Huxley reiste weiter. Mit den Zementsäcken im Hinterkopf, mit der Idee, aus ihnen etwas herzustellen, das in der entwickelten Welt gefragt sein könnte. 

Heute macht Huxley nichts anderes mehr als für seine Vision zu arbeiten. Für sein Modelabel, das er Elephbo getauft hat. 800 Designer-Taschen, Portemonnaies und Kulturbeutel hat er mittlerweile hergestellt und über die Crowdfundig-Plattform Kickstarter 34'000 Franken dafür generiert. Damit möchte er nicht nur Profit erzielen, unter anderem will er das Bewusstsein der Kambodschaner für Müll schärfen. 

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Produkte aus der aktuellen Kollektion.

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Er nahm sich während seinem Asien-Aufenthalt also nicht einfach nur vor, etwas zu verändern; er setzte seine Gedanken um. Von Hongkong aus, wo er damals ein Auslandsemester absolvierte, machte er sich immer wieder auf nach Siem Reap, das ganz in der Nähe der kambodschanischen Tempelanlage Angkor Wat liegt. «Zugegebenermassen war das rückblickend schon fast naiv», sagt Huxley im Gespräch mit watson. Er ging auf Märkte, auf Baustellen, versuchte mit möglichst vielen Einheimischen zu reden. Wegen der Sprachbarriere war das alles andere als einfach. Sein Ziel: Menschen zu finden, die die Zementsäcke einsammelten, reinigten und zuschnitten. Dabei stiess er auf Tuktuk-Fahrer Komnit Nil. Dieser half ihm beim Übersetzen, stellte wichtig Kontakte her. Gemeinsam fanden sie Mitarbeiter, sammelten Säcke von Müllhalden, bauten ein Häuschen mit zehn Nähmaschinen und stellen erste Prototypen von Taschen aus Zementsäcken her. 

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Vom Student zum Unternehmer 

Nicolas Huxley arbeitete nach seinem Managementstudium an der ZHAW in der IT-Abteilung der Credit Suisse. Danach war er Berater bei Ernst & Young. 2014 gründete er das Label Elephbo. Ein Jahr später beschloss er, sich seiner Firma zu 100 Prozent zu widmen und verliess Ernst & Young. Der 27-jährige Zürcher beschäftigt in der Schweiz zwei weitere Mitarbeiter. Beide studieren nebenbei. In Bosnien sind für das Start-up sechs und in Kambodscha zehn Angestellte tätig. Es sind alles keine Vollzeit-Stellen. Elepho-Produkte sind vorerst nur online zu bekommen. Bald schon dürften sie aber in einer Boutique in Zürich im Schaufenster stehen. Huxley:« Viele Menschen wollen die Taschen anfassen, bevor sie sich dafür oder dagegen entscheiden.» Diesem Wunsch wolle er nachkommen. (feb)

Schritt für Schritt professionalisierte Huxley die Abläufe. Zuerst entschied er sich, die Taschen mit Leder aus Italien zu veredeln. «Eine Kombination aus gebrauchtem Material und teurem Leder, das gab es bisher nicht», sagt Huxley. Die verarbeiteten Zementsäcke aus Kambodscha liess er in die Schweiz schiffen, hier fand die Verarbeitung mit dem italienischen Leder zum Endprodukt statt. Rasch merkte Huxley, dass dies hier zu teuer ist. Ein neuer Plan musste her. 

«Egal, wie arm ein Land ist, ich finde es besser, aus Abfall etwas herzustellen, statt diesen einfach zu verbrennen.»

Nicolas Huxley, Elephbo

Durch eine Freundin stiess er auf einen Betrieb in Bosnien. Einen Familienbetrieb. Wie in Kambodscha war ihm auch hier der direkte Kontakt wichtig. Nichts soll anonym sein, nichts zu gross. Auch hier liess er Prototypen des weiterentwickelten Produktes herstellen, auch dafür reiste Huxley mehrere Male ins Land. Es funktionierte. Heute setzt der Jungunternehmer auf die kleine Produktionsstätte im Osten. 

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So produziert der Familienbetrieb in Bosnien.

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Die Geschichte seines Start-ups liest sich schön: Etwas zur Lösung des Abfallproblems in Kambodscha beitragen, ein bisschen das taumelnde Italien unterstützen, Arbeitsplätze in Bosnien schaffen und die Marke Schweiz in die Welt hinaustragen. Aber ist es nicht ein bisschen arrogant zu meinen, Bewohner eines der ärmsten Länder der Welt hätten keine anderen Sorgen als ihren Müll richtig zu entsorgen? Egal, wie arm ein Land sei, er finde es besser, aus Abfall etwas herzustellen, statt diesen einfach zu verbrennen, verteidigt Huxley seine Idee. In Zukunft wolle er noch mehr für den besseren Umgang mit Abfall tun, sich dafür einsetzen, dass das Thema in Schulen vor Ort behandelt werde. Und: «Durch Schulungen in der Textilverarbeitung, die wir anbieten, durch das Nähen lernen, möchte ich den Kambodschanern zeigen, wie sie selbständig Geld verdienen können.» 

«Wir legen den Fokus mehr auf den sozialen Einfluss in Entwicklungsländern als Freitag.»

Nicolas Huxley, Elephbo

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Was in Kambodscha und Bosnien entsteht, ist «en vogue» in der Schweiz.

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Zweiter Kritikpunkt: Ist Elephbo nicht einfach eine Kopie der Freitag-Taschen, bei denen durch die Wiederverwertung von Lastwagenplanen ebenfalls ein Upcycling stattfindet? «Der Vergleich kommt immer wieder», räumt Huxley ein. Elephbo lege den Fokus aber mehr auf den sozialen Einfluss in Entwicklungsländern als Freitag. «Es profitieren bewusst nicht nur Mitarbeiter in der Schweiz, wir zahlen in Kambodscha, wie auch Bosnien überdurchschnittliche Löhne.» Zudem trage Elephbo durch das seriöse Abfall-Management-Projekt in Siem Reap ernsthaft etwas zur Verbesserung der Umwelt bei. Man mache dies nicht einfach aus Image-Gründen. Zehn Prozent des Umsatzes gehen zurück nach Kambodscha. 

Vielleicht wird dies schon bald in anderen Ländern geschehen. Dank der Aufmerksamkeit über die globale Plattform Kickstarter sind Huxley Anfragen ins Haus geflattert aus Nigeria, den Philippinen und Bangladesch. «Wir prüfen die neuen Länder und entscheiden später», sagt Huxley dazu. In Kambodscha muss auf jeden Fall niemand mehr alte Zementsäcke sammeln. Vor kurzem konnte Huxley Kooperationen mit mehreren Baufirmen vor Ort abschliessen. Angestellte wie Taxifahrer Nil können sich dadurch anderen Aufgaben widmen. Nil ist nun für die Qualitätskontrolle zuständig. 

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Dieses Video zeigt die Idee hinter Elephbo.
YouTube/Nicolas Huxley

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    Alle Leser-Kommentare
  • iNDone 18.07.2016 22:30
    Highlight Highlight Das nennt man dann wohl Unovation.
  • Stefan Kramer 18.07.2016 15:35
    Highlight Highlight Da wünsch ich doch viel Glück! Ganz so neu ist ja das Material nicht und auch bereits in der Schweiz erhältlich. Auf der Website sind jedenfalls viele Produkte bereits reduziert, obwohl sie erst Mitte September lieferbar sind. Das liegt jetzt entweder am enormen Erfolg oder aber am mangelhaften Supply-Chain-Managment. Von seiner Idee überzeugt ist der gute Herr ja schon einmal, schliesslich hat er sich das Firmenlogo auf die Brust tätowieren lassen...
  • Alpöhy 18.07.2016 03:30
    Highlight Highlight Hehe, wer hats erfunden ?
    Das gibts in Indonesien schon seit über 10 Jahren. Nebst den Zementsäcken werden auch Reissäcke recycliert. Kulturbeutel, Umhängetaschen, Geldbeutel usw und alles Made in Indonesia.
  • Raphael Stein 17.07.2016 23:11
    Highlight Highlight hehe, da ist der Felix Burch aber einem guten Selbstdarsteller und Ideenklauer aufgesessen.
    Das Zeugs gab es vor vier Jahren schon in Rom zu kaufen. In der Schweiz verkaufte ein Berner vor 3 Jahren ziemlich stylische Laptoptaschen und Umhängetaschen auf dem Markt. Aber Marketing machts.
    • Felix Burch 18.07.2016 23:25
      Highlight Highlight Wo schreibe ich denn, dass diese Idee niemand zuvor hatte?
  • manolo 17.07.2016 20:24
    Highlight Highlight Kalter Kaffee! In Kambodscha werden die Zementsäcke schon lange weiterveredelt ! Ich habe vor 3 Jahren eine ipadtasche aus alten Zementsäcken auf dem Markt gekauft!
  • Randy Orton 17.07.2016 18:59
    Highlight Highlight Schön. Und die armen Kambodschaner decken ihre Hütten und transportieren die Früchte jetzt mit den 800 Dollar taschen? Oder müssen sich die eine neue Idee suchen und der Herr verdient sich eine goldene Nase an einem Produkt, dass es schon gab?
  • Karin Fischer 17.07.2016 16:19
    Highlight Highlight FREITAG ist so was von HEUTE!!!
    • kafi 18.07.2016 01:02
      Highlight Highlight Danke.
  • Karl Müller 17.07.2016 14:53
    Highlight Highlight Mal spontan nach "cambodia cement bags" gegoogelt, und siehe da: Produkte aus gebrauchten kambodschanischen Zementsäcken sind schon lange für den urbanen, trendigen und umweltbewussten Westler käuflich zu erwerben. Vor allem Taschen. Im Artikel wird aber der Eindruck erweckt, als sei dies eine Pionier-Idee von Nicolas Huxley gewesen.
    • The Writer Formerly Known as Peter 17.07.2016 16:01
      Highlight Highlight Dem ist so. Der Herr scheint vor allem ein gutes Selbstmarketing zu machen. Ich war vor 3 Jahren unterwegs in Kambodscha. Die Taschen wurden dort überall verkauft. Was er zu machen scheint, ist sie mit Leder zu veredeln.
    • Flying Zebra 17.07.2016 16:07
      Highlight Highlight yep! ich besitze nämlich schon seit über vier Jahren einen solchen Rucksack den ich damals in Kambodscha gekauft habe :)) der mit dem Elefanten drauf :)
    • Mia_san_mia 17.07.2016 16:34
      Highlight Highlight Super und die machen einen Bericht als wäre er der Erste der auf eine solche Idee gekommen ist 😒
    Weitere Antworten anzeigen
  • illuzion 17.07.2016 14:34
    Highlight Highlight ein weiterer Unternehmer aus der schweiz, der billig länder ausnutzt und die leute da verarscht um im westen dann den müll teuer zu verkaufen, arbeiten mit geld und Budgets ist immer ein knallhartes Geschäft aber meist geht es nur um jemanden zu bereichern, der rest verdient nichts davon, man ist denn froh dumme gefunden zu haben wo billig produzieren, in der schweiz kann man das denn wieder als Schweizer Produkt vermarkten und überteuert verkaufen, kein Unternehmer ist ein Weltverbesserer, geht alles nur um Geld
    • Maett 17.07.2016 16:02
      Highlight Highlight @illuzion: Ihr Wirtschafts-Knowhow ist ja geradezu beeindruckend.

      "meist geht es nur um jemanden zu bereichern": stimmt genau, darum geht es in der Wirtschaft. Gut beobachtet!

      "der billig länder ausnutzt": wenn das Schaffen von Arbeitsplätzen ein Ausnutzen darstellt, dann stimme ich zu.

      "den müll teuer zu verkaufen": das Produkt ist zwar tlw. aus Müll bestehend, aber nicht Müll an sich. Mir gefällt es zumindest.

      "der rest verdient nichts davon": doch, es werden Löhne bezahlt. Viel Geld machen kann aber nur der, der die Idee umgesetzt hat.

      Und so weiter :-)
  • demokrit 17.07.2016 14:10
    Highlight Highlight "Etwas zur Lösung des Abfallproblems in Kambodscha beitragen, ein bisschen das taumelnde Italien unterstützen, Arbeitsplätze in Bosnien schaffen und die Marke Schweiz in die Welt hinaustragen." - Kurzum Güter ein bisschen zwischen Meerengen hin und her verschieben. Wer glaubt, damit etwas zur Lösung der Umweltfrage geleistet zu haben ("Zudem trage Elephbo durch das seriöse Abfall-Management-Projekt in Siem Reap ernsthaft etwas zur Verbesserung der Umwelt bei"), betreibt doch nur Öffentlichkeitsbeschwindelung.
    • demokrit 17.07.2016 14:24
      Highlight Highlight Siehe:
      Play Icon
    • SJ_California 17.07.2016 14:40
      Highlight Highlight Da bin ich anderer Meinung. Wenn du für eine Tasche zuerst das Hauptmaterial herstellen musst brauchst du Rohstoffe und Energie und erzeugst dabei erneut Abfall und Abgase. Nur schon ein bestehendes Material zu verwenden ist somit umweltökonomisch sinnvoll. Gleichzeitig wird der Abfall an Zementsäcken verringert, Arbeitsplätze geschaffen und faire Löhne bezahlt.
      Was wäre denn deiner Meinung nach die optimale Lösung? Nur meckern und selbst nicht denken und handeln ist ziemlich billig.
    • Maragia 17.07.2016 14:50
      Highlight Highlight Sehe ich auch so. Ausserdem scheint auch viel Leder eingearbeitet zu sein (Ich bin zwar Pro Leder, aber keine Ahnung aus was für einer Tierhaltung sein Leder stammt).
      Es werden bestimmt auch Unmengen an Chemikalien benötigt, um die Säcke für den Verkauf fertig zu machen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • vivian 17.07.2016 14:07
    Highlight Highlight Leder ist natur, ergänzt sich in der wiederwerwertung. Passt besser als jeder weichgespühlte plastik. Absolut ok mit dem verstand von liebevoller nutztierhaltung, wertschätzung der rohstoffe und der fairness für die produzierend menschen. Super, gratuliere für das engagement.
    • Taiyou 17.07.2016 15:52
      Highlight Highlight "von liebevoller nutztierhaltung" daran scheitert es jedoch in der Lederproduktion. Leder kommt so gut wie nie aus der Schweiz und ist auch nur in den aller seltensten Fällen Bio.
    • Taiyou 17.07.2016 16:57
      Highlight Highlight Komplett einverstanden. Das realisieren aber die wenigsten weshalb ich dieses schlechte Argument verwendet habe.
  • Grundi72 17.07.2016 14:05
    Highlight Highlight Hässliche Dinger..
  • Taiyou 17.07.2016 13:44
    Highlight Highlight Schade benutzt er Leder zur aufwertung. Das schöne an Freitag ist ja, dass diese robusten Taschen erst nich vegan sind...(Lederalternative die wirklich hält)

    Huxleys Idee wäre noch besser wenn er einfach auf das Leder verzichten würde.
    • Hustler 17.07.2016 13:56
      Highlight Highlight Auf Leder kann man nicht verzichten.
    • Taiyou 17.07.2016 14:31
      Highlight Highlight Doch, kann man sehr wohl. Ich wüsste nicht wo beim direkten Konsum (nicht in der Produktion) Leder "umsverrecke" braucht.
    • SJ_California 17.07.2016 14:41
      Highlight Highlight Lieber Leder als Kunststoff
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